Die El Nino-Forschung begann schon Mitte des 19. Jahrhunderts. Damals beschränkte sie sichjedoch nur auf regionale Auswirkungen. Die schweren Niederschläge, Zerstörungen ganzer Dörfer sowie die Reduktion des Fischreichtums im kalten, nährstoffreichen Humboldt-Strom an der Westküste Südamerikas wurden dokumentiert und Anfang des 20. Jahrhunderts durch die Anomalie der Walkerschen Southern Oscillation beschrieben. Erst etwas später kam in der Forschung der Begriff so genannter „teleconnections“ auf, die die Fernwirkungen verschiedener Klimaanomalien (untereinander) beschreiben.
Die deutschen Wissenschaftler Flohn und Fleen verknüpften erstmals das ENSO (El Nino Southern Oscillation) Phänomen anderen Anomalien in verschiedenen Teilen der Erde. Sie korrelierten statistische Datenreihen über Dürren in Australien und das Ausbleiben des indischen Monsuns mit den Southern Oscillation Indizes. Ihre Untersuchungen ergaben eine zusammenhängende Kette von Telekonnektionen rund um den Äquator. So wurden Dürren in Indien, Süd-Ost Asien und Afrika gleich wie Überschwemmungen in Mittelamerika und Ostafrika mit El Nino in Verbindung gebracht.
Genaue Beobachtungen und Messungen seit Mitte des 20. Jahrhunderts führten die Wissenschaft jedoch zu alternativen Sichtweisen dieser komplizierten Zusammenhänge. Das Konzept der Telekonnektionen des El Nino soll in der vorliegenden Arbeit genauer betrachtet und der aktuelle Forschungstand aufzeigt werden. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Nord-Atlantischen Oszillation, die auf das Wettergeschehen in Europa den größten Einfluss gelegt. Im letzten Abschnitt dieser Arbeit wird El Nino von dem historischen Standpunkt aus betrachtet. Dabei basieren die Ausführungen auf der Sichtweise des amerikanischen Geographen Cesar Caviedes, der in seinem Buch „El Nino. Klima macht Geschichte“ historische Ereignisse des Phänomens El Nino darlegt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen
2.1 El Nino
2.2 Southern Oscillation
2.3 Regionale Auswirkungen
3 Telekonnektionen
3.1 Subsysteme der Telekonnektionen
3.2 Nord-Atlantische Oszillation
4 Historischer Rückblick
4.1 Süd-Amerika
4.2 Besiedlung der Südsee Inseln
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Klimaphänomen El Niño unter besonderer Berücksichtigung seiner globalen Fernwirkungen (Telekonnektionen). Ziel ist es, den aktuellen Forschungsstand zu den Auswirkungen auf verschiedene Weltregionen – mit einem Fokus auf die Nord-Atlantische Oszillation und Europa – darzustellen sowie historische Belege für die Relevanz dieses Phänomens aufzuzeigen.
- Grundlagen des ENSO-Phänomens (El Niño und Southern Oscillation)
- Konzept und Subsysteme atmosphärischer Telekonnektionen
- Einfluss auf das europäische Wettergeschehen (Nord-Atlantische Oszillation)
- Historische Bedeutung des El Niño für Südamerika
- Rolle des Phänomens bei der historischen Besiedlung der südpazifischen Inseln
Auszug aus dem Buch
4.2 Besiedlung der Südsee Inseln
Die südpazifischen Inseln liegen räumlich weit voneinander zerstreut im südlichen tropischen Pazifik zwischen den Meridianen 180° und ca. 145° West. Die Inseln sind vulkanischen Ursprungs und oft Atolle. Ihre Besiedlung durch die Malaien begann von Westen nach Osten vor etwa 5 000 Jahren (3000 v. Chr.). Diese ersten Polynesier waren sehr gute Seefahrer, die in ihren einfachen Kanus Tausende Kilometer zurücklegten. Die Geschichte der frühen Kolonisation dieser entlegenen Inseln lässt die Frage aufkommen, wie es die anscheinend primitiven Schiffe geschafft haben so weite Strecken zurückzulegen, zumal die in diesen Breiten beständig wehende Ostwinde und der Süd-Ost Passat vorherrschen und starke Gegenwinde und Meeresströmungen ein großes Hindernis für die Seefahrt darstellen.
Die einzig schlüssige Erklärung ist die zeitweilige Umkehr der Wind- und Strömungsverhältnisse, so wie es auch beim ENSO der Fall ist. Dabei ändern die aus dem Osten wehenden Winde ihre Richtung und kommen aus dem Westen. So hatten die Polynesier Rückenwind und konnten Strecken von 650 Seemeilen (Samoa-Tahiti ca. 900km) in nur neun Tagen zurücklegen. Jedoch waren die Windverhältnisse nicht zu jeder Jahreszeit eines El Nino Jahres günstig. Die Unterbrechung der Ostwinde fand vor allem Anfang des Sommers statt, während sich im Winter die Lage wieder normalisierte. Diese grundlegenden Veränderungen der Winde waren aber nicht die einzige Navigationshilfe der polynesischen Seefahrer. Sie beobachteten z.B. den Seetang, der sich meist in der Nähe der Küste zeigte oder die Wellenmuster, die auch auf die Lage einer nah gelegenen Insel hindeuteten. So konnten sie die weit voneinander zerstreuten Inseln auffinden und diese besiedeln.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Entwicklung der El Niño-Forschung ein und erläutert den Übergang von regionaler Betrachtung hin zum Konzept der globalen Telekonnektionen.
2 Grundlagen: Das Kapitel erläutert die physikalischen und ozeanografischen Basisprozesse des El Niño sowie der Southern Oscillation als Teil der ENSO-Wetteranomalie.
3 Telekonnektionen: Hier werden die weltweiten atmosphärischen Fernwirkungen definiert und die Zusammenhänge mit verschiedenen globalen Zirkulationssystemen wie der Nord-Atlantischen Oszillation diskutiert.
4 Historischer Rückblick: Dieser Abschnitt analysiert historische Quellen und Indizien, wie El Niño die Geschichte Südamerikas prägte und die Besiedlung des Südpazifiks ermöglichte.
5 Fazit: Das Fazit fasst die komplexen Wechselwirkungen des ENSO-Systems zusammen und betont, dass El Niño zwar Wetterereignisse begünstigen, aber nicht isoliert als alleinige Ursache betrachtet werden darf.
Schlüsselwörter
El Niño, Southern Oscillation, ENSO, Telekonnektionen, Nord-Atlantische Oszillation, Klimaanomalie, Pazifik, Wettergeschehen, historische Klimaforschung, Meeresströmungen, Humboldt-Strom, Indischer Monsun, Polynesier, Zirkulationssysteme, Atmosphäre
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Klimaphänomen El Niño und dessen Auswirkungen auf das globale Klimasystem sowie mit dessen Einfluss auf historische Prozesse.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit behandelt ozeanografische Grundlagen, das Konzept atmosphärischer Telekonnektionen, klimatische Fernwirkungen in Europa und die historische Bedeutung des Phänomens für die Navigation und Besiedlung im Pazifik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den aktuellen Stand der Forschung zu Telekonnektionen und die historische Rolle des El Niño bei der Entdeckung und Besiedlung von Regionen fundiert aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse wissenschaftlicher Publikationen und statistischer Auswertungen klimatologischer Daten sowie auf die Interpretation historischer Quellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der ENSO-Grundlagen, eine tiefgehende Analyse der globalen Telekonnektionen, die Rolle der Nord-Atlantischen Oszillation und eine historische Betrachtung des El Niño.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind El Niño, ENSO, Telekonnektionen, Nord-Atlantische Oszillation und historische Klimaforschung.
Wie beeinflusst El Niño das europäische Wetter?
Der Einfluss erfolgt indirekt über die Nord-Atlantische Oszillation (NAO), wobei El Niño-Jahre häufiger mit positiven NAO-Phasen und zyklonalen Großwetterlagen in Europa korrelieren.
Welche Rolle spielte El Niño bei der Besiedlung der Südsee?
Die zeitweilige Umkehr der Windverhältnisse während El Niño-Ereignissen ermöglichte es polynesischen Seefahrern, mit Rückenwind weite Strecken von Westen nach Osten zu bewältigen, was die Besiedlung entlegener Inseln erst praktikabel machte.
Warum ist die pauschale Verlinkung des El Niño schwierig?
Klimatische Anomalien unterliegen komplexen Wechselwirkungen, wie etwa dem Indian Ocean Dipole oder eigenen Schwankungen, weshalb El Niño als einzelne Ursache oft nicht ausreicht, um spezifische Wetterereignisse zu erklären.
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- Paulina Holbreich (Author), 2007, Fernwirkungen des El Nino und seine historischen Aspekte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143058