Einstiegsstunde zur Themeneinheit Gott in der gymnasialen Oberstufe, Vorgehen nach der didaktischen Methode der Elementarisierung.
Inhaltsverzeichnis
I. Didaktisches Bedingungsfeld
I. 1 Allgemeine Analyse der situativen Bedingungen sowie Einschätzung der entwicklungspsychologischen Voraussetzungen der Altersgruppe
I.2 Beschreibung der konkreten Situation: Klassenverhältnis, Stadtmilieu, religiöse Sozialisationsvoraussetzungen, Voreinstellungen zum Thema, Gender- Differenzen, Klassenatmosphäre, Arbeitsklima
II. Unterrichtseinheit
1. Existiert Gott? ~ 1
2. Gottesbeweise ~ 1-2
3. Religionskritik Ludwig Feuerbachs ~ 2
4. Religiös deutbare Phänomene in einer säkularen Gesellschaft ~ 2
5. Gottesbilder ~ 4
6. Formen von Gottesglaube: Theismus, Deismus, Atheismus, Agnostizismus ~ 4
7. Theodizeefrage ~ 8
8. Aussagen von Gott in der Bibel ~ 8
III. Die Unterrichtsstunde
III.1 Anmerkungen
III.2 Elementare Erschließungsperspektiven
III.2.1 Elementare Strukturen
III.2.2 Elementare Erfahrungen
III.2.3 Elementare Zugänge
III.2.4 Elementare Lernformen
III.2.5 Elementare Wahrheiten
III. 3 Unterrichtsziele
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Konzeption einer religionspädagogischen Einstiegsstunde zum Themenkomplex „Gott“ für die Kursstufe, die Jugendliche in ihrer individuellen religiösen Entwicklung abholt und sie durch eine offene Fragestellung zur aktiven Auseinandersetzung mit ihren eigenen Gottesvorstellungen und Zweifeln motiviert.
- Analyse der entwicklungspsychologischen Voraussetzungen und situativen Bedingungen der Lerngruppe.
- Anwendung des didaktischen Modells der Elementarisierung zur Erschließung der Thematik.
- Erstellung eines Verlaufsplans für die gesamte Unterrichtseinheit zum Thema „Gott“.
- Förderung der Gesprächskultur und der individuellen religiösen Autonomie der Schüler.
- Reflektion über das Verhältnis zwischen persönlichem Glauben, kirchlicher Tradition und säkularen Weltdeutungen.
Auszug aus dem Buch
I. 1 Allgemeine Analyse der situativen Bedingungen sowie Einschätzung der entwicklungspsychologischen Voraussetzungen der Altersgruppe
Die Schüler der Stufe 12 und 13 haben einen vollen Stundenplan, verbringen viel Zeit in der Schule und müssen neben den gewöhnlichen Hausaufgaben Referate, umfangreiche Lernleistungen oder Projekte bewerkstelligen. Dazu kommt die Fokussierung auf das Abitur und die Beschäftigung mit der Zukunftsfrage. Aus Schülersicht ist es also durchaus nachvollziehbar, dass die zweistündigen Pflichtfächer Ethik oder Religion im Wichtigkeitsempfinden eher Randfächer darstellen, was sich dann auch unter Umständen in dementsprechender Aufmerksamkeit und Mitarbeit äußern kann. Diese Einschätzung wird auch durch Beobachtungen der Entwicklungspsychologie gestützt: In der Adoleszenz Entwicklung wird der Jugendliche selektiver, er richtet sich mehr an seinen eigenen Interessen aus. „Diese Differenzierung richtet sich auf Lehrpersonen und Lerninhalte.“1 Damit einher geht, dass oft versucht wird, sich lern- und arbeitsintensiven Aufgaben zu entziehen (vgl. bei I.2 die Beobachtung der konkreten Lerngruppe hinsichtlich Textarbeit und Hausaufgabe).2
Außerdem zeigt die Erfahrung, dass man nicht annehmen darf, dass durch die Wahlmöglichkeit zwischen Ethik und Religion im Religionsunterricht nur die Schüler sitzen, die ernsthaft an Gott glauben. Manche besuchen eben schon immer den Religionsunterricht und sehen keinen Grund, an dieser Gewohnheit etwas zu ändern, auch wenn sie sich selbst gar nicht als gläubig oder religiös bezeichnen würden. Andere machen die Entscheidung Ethik oder Religion weniger von inhaltlichen oder eigenen Standpunkten abhängig als vielmehr von äußeren Aspekten, zum Beispiel davon, wo die beste Freundin hingeht oder ob man den Religionslehrer sympathischer findet als den Ethiklehrer. Denn typisch für die Entwicklung in der Adoleszenz ist eine verstärkte Orientierung an der Altersgruppe, außerdem die Erfahrung, dass Lernmotivation zu einem großen Teil von der Lehrerperson abhängig ist.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Didaktisches Bedingungsfeld: Analyse der soziologischen und entwicklungspsychologischen Voraussetzungen der Schüler sowie deren spezifischer Einstellung zur Religion.
II. Unterrichtseinheit: Darstellung eines groben Rasters für eine 30-stündige Unterrichtseinheit, die verschiedene Aspekte der Gottesfrage systematisch erschließt.
III. Die Unterrichtsstunde: Didaktische Begründung der spezifischen Einstiegsstunde unter Anwendung der Prinzipien der Elementarisierung und Definition der Lernziele.
Schlüsselwörter
Religionsunterricht, Gottesfrage, Elementarisierung, Adoleszenz, Glaubensentwicklung, Gottesbilder, Theodizee, religiöse Autonomie, Kursstufe, Schülereinstellungen, Lernmotivation, Gottesbeweise, religiöse Sozialisation, Sinnkonstruktion, Unterrichtsentwurf.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der didaktischen Planung einer Einstiegsstunde zum Themenkomplex „Gott“ für die gymnasiale Kursstufe, eingebettet in eine langfristige Unterrichtseinheit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Gottesbeweise, die Religionskritik von Feuerbach, Phänomene in der säkularen Gesellschaft, unterschiedliche Formen von Gottesglaube (Theismus, Deismus, Atheismus), die Theodizeefrage sowie biblische Aussagen über Gott.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, Schüler durch eine offene und provozierende Einstiegsfrage dazu zu bringen, ihre eigenen Standpunkte, Zweifel und Fragen zum Thema Gott zu artikulieren und somit eine Basis für einen motivierten Lernprozess zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich primär auf das didaktische Modell der Elementarisierung, um Lerninhalte für die Lebenswelt der Jugendlichen zugänglich und relevant zu machen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Lernvoraussetzungen, den Entwurf einer 30-stündigen Unterrichtssequenz und die detaillierte pädagogische Fundierung der Einstiegsstunde.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Religionsunterricht, Elementarisierung, Gottesfrage, Adoleszenz, religiöse Autonomie, Gottesbilder und pädagogische Didaktik.
Warum wird die Frage „Existiert Gott?“ als Einstieg gewählt?
Die Frage soll als provozierender Impuls dienen, der kein Vorwissen erfordert, die Schüler direkt bei ihren lebensweltlichen Fragen abholt und ihre aktive Teilnahme an der Unterrichtsreihe fördert.
Wie berücksichtigt die Arbeit die heterogene Religiosität der Schüler?
Die Autorin erkennt an, dass sich die Schüler in einem Prozess der Identitätsfindung befinden und sehr unterschiedliche religiöse Sozialisationen mitbringen, weshalb ein wertfreier Raum geschaffen werden soll, in dem jede Meinung Platz findet.
- Arbeit zitieren
- Julia Wiedmann (Autor:in), 2009, Unterrichtsstunde: Existiert Gott?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141881