Die Zeit heilt alle Wunden – aber nicht die tiefsten. Wie Scheidungskinder die Trennung erleben


Seminararbeit, 2006

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition

3. Wie Kinder die Trennung ihrer Eltern erleben
3.1 Altersspezifische Reaktionen und Hintergründe
3.2 Die Trauer des Kindes
3.3 Das Erleben von Verlust

4. Langfristige Folgen

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

1. Einleitung

In meiner Seminararbeit möchte ich mich lediglich mit den Problemen der Scheidungskinder befassen, obwohl die Eltern sicherlich auch unter einer Trennung leiden. Allerdings stehen meistens die Bedürfnisse der Eltern während einer Scheidung im Vordergrund und somit werden die der Kinder und ihre Gefühle oftmals, wenn auch nicht bewusst, unterdrückt und bleiben unbeachtet.

Die Trennung der Eltern ist für Kinder ein gewaltiger Schicksalsschlag und für sie bricht eine Welt zusammen, ganz egal wie alt das Kind ist. Die häufigste Antwort auf die Frage, was Scheidungskinder sich wünschen ist, dass ihre Eltern wieder zusammen kommen. Dieser Wunsch ist egoistisch und unabhängig von den Bedürfnissen ihrer Eltern. Kinder drücken durch diesen Wunsch ihr Unverständnis (bzw. nicht wahr haben wollen) und ihre Angst aus.[1] Eine Scheidung der Eltern ist für das Kind sehr ungerecht, da es verlassen wird, weil eine andere (!) Beziehung nicht standhält. Dadurch stellen sich Trennungskinder immer wieder die Frage nach dem Grund. Dieser Teufelskreis der Gedanken über ihre eigene Persönlichkeit führt oft zu Selbstzweifel.[2] Allerdings sind dies nicht die einzigen Folgen, oft leiden diese Kinder unter Angst, Trauer, Verlustgefühlen, Sehnsüchten, Loyalitätskonflikten etc. Je nach Alter kommen die Empfindungen unterschiedlich stark in ihrem Verhalten zum Ausdruck. Ihre seelische Not äußert sich häufig in Aggressionen und Depressionen.

Kinder müssen somit durch ein riesiges Chaos ihrer Emotionen, wobei es sehr wichtig ist, dass den Kindern zugestanden wird, dass ihren Gefühlen freien Lauf gelassen wird, sie sie zulassen und ausleben, da die Auseinandersetzung mit ihren Gefühlen die Kinder stärken. Außerdem werden die Kinder zusätzlich mit den Gefühlen der Eltern belastet. Daraus resultiert das Verschweigen der eigenen Empfindungen. Das hilflose Kind benötigt nicht nur eine konstante Bezugsperson, sondern auch die Hilfe von nahe stehenden erwachsenen Personen, die das Kind ermutigen, zu ihren Gefühlen zu stehen.[3]

Die prägnanteste Reaktion von Kindern auf eine Trennung seiner Eltern ist, dass sie wütend gegenüber ihren Eltern und der Situation sind. Allerdings können sie diese Wut nicht herauslassen, da ihnen unklar ist, auf wen sie wütend sind, da keiner den Kindern was Böses will. Also kann das Kind nur seine Wut ausdrücken, indem es Partei ergreift. Oft wird die Trauer der Kinder unterdrückt, weil sie keine ausreichende Unterstützung bei ihren Eltern oder nahe stehenden Personen finden. Sie bekommen häufig Aussagen wie „Das ist doch nicht so schlimm, du kannst ja deinen Vater immer sehen, wenn du willst!“, oder „Du wirst sehen, jetzt wird alles besser!“ zu hören.[4]

Eine solche Situation betrifft heutzutage in der Bundesrepublik Deutschland jede dritte Ehe, wodurch immer mehr Kinder einem solchen kritischen Lebensabschnitt ausgestellt sind.

2. Definition

Unter „Scheidung“ verstehen die meisten Menschen eine Ehescheidung. Dies bedeutet, dass der Bund der Ehe vor dem Gesetz aufgelöst wird. Also verbirgt sich hinter dem Wort ,,Scheidung" auch ein juristischer Aspekt:

Gesetz: §1567 Abs. 1 BGB

„Die Ehegatten leben getrennt, wenn zwischen Ihnen keine häusliche Gemeinschaft besteht und ein Ehegatte sie erkennbar nicht herstellen will, weil er die eheliche Lebensgemeinschaft ablehnt. Die häusliche Gemeinschaft besteht auch dann nicht mehr, wenn die Ehegatten innerhalb der ehelichen Wohnung getrennt leben.“[5]

3. Wie Kinder die Trennung ihrer Eltern erleben

Was vielen Menschen in unserer Gesellschaft nicht bewusst ist, oder sie auch gar nicht wissen, ist, dass eine Scheidung für das Kind schmerzhafter ist als der Verlust eines geliebten Familienmitgliedes oder geliebten Mitmenschen durch den Tod. Gründe dafür sind, dass beim Tod eines Mitmenschen die ganze Familie und Umgebung gemeinsam trauert, sich gegenseitig Unterstützung bietet, Verständnis für Mitbetroffene ausübt und -je nach gesellschaftlichen Verhältnissen- ihre Rituale zur Verarbeitung des Verlustes vollbringen. Außerdem ist man als Trennungskind oft alleine und fühlt sich von all seinen Vertrauten verlassen.

Die Scheidung ist „das Produkt jahrelanger Konflikte“, die das Kind ebenfalls mit durchlebt hat. Der psychologische Scheidungspunkt ist für jeden ganz persönlich und individuell verschieden. Für Kinder findet dieser statt, sobald sie über die Scheidung informiert werden, oder der Auszug eines Elternteils vollzogen wird.

Durch die Entscheidung der Eltern, sich zu trennen, verliert das gemeinsame Kind nicht nur eines seiner geliebten Elternteile und Bezugspersonen, sondern auch einen großen Teil des sozialen Umfeldes. Dies ist oft die familiäre Seite des ausgezogenen Elternteils (Opa, Oma, Tante, Onkel, Cousinen, Cousins etc.), da der Kontakt nach gewisser Zeit einfach nachlässt und die sozialen Beziehungen vernachlässigt werden. Dieser Beschluss der Eltern bedeutet für das Kind auch eine räumliche Verändern (zum Beispiel durch einen Umzug), einen Schul- oder Kindergartenwechsel und die Mutter muss eventuell plötzlich arbeiten, weil jetzt kein Mann mehr im Haus ist, der die Familie finanziell versorgt.

Für ein kleines Kind steht die Beziehung zwischen ihm selbst und seiner Mutter, oder zwischen ihm selbst und seinem Vater, im Mittelpunkt. Daher fühlt sich das Kind auch ganz persönlich verlassen, wenn ein Elternteil auszieht.[6] Oft denkt das Kind, dass es nicht brav, fleißig oder liebenswert genug gewesen sei. Dies führt zum Verlust des Selbstwertgefühls. Außerdem stellt sich das Trennungskind die Frage „Wann hört die Liebe zu mir auf?“[7], weil es nun zum ersten Mal die Erfahrung gemacht hat, dass Liebe vergänglich ist.

Konflikte im Elternhaus lösen beim Kind existenzbedrohliche Ängste aus, das heißt beispielsweise, dass es Angst hat, auch gehen zu müssen. Auf Grund dessen tun Scheidungskinder das, was sie meinen, was von ihnen erwartet wird. Dies ist ihre eigene Art Konflikte zu umgehen, ob bewusst oder unbewusst. Allerdings trägt das zur Folge, dass sie ihre angesammelten Aggressionen somit verdrängen und sie diese in anderen Bereichen ausleben.

Bei Kindern steht während der Trennung und auch noch danach die Schuldfrage primär im Vordergrund. Weil sie ihre eigene fantasievolle Vorstellung von der Beziehung ihrer Eltern haben, unterschätzen sie Konflikte, suchen nach Erklärungen und überbewerten ihre eigene Verantwortung. Der Wunsch, nach der Ursprungsfamilie bleibt auch noch sehr lange nach der wirklichen Scheidung beständig.

Ein Versuch der Trennungskinder, ihre Eltern zusammenhalten zu können ist, dass sie sich krank stellen. Somit, denken die Kinder, würden ihre Eltern in dieser „Notsituation“ zusammenhalten, aufgrund der gemeinsamen Sorge um das Wohlbefinden ihres Kindes. Falls solche Versuche nicht anschlagen, führen Kinder das Auseinandergehen ihrer Eltern oft auf ein „Scheitern ihrer Bemühungen“ zurück. Diese dadurch entstehende Hilflosigkeit und Ohnmacht, etwas dagegen unternehmen zu können, führt zur Wut. Diese Wut und Schuldzuweisungen sind abwechselnd auf die beiden Elternteile gerichtet und dienen nur der eigenen Entlastung und sind äußerst subjektiv gesehen.

[...]


[1] Vgl. Andrea Maser, „Vom Vater geschieden, Töchter nach der Trennung“, Dezember 1999, S.33

[2] Vgl. Andrea Maser, „Vom Vater geschieden, Töchter nach der Trennung“, Dezember 1999, S.45

[3] Vgl. Andrea Maser, „Vom Vater geschieden, Töchter nach der Trennung“, Dezember 1999, S.50

[4] Vgl. Andrea Maser, „Vom Vater geschieden, Töchter nach der Trennung“, Dezember 1999, S.53

[5] http://www.familienrecht.damm-pp.de/Trennung.htm#Trennung%20rechtlich

[6] Vgl. Susanne Strobach, „Scheidungskindern helfen“, 2002, S.9

[7] Vgl. Susanne Strobach, „Scheidungskindern helfen“, 2002, S.10

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Zeit heilt alle Wunden – aber nicht die tiefsten. Wie Scheidungskinder die Trennung erleben
Hochschule
Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V140551
ISBN (eBook)
9783640487653
ISBN (Buch)
9783640487769
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Trennung, Scheidung, Scheidungskinder, Trauer
Arbeit zitieren
Karina Müller (Autor:in), 2006, Die Zeit heilt alle Wunden – aber nicht die tiefsten. Wie Scheidungskinder die Trennung erleben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140551

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