Theorien des soziologischen Wandels

Ein Vergleich zwischen Luhman und Habermas


Studienarbeit, 2009

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Abstrakt
1.2. Themenmotivation
1.3. Aufbau der Studienarbeit

2. Hintergrund
2.1. Theorien des soziologischen Wandels
2.2. Systemtheorie

3. Habermas Theorie der Gesellschaft
3.1. Grundlagen und Annahmen
3.2. Wandel in Habermas Theorie

4. Luhmanns Systemtheorie
4.1. Grundlagen und Annahmen
4.2. Wandel in Luhmanns Systemtheorie

5. Kritischer Diskurs

6. Zusammenfassung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ein Kernpunkt der Soziologie ist die Analyse des sozialen Wandels. Verschiedene aktuelle Sozial- und Gesellschaftstheorien versuchen dabei die Ursachen und Wirkungszusammenhänge dieser Veränderungen zu modellieren. Verschiedene Theorien unterscheiden sich dabei signifikant in Methodik und Aussage der Modelle.

Diese Modelle helfen nicht nur aktuelles Geschehen besser zu verstehen (indem sie Wirkungszusammenhänge illustrieren). In vielen Fällen geben sie auch langfristig einen Eindruck, welche Faktoren diesen Wandel verstärken oder abschwächen.

1.1. Abstrakt

Der Ansatz der Studienarbeit im Kontext des sozialen Wandels umfasst die exemplarische Gegenüberstellung von zwei ausgewählten Theorien: Luhmanns Systemtheorie [Luhmann, 1987] und Habermas Theorie [Habermas, 1981] der Gesellschaft. Da beide Theorien auf der klassischen soziologischen Systemtheorie (basierend auf Parsons) aufbauen gibt die Studienarbeit dafür zunächst einen Überblick über verschiedene Theorieansätze des soziologischen Wandels. Um die Zusammenhänge der Systemtheorie besser zu verstehen wird dann die allgemeine und im Speziellen auch die soziologische Systemtheorie vorgestellt.

Ausgehend von dieser Einleitung werden die beiden Theorien von Habermas und Luhmann im Detail dargestellt. Diese Darstellung beinhaltet die Grundlage der Theorien sowie deren Erklärung von soziologischem Wandel. Jener Wandel ist Kernpunkt des darauf folgenden kritischen Diskurses, bei dem die modellhaften Wirkungsweisen gegenübergestellt werden.

1.2. Themenmotivation

Die Theorien des sozialen Wandels sind darauf ausgelegt, Neuerungen und Wandlungsprozesse zu erklären. Als solches verfolgen sie das anspruchsvolle Ziel auch über lange Zeiträume hinweg durch ihre Modellierung präzise, reale Sachverhalte wiederzuspiegeln.

Im Zuge der Modellierung erhebt keine der Theorien den Anspruch allein gültig zu sein. So ist Wandel immer multi-kausal bedingt. Dennoch hilft eine modellhafte Illustration von Wandlungsprozessen, um Ursache und Wirkungsmechanismen zu simplifizieren und infolgedessen besser zu verstehen.

Motivation hinter einem Vergleich zweier moderner soziologischer Theorien des Wandels ist die Analyse der Fähigkeit dieser Modelle anhaltende Wandelsprozesse zu erklären. Die hintergründige Zielfrage der Arbeit ist deshalb ein Vergleich der Modellierung und der konzeptionellen Betrachtung von soziologischen Wandlung, zwischen zwei ausgewählten theoretischen Ansätzen.

1.3. Aufbau der Studienarbeit

Die Arbeit strukturiert sich wie folgt:

Kapitel 2 gibt einen Überblick über die Hintergrundinformationen. Dies bezüglich werden soziale Theorien des Wandels im Allgemeinen vorgestellt. Des weiteren wird ein kurzer, exemplarischer Blick in die Systemtheorie (zunächst allgemein, danach die speziell soziologische Systemtheorie) gegeben.

Kapitel 3 stellt Habermas Theorie der Gesellschaft vor. Dabei wird zunächst auf die formalen Eigenschaften eingegangen. Anschließend wird ein kontextueller Bezug auf Wandelsprozesse genommen.

Kapitel 4 stellt danach Luhmanns Systemtheorie vor und geht dabei analog zu Kapitel 3 vor.

Kapitel 5 beinhaltet einen kritischen Diskurs, in dem die wesentlichen Punkte der beiden Theorien in Bezug auf ihre Fähigkeit, Prozesse des Wandels in der Gesellschaft akkurat zu modellieren, analysiert und gegenüber gestellt werden.

Kapitel 6 fasst die wesentlichen Argumente des kritischen Diskurses zusammen und gibt Anregungen für künftige Forschungsmöglichkeiten.

2. Hintergrund

Die Beschreibung von sozialem Wandel in der Gesellschaft ist einer der wesentlichen Forschungsinhalte der Soziologie, denn jener Wandel steht in einer engen Interdependenz mit den moralischen und ethischen Grundvorstellungen, den Handlungsmöglichkeiten und den Interaktionsformen der Individuen einer Gesellschaft.

Dementsprechend beschreibt die Wandlungstheorie ein Forschungsfeld mit interdisziplinärem Charakter. Dieses reicht von philosophischen Grundüberlegungen bezüglich des Sinns hinter den Interaktionen über psychologische Ansätze zur Handlungsintention bis hin zu naturwissenschaftlichen Modellen aus der VWL und BWL, die anhand von gegebenen Modellannahmen die Handlungsentscheidungen eines Subjekts (bis hin zu ganzen Staaten) zu simulieren versuchen.

In diesem interdisziplinären Spannungsfeld kristallisiert sich seitens der Geisteswissenschaften eine rege Diskussion über die Modellierung von sozialem Wandel heraus. Dabei sind die Ansätze, ihre beschriebenen Wirkungsketten und die Aussagen deutlich disjunkt. Durch die hohe Komplexität der Wechselwirkungen in unserer Umgebung ist eine vollständige Modellierung deshalb ausgeschlossen. Eine Verdeutlichung dieser Grenze der Modellierung gibt die Heisenberg’sche Unschärferelation (Heisenberg, 1930): „ Je genauer wir den Ort eines Teilchens messen, desto weniger wissen wir ü ber seine Geschwindigkeit und umgekehrt (praktisch relevant ist das nur bei sehr, sehr kleinen Teilchen) “.

Innerhalb dieses Kapitels wird deshalb eine Übersicht über die Reichweite gängiger Theorien gegeben. Anschließend wird vertiefend auf die Systemtheorie eingegangen, die den interdisziplinären Charakter deutlich reflektiert. Diese wird erst allgemein und dann spezifisch mit dem Fokus auf die soziologische Systemtheorie vorgestellt.

2.1. Theorien des soziologischen Wandels

Ein wesentlicher Inhalt der Soziologie ist die Beschreibung von Interaktionsformen zwischen den Mitgliedern einer Gesellschaft. Über den zeitlichen Verlauf bleiben diese selten konstant. Ein Beispiel für einen solchen Wandel sind technologische Entwicklungen, die das Verhalten der Gesellschaftsmitglieder nachhaltig beeinflussen. Bezogen auf den konkreten Fall der Kommunikation bieten neue Medien komplett andere Kommunikationsformen, als sie z.B. vor 200 Jahren verfügbar waren. Die Änderungen dieser Interaktion nimmt im Evolutionsprozess einen zentralen Platz ein, denn durch Änderungen verschieben sich soziale Gefüge, Werte und Normen innerhalb einer Gesellschaft.

Um dieser Stellung auch wissenschaftlich gerecht zu werden, beschäftigt sich die Soziologie seit langem intensiv mit der Analyse der Wandlungsprozesse. Dabei unterscheiden sich die verschiedenen Theorien im Wesentlichen in den Aussagen über Ursache-Wirkungsprinzipien und Abläufe des Wandels.

Eine dieser Theorien ist in Etzioni (1975) beschrieben. Etzionis Theorie orientiert sich an einer zielgerichteten Strategie für den Wandel einer Gesellschaft. Dabei sieht er den Staat in der Lage, die Wissensgesellschaft entsprechend zu lenken.

Habermas (1981) folgt dem systemtheoretischen Aufbau bei der die Gesellschaft in Systeme (und Subsysteme) aufgeteilt werden kann, welche einander bedingen und als Resultat von bestehenden Spannungsfeldern Innovationsanreize entstehen. Dabei sind seiner Theorie nach technischer Fortschritt und soziale Lernprozesse die beiden wesentlichen Treiber.

Luhmann (1987) betrachtet in seiner Modellierung ebenfalls einen systemtheoretischen Aufbau, fokussiert sich allerdings auf die Systeme (und weniger auf ihre Subsysteme). Wandel wird als epochal beschrieben, ist geschichtlich trennscharf abgrenzbar und folgt der Entweder/Oder- Logik. Übergänge zwischen den beiden Epochen sind nach Habermas trennscharf und Ereignisse können nur Mitglied einer der beiden sein.

Giddens (1992) stellt den sozialen Wandel als eine vergleichende, offen zu analysierende Veränderung von Strukturprinzipien dar. Auch er benutzt die zeitliche Abgrenzung, allerdings in Form von Episoden, die weiterhin feiner in Episoden von Episoden aufgeteilt werden können. Antrieb für Wandel ist seiner These nach technologische Weiterentwicklung, die er als „neue Praktiken“ konzeptionalisiert.

Die Theorie von Baumann (1995) basiert auf Ethik und Moral der Moderne (ausgehend vom Holocaust). Baumann bezieht sich auf den Zeitraum nach dem zweiten Weltkrieg. Dabei beschreibt er Wandel durch eine Veränderung, die weniger stark modelliert als vielmehr beschrieben wird.

Sein Model hat keine klaren Ursache-Wirkungs-Mechanismen, als vielmehr deskriptive Elemente, die versuchen den aktuellen Wandel möglichst allumfassend zu beschreiben. Nach seinem Modell ist ein genereller Wandel von Monokultur mit wenig Toleranz zu einer Multikultur mit wenigen Aufstiegsmöglichkeiten (durch höhere Konkurrenz und unterschiedliche Ausgangssituationen) zu erkennen.

Esser (2000) argumentiert in seiner Modellierung, dass es prinzipiell keine gleichbleibenden Gesetzmäßigkeiten für Wandlungsprozesse geben kann. Er findet dabei allerdings auch keine eigene Modellbegründung für Wandlungsursprünge. Wandel als solcher kann in der Gesamtheit nach Esser immer erst im Nachhinein verstanden werden. Ein komplexer Wandlungsprozess (unilineare Sequenz) zerlegt sich bei genauer Betrachtung in mehrere Teilschritte, die wiederum eigene Ursache- Wirkungsprinzipien besitzen.

Für die weitere Analyse konzentriert sich die Studienarbeit auf einen Detailvergleich der Theorien von Habermas und Luhmann, da beide ähnliche Grundannahmen (Systemtheorie) treffen, aber unterschiedliche Beschreibung in Ursache und Wirkung einbeziehen.

2.2. Systemtheorie

Die Systemtheorie ist ein interdisziplinäres Erkenntnismodell, welches Systeme zur Beschreibung nutzt. Objekt der Beschreibung kann dabei ein beliebig komplexes Phänomen sein (welches aufgrund des Modellvorgehens Bezug auf verschiedene Forschungsfelder nehmen kann). So kann die Systemtheorie sowohl in kybernetischen Problemstellungen, als auch in klassisch makroökonomischen Forschungsfeldern bis hin zu geisteswissenschaftlichen Anwendungen in der Soziologie und Psychologie verwendet werden.

Die Analyse des Sachverhalts basiert dabei auf der Evaluation von Strukturen und Funktionen, die Aufschluss auf Wirkungsweisen der angenommenen Systeme geben sollen.

Ursprünglich geht der reine Systembegriff auf Johann Heinrich Lambert (Siegwart, 1988) zurück. In der ersten Analyse wurde dieser verwendet, um die Selbsterhaltung von Organismen zu dokumentieren. Eine wesentliche Aussage, die dieser Analyse zugrunde lag, ist die Existenz einer Dynamik innerhalb des Systems. Diese Dynamik kann als erstes Indiz für ein Bewusstsein von Wandlungsprozessen interpretiert werden. So müssen Systeme über die Zeit hinweg nicht zwangsläufig identisch bleiben, sondern können sich (weiter-) entwickeln.

Der Begriff der Systemtheorie (General Systems Theory) stammt ursprünglich von Ludwig von Bertalanffy (Bertalanffy, 1968). Seine ersten Annahmen waren, dass ein System auf individuelle Komponenten hinuntergebrochen und somit individuell analysiert werden kann. Zusätzlich können diese individuellen Komponenten zusammengesetzt werden, um die Gesamtheit des Systems zu beschreiben.

Über die Zeit hinweg wurden weitere Forschungsfelder in das interdisziplinäre Spannungsfeld, welches durch Systemtheorien modellierbar (und folglich auch erklärbar) gemacht wurde, aufgenommen. Heute umfasst der allgemeine Begriff der Systemtheorie verschiedene Disziplinen: Die Biologie, Chemie, Ethnologie, Informatik, Geographie, Literaturwissenschaft, Ingenieurwissenschaften, Mathematik, Pädagogik, Philosophie, Physik, Psychologie, Politikwissenschaften, Soziologie und Wirtschaftswissenschaften.

Dabei bildet die Systemtheorie keine eigenständige Disziplin, weil sie inhaltlich keine spezifischen Fokus hat. Vielmehr bietet sie ein Instrumentarium, um Problemstellungen zu analysieren und auf interdisziplinärer Ebene zu einem kritischen Diskurs zu gelangen.

Die Systemtheorie wird im Kern durch den Begriff des Systems beschrieben. Allerdings ist die detaillierte Definition je nach disziplinärem Fokus voneinander verschieden (teilweise sogar disjunkt). Meistens finden sich aber zumindest die Grundannahmen von Bertalanffy (Bertalanffy, 1968) und (McNeill, Freiberger, 1993, S.22 [bezogen auf mathematische Systeme]) wieder, der ein System als abgrenzbar beschreibt (System versus Umwelt). Inhalt des Systems ist eine Menge von Elementen (Zahlen in der Mathematik, Akteure in den Wirtschaftswissenschaften, natürliche Personen in den Geisteswissenschaften), die im abgrenzbaren Bereich des Systems zusammenwirken. Die Zielrichtung (Funktion, Aufgabe) eines Systems unterscheidet sich hingegen je nach disziplinärer Ausrichtung.

Die soziologische Systemtheorie beschreibt eine Theorie der Soziologie, die mit Hilfe der systemtheoretischen Begriffe Wirkungszusammenhänge modelliert. Dabei besteht bei der soziologischen Systemtheorie der Anspruch eine universelle Theorie für alle Formen der Sozialität (angefangen von zwischenmenschlichen Beziehung wie Zweierbeziehungen und Familien bis hin zu Organisationen, Funktionssystemen und Gesellschaft) darzustellen.

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Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Theorien des soziologischen Wandels
Untertitel
Ein Vergleich zwischen Luhman und Habermas
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
22
Katalognummer
V142211
ISBN (eBook)
9783640510764
ISBN (Buch)
9783640510825
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wandelstheorien, Habermas, Luhmann, Systemtheorie, Sozialer Wandel, Parsons
Arbeit zitieren
Dr. Tobias Fritsch (Autor), 2009, Theorien des soziologischen Wandels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142211

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