Konfliktlösungsmöglichkeiten in der Schule am Beispiel der Mediation


Hausarbeit, 2008

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Konflikte
2.1 Definition von Konflikt
2.2 Verlauf von Konflikten
2.3 Konfliktentstehung in der Schule

3. Mediation
3.1 Definition von Mediation
3.2 Geschichte der Mediation
3.3 Mediation in der Schule
3.4 Ablauf einer Mediation

4. Täter-Opfer-Ausgleich
4.1 Beschreibung Täter-Opfer-Ausgleich
4.2 Ziele des Täter-Opfer-Ausgleichs
4.3 Ablauf eines Täter-Opfer-Ausgleichs

5. Unterschiede zwischen Mediation und Täter-Opfer-Ausgleich

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

„Konflikte gibt es wie Sand am Meer“.[1] So beschreibt es Hans-Christian Anschitz zu Beginn in dem Kapitel über „Konflikte und Konfliktbegriffe“. Sie finden in allen Situationen unseres Alltagslebens statt, in der Familie, im Beruf, unter Freunden und auch, oder besonders in den Schulen, da hier eine relativ große Masse von Menschen unterschiedlichen Alters, Geschlechts, sozialer Hintergründe und Einstellungen auf kleinstem Raum zusammen kommt. Da ist es eigentlich ganz normal, dass hin und wieder Streitigkeiten und Konflikte entstehen.

Doch scheint in den letzten Jahren, verstärkt durch die Medien, das Thema „Gewalt an der Schule“ zugenommen zu haben. Diese Gewalt äußert sich in „verbaler (Beleidigungen, Beschimpfungen), physischer (Prügeleien) und psychischer Gewalt“[2] (Erpressung, Mobbing) gegen Schüler und Lehrer sowie durch Gewalt gegen Schuleigentum und Gegenstände. Vorfälle wie die Messerattacke im Mai 2006 in Hamm und die Amokläufe von Erfurt im April 2002 und Emsdetten im November 2006 sind dabei sicher nur die Spitze des Eisbergs, die uns zeigen, welch großes Konfliktpotenzial heute an Schulen herrscht und wie sie im schlimmsten Fall enden können.

Um zu verhindern, dass sich kleine Streitigkeiten zu größeren Konflikten entwickeln, ist es wichtig, das bestehende Konfliktpotential zu erkennen und frühzeitig zu intervenieren.

In den folgenden Kapiteln meiner Arbeit will ich versuchen, zwei solcher Konfliktlösungsmöglichkeiten, die Mediation und den Täter-Opfer-Ausgleich, sowie ihre Einsatzmöglichkeiten an Schulen darzustellen.

2. Konflikte

2.1 Definition von Konflikt

Der Begriff „Konflikt“ stammt ursprünglich von dem lateinischen Wort „(arma) confligere“ ab und bedeutet so viel wie zusammenstoßen, kämpfen und Waffengeklirr.

Heute wird dieser Begriff sehr unterschiedlich verwendet. So treten beispielsweise Konflikte auf, die gleichgültig mit welcher inhaltlichen oder kontextuellen Bestimmung, als Geschlechter-,

Macht-, Interessen- oder als Organisations-, beziehungsweise Institutionskonflikt bezeichnet werden. Immer haben sie aber eine komplexe Form und verweisen auf eine Vielzahl von Konstellationen, was es letztendlich schwierig bis unmöglich macht, für diesen abstrakten Begriff eine einheitliche Definition zu finden.

Kennzeichnend für einen Konflikt ist jedoch, dass mindestens zwei Konfliktparteien aufeinander treffen, die sich mit einem unterschiedlichen Standpunkt gegenüberstehen. Die Meinungen der Parteien über den streitbaren Sachverhalt schließen sich dabei inhaltlich mehr oder weniger aus. Weiter wird der eigene Standpunkt als der Richtige angesehen, dessen Durchsetzung als so wichtig erachtet wird, dass er auch gegen den Widerstand der anderen Partei durchgeführt werden muss.

Allerdings muss ein lautstarker Streit noch kein Konflikt sein, selbst wenn bereits die für einen Konflikt ebenfalls sehr wichtigen Emotionen wie Angst oder Wut vorliegen. Erst wenn die eigene Erregung nicht mehr kontrolliert werden kann und sich die Parteien gegenseitig durch negatives oder feindseliges Verhalten schädigen, kann von einem Konflikt gesprochen werden.

Dieses Verhaltensmuster wird begleitet durch eine fortschreitende Einschränkung der Wahrnehmungs- und Entscheidungsfreiheit. Der renommierte Konfliktforscher Friedrich Glasl beschreibt dies indem er sagt, dass „Konflikte unsere Wahrnehmungsfähigkeit und unser Denken und Vorstellungsleben so sehr beeinträchtigen, dass wir im Laufe der Ereignisse die Dinge in uns und um uns herum nicht mehr richtig sehen. Es ist so, als würde sich unser Auge immer mehr trüben.“[3]

2.2 Verlauf von Konflikten

Friedrich Glasl hat vor dem Hintergrund langjähriger wissenschaftlicher und pädagogisch-praktischer Erfahrungen neun Stufen der Konflikteskalation festgelegt, die in drei Phasen unterteilt sind.

In der ersten Phase haben beide Konfliktparteien noch die Chance als Gewinner aus der Situation zu gehen. Sie wird daher mit „Win-Win“ bezeichnet. Die zweite Phase ist dadurch gekennzeichnet, dass eine Partei gewinnt, während die andere verliert. („Win-Lose“) Und in der dritten Phase hat keiner der Streitenden noch die Möglichkeit zu gewinnen. („Lose-Lose“)[4]

Auf der ersten Stufe (Verhärtung) prallen unterschiedliche Standpunkte aufeinander, was zu Spannungen und einer Verhärtung der Fronten führen kann. Trotzdem ist die Kommunikation zwischen den Konfliktparteien noch möglich, auch wenn sie „zeitweilige Ausrutscher“[5] beinhaltet, was soviel heißt, dass sich die Parteien manchmal im Ton vergreifen, Beleidigungen passieren können und sich der Konflikt von einer Diskussion in eine Auseinandersetzung umwandelt.

In der zweiten Stufe (Debatte) können die Parteien ihren eigenen Standpunkt nicht mehr objektiv betrachten. Es setzt eine Polarisierung ein, die eigene Meinung ist die Richtige und die der anderen Partei die Falsche. Ab der dritten Stufe (Aktionen/Taten) ist laut Glasl eine Kommunikation nicht mehr möglich und die Parteien handeln nach dem Prinzip „der vollendeten Tatsachen“[6] wobei die Empathie für den anderen verloren geht.

In Phase zwei verschärft sich der Konflikt zusehends und nimmt durch Gewalt geprägte Züge an.

Stufe vier (Images/Koalitionen) wird durch das zunehmende „schlecht machen“ des Konfliktpartners gekennzeichnet, man sucht Verbündete und versucht dem Gegner zu schaden.

In Stufe fünf (Gesichtsverlust) beginnt langsam die offene Konfrontation. Es wird mehr und mehr ein Kampf in der Öffentlichkeit, indem versucht wird, die andere Partei bloßzustellen. Stufe sechs (Drohstrategien) beinhaltet schließlich „Drohungen und Gegendrohungen“.[7] Dabei besteht die Problematik der Drohungen darin, dass sie nicht zurückgenommen werden können, da damit ein Gesichtsverlust einhergehen und das einer Niederlage gleichkommen würde. So schaukeln sich die Konfliktparteien immer mehr auf. In dieser Phase ist es den Streitenden nicht mehr möglich, alleine ohne den Eingriff Dritter den Konflikt zu lösen, da die Kommunikation nicht mehr möglich ist. Aber es bleibt dennoch möglich, den Konflikt, wenn auch unter dem Gesichtsverlust mindestens einer der Parteien, zu lösen.

In der sich anschließenden dritten und letzten Phase ist zum einen eine Intervention durch Dritte nicht mehr möglich, zum anderen ist der Konfliktausgang vorprogrammiert. Es wird keinen Gewinner mehr geben, sondern nur noch zwei Verlierer.

Die Stufe sieben (begrenzte Vernichtungsschläge) äußert sich dadurch, dass der „Gegner nicht mehr als Mensch angesehen wird“[8] und man ihm versucht durch kleine Angriffe Schäden zuzufügen. Dabei wird es schon als Gewinn angesehen, wenn der eigene Schaden den man dadurch erfährt, kleiner ist als der des Gegners. Stufe acht (Zersplitterung) kennzeichnet sich in der versuchten Schwächung und Zerstörung des gegnerischen Systems. Wenn bis hierhin keine der beiden Parteien am Ende ist oder freiwillig aufgegeben hat, läuft es auf die totale Konfrontation in Stufe neun (Gemeinsam in den Abgrund) hinaus. Von hier gibt es keinen Weg mehr zurück. Die Parteien bekriegen sich jetzt bis zur Zerstörung beider.

2.3 Konfliktentstehung in der Schule

Konflikte gehören zum Alltag und damit auch zum Schulalltag. Nirgendwo anders als in der Schule treffen Kinder und Jugendliche mit mehr Gleichaltrigen zusammen, mit jeweils unterschiedlichen Interessen und Hintergründen.

Dabei kann es einerseits zu Konflikten im Klassenverband bzw. mit Gleichaltrigen kommen, andererseits treten aber auch immer wieder Probleme mit älteren Schülern aus höheren Klassen auf, die die jüngeren schikanieren.

Gründe für die Entstehung von Konflikten gibt es viele: generelle Antipathie, Rangeleien am Bus oder um das Fußballtor in der Pause, Neid (auf Klamotten, Fahrzeug, Freund oder Freundin, schulische Leistungen), Eifersucht uvm.

Durch verschiedene Verhaltensweisen können diese Konflikte dann ausgelöst bzw. verstärkt werden. Dazu zählen zum Beispiel „Beleidigungen (Streber, Schleimer, fette Kuh, Assi, ...), Beleidigungen im Sexualbereich (Schwuchtel, Hurensohn, Flittchen, ...), sexuelle Belästigungen (anfassen, obszöne Bewegungen, Kommentare über die körperliche Entwicklung,...), Übergriffe an persönliche Sachen (Mäppchen, Rucksack wegnehmen, verstecken, absichtlich verschmutzen, ...), Spott oder falsche Gerüchte.“[9]

Wie man an den Beispielen sehen kann, ist der Weg von der Entstehung bis zur Eskalation in die Gewalt nicht allzu weit. Doch wie bereits oben erwähnt wurde, gibt es in allen Situationen, also auch außerhalb der Schulen Konflikte, die die Schüler zu bewältigen haben. Daher ist es wichtig, die Kinder und Jugendliche in der Schule auf eine gewaltfreie Konfliktlösung vorzubereiten, da leider nicht immer anzunehmen ist, dass dies im Elternhaus durchgeführt wird.

Im weiteren Verlauf werde ich nun Möglichkeiten vorstellen, wie mit Konflikten umgegangen werden kann um zu vermeiden, dass diese in Gewalt enden.

[...]


[1] Hanschitz, R.-C.: Konflikte und Konfliktbegriffe, Wiesbaden, 2004, S.67

[2] Walker, Jamie: Mediation in der Schule, Berlin 2001, S. 9

[3] http://www.friedenspaedagogik.de/service/unterrichtsmaterialien/umgang_mit_konflikten_und_gewalt__1/konflikteskalation_moeglichkeiten_der_behandlung_im_unterricht (14.11.08)

[4] vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Konflikteskalation_nach_Friedrich_Glasl (14.11.08)

[5] http://www.hsfk.de/downloads/Glasl_fertig.PDF S.3 (14.11.08)

[6] http://www.friedenspaedagogik.de/service/unterrichtsmaterialien/umgang_mit_konflikten_und_gewalt__1/konflikteskalation_moeglichkeiten_der_behandlung_im_unterricht (14.11.08)

[7] http://www.friedenspaedagogik.de/index.php?/ift/service/unterrichtsmaterialien/umgang_mit_konflikten_und_gewalt__1/konflikteskalation_moeglichkeiten_der_behandlung_im_unterricht (17.11.08)

[8] http://www.friedenspaedagogik.de/index.php?/ift/service/unterrichtsmaterialien/umgang_mit_konflikten_und_gewalt__1/konflikteskalation_moeglichkeiten_der_behandlung_im_unterricht (17.11.08)

[9] Walker, Jamie: Mediation in der Schule, Berlin 2001, S. 9,10

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Konfliktlösungsmöglichkeiten in der Schule am Beispiel der Mediation
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Bildungswissenschaften)
Veranstaltung
Mediation in der Schule
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V140023
ISBN (eBook)
9783640483655
ISBN (Buch)
9783640483891
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konfliktlösungsmöglichkeiten, Schule, Beispiel, Mediation
Arbeit zitieren
Stephanie von Wendt (Autor), 2008, Konfliktlösungsmöglichkeiten in der Schule am Beispiel der Mediation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140023

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