Seit dem Ausbau der Ganztagsschulen beschäftigen wir uns mit einem der größten bildungspolitischen Themen der letzten Jahrzehnte. Die Aktualität dieser Thematik ist mit ihrer fortlaufenden Umsetzung immer noch äußerst brisant. Nach dem schlechten Abschneiden der deutschen Schüler bei den „Programme for International Student Assessment“-Studien kam es zu einem Umdenken in der deutschen Bildungspolitik. Durch die Veränderung der Schulformen kommt es zu neuen gesellschaftlichen Herausforderungen für viele differenzierte Teilgesellschaften. In meiner Arbeit betrachte ich die Veränderungen der Schullandschaft in Hinblick auf den Jugendleistungssport. In einer Gesellschaft, in der der Leistungssport einen enorm hohen Stellenwert hat und tausende Menschen die großen Sportveranstaltungen besuchen oder anschauen, muss man sich von je her immer Gedanken um die Nachwuchsförderung machen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Theoretische Erklärungsansätze zur Struktur der Ganztagsschule
1 Formen der Ganztagsschule
2 Entstehungsgeschichte
3 Umsetzung
4 Aktuelle Zahlen
II. Begründungsmuster der Ganztagsschule
5 Verbesserung der Bildungsmöglichkeiten
6 Unterstützung der Familie
7 Chancengleichheit
8 Mehr Zeit für Bewegung
III. Kritische Stimmen
9 Politische Parteien
10 Sportverbände
IV. Ganztagsschule als kritisches Ereignis
11 Unvereinbarkeit von Schule und Leistungssport
12 Die Inklusion in das Verbundsystem
13 Rückgang von Mitgliedszahlen in Vereinen
14 Kollision zwischen Trainings- und Schulzeit
15 Optimales Hochleistungsalter
16 Diskrepanz zwischen Elternwunsch und Schülerzahl
V. Allgemeine Lösungsmuster
17 Strukturelle Kopplung zur Lösung des Inklusionsproblems
18 Kooperation von Schule und Verein
19 Eliteschulen des Sports
Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem Ausbau der Ganztagsschulen in Deutschland und den Anforderungen des Jugendleistungssports, mit dem Ziel, Konfliktpunkte in der Vereinsarbeit aufzudecken und potenzielle Lösungsansätze zu bewerten.
- Strukturelle Auswirkungen der Ganztagsschule auf den Vereinssport
- Herausforderungen in den Bereichen Trainingszeit und Hallenkapazitäten
- Systemtheoretische Betrachtung der Inklusionsproblematik für Nachwuchsathleten
- Kooperationsmodelle zwischen Schule und Sportvereinen
- Rolle von Eliteschulen des Sports als Kompensationsmöglichkeit
Auszug aus dem Buch
11 Unvereinbarkeit von Schule und Leistungssport
„Das zentrale Problem besteht in der Bewältigung sowohl der schulischen als auch der leistungssportlichen Anforderungen. Die Problemlösung wird durch länderspezifische Unterschiede in einer Vielzahl von Faktoren (Bildungssystem, Schulsystem, Schultyp, unterschiedliche Förderkonzepte, Sportarten, Kompetenzen der Verwaltungsorgane) erschwert. Die Schaffung von einheitlichen länderübergreifenden Strukturen, Konzepten und Lösungen scheint nicht realisierbar“ (Neumes/Weinmann 2003: 109).
Für einen Nachwuchsathleten, der sich dem Leistungssport verschrieben hat, kommt es zu einer Doppelbelastung durch die beiden Systeme Schule und Sport. „Das Imaginäre der Schule und insbesondere auch ihr Schülerleitbild stehen in einem gewaltigen Spannungsverhältnis zur Realität des Verbundsystems, denn aus Sicht des Spitzensports bedeutet Talent zu sein, sich auf eine bestimmte Richtung festzulegen, um sich über die Runden zu quälen. Dies widerspricht einem pädagogischen Sinnentwurf, der Schule als Freiraum begreift, indem sich SchülerInnen jenseits vom Funktionalisierungsanliegen sportlicher Leistungsoptimierung in Muße ‚alternativ bewegen‘ können, sich also klassisch gesprochen ‚bilden‘“ (Pallesen/Schierz 2010: 143).
Die Anforderungen der beiden Systeme zu erfüllen ist eines der Hauptprobleme für schulpflichtige Nachwuchsathleten, da die Schule auf der einen Seite die Aufgabe hat, Kinder und Jugendliche gesellschaftsadäquat Qualifizierungen und Erziehung zu vermitteln und der Leistungssport auf der anderen Seite fast ausschließlich an der spezifischen Ausbildung in Hinblick auf die kommenden sportlichen Erfolge der Jugendlichen aus ist (vgl. Teubert/Borggrefe/Cachay/Thiel 2006: 23).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das Thema der Ganztagsschule im Kontext des Jugendleistungssports, Darlegung der aktuellen bildungspolitischen Relevanz und der Forschungsabsicht.
I. Theoretische Erklärungsansätze zur Struktur der Ganztagsschule: Abgrenzung der verschiedenen Schulformen und historischer Rückblick auf deren Entstehung im Zuge bildungspolitischer Reformen.
II. Begründungsmuster der Ganztagsschule: Analyse der politischen Argumentation für den Ausbau, insbesondere im Hinblick auf Bildungschancen und soziale Unterstützung.
III. Kritische Stimmen: Gegenüberstellung der Reaktionen und Bedenken von politischen Akteuren und Sportverbänden hinsichtlich des Ganztagsschulausbaus.
IV. Ganztagsschule als kritisches Ereignis: Detaillierte Untersuchung spezifischer Problemfelder wie Kollision von Trainingszeiten, Inklusion und rückläufigen Vereinsmitgliederzahlen.
V. Allgemeine Lösungsmuster: Diskussion struktureller Kopplungsansätze, Kooperationsmodelle und der Bedeutung von Eliteschulen des Sports zur Sicherung der Nachwuchsförderung.
Schlüsselwörter
Ganztagsschule, Jugendleistungssport, Verbundsystem, Vereinssport, Inklusion, Sportsoziologie, Nachwuchsförderung, Schulsport, Training, Kooperation, Eliteschulen des Sports, Bildungspolitik, Systemtheorie, PISA-Studie, Sportstätten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen des bundesweiten Ausbaus von Ganztagsschulen auf den organisierten Jugendleistungssport und die damit verbundenen Herausforderungen für Athleten, Vereine und Verbände.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Im Fokus stehen die zeitliche Unvereinbarkeit von Schul- und Sportanforderungen, der demografische Wandel, Hallenkapazitäten, die Rolle der Sportvereine im Ganztagsbetrieb und systemische Lösungsansätze.
Welches ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Problematik aus Sicht des Sports zu beleuchten und aufzuzeigen, wie durch eine gezielte strukturelle Kopplung und Kooperation eine Vereinbarkeit von Schule und Leistungssport erreicht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Aufarbeitung aktueller Statistiken sowie Stellungnahmen von relevanten Akteuren aus Politik und Sport, ergänzt durch systemtheoretische Reflexionen.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Unvereinbarkeit der Systeme, dem Mitgliederverlust im Jugendbereich, der Kollision von Trainings- und Schulzeiten und bewertet Lösungsmodelle wie Eliteschulen des Sports.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die inhaltliche Ausrichtung?
Die Untersuchung wird maßgeblich durch Begriffe wie Ganztagsschule, Leistungssport, Nachwuchsförderung, Inklusion und Verbundsystem definiert.
Welche Rolle spielen die Hallenzeiten bei der Problematik?
Die längere tägliche Auslastung von Schulgebäuden und Sportanlagen durch den Ganztagsbetrieb führt zu einem Mangel an freien Zeiten für Jugendvereinstraining in den Abendstunden.
Wie bewerten die Sportverbände die aktuelle Situation in Bezug auf Ganztagsschulen?
Sportverbände wie der DOSB oder der Deutsche Skiverband sehen den flächendeckenden Ausbau kritisch, da sie fürchten, dass die schulische Belastung die Partizipation am Vereinssport massiv erschwert.
Können Eliteschulen des Sports das Problem lösen?
Sie werden als ein essenzieller Baustein im Verbundsystem betrachtet, da sie durch Flexibilität bei Trainingszeiten und Hausaufgabenbetreuung eine bessere Abstimmung ermöglichen, auch wenn deren Wirksamkeit noch langfristig evaluiert werden muss.
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- Anonym (Author), 2013, Ganztagsschule als kritisches Ereignis für den Nachwuchssport, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1436588