Corporate Governance spielt eine entscheidende Rolle bei der Schaffung einer verantwortungsvollen, transparenten und nachhaltigen Unternehmensführung. Sie trägt zur Sicherstellung des langfristigen Erfolgs bei und soll Unternehmensskandale vermeiden. Aus diesem Grund untersucht die vorliegende Arbeit die theoretischen Grundlagen der Corporate Governance, indem die Prinzipal-Agenten-Theorie sowie der Stewardship-Ansatz erläutert und gegenübergestellt werden. Diese Erkenntnisse werden anschließend dazu genutzt, die Auswirkungen der beiden Modelle auf die Gestaltung der Corporate Governance zu untersuchen. Im Rahmen einer Analyse und Aufbereitung des Wirecard-Skandals aus dem Jahr 2020 wird ermittelt, in welchem Umfang beide Theorien angewendet wurden und mithilfe welcher Maßnahmen der Skandal hätte verhindert oder zumindest reduziert werden können. Ein Fazit bildet den inhaltlichen Abschluss der Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Hintergrund und Bedeutung der Corporate Governance
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
2. Theoretische Grundlagen zur Corporate Governance
2.1 Prinzipal-Agenten-Theorie
2.2 Stewardship-Ansatz
3. Der Wirecard-Unternehmensskandal
3.1 Ausgangslage und Beschreibung des Skandals
3.2 Anwendung der Theoriegrundlagen der Corporate Governance
3.3 Maßnahmen zur Verhinderung oder Reduzierung des Skandals
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen der Corporate Governance, insbesondere die Prinzipal-Agenten-Theorie und den Stewardship-Ansatz, um deren Einfluss auf die Unternehmensführung zu analysieren. Ziel ist es, den Wirecard-Skandal mithilfe dieser Modelle aufzuarbeiten und Maßnahmen aufzuzeigen, die zur Prävention oder Reduzierung solch gravierender Unternehmensskandale hätten beitragen können.
- Analyse der Prinzipal-Agenten-Theorie und ihrer Risiken (Hidden Characteristics, Action, Intention)
- Gegenüberstellung mit dem Stewardship-Ansatz als alternativem Modell
- Detaillierte Untersuchung des Wirecard-Skandals als Fallbeispiel
- Evaluierung regulatorischer Defizite und Kontrollmechanismen
- Ableitung von Lösungsansätzen zur Stärkung der Corporate Governance
Auszug aus dem Buch
3.1 Ausgangslage und Beschreibung des Skandals
Ein Unternehmensskandal zeichnet sich in der Regel durch Fehlentscheidungen von Managern aus, indem diese bestehende Rechte und/oder ethische Standards verletzen (Kreipl, 2020, S. 30, 33). Als Konsequenz kommt es zu (Image-)Schäden sowohl für das Unternehmen auch auch die betroffenen Stakeholder. So auch beim jüngsten Skandal der FinTech-Firma Wirecard.
Die Wirecard AG wurde 1999 in Aschheim bei München gegründet (Wirecard AG, 2019, S. 4). Das Kerngeschäft des Unternehmens war der Vertrieb von Produkten, die zur Verringerung von Fondsausfällen dienten sowie die Abwicklung von elektronischem Zahlungsverkehr. Kaufte beispielsweise ein Kunde eine Hose im Internet oder bezahlte diese vor Ort mit seiner Kreditkarte, erhielt Wirecard für jede dieser Transaktionen eine Gebühr (Wischmeyer, 2013). Diese fiel umso höher aus, je größer das mit der Zahlungsabwicklung verbundene Risiko war. Die Leistungen von Wirecard fanden dabei im Hintergrund statt und wurden vom Verbraucher nicht wahrgenommen.
Im Jahr 2002 stieg der österreichische Wirtschaftsinformatiker Markus Braun bei Wirecard ein (Wischmeyer, 2013). In seiner Position als größter Anteilseigner und Vorstandsvorsitzender formte er das Unternehmen nach seinen Wünschen. Er galt unter seinen Aktionären als Visionär, der „angeblich wusste wie die Zukunft aussieht“. Durch das ihm anvertraute Geld stieg der Aktienkurs stark an. 2006 wurde die Gesellschaft im Tec-DAX aufgenommen, ehe sie im Jahr 2018 Teil des Deutschen Aktienindex (DAX) wurde und somit zu den 30 wichtigsten börsennotierten Unternehmen Deutschlands zählte. Zu diesem Zeitpunkt erwirtschaftete Wirecard einen Umsatz von rund 2 Mrd. EUR (Wirecard AG, 2019, S. 4).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die wachsende Relevanz von Corporate Governance und führt in die Problematik ausbleibender oder mangelhafter Kontrollsysteme am Beispiel des Wirecard-Skandals ein.
2. Theoretische Grundlagen zur Corporate Governance: Hier werden die Prinzipal-Agenten-Theorie mit ihren Informationsasymmetrien und der Stewardship-Ansatz als gegensätzliche Modelle der Unternehmensführung wissenschaftlich hergeleitet.
3. Der Wirecard-Unternehmensskandal: Dieses Kapitel analysiert den Skandal um die Wirecard AG, wendet die theoretischen Modelle auf das Fehlverhalten der Akteure an und diskutiert notwendige sowie bereits eingeleitete Maßnahmen zur Prävention.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine solide Corporate Governance zwar keine absolute Sicherheit gegen Betrug bietet, aber durch kontinuierliche Überprüfung und transparente Strukturen entscheidend zur Stärkung der Unternehmensintegrität beiträgt.
Schlüsselwörter
Corporate Governance, Wirecard-Skandal, Prinzipal-Agenten-Theorie, Stewardship-Ansatz, Unternehmensführung, Informationsasymmetrie, Moral Hazard, Compliance, Aufsichtsrat, Finanzmarktintegrität, Transparenz, Risikomanagement, Geschäftsführung, Bilanzskandal, Unternehmensüberwachung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit exploriert, wie Corporate-Governance-Systeme durch theoretische Rahmenwerke wie die Prinzipal-Agenten-Theorie analysiert werden können und wie das Versagen dieser Strukturen im Wirecard-Fall exemplarisch zu einem der größten Wirtschaftsskandale in Deutschland führte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Unternehmensführung, der Wirksamkeit von Kontrollorganen (wie dem Aufsichtsrat), der Rolle von Abschlussprüfern sowie Strategien zur Vermeidung von opportunistischem Managerverhalten.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Primäres Ziel ist es, auf Basis der theoretischen Modelle zu verstehen, warum der Wirecard-Skandal trotz existierender Governance-Regeln möglich war, und daraus Erkenntnisse für eine effektivere zukünftige Unternehmenskontrolle abzuleiten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer deskriptiven Aufarbeitung des Wirecard-Skandals, wobei theoretische Ansätze aus der neuen Institutionenökonomik zur Anwendung kommen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Prinzipal-Agenten-Theorie versus Stewardship-Ansatz) und die praktische Anwendung dieser Theorien auf den Niedergang von Wirecard, inklusive der Diskussion regulatorischer Konsequenzen wie dem FISG.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Konzepte sind Corporate Governance, Informationsasymmetrie, opportunistisches Verhalten, der Wirecard-Skandal und präventive Kontrollinstrumente für börsennotierte Unternehmen.
Welche Rolle spielte die Doppelrolle von Markus Braun?
Markus Braun agierte als Vorstandsvorsitzender und zeitgleich als bedeutender Großaktionär. Diese Position verschaffte ihm eine massive Einflussmacht gegenüber dem Aufsichtsrat, was das Kontrollsystem faktisch aushebelte.
Warum konnte der Betrug bei Wirecard so lange unentdeckt bleiben?
Es bestand eine gravierende Informationsasymmetrie. Die mangelnde Professionalität bei der Überwachung, fehlende qualifizierte Prüfungsausschüsse und eine langjährige Prüfer-Mandanten-Beziehung verhinderten, dass fingierte Umsätze und inexistente Bankguthaben rechtzeitig aufgedeckt wurden.
Inwiefern hilft das FISG bei der Vermeidung künftiger Skandale?
Das Finanzmarktintegritätsstärkungsgesetz (FISG) stärkt die Bilanzkontrolle, erhöht die Unabhängigkeit der Abschlussprüfer durch eine verschärfte Prüferrotation und gibt der Aufsichtsbehörde BaFin direktere Eingriffsmöglichkeiten gegenüber Unternehmen.
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- Anonym (Author), 2023, Theorien der Corporate Governance am Beispiel des Wirecard-Skandals, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1421706