Die Revolution von 1848/49 und die europäischen Juden

Welche Bedeutung hatte die Revolution von 1848/49 für die europäischen Juden?


Seminararbeit, 2009
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Bis zur Gleichstellung - Emanzipation als Entwicklung und nicht als Ereignis

3. Gründe für die Behinderung der Emanzipation

4. Die Gleichstellung als Gesetz
4.1. Die Frankfurter Nationalversammlung
4.2. Die erarbeitete, jedoch nie in kraftgetretene Verfassung

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wir leben in einem Land, in welchem es selbstverständlich geworden ist, dass gesetzlich alle Menschen gleich sind. Dass man sagen und meinen darf, was man für richtig hält und die Meinung der Herrschenden oder anderer Menschen nicht teilen muss. Wir, die Einwohner Deutschlands im Jahr 2009. Im Geschichtsunterricht lernt man, dass dies nicht immer selbstverständlich war. Der Begriff „Emanzipation“ schwingt in vielen Bereichen mit dem Gedanken an eine lange, über Jahrhunderte andauernde Entwicklung mit. Immer waren unterschiedliche Gruppen von Menschen eher oder schneller emanzipiert als andere. Männer vor Frauen. Weiße vor Schwarzen. Christen vor Juden. Nur allzu leicht drängt sich die Vorstellung auf, diese Entwicklung wäre geradlinig. Als würde Gleichberechtigung von allein eintreten, sobald nur genug Zeit vergangen wäre und man wie auf einer Skala schrittweise Besserungen eingetragen hätte. Eine Annahme, die durch die Geschichte widerlegt wird. Kann man denn selbst heute von einer völligen Emanzipation der Frau reden? Lassen sich nicht noch immer Ereignisse finden, die belegen, dass Schwarze beispielsweise strenger bestraft werden als Weiße? Lagen nicht den Juden, deren Volk so oft in der Geschichte Schuld an Geschehnissen erhielt, die sie nicht einmal beeinflussen konnten, auf dem Weg zu ihrer Emanzipation immer wieder Steine im Weg? An ihrem Beispiel ist wohl am deutlichsten zu sehen, dass Emanzipation keine geradlinige Gleichung ist, die nur von einer Zeitvariablen abhängt. Immer wieder kämpften die Juden für ihre Gleichstellung und immer wieder erlitten sie dabei harte Rückschläge.

Die Revolution von 1848 ist dafür eines der markantesten Beispiele. Denn die dort erarbeitete Verfassung sah eine vollkommene rechtliche Gleichstellung der Juden vor. Den Rückschlag erlitt die Emanzipation hier schon allein aufgrund der Tatsache, dass diese Verfassung nie in Kraft trat und in einigen Ländern die Gleichberechtigung zurückgezogen wurde und versagte. Dennoch setzte die besagte Verfassung einen neuen Maßstab und Grundsatz für spätere Verfassungen. Es lässt sich wohl nicht leugnen, dass auch die Verfassung des Deutschen Bundes und somit des später geeinten Reichs von den Regelungen von 1848 beeinflusst waren. Die bürgerliche Revolution in der Mitte des 19. Jahrhunderts war ein einschneidender Punkt, der eine wichtige und oft diskutierte Frage aufwirft, wenn man das Judenthum in seiner Entwicklung betrachtet: Was bedeutete die Revolution von 1848 für die europäischen Juden?

Diese Arbeit soll sich der Klärung dieser Frage widmen und dabei vor allem auf die Emanzipation eingehen und Deutschland näher bezüglich seiner Nationalversammlung und der erarbeiteten Verfassung betrachten. Hier sei bereits erwähnt, dass der Forschungsstand noch lange nicht an seinem Endpunkt angekommen ist. Für die Zukunft steht noch aus, die biographischen Daten von den Charakteren der Paulskirchenversammlung in Monographien zu sammeln, die keinen so großen Namen wie Gabriel Riesser trugen.[1] Auch an einer systematischen Analyse des Antisemitismus in der Paulskirche mangelt es sowie an einer Gesamtdarstellung der dortigen demokratischen Minderheit.[2]

Die Frage nach der Bedeutung ist hier mit Absicht gewählt worden, da dies eigenständige Schlussfolgerungen und Deutungen auf die Entwicklung der Emanzipation und der Juden im Allgemeinen zulässt, ohne einfach nur nackte Ereignisse aufzuzählen und ihre Ergebnisse ohne Wertung zu betrachten.

Um dies zu erfüllen, beschäftigt sich die Arbeit grundlegend mit der Betrachtung der Emanzipation bis und durch die Revolution. Diese Thematik wird im Weiteren noch näher ausgebaut und auch von den negativen Seiten, die sie beeinträchtigten. Dabei sind der Judenanteil und der Antisemitismus in der Frankfurter Nationalversammlung zu beachten, aber auch was durch die Verfassung letztendlich festgeschrieben wurde. Aus den gesammelten Informationen werden anschließend Resultate gezogen, um die hier zugrundeliegende Frage zu beantwortet.

Für diesen Zweck ist vor allem das von Dieter Dowe, Heinz-Gerhard Haupt und Dieter Langewiesche herausgegebene Werk: „Europa 1848 Revolution und Reform“ verwendet worden. Dieses Werk wird auch in anderen Fachbüchern und Zeitschriften immer wieder zitiert und darauf verwiesen. Vor allem der Aufsatz von Reinhard Rürup diente hier zur Informationsfindung, da er sich direkt und ausschließlich mit dem zu behandelnden Thema der Juden beschäftigt.

Um sich in das Thema einzulesen und auch spezifischere Informationen über die Juden in der Revolution von 1848 und Nebeninformationen, die zum genaueren Verständnis der Thematik nötig sind, zu erhalten, sei an dieser Stelle auf die Literaturhinweise des von Heinz Kapp geschriebenen Buches „Revolutionäre jüdischer Herkunft in Europa 1848/49“ verwiesen. Hier findet sich außerdem umfangreiches biographisches Material, um bestimmte Personen in das Geschehen der Revolution richtig und hinterfragt einordnen zu können.

Für weitere Informationen zum Thema und besonders zur jüdischen Geschichte wurde hier „Die Judenfrage – Biographie eines Weltproblems“ von Alex Bein sowie Bücher über die jüdische Geschichte von Amos Funkenstein und Ben-Sasson gebraucht. Um sich diesbezüglich nicht nur einseitig auf deutsche Literatur zu stützen, wurden auch die Werke von Jonathan Sperber „The European Revolutions, 1848 – 1851“ und der Sammelband „Revolution and Evolution 1848 in German-Jewish History“ einbezogen. Aus diesen Werken sind hier keine Zitate zu finden, da die nötigen Informationen im Rahmen dieser Arbeit bereits aus anderer Literatur recherchiert wurden. Sie dienten somit zur Vertiefung und Einordnung des gesammelten Wissens durch Zusatzinformationen.

2. Bis zur Gleichstellung - Emanzipation als Entwicklung und nicht als Ereignis

„In der modernen Geschichte waren die Emanzipation der Juden und die demokratische Bewegung – die Ausweitung der politischen Macht auf das Volk und die Mehrheit – von Anfang an Feinde.“[3] Eine Aussage die sich leicht verstehen lässt. Die Juden waren immer eine Minderheit, die im Mittelalter verantwortlich für die Pest gemacht wurde und bis zu ihrem wirklichen Frieden in Europa bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts warten musste. Auf dem Weg des Judentums kämpften sie selbst oder andere immer wieder für die Gleichstellung und Anerkennung ihres Volkes im religiösen und politischen Sinn. Würde man alle Maßnahmen der Emanzipation hier aufzählen, wäre der Rahmen dieser Arbeit mehr als gesprengt, so wird hier nur erwähnt, was auch als Lösung für die Judenfrage vor der Revolution von 1848 angesehen und angewendet wurde.

Rechtsgleichheit für Juden hatte in Europa vor der Revolution nur in Frankreich, den Niederlanden und Belgien bestanden. Im restlichen Europa war davon aber noch nicht die Rede. Russland hatte bislang auf sämtliche Emanzipationsmaßnahmen verzichtet, die Habsburgermonarchie war bei den Toleranzedikten von Joseph II stehengeblieben, Preußen war in vielerlei Hinsicht mit der neuen Regelung von 1847 wieder hinter den Stand des Judenedikts Hardenbergs von 1812 im Rahmen der Preußischen Reformen zurückgefallen[4] und in England mangelte es noch immer an bestimmten politischen Rechten der jüdischen Oberschicht.[5]

[...]


[1] Vgl. Lambrecht, Lars: ‚Antisemitismus‘ und ‚Demokratie‘ im Frankfurter Parlament, in: Lambrecht, Lars (Hrsg.): Osteuropa in den Revolutionen von 1848, Frankfurt am Main 2006, Seite 133 – 154, hier Seite 150.

[2] Ebenda, hier Seite 143.

[3] Campagner, Elisabeth: Judentum, Nationalitätenprinzip und Identität. Die jüdische Revolutionspresse von 1848, Frankfurt am Main 2004, Seite 184.

[4] Vgl. Östreich, Cornelia: Die Emanzipation der Posener Juden und ihre Auswanderung, in: Lambrecht, Lars (Hrsg.): Osteuropa in den Revolutionen von 1848, Frankfurt am Main 2006, Seite 105 – 132, hier Seite 112.

[5] Vgl. Rürup, Reinhard: Der Fortschritt und seine Grenzen. Die Revolution von 1848 und die europäischen Juden, in: Dowe, Dieter / Haupt, Heinz-Gerhard / Langewiesche, Dieter (Hrsg.): Europa 1848. Revolution und Reform, Bonn 1998, Seite 985 – 1006, hier Seite 987.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Revolution von 1848/49 und die europäischen Juden
Untertitel
Welche Bedeutung hatte die Revolution von 1848/49 für die europäischen Juden?
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Geschichte)
Veranstaltung
Die Revolution von 1848/49
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V142809
ISBN (eBook)
9783640540853
ISBN (Buch)
9783640540624
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Juden, Revolution, 1848, Paulskirche, 19. Jahrhundert
Arbeit zitieren
Jan Seichter (Autor), 2009, Die Revolution von 1848/49 und die europäischen Juden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142809

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