Berufliche Segregation von Männern und Frauen ist ein bis heute anhaltendes Merkmal von westlich-europäischen Gesellschaften. Durch eine geschlechtsspezifische Berufswahl und -ausübung werden soziale Ungleichheiten weiter reproduziert, da Frauenberufe im Gegensatz zu Männerberufen häufig schlechter bezahlt sind und weniger Aufstiegsmöglichkeiten bieten. Geschlechterspezifische Ungleichheiten können dabei anhand von zwei Achsen betrachtet werden: der horizontalen und der vertikalen. Horizontale Ungleichheit beschreibt, dass Männer und Frauen unterschiedliche Karrieren und Berufe wählen. Vertikale Ungleichheit besteht hingegen dann, wenn Männer und Frauen in denselben Berufen und Karrierezweigen unterschiedlich behandelt werden (z.B. in Hinblick auf Lohn oder Prestige). Um mehr Geschlechtergerechtigkeit zu erreichen, ist es also wichtig zu betrachten, wie diese beruflichen Geschlechterunterschiede zustande kommen.
In dieser Arbeit sollen daher die im Seminar besprochenen Theorien zu geschlechterspezifischen Ungleichheiten am Arbeitsmarkt zusammengefasst und um Kritik und Alternativen ergänzt werden. Dabei steht immer die geschlechterspezifische Berufswahl – also die horizontale Ungleichheitsdimension –im Fokus. Es sollen die folgenden Fragen geklärt werden: Wie unterscheidet sich die Berufswahl je nach Geschlecht? Welche Ursachen hat die unterschiedliche Berufswahl von Männern und Frauen? Ein besonderer Fokus liegt dabei darauf, warum so wenig Frauen im MINT-Bereich beschäftigt sind. Im ersten Kapitel 2.1 wird daher die aktuelle berufliche Geschlechtersegregation am Arbeitsmarkt mit Fokus auf MINT-Berufe betrachtet. Anschließend in Kapitel 2.2 sollen die Ursachen der beruflichen Segregation nach Geschlecht anhand der im Seminar besprochenen Theorien (Humankapital, Sozialisations-, Präferenz- und Diskriminierungstheorie) beleuchtet werden. In Kapitel 2.3 wird nochmals besonders der MINT-Bereich in den Blick genommen und die zuvor besprochenen Theorien werden in diesem Kontext in Kapitel 2.4 angewendet sowie mit aktuellen Studien validiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschlechterspezifische Ungleichheiten am Arbeitsmarkt. Ursachen geschlechterspezifische Berufswahl am Beispiel von Frauen in MINT-Berufen.
2.1 Aktuelle Situation am Arbeitsmarkt und berufliche Geschlechtersegregation
2.2 Überblick über Theorien zu geschlechterspezifischen Ungleichheiten am Arbeitsmarkt
2.2.1 Angebotsseitige Theorien: Humankapital-, Sozialisations- & Präferenz-Theorie
2.2.2 Nachfrageseitige Theorie: Diskriminierungstheorie
2.3 Angewandte Theorie: Geschlechterspezifische Berufswahl am Beispiel von Frauen in MINT-Berufen
2.3.1 Angewandte Humankapitaltheorie
2.3.2 Angewandte Sozialisationstheorie
2.3.3 Angewandte Präferenztheorie
2.3.4 Angewandte Diskriminierungstheorie
2.3.5 Aktuelle Studien zu den Ursachen der beruflichen Geschlechtersegregation
3 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Ursachen der beruflichen Geschlechtersegregation, mit einem besonderen Fokus auf die Unterrepräsentation von Frauen in MINT-Berufen. Ziel ist es, durch die Zusammenfassung und kritische Beleuchtung ökonomischer und sozialisationstheoretischer Ansätze ein tieferes Verständnis dafür zu entwickeln, wie und warum diese geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Berufswahl entstehen und reproduziert werden.
- Aktuelle Situation der beruflichen Geschlechtersegregation.
- Wissenschaftliche Theorien zur Erklärung geschlechtsspezifischer Berufswahl.
- Die spezifische Rolle der Sozialisation und Familie bei der Berufswahl.
- Auswirkungen von Arbeitgeberverhalten und Diskriminierungsmechanismen.
- Validierung theoretischer Ansätze durch aktuelle Studien zu MINT-Berufen.
Auszug aus dem Buch
2.2.2 Nachfrageseitige Theorie: Diskriminierungstheorie
Mögliche Erklärungen für die geschlechterspezifischen Ungleichheiten am Arbeitsmarkt können aber nicht nur auf der Angebotsseite gefunden werden. Auch die Arbeitsgeber*innen und Institutionen können zur beruflichen Geschlechtersegregation beitragen. Hierfür liefert unter anderem die Diskriminierungstheorie einen Erklärungsansatz.
Bei dieser Theorie wird davon ausgegangen, dass persönliche Merkmale der Arbeitnehmer*innen wie Geschlecht, Ethnizität und race einen positiven oder negativen Wert auf dem Arbeitsmarkt zugewiesen bekommen. Diese Wertzuweisung erfolgt dabei unabhängig von der realen Produktivität, sondern auf Basis von gesellschaftlichen Vorurteilen. (vgl. Arrow 1973, 3) Die Basis der Diskriminierungstheorie stellen neoklassische Überlegungen zu Nutzen und Profitmaximierung dar. (vgl. Arrow 1973, 4) Es wird weiter angenommen, dass die bewerteten persönlichen Charakteristika einen Einfluss auf Nutzen und Profit des Unternehmens haben. Diskriminierung kann dabei nicht nur von den Arbeitgeber*innen, sondern auch von den Kolleg*innen ausgehen. (vgl. Arrow 1973, 6) Auch, wenn Arrow seine Theorie anhand von Beispielen von Schwarzen und Weißen Arbeitern zeigt, sagt er explizit, dass sie sich auch auf das Merkmal Geschlecht anwenden lässt (vgl. Arrow 1973, 4)
Zudem werden die Arbeitsbedingungen in den Blick genommen. Da Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten und zusätzlich oft der familiären Reproduktionsarbeit nachgehen, sind familienfreundliche Arbeitsbedingungen wie beispielsweise Teilzeitmodelle und Elternzeit für sie wichtiger. Diese sind aber besonders in männerdominierten Bereichen häufig nicht gegeben. Somit kann die berufliche Geschlechtersegregation auf das diskriminierende Verhalten der Arbeitgeber*innen und ihre Weigerung, familienfreundliche Arbeitsbedingungen herzustellen, zurückgeführt werden. (vgl. Hakim 2006, 280)
Problematisch an dieser Theorie ist aber, dass manche Berufe keine Teilzeitmodelle zulassen und auch die Arbeitgeber*innen daran nichts ändern können. Das trifft beispielsweise auf solche Jobs zu, die eine hohe Mobilität oder Reisebereitschaft erfordern. (vgl. Hakim 2006, 281)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der beruflichen Geschlechtersegregation ein und formuliert das Ziel, die Ursachen für die Unterrepräsentation von Frauen in MINT-Berufen theoretisch und kritisch zu untersuchen.
2. Geschlechterspezifische Ungleichheiten am Arbeitsmarkt. Ursachen geschlechterspezifische Berufswahl am Beispiel von Frauen in MINT-Berufen.: Dieses Kapitel dient als Hauptteil, in dem zunächst die aktuelle Arbeitsmarktsituation beleuchtet und anschließend verschiedene Theorien zur Geschlechtersegregation analysiert und auf den MINT-Bereich angewendet werden.
2.1 Aktuelle Situation am Arbeitsmarkt und berufliche Geschlechtersegregation: Hier wird der Status Quo der horizontalen Geschlechtersegregation in Deutschland und Österreich dargestellt, wobei ein Fokus auf die geringe Beteiligung von Frauen in MINT-Berufen gelegt wird.
2.2 Überblick über Theorien zu geschlechterspezifischen Ungleichheiten am Arbeitsmarkt: Dieses Kapitel gibt einen theoretischen Überblick sowohl über angebotsseitige Ansätze (Humankapital-, Sozialisations- und Präferenztheorie) als auch über nachfrageorientierte Diskriminierungstheorien.
2.2.1 Angebotsseitige Theorien: Humankapital-, Sozialisations- & Präferenz-Theorie: Hier werden drei zentrale Theorien erläutert, die die Ursachen der Berufswahl primär auf der Ebene der Arbeitnehmer*innen verorten, und um kritische Perspektiven ergänzt.
2.2.2 Nachfrageseitige Theorie: Diskriminierungstheorie: Dieser Teil betrachtet, wie Arbeitgeber*innen und institutionelle Rahmenbedingungen durch Vorurteile oder mangelnde familienfreundliche Strukturen zur Geschlechtersegregation beitragen.
2.3 Angewandte Theorie: Geschlechterspezifische Berufswahl am Beispiel von Frauen in MINT-Berufen: In diesem Kapitel werden die zuvor diskutierten Theorien gezielt auf den MINT-Sektor übertragen, um die spezifischen Barrieren für Frauen in diesem Feld zu erklären.
2.3.1 Angewandte Humankapitaltheorie: Anwendung der Humankapitaltheorie, um zu begründen, warum Frauen aufgrund erwarteter Erwerbsunterbrechungen seltener in das zeitintensive Studium technischer bzw. naturwissenschaftlicher Fächer investieren.
2.3.2 Angewandte Sozialisationstheorie: Analyse des Einflusses von Erziehung, Elternvorbildern und schulischen Erfahrungen auf die Ausprägung geschlechtertypischer Interessen und Kompetenzselbsteinschätzungen.
2.3.3 Angewandte Präferenztheorie: Untersuchung, wie unterschiedliche intrinsische Berufswerte von Frauen und Männern zu einer Präferenz für soziale statt technischer Berufe führen.
2.3.4 Angewandte Diskriminierungstheorie: Darstellung, wie geschlechtsbezogene Vorurteile der Arbeitgeber*innen und unflexible Arbeitsstrukturen den Einstieg von Frauen in MINT-Berufe behindern.
2.3.5 Aktuelle Studien zu den Ursachen der beruflichen Geschlechtersegregation: Zusammenfassung empirischer Forschungen, die die Validität der vorgestellten Theorien prüfen und die Bedeutung der Sozialisation unterstreichen.
3 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer intersektionalen Betrachtung, da eine isolierte Theorie nicht ausreicht, um die komplexe Ursachenstruktur der Geschlechtersegregation vollständig zu erklären.
Schlüsselwörter
Geschlechtersegregation, Arbeitsmarkt, MINT-Berufe, Humankapitaltheorie, Sozialisationstheorie, Präferenztheorie, Diskriminierungstheorie, Berufswahl, Geschlechterrollen, soziale Ungleichheit, Arbeitgeberverhalten, familienfreundliche Arbeitsbedingungen, MINT-Fachkräfte, berufliche Bildung, geschlechtsspezifische Präferenzen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Ursachen der geschlechterspezifischen Berufswahl und die daraus resultierende horizontale Segregation am Arbeitsmarkt, insbesondere am Beispiel des MINT-Bereichs.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Erklärung beruflicher Segregation, geschlechtsspezifische Sozialisationsprozesse, Humankapitalinvestitionen, Präferenzunterschiede sowie diskriminierende Mechanismen aufseiten der Arbeitgeber.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, nachzuvollziehen, warum Frauen seltener in MINT-Berufen tätig sind, und dabei die Validität der im Seminar besprochenen Theorien für diesen spezifischen Fall zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse theoretischer Konzepte in Kombination mit der Auswertung aktueller Studien, um die Anwendbarkeit der Theorien zu evaluieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, die Anwendung dieser Theorien auf das Beispiel der MINT-Berufe und eine Validierung durch den Vergleich mit empirischen Studien der letzten zehn Jahre.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlüsselwörter umfassen Geschlechtersegregation, MINT-Berufe, Humankapital-, Sozialisations-, Präferenz- und Diskriminierungstheorie sowie Berufswahl.
Wie beeinflusst die Sozialisation laut den untersuchten Studien die Berufswahl?
Die Studien verdeutlichen, dass die Sozialisationsinstanzen (Familie, Schule) maßgeblich zur Ausbildung geschlechtertypischer Interessen und zur Selbsteinschätzung mathematischer Kompetenzen beitragen, was wiederum die Berufswahl stark beeinflusst.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der theoretischen Erklärungsmodelle?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass keine Theorie allein ausreicht; vielmehr sollten die verschiedenen Ansätze in einer intersektionalen Analyse zusammengedacht werden, da sie stark miteinander verknüpft sind.
- Citation du texte
- Ronja Uhlmann (Auteur), 2023, Geschlechterspezifische Ungleichheiten am Arbeitsmarkt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1397086