Leben und Arbeiten

Manufakturen in Dresden in der frühen Neuzeit


Seminararbeit, 2008

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Der sächsische Beitrag zum technischen Fortschritt in der Manufakturperiode
1.1. Die Eigentumsverhältnisse der Manufakturen
1.1.1. Der sächsische Staat als Manufacturier
1.1.2. Private Einzelpersonen und nichtstaatliche Korporationen als Eigentümer von Manufakturen

2. Die Entwicklung der sächsischen Manufakturen – Standorte, Art und Größe ihrer Produktion
2.1. Die Textilproduktion
2.1.1. Die Wollmanufakturen
2.1.2. Die Seidenmanufakturen
2.2. Die Porzellan-, Fayence- und Glasmanufakturen
2.3. Die Pulvermühle
2.4. Das Kanonenbohrwerk oder »die Kugelfabrik auf dem Sande bey der Residenz«

3. Der Verfall der Manufakturen

Schlussbetrachtung

Quellen- und Literaturangaben

Einleitung

Die Epoche der sächsischen Manufaktur erstreckt sich im Wesentlichen auf die Zeit vom letzten Drittel des 17. Jahrhunderts bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, obgleich es auch schon im Vorfeld Manufakturgründungen gab. Ihre Charakteristik behielt diese Betriebsform jedoch bis ins 19. Jahrhundert hinein. In Sachsen entsprang jener Impuls zur Errichtung der ersten bedeutenden Werkstätten dieser Art aus der ökonomischen Situation des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) heraus, die durch zahlreiche Verfallserscheinungen gekennzeichnet war. Diese traten zum Teil als unmittelbare Kriegsfolgen, jedoch hauptsächlich als Ausdruck tief greifender - wenn auch durch den Krieg maßgeblich beschleunigter - Veränderungen der bisherigen Produktionsweise in Erscheinung.1

Das Augenmerk der vorliegenden Arbeit liegt jedoch in Dresden, der einstigen Residenzstadt Sachsens. Durch ihre reizvolle Lage und Umgebung, ihre gesamte Anlage mit den hervorragenden Barock- und Renaissancebauten galt Dresden schon vor Jahrhunderten als eine der schönsten Städte der Welt und zog nicht zuletzt auch durch das künstlerische, wissenschaftliche wie gesellschaftliche Leben die Menschen von jeher an. Daher besitzt die Stadt eine recht interessante und facettenreiche Geschichte, die von zahlreichen Chronisten, Schriftstellern und Heimatliebhabern in großem Umfang beschrieben, dokumentiert und publiziert wurde. Dagegen schien die Darstellung des Dresdner Handwerkes sowie die Geschichte der Industrie für die Geschichtsschreiber ein wesentlich geringeres Interesse zu besitzen. In seiner Publikation mit dem Ziel die Wurzeln einer später so erfolgreichen Industrie für die nächsten Generationen vor dem Vergessen zu bewahren und ihr einen gebührenden Platz in der Stadtgeschichte einzuräumen, beschreibt Wolfgang Müller die Ursachen folgend: „Spärliche Informationen aus dem Mittelalter und etwas aussagekräftigere aus dem 17. bis 19. Jh., geben uns heute zum Teil ein lückenhaftes, mehr oder weniger inhaltsreiches Bild über die Anfänge der technischen Entwicklung unserer Stadt. Nicht zuletzt hatte daran auch jene Geheimhaltungspflicht schuld, mit der seinerzeit eine Reihe von kurfürstlichen bzw. landesherrlichen oder im Besitz des Militärs befindlichen Produktionsanlagen belegt worden sind. Dresden war trotz vielseitiger Gewerbeansiedlungen nie eine ausgesprochene Industriestadt. [...] Der Beginn einer Dresdner Industrie ist bis auf geringe Ausnahmen nicht innerhalb der damals schützenden Stadtmauern zu suchen. [2] Das hatte verschiedene Gründe. Unter anderem fehlte es hier ja an der seinerzeit einzigen effektiv zur Verfügung stehenden Antriebskraft des Wassers und außerdem waren frühzeitliche Industrieanlagen mit ihrer Feuergefährlichkeit ein viel zu großes Risiko für das eng bebaute, mittelalterliche Häuser- und Gassengewirr. Weitaus bessere Voraussetzungen gab es vor den Toren der Stadt. [...] Urkundlich belegt, sorgte bereits im 14. Jh. die Kraft des Weißeritzflusses in der dünn besiedelten ’Wilsdruffer Vorstadt’ für den mechanischen Antrieb von mindestens 12 Betrieben unterschiedlicher Produktion. Dazu gab er das ganze Jahr über den größten Teil seines Wassers an einen sogenannten ’Werkgraben’ ab. Dieser Mühlbach, oft ebenfalls als Weißeritz bezeichnet, diente mindestens fünf Jahrhunderte lang als wichtigste Energiequelle und war damit das Rückgrat einer beginnenden Dresdner Industrie.“3 Das Gesicht des Weißeritzmühlengrabens und mit ihm das seiner Mühlen wie der anderen wasserabhängigen Bauten veränderte sich im Verlaufe der Jahrhunderte. Oft erhielten jene Gebäude andere Einrichtungen bzw. Aufgaben und einige verschwanden auch, zum Teil durch Kriege oder aus Uneffektivität. Die 1679 erschienene Chronik von Anton Weck (1623-1680) enthält eine Aufzählung von den damals bestehenden, wasserkraftbetriebenen Werken am Weißeritzmühlgraben, aber gibt nur im Einzelfall das Baujahr und die Inbetriebnahme des aufgeführten Werkes wieder. Von den industriellen Vorfahren am Dresdner Weißeritzmühlgraben blieb bis heute leider nichts mehr erhalten, abgesehen von den wenigen versteckten Überresten. Der Mühlbach selbst wurde im Jahre 1937 aus dem Stadtbild verbannt, acht Jahre später folgten dann auch seine ihm einstigen eng verbundenen Gebäude.

Doch sei vorerst zurückgeblickt in die Geschichte mit ihren Zusammenhängen und Ereignissen, die das wirtschaftliche Leben der Stadt Dresden in der frühen Neuzeit nachdrücklich prägten. Grundsätzlich hatte die Bildung von Manufakturen zwei Ursachen: „Erstens war man darin bestrebt, die Herstellung verschiedener Gegenstände mit einheimischen Rohstoffen in großen Maßstäben voranzubringen, und zweitens machte sich zur Erzeugung bestimmter Produkte eine Zusammenarbeit von Handwerkern verschiedener Berufe erforderlich. Zunft- sowie Manufakturproduktion gehörten zwar ein-und derselben technologischen Produktionsverfahren an, unterschieden sich jedoch in der Organisation der Arbeit. Während diese in den Zünften von selbständigen Meistern in verschiedenen Räumen ausgeführt wurde, waren die Arbeiter in den Manufakturen meist nur in einem Raum tätig. Das brachte die günstigen Resultate. [...] Die spezielle technische Basis war jedoch auch in den Manufakturen die Handarbeit, das Handwerk.“4 Die vorliegende Arbeit thematisiert im ersten Teil die Eigentumsverhältnisse der

Manufakturen und schaut zunächst kurz auf den Beitrag, den Sachsen in der Manufakturenperiode zum technischen Fortschritt aufzuweisen hat. Der zweite Teil befasst sich ausführlich mit der Entwicklung der sächsischen Manufakturen, dabei wird ein besonderes Augenmerk auf die Residenzstadt Dresden gelegt. Jedoch werden die vorherrschenden Lebens- und Arbeitbedingungen in den Manufakturen selbst weitgehend außer Acht gelassen, weil jene thematische Auseinandersetzung den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Hingegen liegt der Schwerpunkt auf den Schwierigkeiten, mit denen die bürgerlicher Manufakturgründer oder Pächter zu kämpfen hatten, die nur selten wegen ihrer Fähigkeiten und Kenntnisse oder wegen ihrer Verdienste um die Förderung der Landesproduktion besondere Anerkennung erfuhren und noch viel weniger zu Vermögen gelangten. Im letzten Abschnitt stehen die Ursachen zur Diskussion, die zum Rückgang des Manufakturwesens geführt haben.

1. Der sächsische Beitrag zum technischen Fortschritt in der Manufakturperiode

Als >>Manufakturen<< (lat. manus – Hand, lat. factura – das Machen, die Herstellung) bezeichnet man „...vorindustrielle, bereits arbeitsteilige, jedoch noch überwiegend auf Handarbeit beruhende Produktionsstätten, [...].“5

In seiner Abhandlung über die sächsischen Manufakturen schreibt Rudolf Forberger, dass „... der technische Fortschritt bei seiner Anwendung oftmals auf starke zünftige und feudale Widerstände stieß, so konnte sich auch die geistige Bestätigung, die ihn auslöste, nicht allenthalben und jederzeit frei entfalten. Ein allmählicher Abbau dieser Hemmungen trat im Verlaufe des 18. Jahrhunderts ein und zog in Sachsen eine derartige Fülle neuer naturwissenschaftlicher Erkenntnisse und technischer Erfindungen nach sich, daß es schwer fällt, aus ihr Neuerungen von bleibendem Wert und überörtlicher Bedeutung herauszufinden.“6 Forberger zitiert infolge Carl Gottlieb „Rößig, der sich schon 1787 mit dem sächsischen Anteil am technischen Fortschritt in der Manufakturperiode befaßte, [und ...] darüber in einem >> Wissenschaftliche und Kunstverdienste << betitelten Abschnitt unter anderem [schrieb]: ‚In den Manufakturen und Fabriken hat Sachsen die wichtige Erfindung des Porzelains durch seinen berühmten Bar. v. Böttcher[7]; die weißen Eisenbleche; die blauen Farben; in der Färberey verschiedene neue eigne Farben, in der Porzelainmahlerey desgleichen, ingleichen in dem Bergbau und Maschinenwesen, und in der Buchdruckerkunst, in dem Geschützwesen mehrere wichtige Erfindungen aufzuweisen’[8].“9 Die Aufzählung Rößigs spiegelt auch die ungefähre Bedeutsamkeit bezüglich des Stellenwertes der Erfindungen des Betrachters wider.

1.1. Die Eigentumsverhältnisse der Manufakturen

Die Bemühungen des absolutistischen Staates um die Förderung der Gewerbe in der Manufakturperiode wie auch die unmittelbare Betätigung des Souveräns in industrieller Hinsicht gibt der Slogan >>L’etat, c’est moi<< wider.10

1.1.1. Der sächsische Staat als Manufacturier

Im Jahre 1449 entstanden „...auf Rechnung Kurfürst Friedrichs des Sanftmütigen – in Rochlitz eine Bleiche [...] und 1576 in Dresden eine Pulvermühle [...]. 1644 ging das von Platten in Böhmen nach Oberschlema verlegte Blaufarbenwerk auf den sächsischen Kurprinzen und nachmaligen Kurfürsten Johann Georg II. über [...], und um den Beginn des 18. Jahrhunderts kam es in Glücksburg auf kurfürstliche Kosten zur Gründung einer Glashütte für Flaschen und Fensterscheiben [...]. 1709 erfolgte der Bau einer kurfürstlichen Spiegelhütte in Friedrichsthal bei Senftenberg [...]. 1710 begann in Meißen die Porzellanmanufaktur [...] und ein Jahr später in Dresden die >>Churfürstliche Spiegel- und Poliermühle<< [...] ihre Tätigkeit. Weiterhin fällt in das Jahr 1765 die Errichtung eines Kanonenbohrwerks in Dresden durch den Administrator Xaver [...].“11

Kurfürst August (*1526; †1586) war wie sein Vorgänger und Bruder Moritz (*1521; †1553) darauf bedacht die gewerbliche Initiative des Adels nicht als standesgemäß einzuschränken. Kurfürst August selbst war diesbezüglich sehr rege, was eine Reihe staatlicher bzw. landesherrlicher gewerblicher Unternehmungen in Sachsen zur Folge hatte.12 Auch Angehörige des sächsischen Adels beteiligten sich manufakturähnlichen Betrieben oder Manufakturen, wie beispielsweise Kurfürstin Marie Antonie, die bis 1774 Eigentümerin der im Jahre 1763 in Großenhain gegründeten Kattun- und Leinwanddruckerei war oder Graf Moritz von Sachsen, der im Jahre 1730 um ein Privileg zur Errichtung einer >>Stahl- und Schwefelmanufaktur<< ersuchte. Nach Forberger „[...entsprach jedoch] eine derartige Betätigung des Souveräns und sonstiger Grundherrschaften [...] zu keiner Zeit den Auffassungen, die in der Öffentlichkeit über deren Rolle bei der Förderung der Manufakturen bestanden.“13 Anhand eines Artikels aus dem Jahre 1751, der als Brief in den >>Dreßdnischen Gelehrten Anzeigen<< publiziert wurde - also zu Beginn des höchsten Standes der sächsischen Manufakturwirtschaft - versucht Forberger dies zu belegen:

[...]


1 Vgl. Forberger 1958, S. 297.

2 „Innerhalb der Festungsmauern lagen die 1697 gegründete 'Gagenmanufaktur' des Franzosen Jean Clemend, der 15 bis 20 'Gagenmachergesellen' beschäftigte, und vermutlich die 1725 von Claude Pitras geschaffene 'Fabrique von seidenen Zeugen und Stoffen'.“ Nickel 1998, S. 339.

3 Müller 2005, S. 7; Auslassungen und Einfügung der Fußnote: M.B.

4 Ebd., S. 16 f.; Auslassung: M.B.

5 Stimmel; Eigenwill; Glodschei 1994, S. 269; Auslassung: M.B.

6 Ebd., S. 147; Auslassung: M.B.

7 Johann Friedrich Böttger (1682-1719) von Beruf Alchimist ist zusammen mit Ehrenfried Walther von Tschirnhaus (1651-1708) Erfinder des Europäischen Porzellans.

8 Rößig, C. Gottlob: Die Chursächsische Staatskunde nach ihren ersten Grundsätzen. Leipzig 1787, S. 66.

9 Forberger 1958, S. 147; Auslassung, Einfügung, Umstellung und Hervorhebung: M.B.

10 Vgl. ebd., S. 209.

11 Ebd., S. 209; Auslassungen: M.B.

12 Vgl. ebd., S. 209.

13 Ebd., S. 210; Umstellung: M.B.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Leben und Arbeiten
Untertitel
Manufakturen in Dresden in der frühen Neuzeit
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Leben und Arbeiten
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
20
Katalognummer
V140689
ISBN (eBook)
9783640478415
ISBN (Buch)
9783640478156
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Leben, Arbeiten, Manufakturen, Dresden, Neuzeit
Arbeit zitieren
Magistra Artium Marta Cornelia Broll (Autor), 2008, Leben und Arbeiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140689

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Leben und Arbeiten



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden