Literaturwissenschaftliches Englisch: Eine Analyse


Seminararbeit, 2007
16 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Ziel
1.2 Methodik

2. Besonderheiten literaturwissenschaftlicher Texte
2.1 Grundsätzliche Spezifik
2.2 Objektivität
2.3 'Citations'
2.3.1 Möglichkeiten der Korpuslinguistik
2.3.2 Vergleich der Resultate mit denen Hylands
2.4 'Discourse markers' und Kollokationen
2.4.1 Theoretische Grundlagen
2.4.2 Kollokationen und 'discourse markers' im Aufsätze-Korpus
2.4 Wortschatz

3. 'Book Reviews'

4. Zusammenfassung
4.1 Bewertung der Resultate
4.2 Ausblick

5. Bibliographie:

1. Einleitung

1.1 Ziel

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Metasprache, also dem Sprechen über etwas. Was zeichnet diese Metasprache beispielsweise im Gegensatz zu literarischer Sprache aus, was haben die beiden gemeinsam. Es gibt bereits diverse Standardwerke zum Thema 'Akademisches Englisch'[1], auf die im Laufe der Arbeit zurückgegriffen wird. Angesichts der begrenzten Größe einer Proseminararbeit wird diese Arbeit sich auf die Besonderheiten literaturwissenschaftlicher Texte beschränken. Ziel der Arbeit ist somit die Herausarbeitung linguistischer Besonderheiten literaturwissenschaftlicher Texte.

1.2 Methodik

Als Grundlage dieser Arbeit dienen drei eigens für diese Arbeit zusammengestellte, relativ kleine Korpora: Ein Aufsatz-Korpus, ein Rezension-Korpus und ein Prosa-Korpus.

Der Prosa-Korpus enthält insgesamt zehn verschiedene Texte sieben verschiedener Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts mit insgesamt 643544 Wörtern und ist somit mit Abstand der umfangreichste hier bearbeitete Korpus. Dieser Korpus wird jedoch lediglich als Vergleichskorpus genutzt, und die Ergebnisse aus der Recherche mit ihm nur, um sie den Ergebnissen die anhand der wissenschaftlichen Korpora erlangt worden sind, gegenüberzustellen.

Der Aufsätze-Korpus enthält fünf Artikel aus literaturwissenschaftlichen Zeitschriften mit insgesamt 30916 Wörtern. Vier der Aufsätze untersuchen jeweils ein Prosawerk, der fünfte untersucht die Auswirkungen der Werke zweier Autoren auf europäische Musik. Der dritte Korpus ist mit 8795 Wörtern der kleinste und besteht auf fünf Buchrezensionen. Bei den rezensierten Büchern handelt es sich natürlich um literaturwissenschaftliche Fachliteratur. Die Rezensionen leisten also ebenfalls einen Beitrag zum literaturwissenschaftlichen Diskurs[2].

Analysiert werden die Texte zwar teilweise auch manuell, doch hauptsächlich mit dem Computerprogramm Antconc 3.2.1w, welches von Laurence Anthony zu diesem Zwecke entworfen wurde. Die Ergebnisse, die das Programm liefert, müssen ebenfalls noch manuell geordnet und bewertet werden, denn das Programm ist selbstverständlich nicht in der Lage, gewisse Vorgänge selbstständig auszuführen, zum Beispiel Zugehörigkeit zu Wortklassen zu erkennen.

Obwohl der die Software bedienende Mensch immer noch eigene Leistung zum Funktionieren der Methode beisteuern muss, vereinfacht die Benutzung eines Korpus doch die Arbeit extrem.

Für exaktere Ergebnisse wurden in der Vergangenheit immer grössere Korpora geschaffen[3], da diese Arbeit jedoch auf Grund ihrer Größe ohnehin keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann und will, und große Korpora nur mit Computersystemen, die über enorme Rechenleistung verfügen, bewältigt werden können, reichen die vergleichsweise kleinen, selbst erstellten Korpora. Außerdem ist für die hier zu bearbeitende Aufgabenstellung nur eine begrenzte Anzahl von Texten wesentlich, für den Rezensions-Korpus beispielsweise ausschliesslich Artikel aus literaturwissenschaftlichen Zeitschriften, die literaturwissenschaftliche Bücher besprechen.

2. Besonderheiten literaturwissenschaftlicher Texte

2.1 Grundsätzliche Spezifik

Grundsätzlich, und ohne Analyse einzelner Texte, lässt sich sagen, dass ein Text gewisse Voraussetzungen erfüllen muss, um überhaupt als akademischer Text[4] angesehen zu werden. Tribble (2002) entwirft eine Struktur namens „Contextual Analysis”, mit deren Hilfe sich bereits ein paar Hinweise auf die möglichen Ergebnisse dieser Arbeit ergeben. Einen akademischen Text unterscheidet nicht nur das behandelte Objekt von anderen Textsorten, sondern zum Beispiel auch, was Tribble (2002) den „Social Context” nennt. Ein in einer wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlichter Text wird in den meisten Fällen nämlich genau für den Zweck der Veröffentlichung in genau dieser Zeitschrift geschrieben. Tribble (2002) formuliert treffend: „In writing such a short piece, the author faces special constraints in terms of content and extent, but also has to meet normal academic standards of warrant and referencing”.

Zusätzlich muss der Autor Zeitschriften-spezifische Formvorgaben einhalten und so schreiben, dass die spezielle Leserschaft der Zeitschrift befriedigt wird. Die Autoren der im Aufsatz-Korpus genannten Artikel, die in The Edgar Allan Poe Review veröffentlicht wurden, können beispielsweise davon ausgehen, dass ein Großteil der Leserschaft mit dem Werk des Edgar Allan Poe vertraut ist und können so zum Beispiel auf Vorstellungen oder gar Inhaltsangaben der behandelten Texte verzichten.

2.2 Objektivität

Was macht die spezielle Sprache eines wissenschaftlichen Texts aus? Swales (2004) zitiert in seinem Buch Research Genres. Explorations and Applications eine Erklärung des Linguisten Montgomery:

For the most part, through a series of grammatical and syntactic strategies that attempt to depersonalize, to objectify all premises, such that they seem to achieve the plane of ahistorical essence: “Recent advances have shown...”; “Analyses were performed...”; “The data therefore, indicate...”. The narrative is driven by objects, whether these be phenomena, procedures, earlier studies, evidence, or whatever. (26)

Tatsächlich sind derartige Formulierungen im Aufsatz-Korpus enthalten und können durch die Kontrastierung mit dem Prosa-Korpus mit Antconc aufgezeigt werden. Untersucht man den Aufsatz-Korpus mit dem Prosa-Korpus als Reference-Corpus, erhält man eine Auflistung der Wörter, die im Gegensatz zum Reference-Corpus besonders oft im Aufsatz-Korpus vorkommen. Geordnet sind die Wörter in dieser Auflistung nach ihrer 'Keyness', ein Wert, der umso höher ist, je grösser die Diskrepanz zwischen dem Vorkommen im Aufsatz-Korpus und dem Vorkommen im Reference-Corpus ist. Mit Hilfe des Concordance-Tools lassen sich die einzelnen Wörter auch in ihrer jeweiligen Umgebung im Text betrachten. Das Wort mit der höchsten Keyness, welches eingesetzt wird um Objektivität zu vermitteln, ist „thereby”, mit 14 Vorkommen im Korpus. Ebenfalls häufig erscheint „Journal”, und zwar beinahe immer in Umgebungen, die sozusagen zur Qualitätssicherung der benutzten Quelle dienen. Der Quelle wird Objektivität zugesprochen, da der Text innerhalb eines Journals, einer Zeitschrift veröffentlicht wurde: „John Dizikes, in The Journal of American History of September 2000, writes of [...]”

Insgesamt sind aber nur sehr wenige dieser zur Objektivierung des Geschriebenen dienenden Phänomene im Aufsatz-Korpus enthalten. Hiermit soll Montgomery nicht entkräftet werden, denn es ist durchaus nachvollziehbar, dass ja in sprachwissenschaftlichen und allgemein wissenschaftlichen Texten anderer Gebiete mehr mit „data”, „analyses” und „advances” gearbeitet wird. Scheinbar wird sich in literaturwissenschaftlichen Texten seltener in dieser Weise mit vorangegangenen Texten zum gleichen Thema beschäftigt.

[...]


[1] Als Beispiel anzuführen wäre hierzu beispielsweise Hyland (2006), Swales (1990) und Swales (2004).

[2] Ich benutze hier den von Foucault geprägten Diskursbegriff. “Diskurse der an die Arbeiten Foucaults anschließenden Theorien sind demnach dadurch bestimmt, daß sie sich auf je spezielle Wissensausschnitte (Spezialdiskurse) beziehen, deren Grenzen durch Regulierungen dessen, was sagbar ist, was gesagt werden muß und was nicht gesagt werden kann, gebildet sind, sowie durch ihre je spezifische Operativität” (Gerhard, 118).

[3] Vgl. Tribble (2002), 132

[4] Ich spreche deshalb allgemein von akademischen Texten und nicht von Aufsätzen, Artikeln oder Short Reports, da Swales (1990) berechtigterweise der Meinung ist: “The genre names inherited and produced by discourse communities [...] need further validation” (zitiert in Tribble (2003), 134)

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Literaturwissenschaftliches Englisch: Eine Analyse
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V143725
ISBN (eBook)
9783640546343
Dateigröße
383 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Korpus, Corpus, Analyse, Analysis, Metasprache, Wissenschaftssprache, Empirisch, Linguistik, Anglistik, Englisch, Antconc
Arbeit zitieren
Frieder Krauß (Autor), 2007, Literaturwissenschaftliches Englisch: Eine Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143725

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