Diese Arbeit soll sich mit den Triebkräften und Zielsetzungen deutscher Weltpolitik im Zeitalter des Imperialismus beschäftigen. In einem ersten, innenpolitischen, Teil, werden zunächst die theoretischen Grundlagen und Begründungen der Weltpolitik erarbeitet, um schließlich auf die Haltung einzelner gesellschaftlicher Gruppen, Verbände und Parteien zur Weltpolitik einzugehen. Hierbei muss vor allem der Überblickscharakter der Arbeit betont werden, da im Rahmen des gegebenen Umfangs nur einzelne Schwerpunktbildungen möglich sind. Im zweiten, außenpolitisch geprägten Teil werden letztendlich die konkreten Maßnahmen deutscher Weltpolitik analysiert sowie auf verschiedene Krisen und bündnispolitische Änderungen eingegangen. Ein abschließendes Fazit rundet die Betrachtung ab und stellt kurze Thesen zur endgültigen Beurteilung deutscher Weltpolitik vor.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Triebkräfte und Grundlagen der deutschen Weltpolitik
2.1 Der Start in die Weltpolitik – Bülows Amtsantritt im Jahre 1897
2.2 Liberale Imperialisten – Max Weber und Friedrich Naumann
2.3 Konservative Imperialisten – Der Alldeutsche Verband
2.4 Die Haltung der Parteien zur Kolonial- und Weltpolitik
3. Außenpolitische Ziele und Maßnahmen der deutschen Weltpolitik
3.1 Die Flottenpolitik unter Wilhelm II. und die Okkupation von Kiautschou
3.2 Die Intervention in China nach dem Boxeraufstand
3.4 Veränderungen in der Bündnispolitik und langsame Isolierung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Triebkräfte, ideologischen Grundlagen und praktischen Maßnahmen der deutschen Weltpolitik während des Zeitalters des Imperialismus unter Wilhelm II. Dabei wird analysiert, wie unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen und Parteien die außenpolitischen Bestrebungen bewerteten und welche Auswirkungen diese auf die internationale Stellung Deutschlands hatten.
- Theoretische Begründungen der Weltpolitik durch liberale und konservative Imperialisten
- Die Rolle der Flottenpolitik als Instrument deutscher Weltmachtansprüche
- Die innenpolitische Funktion der „Sammlungspolitik“
- Stellungnahmen verschiedener politischer Lager zu Kolonialpolitik und Expansion
- Analyse konkreter außenpolitischer Interventionen wie im Falle von Kiautschou und China
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Start in die Weltpolitik – Bülows Amtsantritt im Jahre 1897
Um sich mit der Weltpolitik unter Wilhelm II. genauer zu beschäftigen, ist es zunächst notwendig die theoretischen Grundlagen, die liberale und konservative Imperialisten zur Begründung der Weltpolitik ausgerufen haben, genauer zu betrachten. Als Startpunkt soll in dieser Arbeit der Amtsantritt Bülows gewählt werden, da seine Jungfernrede vor dem Reichstag oft als „Zäsur“ in der bisherigen politischen Orientierung gesehen wird. Kurz zuvor hatte die deutsche Flotte im November 1897 Kiautschou okkupiert, eine weltpolitische Maßnahme, auf die später noch genauer eingegangen werden soll.
Bülow trat die Nachfolge des Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes Marschall von Bieberstein an und galt bald schon, auch wegen dem vertrauensvollen Umgang mit dem Kaiser, als einer der einflussreichsten Politiker. In seiner Jungfernrede vor dem Reichstag prägte er das viel zitierte Schlagwort vom „Platz an der Sonne“:
„Die Zeiten, wo der Deutsche dem einen seiner Nachbarn die Erde überließ, dem anderen das Meer und sich selbst den Himmel reservierte, […], diese Zeiten sind vorüber. […] wir wollen niemanden in den Schatten stellen, aber wir verlangen auch unseren Platz an der Sonne.“
Diese Rede übte einen großen Einfluss auf die Öffentlichkeit aus und vor allem in Verbindung mit der zeitgleichen Okkupation von Kiautschou wurde die Forderung nach einem „Platz an der Sonne“ mit der Forderung nach Kolonien und Einflusssphären gleichgesetzt. Sehr starke Auswirkungen auf die deutsche Öffentlichkeit hatte aber auch die am 11.12.1899 gehaltene „Hammer- und Amboss-Rede“. In ihr zeigte Bülow abermals den großen Nutzen von überseeischen Gebieten und stellt den deutschen Weltmachtanspruch auf eine Stufe mit dem der anderen imperialistischen Mächte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Einleitung in die Thematik der deutschen Weltpolitik unter Wilhelm II. und deren Relevanz vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte und heutigen internationalen Verantwortung.
2. Triebkräfte und Grundlagen der deutschen Weltpolitik: Analyse der theoretischen Fundamente und der Haltung gesellschaftlicher Gruppierungen sowie Parteien gegenüber der imperialistischen Außenpolitik.
3. Außenpolitische Ziele und Maßnahmen der deutschen Weltpolitik: Untersuchung konkreter außenpolitischer Aktionen, insbesondere der Flottenpolitik, der Okkupation von Kiautschou und der Intervention in China, sowie der resultierenden bündnispolitischen Isolierung.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der deutschen Weltpolitik als komplexes Zusammenspiel aus Machtstreben, nationalem Sendungsbewusstsein und innenpolitischer Kalkulation.
Schlüsselwörter
Weltpolitik, Imperialismus, Wilhelm II., Bernhard von Bülow, Platz an der Sonne, Kolonialpolitik, Flottenbau, Deutschland, Machtstaat, Sammlungspolitik, Alldeutscher Verband, Liberalismus, Konservatismus, Bündnispolitik, Kiautschou
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die deutsche Weltpolitik im Zeitalter des Imperialismus unter Wilhelm II., wobei sie sowohl die innenpolitischen Ursachen als auch die tatsächlichen außenpolitischen Maßnahmen beleuchtet.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Schwerpunkte liegen auf der ideologischen Begründung der Weltpolitik durch liberale und konservative Kreise, der Rolle der Flottenpolitik, dem Einfluss der Parteienlandschaft sowie der außenpolitischen Isolierung des Deutschen Reiches.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Ziel ist es, ein differenziertes Bild der deutschen Weltpolitik zu zeichnen, indem die verschiedenen Triebkräfte und Zielsetzungen jenseits einfacher Pauschalisierungen untersucht werden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die primär auf der Auswertung relevanter Fachliteratur und historischer Dokumente (wie Reden und politischer Äußerungen) basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Betrachtung der Weltpolitik unter Bülow sowie eine detaillierte Analyse spezifischer Maßnahmen, wie der Flottenaufrüstung und der Interventionspolitik in Asien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Imperialismus, Weltpolitik, Machtstaat, Flottenpolitik, Sammlungspolitik und das Ringen um einen Platz an der Sonne.
Warum war der „Platz an der Sonne“ für die Zeitgenossen so bedeutsam?
Es handelte sich um ein rhetorisch wirkungsvolles Schlagwort, das den deutschen Anspruch auf Kolonien und eine Rolle als Weltmacht legitimierte und weite Teile der Öffentlichkeit mobilisierte.
Wie wirkte sich die Flottenpolitik auf das Verhältnis zu England aus?
Die deutsche Aufrüstung wurde von England als massive Bedrohung wahrgenommen, was das Vertrauensverhältnis nachhaltig beschädigte und letztlich zur außenpolitischen Isolierung Deutschlands beitrug.
Welche Rolle spielte der Alldeutsche Verband im imperialistischen Diskurs?
Der Verband vertrat extreme nationalistische und sozialdarwinistische Positionen und übte durch seine öffentliche Agitation Druck auf die Regierung aus, auch wenn er keine Massenorganisation war.
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- Frank Hoyer (Autor), 2005, Ein Platz an der Sonne – Der Übergang zur wilhelminischen Weltpolitik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143899