Der Nahost-Konflikt. Befinden sich Israel und die Palästinenser auf dem Weg zu einer Zwei-Staaten-Lösung?

Eine Analyse


Hausarbeit, 2009
18 Seiten, Note: 3

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Der Nahost-Konflikt
2.1 Geschichte und Hintergründe
2.2 Israel und die Palästinenser

3 Der Nahe Osten 2000 bis heute
3.1 Die zweite Intifada
3.2 Weiterer Verlauf, Konfliktgegenstände und Akteure
3.3 Die Zwei-Staaten-Lösung: Utopie oder Chance?

4 Fazit und Ausblick

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In meiner Seminararbeit mit dem Titel: „Analyse Nahost-Konflikt - Israel und die Palästinenser: Auf dem Weg zu einer Zwei-Staaten-Lösung?“ möchte ich mich mit dem Nahost-Konflikt beschäftigen und diesen am Beispiel der heutigen Situation zwischen Israel und den Palästinensern konkretisieren.

Die zentrale Fragestellung in meiner Seminararbeit lautet:

Ist die Zwei-Staaten-Lösung für den Konflikt im Nahen Osten eine reale Friedenschance oder eine utopische Wunschvorstellung, die nicht realisierbar ist?

Der Nahost-Konflikt besteht seit über 90 Jahren und hat heute nichts von seiner Brisanz eingebüßt. Durch die Operation Gegossenes Blei der israelischen Luftwaffe, welche im Dezember 2008 startete, hat das Thema Nahost-Konflikt wieder weltweite Resonanz erfahren. Die Menschen beider Seiten wünschen sich in den betroffenen Gebieten eine schnelle Lösung, die für Israel und auch für die Palästinenser annehmbar ist. Dass dieses Thema aber auch weltweit von höchster Relevanz ist, zeigen auch die aktuellen Bemühungen des US -Präsidenten Obama, der nun auch einen Schritt nach vorne gegangen ist und eine Zwei-Staaten-Lösung einfordert. Aus diesen Gründen halte ich es für wichtig und angebracht, den Nahost-Konflikt zu behandeln, um so die Chance einer solchen Zwei-Staaten-Lösung abschätzen und bewerten zu können. Dafür ist es zunächst einmal wichtig die Wurzeln und Hintergründe des Konflikts zu benennen. Hier soll der Schwerpunkt auch auf das Verhältnis zwischen Israel und den Palästinensern liegen. Um hier Lösungsansätze herauszuarbeiten ist es natürlich wichtig auf die aktuelle Situation des Konflikts zu schauen und diese retrospektiv zu analysieren. Anschließend sollen die Lösungsansätze kritisch reflexiert und diskutiert werden. Dies soll mit einschlägigen Monografien, Sammelbänden, Lexikas und Aufsätzen in Fachjournals und Zeitschriften geschehen. In der Analyse des Konflikts werden Konfliktgegenstände konzentriert unter die Lupe genommen, Akteure behandelt und schließlich über einen möglichen Frieden mit der Option Zwei-Staatenlösung nachgedacht. Die Ergebnisse sollen mit einem Blick in die Zukunft zusammengefasst werden.

2 Der Nahost-Konflikt

2.1 Geschichte und Hintergründe

Der Ursprung des heutigen Nahost-Konflikts ist bereits im frühen 20. Jahrhundert anzusiedeln. Der Erste Weltkrieg spielt nach der Meinung des Autors Rolf Steininger hier eine nicht unwesentliche Rolle: „Wie die meisten Konflikte des 20. und des begonnenen 21. Jahrhunderts ist auch dieser im weitesten Sinne ein Produkt des Ersten Weltkrieges.“[1] Die wirklichen Ursprünge liegen jedoch wesentlich weiter zurück, sollen hier aber nur kurz behandelt werden, da sie für die aktuelle Situation eher sekundär erscheinen. Schon vor 3000 Jahren festigten die Vorfahren der heutigen Juden ihre Herrschaft über Kanaan. Dies war die Bezeichnung für ein Gebiet zwischen Mittelmeer, arabischer Wüste und dem Libanongebirge um die Stadt Jerusalem. Nach einer abwechslungsreichen Geschichte wurde den Juden im Jahre 135 n. Chr. zur Auswanderung gezwungen und durften Jerusalem nicht mehr betreten. Die nun in aller Welt verstreuten Juden gaben aber die Hoffnung auf eine Rückkehr in das Land nie auf. Die römischen Besatzer, die den letzten Aufstand der Juden niederschlugen, nannten das Gebiet von nun an Palästina. Palästina wurde 638 von den Arabern erobert und es folgte eine Arabisierung, die bis zum Jahre 1918 anhielt.[2] Oft wird die Frage gestellt wer denn nun zuerst in diesem heiligen Land lebte. Vieles wird behauptet in dieser Richtung, doch lange bevor die Begriffe „Israelis“ oder „Palästinenser“ auftauchten, lebten schon Menschen in dem Gebiet, welches heute der Schauplatz für den Konflikt ist. Sicher ist, dass die Sprachen der Konfliktparteien den gleichen Ursprung haben. Entscheidend für den heutigen Konflikt waren aber die Ereignisse kurz vor und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Im Jahre 1896 erschien das Buch " Der Judenstaat" von dem jüdischen Journalist Theodor Herzl. In diesem Werk beschreibt er die Gründe, den Ort und die Art für den Aufbau eines Jüdischen Staates. Herzl ließ seinen Worten Taten folgen und lud ein Jahr nach der Veröffentlichung seines politischen Werkes zu einem zionistischen Kongress nach Basel ein. Zionisten sind Juden, die einen jüdischen Staat in Palästina gründen wollten[3] Doch wie erstand dieser Zionismus? Hier sind insbesondere zwei wesentliche Punkte zu nennen. Zum einen prägte der Antisemitismus in Europa den Zionismus entscheidend. Auf der anderen Seite war der steigende Nationalismus in Europa ein wichtiger Grund für die Forderung der Juden nach einem eigenen Staat. 1894 wurde der jüdische Soldat Dreyfus in Paris der Spionage beschuldigt. Während seiner Verurteilung kam es zu Unruhen die in Antisemitischen Parolen ausarteten. Entsetzt von den Vorkommnissen erkannte Theodor Herzl die Gefahr des Antisemitismus und verfasste daraufhin sein Werk "Der Judenstaat". Ein eigener Staat sollte den Juden die Möglichkeit geben das Problem des Antisemitismus zu lösen und die Existenz des jüdischen Volkes zu sichern.[4] Hezl notierte am 3. September 1897 Gedanken in sein Tagebuch, die bis heute immer wieder zitiert werden:

"In Basel habe ich den Judenstaat gegründet. Wenn ich das heute laut sagte, würde mir ein universelles Gelächter antworten. Vielleicht in fünf Jahren, jedenfalls in fünfzig, wird es jeder einsehen."[5]

Er sollte Recht behalten. 1948 wurde der Staat Israel gegründet. Das Ziel des eigenen Jüdischen Staates sollte mit diplomatischen Beziehungen erreicht werden. So erhoffte man sich die Unterstützung der Großmächte. Jedoch blieben die stur. Dies änderte sich mit dem Ersten Weltkrieg schlagartig. Nun zeigte England ein Interesse an einem Jüdischen Staat. Es war Krieg und England brauchte Verbündete gegen die Deutschen und das Osmanische Reich. Außerdem konnten so die Interessen Englands im Nahen Osten langfristig gesichert werden. So versprach man den Juden 1917 die Unterstützung zu einer Heimstätte in Palästina. Wenige erkannten damals, dass man so den Juden ein Land versprochen hatte, ohne die bereits dort lebenden Arabern nach ihrer Meinung zu fragen. Zum Leitbild der zionistischen Bewegung wurde der Satz „ Für ein Volk ohne Land, ein Land ohne Volk.“ Hier ist zu erwähnen, dass 90 % der Menschen in Palästina im Jahre 1900 Araber waren. Es gab also bereits ein Volk in dem Land.[6] Die jüdische Einwanderung nach Palästina stieg stetig an. Von 1882 bis 1904 waren es ungefähr 30.000 Einwanderer. Nach den 30.000 aus der ersten Welle waren es 1904 bis 1914 bereits 40.000 Menschen. Diese Gruppe war auch für die erste Stadtgründung verantwortlich. Tel Aviv entstand so im Jahre 1909. Die dritte Welle verfolgte das zionistische Gedankenbild einer gemeinsamen Landwirtschaft. Die vierte Welle umfasste ca. 80.000 Menschen und die fünfte dann 1932 bis 1938 schließlich 200.000 Personen. Diese waren überwiegend Flüchtlinge aus Deutschland. Bis Kriegsende gelang es dann noch ungefähr 80.000 Menschen nach Palästina zu kommen. Diese 430.000 Juden trafen nun auf die arabische Bevölkerung in Palästina. Und deren Nationalgefühl erwachte jetzt. Und auch dies war historisch bedingt. Während des Ersten Weltkrieges herrschte ein ständiger Druck auf die Araber, der von den türkischen Besatzern ausging. Die Araber beteiligten sich unter britischer Flagge am Kampf Englands gegen die Türken, auch weil ihnen zugesichert worden war, dass nach Ende des Krieges und nach dem Sieg über die Türken für sie ein eigenständiges Großarabisches Reich in Palästina errichtet werden würde. Diese Hoffnung der Araber sollte jedoch bitter enttäuscht werden. Nach der Zerschlagung des Türkischen Reiches stand der Nahe Osten unter englischer und französischer Herrschaft. Die beiden Großmächte erstickten so die arabischen Freiheitsphantasien im Keim. Die Region wurde also aufgeteilt und der Konflikt wie wir ihn noch heute kennen wurde erschaffen. Durch die Doppelmoral, die insbesondere von den Briten kam, wurden sowohl den Juden als auch den Arabern Versprechen gegeben, die nicht erfüllt wurden. Nach dem Ersten Weltkrieg lebten die Menschen in Palästina unter britischem Mandat, Libanon und Syrien waren in französischer Hand.[7] Durch die andauernde jüdische Zuwanderung fühlten sich die Araber bedroht. Man fürchtete um seine Existenz und um die nationalen Interessen. Daraus resultierten erste Aufstände gegen die zionistischen Siedlungen und später auch gegen die britischen Einrichtungen im Gebiet. Da man sich in England vor einer weiteren Eskalation fürchtete, wurde die Einwanderung der Juden nach Palästina 1939 trotz der antisemitischen Verfolgung in Deutschland auf ein Minimum eingeschränkt. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr die Menschheit von den Taten der Nazis. Die jüdischen Überlebenden der Verbrechen suchten eine neue Heimat. Doch auch jetzt verweigerte ihnen die britische Führung die Einwanderung nach Palästina. Denn dort spitzte sich der Konflikt weiter zu. Da sich nun auch die Angriffe auf die britischen Einrichtungen häuften, bat England die Vereinten Nationen 1947 um Hilfe. Es wurde ein Sonderausschuss eingesetzt, der sich mit dem Problem befassen sollte. Dieser beschloss, das britische Mandat zu beenden.[8] Man einigte sich auf einen Teilungsplan, der einen arabischen und einen jüdischen Staat in Palästina vorsah. Die Juden in der ganzen Welt begrüßten diesen Plan. Die Araber lehnten ihn ab und wiesen darauf hin, dass er gegen die UN-Charta verstoße. In Artikel I ist das Gleichheitsrecht und das Selbstbestimmungsrecht der Völker festgelegt. Die Juden, die nur 31 % der Bevölkerung stellten, sollten 56,47 % des Landes erhalten, obwohl ihnen nur 5 % des Bodens gehörte. So herrschten 1948 in Palästina ständig bürgerkriegsähnliche Zustände. Schließlich verkündete am Tag vor dem Abzug der britischen Truppen Ministerpräsident Ben Gurion die Gründung Israels. Wenige Stunden später wurde Israel von den USA und der Sowjetunion anerkannt. Einen Tag später erklärten Ägypten, Transjordanien, Syrien, Irak und der Libanon Israel den Krieg.[9] In diesem ersten Unabhängigkeitskrieg ging es um die Existenz des jungen Staates und mit der Unterstützung der USA gelang es Israel den Krieg innerhalb eines Jahres zu gewinnen. Die Chancen für die Ausrufung eines palästinensischen Staates waren hinfällig geworden. Es folge ein Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern, der bis heute anhält.

[...]


[1] Vgl. Steininger, Rolf: Der Nahostkonflikt. 5. Auflage, Frankfurt am Main 2009, S. 2.

[2] Vgl. Böhme, Jörg/Kriener, Tobias/Sterzing, Christian: Kleine Geschichte des israelisch-palästinensischen Konfliktes. Schwalbach 2005, S. 10.

[3] Vgl. Flug, Noha/Schäuble, Martin: Die Geschichte der Israelis und Palästinenser. München 2007, S. 13-14.

[4] Vgl. Steininger, Rolf: Der Nahostkonflikt. 5. Auflage, Frankfurt am Main 2009, S. 3-8.

[5] Steininger, Rolf ebd.

[6] Vgl. Böhme, Jörg/Kriener, Tobias/Sterzing, Christian: Kleine Geschichte des israelisch- palästinensischen Konfliktes. Schwalbach 2005, S. 13.

[7] Vgl.:Tophoven, Rolf: Die Geschichte des jüdischen Staates, in: Informationen zur politischen Bildung, 247/1995, S. 3 ff.

[8] Vgl. Timm, Agelika: Von der zionistischen Vision zum jüdischen Staat, in: Informationen zur politischen Bildung, 278/2003, S. 8, 9.

[9] Vgl. Böhme, Jörg/Kriener, Tobias/Sterzing, Christian: Kleine Geschichte des israelisch-palästinensischen Konfliktes. Schwalbach 2005, S. 29.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der Nahost-Konflikt. Befinden sich Israel und die Palästinenser auf dem Weg zu einer Zwei-Staaten-Lösung?
Untertitel
Eine Analyse
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Friedens und Konfliktforschung
Note
3
Autor
Jahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V140223
ISBN (eBook)
9783640502257
ISBN (Buch)
9783640502011
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analyse, Nahost-Konflikt, Israel, Palästinenser, Zwei-Staaten-Lösung
Arbeit zitieren
Florian Schaffer (Autor), 2009, Der Nahost-Konflikt. Befinden sich Israel und die Palästinenser auf dem Weg zu einer Zwei-Staaten-Lösung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140223

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