Mit dem russischen Vorgehen im Konflikt mit der Ukraine seit 2014 wurde der Begriff des Hybridkrieges im NATO-Diskurs aufgegriffen und befeuert seitdem auch die deutsche Debatte. Insbesondere im Kontext der sog. „Neuen Kriege“ wird zu untersuchen sein, inwieweit sich das russische Vorgehen seit der Maidan-Revolution von konventioneller Kriegsführung abhebt und ob es sich tatsächlich um eine neue, hybride Form der militärischen Aktivität handelt. Dies soll Gegenstand und Anspruch der folgenden Untersuchung sein.
„Of course, hybrid warfare is not new. It is as old as the Trojan Horse. What is different is its scale, its speed and its intensity. And that it is right at our borders.“ Zwar handelt es sich, wie der NATO-Generalsekretär Stoltenberg feststellt, nicht um fundamental neue Erscheinungsformen, und doch haben sich in den letzten Jahrzehnten durch teils gravierende geschichtliche Umwälzungen die Art und Weise von kriegerischen Auseinandersetzungen und deren Wahrnehmung geändert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Hybride Krieg
2.1. Was ist Krieg? Definition und Entwicklung
2.1.1. Allgemeines
2.1.2. Definitionsansätze
2.1.3. Kriegstypologien
2.2. Großtheorien der Internationalen Beziehungen
2.2.1. Der Idealismus
2.2.2. Der Liberalismus
2.2.3. Der Institutionalismus
2.2.4. Der Neorealismus
2.3. Die „neuen Kriege“, Hybridkriege und die neue russische Militärdoktrin
2.3.1. Begriffsbestimmung der „neuen Kriege“
2.3.2. Der Hybridkrieg
2.3.3. Hybridkriege als „russische Spezialität“
3. Der Hybridkrieg in der Ukraine - Russische Außenpolitik und Ziele
3.1. Vorausgegangene Umstände
3.2. Hybridkrieg in der Ukraine und russische Interessen
3.3. Zwischenergebnis
4. Fazit und Perspektive
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das russische Vorgehen im Ukraine-Konflikt seit 2014 und analysiert, ob dieses als neue, hybride Form militärischer Aktivität klassifiziert werden kann, eingebettet in die neorealistische Außenpolitik Russlands.
- Definition und theoretische Einordnung hybrider Kriegsführung.
- Analyse der russischen Militärdoktrin und außenpolitischer Interessen.
- Historische Hintergründe und Ursachen des Ukraine-Konflikts.
- Charakterisierung des Konflikts als hybride Kriegsführung.
- Bedeutung des Neorealismus für das russische Sicherheitsverständnis.
Auszug aus dem Buch
2.3.3. Hybridkriege als „russische Spezialität“
Einen wichtigen Teil der „neunen“ Hybridkriege stellt die Cyber Warfare und die Manipulation der Medien im Rahmen eines „Informationskrieges“ dar. Dazu gehören auch der Cyberterrorismus und die Cyberkriege, welche in dem virtuellen „Cyberraum“ übertragen werden, vor allem aber die Information Warfare. Wichtig zu bemerken ist, dass die Hybridkriege ein Teil der neusten Kriegsdoktrin der Großmächte USA und Russland sind; allerdings wird der Informationskrieg besonders intensiv im russischen sicherheits- und verteidigungspolitischen Denken und Planen seit Mitte der ersten Dekade des 21.Jahrhunderts diskutiert und berücksichtigt. Diese Fokussierung auf die Information Warfare russischerseits wurde dabei maßgeblich durch verschiedene Erfahrungen und Wahrnehmungen der Schwäche Russlands nach dem Ende des Kalten Krieges vorangetrieben.
Vor dem Hintergrund begrenzter eigener Ressourcen und dem Bedürfnis, wieder als eine den USA gleichwertige Weltmacht respektiert zu werden, stellt sie einen besonders attraktiven Weg dar, über diplomatische und ökonomische Mittel hinausgehende Auseinandersetzungen mit dem überlegenen Westen zu suchen; ohne dabei die eigene materielle Leistungsfähigkeit zu überstrapazieren oder gleichzeitig eine ernsthafte militärische Konfrontation mit den USA oder der NATO zu riskieren. Dementsprechend ist die russische Art der Information Warfare als Teil der hybriden Kriegsführung von Vornherein breiter angelegt als die westliche Ausrichtung. Zu dieser Hybridkriegführung gehören zwar durchaus der Einsatz von Streitkräften auf niedriger Intensitätsebene (z.B. die „grünen Männchen“ auf der Krim 2014) und Cyberattacken auf die Infrastruktur gegnerischer Staaten, also Maßnahmen, die unter bestimmten Bedingungen völkerrechtlich als Kriegshandlungen gewertet werden können. Sie betrifft aber vor allem wirtschaftlichen und politischen Zwang sowie Subversion im Sinne „reflexiver Kontrolle“, d.h. des Hinwirkens auf ein Agieren des (eigentlich stärkeren) Gegners im Sinne Russlands durch eine entsprechende Beeinflussung seiner Wahrnehmung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema der hybriden Kriegsführung im Kontext des russischen Vorgehens in der Ukraine seit 2014 und Formulierung der Forschungsfrage.
2. Der Hybride Krieg: Theoretische Grundlagen des Kriegsbegriffs, Überblick über internationale Beziehungen und Definition hybrider Kriege im Kontext der neuen russischen Militärdoktrin.
3. Der Hybridkrieg in der Ukraine - Russische Außenpolitik und Ziele: Analyse der historischen Hintergründe der Ukraine, ihrer Transformation und der spezifischen Interessen Russlands unter Putin.
4. Fazit und Perspektive: Zusammenfassung der Ergebnisse unter Berücksichtigung neorealistischer Ansätze und Ausblick auf die fortbestehende Instabilität in der Region.
Schlüsselwörter
Hybridkrieg, Russland, Ukraine, Außenpolitik, Neorealismus, Information Warfare, Militärdoktrin, Sicherheitsstrategie, Konfliktanalyse, neue Kriege, Geopolitik, Krisenmanagement, Souveränität, NATO, Transformation.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der unkonventionellen Kriegsführung und untersucht, inwieweit das russische Vorgehen in der Ukraine als Hybridkrieg eingestuft werden kann.
Welche zentralen Themenbereiche werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen Kriegstheorien, die internationale Politik, die russische Militärdoktrin sowie die historische und politische Entwicklung der Ukraine.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Ziel ist es zu untersuchen, ob sich das Handeln Russlands seit der Maidan-Revolution von konventioneller Kriegsführung abhebt und als neue, hybride Form militärischer Aktivität gilt.
Welche wissenschaftliche Methodik wird genutzt?
Es wird eine theoretisch-analytische Methode angewandt, die auf wissenschaftlichen Definitionen, Großtheorien der internationalen Beziehungen und Fallanalysen basiert.
Welche Inhalte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil behandelt die theoretische Einordnung des Hybridkrieges sowie die konkrete Anwendung dieser Strategie durch Russland im Ukraine-Konflikt.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Hybridkrieg, Neorealismus, Information Warfare und die sicherheitspolitische Ausrichtung Russlands.
Inwiefern spielt der Neorealismus eine Rolle für die Analyse?
Der Neorealismus dient als theoretischer Rahmen, um das russische Streben nach Machtmaximierung und Sicherheit gegenüber der NATO und der EU zu erklären.
Was sind „grüne Männchen“ in diesem Kontext?
Es handelt sich um russische Soldaten ohne Hoheitsabzeichen, die eine Schlüsselrolle bei der verdeckten Annexion der Krim spielten und als Beispiel für hybride Kriegsführung dienen.
Wie bewertet die Arbeit die Minsker Vereinbarungen?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Minsker Abkommen ihre Ziele de facto nicht erreicht haben und der Konflikt weiter anhält.
Was bedeutet „reflexive Kontrolle“ im russischen Strategiedenken?
Dies beschreibt das Beeinflussen der Wahrnehmung des Gegners durch Russland, um ihn zu Handlungen zu bewegen, die den russischen Interessen dienen.
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- Anton Bonev (Author), 2020, Unkonventionelle Kriegsführung in der Ukraine. Inwieweit handelt es sich bei dem Vorgehen Russlands um einen Hybridkrieg?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1432075