Die Börse ist ein Phänomen, welches bis in das 12. Jahrhundert zurück datiert werden kann. Der Börsenhandel und insbesondere seine Kursbewegungen haben die Menschen immer in Erstaunen versetzt. Obgleich es ein Markt ist wie jeder andere auch, geprägt durch Angebot und Nachfrage und einem direkten Austausch von Gütern, ist der Kursverlauf ein unbestimmbares, nicht planbares Ereignis.
Die Geschichte der Börse ist einerseits durch besonders gewinnreiche Phasen andererseits auch von sogenannten „Crashs“ geprägt. Diese Kursausschläge, -stürze oder –einbrüche zeigen, dass diese nicht aufgrund von zufallsbedingten Fluktuationen auftreten, sondern vielmehr Ausdruck menschlicher Reaktionen auf ganz bestimmte Ereignisse sind.
Die Überlegungen dieser Arbeit richten sich auf Verhaltensweisen und Einstellungen von Menschen am Aktienmarkt. Anhand der Katastrophentheorie soll gezeigt werden, was passiert, wenn zwei „Börsianer“ mit unterschiedlichen Einstellungen aufeinander treffen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Börse und Börsentechniken
3. Die Katastrophentheorie am Beispiel der Börse
4. Resümee und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Phänomen des Börsengeschehens unter Anwendung der Katastrophentheorie, um das Verhalten von Marktakteuren bei plötzlichen Marktschwankungen zu erklären und das Zusammenspiel zwischen Fundamentalisten und Chartisten zu analysieren.
- Grundlagen der Börse und gängige Bewertungsmethoden
- Einführung in die Katastrophentheorie und ihre nicht-linearen dynamischen Systeme
- Die Spitzenkatastrophe als Modell für Evolutionsprozesse
- Analyse des Interaktionsverhaltens von Fundamentalisten und Chartisten
- Diskussion von Börsencrashs und irrationalem Marktverhalten
Auszug aus dem Buch
Die Katastrophentheorie am Beispiel der Börse
Die Katastrophentheorie hat ihren Ursprung im Jahr 1972, als der französische Mathematiker René Thom das grundlegende Werk „Stabilité structurelle et morphogénèse“ (englische Ausgabe 1975: „Structural stability and Morphogenesis“) veröffentlichte.
Diese Theorie befasst sich mit nicht-linearen dynamischen Systemen, bei denen eine geringfügige Veränderung der Modellparameter zu einer plötzlichen Änderung von Zustandsvariablen führen kann. Ein Ereignis, welches bei unbedeutenden Veränderungen der Rahmenbedingungen ein abruptes Systemverhalten zur Folge hat, wird als „Katastrophe“ bezeichnet. Katastrophenmodelle können diese nur für bestimmte Parameterkonstellationen erstellen, ansonsten ist ein stetiges Verhalten für das restliche weite Parametergebiet zu verzeichnen. Durch Veränderungen der Kontrollvariablen kann das Strömungsbild der Strömungslinien bzw. Vektorfeldern (Trajektorien) sich verändern. Ist dies der Fall, so spricht man von strukturellen instabilen Systemen, ansonsten von strukturell stabilen. Diejenigen Parameterwerte, bei denen sich das System verändert, werden als Katastrophenpunkte bezeichnet. Solche abrupten Veränderungen des dynamischen Musters werden „Katastrophen“ genannt.
Die elementare Katastrophentheorie befasst sich mit dynamischen Systemen, deren Veränderung der Zustandsvariablen (x) von einer Potentialfunktion (V) bestimmt wird. Nach THOM gibt es für zwei Zustandsvariablen und vier Kontrollvariablen nur die sieben folgenden Elementarkatastrophentypen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Entwicklung der Börse und führt in das Problemfeld der unvorhersehbaren Kursbewegungen sowie das Ziel der Arbeit ein, diese mittels Katastrophentheorie zu analysieren.
2. Die Börse und Börsentechniken: In diesem Kapitel werden grundlegende Börsenbegriffe, verschiedene Wertpapierarten sowie die klassischen Bewertungsmethoden – Fundamentalanalyse und Charttechnik – erläutert.
3. Die Katastrophentheorie am Beispiel der Börse: Das Hauptkapitel widmet sich der theoretischen Herleitung der Katastrophentheorie und wendet das Spitzenkatastrophenmodell auf das Interaktionsverhalten zwischen Chartisten und Fundamentalisten an.
4. Resümee und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen, betont den maßgeblichen Einfluss menschlichen Verhaltens auf Marktphänomene und reflektiert die Grenzen mathematischer Prognosemodelle.
Schlüsselwörter
Katastrophentheorie, Börse, Aktienmarkt, Fundamentalanalyse, Charttechnik, Spitzenkatastrophe, Marktschwankungen, Kursverlauf, Evolutionsprozess, Spekulation, Crash, Marktverhalten, Systemtheorie, Nicht-lineare Dynamik, Wirtschaftsprognose.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Börsengeschehen durch die Brille der mathematischen Katastrophentheorie, um zu erklären, warum und wie es zu plötzlichen Marktveränderungen kommt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Börsentechniken, die nicht-lineare Systemdynamik sowie das psychologisch geprägte Verhalten von Anlegern an Finanzmärkten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das komplexe, oft als irrational empfundene Marktverhalten durch ein strukturiertes, wissenschaftliches Modell transparent zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die Katastrophentheorie nach René Thom als theoretisches Hilfsmodell verwendet, um Evolutionsprozesse an der Börse abzubilden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der mathematischen Definition der Katastrophentheorie und der Übertragung des Spitzenkatastrophenmodells auf die Strategiegruppen Chartisten und Fundamentalisten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Katastrophentheorie, Marktcrashs, Systemdynamik und Anlegerverhalten beschreiben.
Wie beeinflussen Chartisten den Markt aus Sicht des Modells?
Chartisten werden als Akteure dargestellt, die durch Konformitätsdruck und Trendbeobachtung das Marktverhalten volatiler machen und in bestimmten Phasen Katastrophen auslösen können.
Warum ist die Börse nach Ansicht der Autorin ein unvollkommener Markt?
Die Börse erfüllt nicht alle Kriterien eines vollkommenen Marktes, da es beispielsweise an vollständiger Markttransparenz mangelt und persönliche Präferenzen sowie psychologische Faktoren das Handeln prägen.
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- Sarah Kniel (Author), 2002, Die Katastrophentheorie und ihre Auswirkungen am Beispiel der Börse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14295