Der Anspruch der vorliegenden Arbeit ist es, einen Überblick über die geographische Staffelung der deutschen Namenlandschaft zu geben. Die Charakterisierung der vier Großräume kann diesbezüglich eine grobe Orientierung bieten, wichtiger ist jedoch die Betrachtung bedeutender Grund- und Bestimmungswörter, mit deren Hilfe die Mehrzahl der deutschen Siedlungsnamen gebildet wurden. Für diese Arbeit wurden nur fünf von ihnen ausgewählt. Die Liste ließe sich jedoch noch um eine beträchtliche Anzahl von Bildungstypen erweitern. Dennoch genügt die vorliegende beispielhafte Auswertung der –ing-; –heim-; –leben-; –dorf- und –rod-Namen, um allgemeingültige Aussagen bezüglich der Verbreitung des deutschen Namengutes zu treffen. Im Folgenden sollen vier zentrale Erkenntnisse thesenhaft dargestellt werden:
1. Siedlungsnamen gleichen Bildungstyps treten in der überwiegenden Zahl der Fälle gruppenweise, zusammenliegend auf.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Ortsnamengeographie als Forschungsdisziplin
3. Skizzierung der deutschen Namenlandschaften
4. Typische Grundwörter und Endungen der deutschen Siedlungsnamen und deren geographische Verteilung
4.1 Die Ortsnamen auf –ing-
4.2 Die Ortsnamen auf –heim
4.3 Die Ortsnamen auf –leben
4.4 Die Ortsnamen auf –dorf
4.5 Die Ortsnamen auf -rod
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die geographische Verteilung ausgewählter deutscher Siedlungsnamen, um Regelmäßigkeiten, Zusammenhänge und Besonderheiten in der Namengebung innerhalb Deutschlands aufzudecken. Dabei steht die Analyse prominenter Grundwörter und Endungen im Vordergrund, um Rückschlüsse auf das Alter, die siedlungsgeschichtlichen Hintergründe und den Einfluss der Bodenbeschaffenheit auf die geographische Verbreitung zu ziehen.
- Grundlagen der Ortsnamengeographie als sprachwissenschaftliche Disziplin
- Charakterisierung der deutschen Namenlandschaften und ihrer geographischen Räume
- Analyse der Verbreitungsmuster von Siedlungsnamen auf -ing, -heim, -leben, -dorf und -rod
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Siedlungsalter, Bodenbeschaffenheit und Namengebung
- Diskussion historischer Wanderungsbewegungen und siedlungsgeschichtlicher Entwicklungen
Auszug aus dem Buch
4.3 Die Ortsnamen auf –leben
Das Grundwort –leben hat die Bedeutung „Überbleibsel, Erbhinterlassenschaft“. Es gehört zum gotischen laiba und lässt sich bezüglich der lautlichen Entwicklung, über Zwischenstufen, bis hin zum neuhochdeutschen bleiben nachverfolgen. Ortsnamen die auf –leben gebildet werden, gehören zur Gruppe der Komposita. Zum Grundwort –leben tritt ein Bestimmungswort hinzu. Dies ist in den meisten Fällen ein germanischer Männername im Genitiv. Ein gutes Beispiel dafür ist die Stadt Aschersleben. Dabei handelt es sich um einen zusammengesetzten Ortsnamen mit dem Personennamen Ascger. Man kann also die Bedeutung „von einem Ascger verlassener Ort“ ableiten.41
Siedlungsnamen auf –leben finden sich meist auf fruchtbaren Böden, was für das hohe Alter des Bildungstyps spricht:
Die –leben-Orte sind nach einer Lehre, der bisher kaum widersprochen wurde durch ihre bevorzugte Lage und durch die Tatsache, daß sie meist alte Pfarrkirchen enthalten, als alte Siedlungen ausgewiesen.42
Werfen wir zur Illustration einen erneuten Blick auf die Stadt Aschersleben. Die Stadt im Harzer Vorland ist eine Gründung der Warnen, welche sich im 5. Jahrhundert an dieser Stelle niederließen, um neben den fruchtbaren Böden auch vom günstigen Klima im Regenschatten des Harzes zu profitieren.43 Aschersleben ist ebenfalls typisch, was die geographische Lage betrifft. Es liegt wie zahlreiche andere Siedlungen mit –leben-Namen an der Saale, etwa auf Höhe Magdeburgs. Ebenfalls mit hoher Streuungsdichte tritt der Bildungstyp im ebenen Thüringen auf. Im Thüringer Becken liegen die –leben-Orte bevorzugt an Flüssen. Etwas verstreuter aber dennoch in großer Zahl sind die –leben-Namen im deutschen Binnenland westlich der Elbe und auf den dänischen Inseln zu finden.44 Jenseits der Elb-Saale-Linie fehlt der Bildungstyp. Die wenigen Ausnahmen sind „nicht ursprünglich und frühestens während der hoch und spätmittelalterlichen Ostkolonisation entstanden.“45
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung von Ortsnamen als Geschichtsquelle ein und definiert die Ortsnamengeographie als zentrales Instrument zur Erforschung siedlungsgeschichtlicher Probleme.
2. Die Ortsnamengeographie als Forschungsdisziplin: Das Kapitel bettet die Ortsnamengeographie in die Sprachgeographie ein, klärt terminologische Grundlagen und beleuchtet die historische Entwicklung des Forschungsgebiets.
3. Skizzierung der deutschen Namenlandschaften: Hier werden vier charakteristische Namenräume in Deutschland identifiziert und hinsichtlich ihrer siedlungsgeschichtlichen Merkmale skizziert.
4. Typische Grundwörter und Endungen der deutschen Siedlungsnamen und deren geographische Verteilung: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die geographische Verbreitung, das Alter und die bodenökologischen Bedingungen der Suffixe -ing, -heim, -leben, -dorf und -rod.
5. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass Siedlungsnamen gruppenweise auftreten, von Umweltfaktoren abhängen und als Indikatoren für historisches Alter sowie Wanderungsbewegungen dienen.
Schlüsselwörter
Ortsnamengeographie, Siedlungsnamen, Namenkunde, Sprachgeographie, Namengebung, Siedlungsgeschichte, Onomastik, Grundwörter, Namenslandschaften, Germanen, Ostsiedlung, -ing, -heim, -leben, -dorf, -rod
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der wissenschaftlichen Untersuchung der geographischen Verteilung deutscher Ortsnamen und wie diese Aufschluss über historische und siedlungsgeschichtliche Zusammenhänge geben können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die Ortsnamengeographie als Forschungsdisziplin, die Einteilung deutscher Namenlandschaften sowie die detaillierte Betrachtung spezifischer Grundwörter wie -ing, -heim, -leben, -dorf und -rod.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Regelmäßigkeiten und Besonderheiten in der räumlichen Verbreitung prominenter deutscher Siedlungsnamen aufzudecken und daraus Schlussfolgerungen über deren Alter und die damaligen Lebensbedingungen zu ziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die namengeographische Methode, welche durch statistische Auswertung und kartographische Analyse von Ortsnamen Zusammenhänge zwischen Siedlungsformen und räumlichen Gegebenheiten untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden fünf ausgewählte Bildungstypen (-ing, -heim, -leben, -dorf, -rod) detailliert analysiert, wobei besonders auf ihre geographische Lage, ihr Alter und ihre Abhängigkeit vom Siedlungsraum eingegangen wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den Kernbegriffen zählen Ortsnamengeographie, Siedlungsnamen, Namenslandschaften, Namenkunde, Siedlungsgeschichte sowie die spezifischen Endungen wie -ing, -heim und -leben.
Warum wird die Stadt Aschersleben als Beispiel angeführt?
Aschersleben dient als Fallbeispiel für den Bildungstyp auf -leben, um die typische geographische Lage an Flüssen und die Ansiedlung auf fruchtbarem Boden im Harzer Vorland zu illustrieren.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der -rod-Namen?
Der Autor schlussfolgert, dass -rod-Namen im Vergleich zu anderen Typen deutlich jünger sind, da ihre Entstehung meist mit der notwendigen Rodung von Waldflächen im Hochmittelalter in ungünstigen Lagen verbunden war.
- Quote paper
- Silvio Holland-Moritz (Author), 2008, Die geographische Verteilung der deutschen Ortsnamen , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139746