Viele Referendare und Referendarinnen beginnen ihren Beruf voller Enthusiasmus. Sie freuen sich mit Kindern arbeiten zu dürfen und ihnen Wissen vermitteln zu können, doch häufig werden sie auf den Boden der Realität zurückgeholt. Die meisten hoffen ein freundschaftliches Verhältnis mit der Klasse aufbauen können und möchten die Schüler
und Schülerinnen vom Unterrichtsstoff begeistern. Wie man aber von vielen Erzählungen und Berichten hört, gelingt dies in den seltensten Fällen nur mit Liebe, Verständnis und Freiheit. Die Kinder brauchen Regeln und Vorbilder, an denen sie sich orientieren. Viele Referendare und Referendarinnen, wie auch Lehrer und Lehrerinnen haben Bedenken, dass
sie bei ihrer Klasse nicht gut ankommen, wenn sie streng sind. Natürlich ist eine autoritäre
Erziehung keine Lösung, da die Schüler und Schülerinnen sich nur anständig benehmen,
weil sie Angst vor Konsequenzen haben aber nicht weil sie einsichtig sind. Die Klasse braucht jedoch eine Lehrkraft die sich durchsetzen kann und konsequent ist und konsequent eine Beeinträchtigung des Unterrichts nicht toleriert. Häufig stecken Lehrkräfte viel Arbeits- und Kraftaufwand in die Vorbereitung der Unterrichtsstunden hinein und
trotz dieser Mühen sind die Resultate meist enttäuschend und demotivierend. Es gibt einige
Handlungen, die den Unterricht unterbrechen können, wie Unkonzentriertheit, Ungenauigkeit, Faulheit, motorische Unruhe, mangelndes Interesse, verbale und physische Aggressionen, mangelndes Selbstvertrauen, Ungehorsamkeit, Kontaktprobleme, unterrichtsfremde Tätigkeiten, Überempfindlichkeit, Clownerien, Wutanfälle, übertriebener Ehrgeiz, Schulangst, psychosomatische Störungen, Beschädigung von
Eigentum anderer Personen oder Gegenständen, starke Abhängigkeit, Depressivität, Druck auf Mitschüler und Mitschülerinnen, unregelmäßiger Schulbesuch, Provokation des Lehrers bzw. der Lehrerin, Stehlen, Alkoholmissbrauch, sexuelle Auffälligkeiten,
Drohungen mit Selbstmord, Drogenmissbrauch, Selbstmordversuche. (vgl. Bach 2002, S.58) Unzufriedenheit, Enttäuschung, Frust und Resignation bei Lehrern und Lehrerinnen können die Folge sein.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Thematische Relevanz und Zielsetzungen
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Theoretischer Teil
2.1 Theoretische Fundierung von Unterrichtsstörungen
2.1.1 Unterschiedliches Verständnis von Unterrichtsstörungen
2.1.2 Der Begriff „Unterrichtsstörung“
2.1.3 Die Schulgeschichte und der heutige Diskussionsstand
2.2 Formen von Unterrichtsstörungen
2.2.1 Durch Schüler verursachte Arten
2.2.1.1 Aktive Unterrichtsstörungen
2.2.1.2 Passive Unterrichtsstörungen
2.2.1.3 Interaktionen zwischen Schülern
2.2.2 Durch Lehrer verursachte Arten
2.2.2.1 Persönlichkeit
2.2.2.2 Unterrichtsgestaltung
2.2.3 Durch das Umfeld verursachte Arten
2.2.3.1 Schulart
2.2.3.2 Gemeindegröße der Schulorte und Wohngebiete der Schüler
2.2.3.3 Schulische Bedingungen
2.3 Gründe von Unterrichtsstörungen
2.3.1 Schülerbezogene Ursachen
2.3.1.1 Der einzelne Schüler
2.3.1.2 Die Zusammensetzung der Klasse
2.3.1.3 Ermittlung von Ursachen durch Lehrer- und Schülerbefragungen
2.3.2 Lehrerbezogene Ursachen
2.3.2.1 Persönlichkeit
2.3.2.2 Unterrichtsgestaltung
2.3.2.3 Ermittlung von Ursachen durch Lehrer- und Schülerbefragungen
2.3.3 Äußere Bedingungen
2.3.3.1 Familie
2.3.3.2 Schule
2.3.3.3 Sozioökonomische Verhältnisse
2.3.3.4 Gesellschaftsstruktur
2.3.3.5 Lehrervariablen
2.4 Handlungsspektrum
2.4.1 Eine Umfrage unter Lehrkräften
2.4.2 Prävention bei Konflikten
2.4.2.1 Jacob Kounins Befunde
2.4.2.2 Regeln und Organisation
2.4.2.3 Breite Aktivierung
2.4.2.4 Unterrichtsfluss
2.4.2.5 Präsenz- und Stoppsignale
2.4.3 Intervention bei Konflikten
2.4.3.1 Lehrerzentrierte Strategien
2.4.3.2 Kooperative Strategien
2.5 Eigenes Verständnis zu Unterrichtsstörungen
3 Praktischer Teil
3.1 Trainingsraummethode
3.1.1 Ursprung
3.1.2 Ziel
3.1.3 Einführung
3.1.4 Verwirklichung des Programms
3.1.5 Umsetzung im Trainingsraum
3.2 Evaluationsergebnisse
3.2.1 Wirksamkeit in der Praxis
3.2.2 Befunde von Umfragen
3.3 Umsetzung in der Schule
3.3.1 Ziele der Dr.Albert-Liebmann-Schule und der Tagesstätte
3.3.2 Methoden der Bekämpfung von Unterrichtsstörungen
3.3.3 Die Realisierung des Trainingsraumprogramms
3.4 Fazit
3.4.1 Kritische Aspekte
3.4.2 Positive Effekte
3.5 Reflexion der Trainingsraummethode
4 Ausblick
4.1 Verbesserung des Lehramtstudiums
Weiterentwicklung von Schulen
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, Ursachen für Unterrichtsstörungen zu identifizieren und effektive Handlungsstrategien für Lehrkräfte zu entwickeln. Im Zentrum steht die Untersuchung, wie ein wertschätzendes Lehrer-Schüler-Verhältnis aufgebaut werden kann und inwiefern die "Trainingsraummethode" als pädagogisches Instrument zur Störungsprävention und Intervention geeignet ist.
- Formen und Erscheinungsbilder von Unterrichtsstörungen
- Ursachenanalyse (schüler-, lehrer- und umweltbezogen)
- Präventions- und Interventionskonzepte im Unterricht
- Praktische Erprobung und Evaluation der Trainingsraummethode
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Der Begriff „Unterrichtsstörung“
In der heutigen Zeit hat der Begriff „Unterrichtsstörung“ an Bedeutung in der Schule gewonnen. Die Unterrichtsstörung stellt die größte Blockade dar, um guten Unterricht zu verwirklichen und respektvolles Verhalten bei den Schülern und Schülerinnen untereinander und gegenüber der Lehrkraft zu erzielen. Konflikte können bis zu 60 Prozent einer Unterrichtsstunde ausmachen, wobei nicht nur die Störungen der Schüler oder der Schülerinnen sondern auch die Reaktionen der Lehrpersonen inbegriffen sind. Die Maßnahmen sind von Lehrer zu Lehrer unterschiedlich und vielfältig. Ab wann von einem störenden Verhalten gesprochen wird ist nicht eindeutig festgelegt, meist hängt es vom subjektiven Befinden ab. (vgl. Bründel, Simon 2007, S.13) Es lassen sich dennoch Kriterien für die Definition von Störungen nennen. Im Folgenden werde ich einige Begriffserklärungen von verschiedenen Autoren wiedergeben.
Winkel (2005)
„Eine Unterrichtsstörung liegt dann vor, wenn der Unterricht gestört ist, d.h. wenn das Lehren und Lernen stockt, aufhört, pervertiert, unerträglich oder inhuman wird.“ (Winkel 1996, S. 31)
Ortner (2000)
„Eine konkrete oder potentielle Unterrichtsstörung umfasst alles, was dazu führt oder führen kann, den Prozess oder die Beziehungsgefüge von Unterrichtssituationen zu unterbrechen. Auf das Verhalten eines Schülers bezieht Stören des Unterrichts alle Aktionen und Reaktionen, mit denen dieser sich bewusst über schulische Normen und Regeln hinwegsetzt. Das Störverhalten richtet sich dabei gegen den Lehrer, die Mitschüler oder gegen den Unterrichtsverlauf.“ (Ortner 2000, S.200)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einführung erläutert die Relevanz der Thematik für den Lehrerberuf und definiert das Ziel der Arbeit, pädagogische Handlungsoptionen bei Unterrichtsstörungen aufzuzeigen.
2 Theoretischer Teil: Dieses Kapitel bietet eine wissenschaftliche Fundierung, indem es Definitionen von Störungen diskutiert, Ursachen analysiert und ein breites Spektrum an Präventions- und Interventionsstrategien vorstellt.
3 Praktischer Teil: Hier wird die "Trainingsraummethode" konkretisiert, ihre Umsetzung in der Schule dokumentiert und ihre Wirksamkeit anhand von Evaluationsergebnissen kritisch reflektiert.
4 Ausblick: Der abschließende Teil richtet den Blick auf notwendige Verbesserungen im Lehramtsstudium und die allgemeine Weiterentwicklung von Schulen zur Optimierung des Lernklimas.
Schlüsselwörter
Unterrichtsstörungen, Lehrer-Schüler-Beziehung, Prävention, Intervention, Trainingsraummethode, Konfliktmanagement, Disziplin, Erziehungsstile, Aggressionsminderung, Klassenmanagement, Schulklima, pädagogisches Handeln.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Phänomenologie, den Ursachen und den pädagogischen Handlungsmöglichkeiten bei Unterrichtsstörungen im schulischen Kontext.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Neben der theoretischen Einordnung von Störungsbegriffen stehen die Analyse von Ursachen und die Vorstellung konkreter Präventions- und Interventionsstrategien im Vordergrund.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lehrkräfte durch methodische Kompetenz und ein professionelles Konfliktmanagement den Unterricht störungsfrei gestalten und die Eigenverantwortung der Schüler stärken können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse kombiniert mit einer Fallstudie zur praktischen Umsetzung und Evaluation der sogenannten "Trainingsraummethode".
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Bereich zur Ursachenforschung und Handlungsspielräumen sowie einen praktischen Bereich, der die Implementierung und Wirksamkeit des Trainingsraumkonzepts in einer Schule darstellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Unterrichtsstörungen, Klassenmanagement, Prävention, Interventionsstrategien, Trainingsraummethode und Lehrer-Schüler-Interaktion.
Was ist die Kernbotschaft der Trainingsraummethode?
Die Methode zielt darauf ab, dass Schüler durch eine klare Struktur und bei Störungen eine Auszeit im Trainingsraum ihr Verhalten reflektieren und einen Plan zur Verhaltensänderung entwickeln, um die Unterrichtsqualität für alle zu sichern.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Prävention und Intervention?
Prävention beschreibt Konzepte zur Störungsvermeidung durch gute Unterrichtsführung, während Intervention Maßnahmen benennt, die bei bereits bestehenden Konflikten zur Problemlösung angewandt werden.
- Quote paper
- Claudia Weber (Author), 2009, Unterrichtsstörungen. Formen, Ursachen, Handlungsperspektiven, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142800