Kunsttherapie bei Autismus


Essay, 2008

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung.

2 Hauptteil
2.1 Was ist Autismus?.

3 Ursachen.

4 Therapie.
4.1 Besonderheiten bei Menschen mit Autismus.
4.2 Therapieformen.

5 Auch Pferde können helfen.
5.1 Definition.
5.2 Das Pferd als Medium..
5.3 Erfolge und Beobachtungen.

6 Schluss.

7 Quellenverzeichnis.

1 Einleitung

Das Thema dieser Hausarbeit lautet „Autismus“. Dieses Thema interessiert mich schon seit längerem, da es, meiner Meinung nach, nicht leicht ist, das Verhalten einer autistischen Person nach zu vollziehen. Sowohl in meinem freiwilligen sozialen Jahr als auch in meinem Praxissemester hatte ich mit autistischen Menschen zu tun. Für mich war es eine große Herausforderung mit dieser Behinderung um zu gehen und genau aus diesem Grund fand ich das Thema so spannend.

Leider habe ich nie die Möglichkeit gehabt, mich näher mit dem Krankheitsbild Autismus zu beschäftigen. Auch das derzeitige Seminar an der KFH Freiburg, welches sich mit Autistischen Erkrankungen beschäftigt, kann ich aus organisatorischen Gründen nicht besuchen. Dies habe ich zum Anlass genommen, mich selbst einmal in das Krankheitsbild Autismus hineinzulesen. Im folgendem Hauptteil habe ich mich also mit den Fragen: „Was ist Autismus überhaupt?“, „Wo kommt die Krankheit her?“ und „Welche Therapieformen gibt es?“ beschäftigt. Da ich selbst eine Reiterin bin und später evtl. auch die Ausbildung zur Reittherapeutin machen möchte, bin ich im letzten Teil der Arbeit besonders auf die Aspekte der Heilpädagogischen Reittherapie eingegangen.

2 Hauptteil

2.1 Was ist Autismus?

Im Jahr 1911 bezeichnete der Psychiater Bleuler einen Rückzug in die eigene psychische Welt als „Autismus“. Er ordnete dieses Krankheitsbild in die Gruppe der schizophrenen Störung ein. 1943/1944 beschrieben der Kinderpsychiater Kanner in den USA und der Kinderarzt Asperger in Österreich unabhängig voneinander zwei unterschiedliche Störungsbilder, welche sie jeweils als „autistisch“ bezeichneten. Diese beschriebenen Störungen sind heute als frühkindlicher Autismus (Kanner-Syndrom) und als Asperger-Syndrom bekannt. Die beschriebenen autistischen Menschen bei Kanner und Asperger ziehen sich allerdings nicht auf Grund einer schizophrenen Störung (z.B. auf Grund von Wahnvorstellungen und Halluzinationen) in eine eigene Welt zurück, sondern wegen ihrer gestörten sozialen Interaktion, Kommunikation und ihres eingeschränkten Repertoires von Aktivitäten und Interessen. Trotz dieses großen Unterschiedes zu Bleulers Theorie im Jahr 1911 wurde der Autismus-Begriff beibehalten. Heute spricht man auch von autistischen Spektrumsstörungen bzw. Syndromen, da bei Menschen mit autistischen Störungen oft eine Vielzahl von Einzelsymptomen zu erkennen ist. Die Symptome können sowohl quantitativ, d.h. bezüglich des Schweregrades, als auch qualitativ, d.h. in der Art und Weise der Ausprägung, unterschiedlich ausgeprägt sein. Die autistischen Spektrumsstörungen sind im Wesentlichen durch drei Hauptmerkmale gekennzeichnet:

1 Störung der wechselseitigen sozialen Interaktion, d.h. es liegt eine Beeinträchtigung der zwischenmenschlichen Beziehungen vor.
2 Störung der Kommunikation, d.h. der sprachlichen und nicht sprachlichen Kommunikationsformen wie Gestik und Mimik.
3 Ein deutlich eingeschränktes Repertoire von Aktivitäten und Interessen sowie ein Auftreten stereotyper Verhaltensmuster.

Autistische Störungen werden heute nach der ICD – 10 zu den tief greifenden Entwicklungsstörungen gerechnet. Diese Einordnung geht zunächst von der Beobachtung aus, dass die Entwicklung von autistischen Kindern von Geburt an verzögert ist. Nachuntersuchungen haben schließlich auch gezeigt, dass der Entwicklungsrückstand kaum aufgeholt werden kann. Dies war wohl der Anlass für die Bezeichnung tief greifende Entwicklungsstörung. Bei autistischen Syndromen besteht immer eine Störung der Wahrnehmungs- bzw. Informationsverarbeitung, der heute im Wesentlichen drei theoretische Konzepte zugrunde liegen:

1 Störung der so genannten „Theory of Mind“ bzw. des „Mentalising“:
2 Hierunter wird die Unfähigkeit verstanden, sich in das Erleben, Denken, Fühlen und Verhalten anderer Menschen hineinzuversetzen. Menschen mit Autismus zeichnen sich vielfach durch einen Mangel an Empathie und durch ein gestörtes Verständnis sozialer Situationen aus. Sie können aus diesem Grunde auch den Symbolcharakter bzw. „Hintersinn“ bestimmter Redewendungen, von Ironie bzw. Witzen nur unzureichend verstehen.
3 Störung der „exekutiven Funktionen“:
4 Diese Störung resultiert in einer eingeschränkten Planungsfähigkeit, verminderten Flexibilität und Strukturierungsfähigkeit. Diese Fähigkeiten sind wesentlich im Frontalhirn verankert.
5 Störung der „zentralen Kohärenz“:
6 Hierunter wird eine gestörte ganzheitliche Erfassung von Objekten verstanden, die zum „Haften an Details“ und zu einem eingeschränkten Verständnis des Gesamtzusammenhanges von Situationen führt. Die Störungen der Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitung führen dazu, dass autistische Menschen einen Großteil interner und externer Reize nicht verstehen, insbesondere nicht die sehr komplexen Informationen im affektiven und sozialen Bereich. Sie fühlen sich wie in einer fremden, chaotischen Welt oder wie „auf einem fremden Planeten“.

Wie bereits oben schon erwähnt unterscheidet man auch heute noch (im deutschsprachigen Raum) zwischen drei Diagnosearten des Autismus:

- Frühkindlicher Autismus/Kanner-Syndrom: Dies ist eine tief greifende Entwicklungsstörung, die in den ersten 3. Lebensjahren beginnt. In den meisten Fällen kommt auch eine geistige Behinderung hinzu. Autistische Kinder zeigen schon im frühesten Säuglingsalter Auffälligkeiten wie Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus, Essstörungen, abnormes Schreien, Störungen der Ausscheidungsfunktionen, Übererregbarkeit, usw. Oft lernen diese Kinder das Sprechen nie und wenn sie es doch lernen ist in aller Regel eine deutliche Sprachentwicklungsverzögerung vorhanden.
- Atypischer Autismus: Hierbei tritt die beeinträchtigte Entwicklung erst nach dem 3. Lebensjahr ein. Diese Form von Autismus kommt häufig bei schwer intelligenzgeminderten Kindern vor, bei denen ein spezifisch abweichendes Verhalten wegen ihres insgesamt niedrigen Funktionsniveaus nicht hinreichend differenziert werden kann. Dies sind auch häufig Kinder, welche unter einer umschriebenen Entwicklungsverzögerung der rezeptiven Sprache leiden.
- Asperger-Syndrom: Dieses unterscheidet sich vom frühkindlichen Autismus in erster Linie dadurch, dass oft keine Verzögerung bzw. kein Entwicklungsrückstand in der Sprache oder der kognitiven Entwicklung vorhanden ist. Kinder mit dem Asperger Syndrom lernen oft sehr früh und sehr gewählt sprechen. Weiter sind diese meist normal oder fast normal intelligent. Jedoch ist eine motorische Ungeschicklichkeit und Auffälligkeiten in der sozialen Interaktion festzustellen.

Im englischsprachigen Raum kommt noch eine weitere Form hinzu. Hierbei handelt es sich um den Hochfunktionalen Autismus (High Functioning Autism). Dieser hat die gleiche Symptomatik wie der frühkindlichen Autismus jedoch mit normalem Intelligenzniveau.

3 Ursachen

Lange Zeit dominierte die These zur Psychogenese der autistischen Störungen, zum Teil mit Schuldzuweisung an die Eltern. Heute jedoch weiß man, dass es sich beim Autismus um eine Entwicklungsstörung des Gehirns handelt.

Familien- und Zwillingsuntersuchungen haben gezeigt, dass zur Entstehung autistischer Spektrumsstörungen mehrere Gene bzw. deren Wechselwirkungen beitragen. Diese zeigen eine hohe Variationsbreite in Bezug auf den Schweregrad und Ausdrucksform des Krankheitsbildes. Weiterhin haben Molekulargenetische Untersuchungen ergeben, dass es bestimmte Genorte gibt, welche für die Verursachung des Autismus ausschlaggebend sein können. Es wird angenommen, dass genetische Veränderungen zu einer Entwicklungsstörung des Gehirns führen. Diese Veränderungen finden sich vor allem im Kleinhirn, im Bereich des Frontal- und Temporallappens sowie im limbischen System. Hinzu kommen Hinweise, welche besagen, dass die Verbindungen und die Kommunikation zwischen unterschiedlichen Hirnregionen gestört sind. Schließlich belegen Untersuchungen, dass ein höheres Alter von Mutter und/oder Vater bei der Geburt des Kindes häufiger mit autistischen Spektrumsstörungen assoziiert ist.

4 Therapie

Die Behandlungs- und Interventionsmethoden sind aus der unmittelbaren Erfahrung im Umgang mit autistischen Menschen entstanden und sind an den Zielsymptomen orientiert. Die individuelle Psychotherapie erhält schwerpunktmäßig einen wichtigen Stellenwert und ist darauf ausgerichtet, die Schwierigkeiten autistischer Menschen besser zu verstehen und aufgrund dieses Verständnisses besser mit ihnen umgehen zu können. Dennoch gibt es viele weitere Behandlungsmethoden, welche immer öfters in einem multimodalen Plan zusammengeschlossen bzw. integriert werden. Dabei ist es natürlich wichtig, dass sich die Grundprinzipien der einzelnen Therapien nicht widersprechen. Demgemäß wird zunehmend ein ganzheitliches und umfassendes Vorgehen, also ein sinnvolles Zusammenwirken der verschiedenen Methoden, propagiert. In allen Fällen ist es wichtig, möglichst früh mit der therapeutischen Behandlung zu beginnen, denn nur so sind die Erfolgsaussichten am größten. Allerdings muss festgehalten werden, dass keine Behandlungs- und Fördermethode eine autistische Störung heilen kann, eine entscheidende Besserung herbei zu führen, ist schon viel.

Die Behandlung einer autistischen Störung muss also einen ganzheitlichen Therapie- und Förderansatz verfolgen, welcher die Gesamtentwicklung des Patienten zum Ziel hat. Jedoch ist dies nicht so einfach, denn dabei muss man gleichzeitig bestimmte Symptome, Eigenarten oder Auffälligkeiten gezielt beeinflussen.

Keine Behandlung kann ohne eine sorgfältig durchgeführte Untersuchung erfolgen, denn der Stellenwert von Symptomen oder Verhaltensauffälligkeiten kann bei jedem autistischem Menschen sehr unterschiedlich sein. Symptome haben oft eine ganz individuelle Bedeutung für den einzelnen und können nur in ihrem Stellenwert durch eine sorgfältige Analyse richtig eingeschätzt werden. Es kommt also darauf an, nach einer differenzierten individuellen Diagnostik und unter Einbeziehung des jeweiligen Lebensumfeldes einen Behandlungsplan zu erstellen, in dem jede einzelne Behandlungsmethode ihren Platz hat.

4.1 Besonderheiten bei Menschen mit Autismus

Viele Menschen mit Autismus zeigen die Tendenz sich an ungewöhnlichen, für die Situation nicht relevante Merkmale zu orientieren und die Situation nicht als ganzes zu erfassen, was zu erheblichen Schwierigkeiten führen kann. Da der Zusammenhang so nicht erkannt wird, kann etwas gelerntes nicht wie selbstverständlich auf eine andere Situation übertragen und angewendet werden.

Autistische Menschen haben oft Probleme komplexe Aufforderungen, d.h. Gehörtes in Verbindung mit Gesehenem, zu verarbeiten. Grund hierfür ist die Aufmerksamkeit. Denn die Schwierigkeit bei diesen Personen besteht darin, dass sie ihre Aufmerksamkeit nicht schnell und flexibel wechseln können. Es kann somit zu sehr verzögerten oder sogar ausbleibenden Reaktionen kommen. In diesem Zusammenhang ist auch die hohe Ablenkbarkeit zu nennen, welche mit der sensorischen Überempfindlichkeit zusammenhängt, d.h. es werden viel zu viele Reize wahrgenommen, welche alle die Aufmerksamkeit beanspruchen.

Weiterhin sind Defizite bei der zeitlichen Organisation vorhanden. Betroffene können oft die Abfolge von Ereignissen nicht überblicken und auch die eigene Handlungsorganisation bringt große Schwierigkeiten mit sich. Denn sie tendieren dazu, Informationen eher in ein räumliches als in ein zeitliches Bezugssystem einzuordnen, sie können Informationen nur schwer analysieren und speichern sie daher als eine Ganzheit. Hier liegt meist eine Störung in der Verknüpfung von zeitlichen und räumlichen Bezügen vor. Jedoch gibt es nicht nur zeitliche sondern auch räumliche Orientierungsschwierigkeiten. Autistischen Menschen ist es nicht klar, wo etwas hin gehört, wo man sich selbst befindet oder wo man hin soll. Ursachen hierfür liegen beim Erfassen von Bedeutungen, denn die Umwelt und/oder die Sprache der Mitmenschen sind für den erkrankten Menschen meist nicht eindeutig genug.

4.2 Therapieformen

Im folgenden Teil möchte ich einige Therapieformen vorstellen. Um den Rahmen dieser Hausarbeit nicht zu sprengen, werde ich mich allerdings sehr kurz fassen.

a) Frühförderung

Autistische Kinder sollten frühzeitig entsprechende Fördermaßnahmen erhalten, so dass die Beeinträchtigungen möglichst gering gehalten werden können. Diese Maßnahmen werden entweder von der Autismusambulanz oder von interdisziplinären Frühförderstellen in kinder- und jugendpsychiatrischen Kliniken durchgeführt. Nach ein bis zwei Jahren intensiver vorschulischer Intervention, wurden bei einigen Maßnahmen signifikante Beschleunigungen der Entwicklung, über signifikante Fortschritte in der Sprachentwicklung, verbessertes Sozialverhalten und ein Rückgang der autistischen Symptomatik erzielt. Studien haben gezeigt, dass autistische Kinder am meisten profitieren, wenn die Intervention: - sehr früh beginnt (zwischen zwei und vier Jahren) - wenn sie intensiv genug ist

- wenn die Dauer ausreichend ist (mindestens ein bis zwei Jahre oder mehr)

b) Verhaltenstherapie

Auch in diesem Bereich gibt es eine Vielzahl an Therapiemöglichkeiten, welche bei autistischen Menschen angewandt werden können. All diese Therapieformen zielen darauf ab, störendes Verhalten abzubauen um anschließend erwünschte Verhaltensweisen aufzubauen. à Operante Konditionierung: Diese Verhaltenstherapie bezweckt, ein bestimmtes erwünschtes Verhalten durch angenehme Konsequenzen zu belohnen. Dagegen wird unerwünschtes Verhalten durch negative Sanktionen geahndet.

à Shaping: Dabei geht man prinzipiell so vor, dass stufenweise jene Verhaltensformen verstärkt werden, die eine Annäherung an das gewünschte Endziel darstellen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Kunsttherapie bei Autismus
Hochschule
Katholische Hochschule Freiburg, ehem. Katholische Fachhochschule Freiburg im Breisgau
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
14
Katalognummer
V141657
ISBN (eBook)
9783668208261
ISBN (Buch)
9783668208278
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kunsttherapie, autismus
Arbeit zitieren
Susanne Meidel (Autor:in), 2008, Kunsttherapie bei Autismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141657

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