Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit Foucaults Beschreibung der Verschiebung der Machtformen von der Souveränitätsmacht hin zu einer Disziplinar- und Bio-Macht. Welche Transformation der Macht beschreibt Foucault insbesondere in seinem Werk "Der Wille zum Wissen" von 1976, wie unterscheiden sich die Formen und in welchem Zusammenhang stehen sie?
Um diese Fragen zu beantworten, werde ich zunächst einen Überblick über Foucaults Genealogie der Machtformen geben, dann seine Erläuterungen zum Konzept der Souveränitätsmacht erläutern und anschließend sein Konzept der Bio-Macht. Die Disziplinarmacht werde ich nicht gesondert, sondern nur nebenher behandeln, denn Disziplinarmacht und Bio-Macht sind derart eng verknüpft, dass sie teilweise ineinander übergehen. Zur Unterscheidung dieser beiden Formen bräuchte es nochmal eine gesonderte Arbeit. Abschließend werde ich zusammenfassend Merkmale und Eigenschaften von Souveränitätsmacht und Bio-Macht darlegen.
Foucault beschreibt die Macht-Transformation bereits 1975 in seinem Werk "Überwachen und Strafen", daher ist dieses Werk neben "Wille zum Wissen" die zweite große Referenz für diese Arbeit. Des Weiteren verwende ich seine Vorlesungen "In Verteidigung der Gesellschaft" und "Die Macht der Psychiatrie". Als Klassiker politischer Souveränitätstheorien werde ich Thomas Hobbes Leviathan zitieren. Als Sekundärliteratur diente Axel Honneths Text "Foucault und Adorno", Hinrich Fink-Eitels Text "Michel Foucaults Analytik Der Macht", Jaques Bidets Buch "Foucault mit Marx" und Manfred Dahlmanns Text "Das Rätsel der Macht".
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Verschiebung der Macht in Foucaults Werk ‚Wille zum Wissen‘
1.1 Erläuterung von Foucaults Konzept der Souveränitätsmacht
1.2 Erläuterung von Foucaults Konzept der Bio-Macht
2. Vergleich der Merkmale und Eigenschaften von Souveränitätsmacht und Bio-Macht
Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht Foucaults Analyse der Machttransformation von der klassischen Souveränitätsmacht hin zu modernen Formen der Disziplinar- und Bio-Macht, um zu ergründen, warum traditionelle Politikmodelle die gegenwärtigen Machtverhältnisse und das Phänomen der freiwilligen Unterwerfung nur unzureichend erklären können.
- Historische Herleitung des Wandels von Souveränitätsmacht zu Bio-Macht
- Differenzierung der Machtmechanismen nach Foucault
- Die Rolle der Sexualität als Gegenstand der Bio-Politik
- Zusammenhang zwischen Macht, Wissen und Widerstand
Auszug aus dem Buch
1. Die Verschiebung der Macht in Foucaults Werk ‚Wille zum Wissen‘
In diesem Kapitel werde ich Foucaults Konzept einer Verschiebung der Macht von der Souveränitätsmacht zur Disziplinar- und Bio-Macht darstellen. Hierzu zeige ich seine historische Grundlegung dieser Transformation in seinem Werk ‚Überwachen und Strafen‘, in dem er Justizreformen des 18. und 19. Jahrhunderts darstellt. Anschließend zeige ich seine Fortführung der Darstellung dieses Wandels in seinem Werk ‚Der Wille zum Wissen‘.
Bereits 1975 bestimmt Foucault den Übergang von der Souveränitätsmacht zur Disziplinarmacht als vorherrschendes Modell des 18. Jahrhunderts. Durch zahlreiche Reformen der Justiz und durch die Abschaffung der Martern, „d.h. der >>peinlichen Strafen<<“, habe sich ein umfassender Wandel der Macht vollzogen. Mit einigen Ausnahmen sei dieser Prozess spätestens Mitte des 19. Jahrhunderts abgeschlossen. Es bleibe lediglich ein „>>peinlicher<< Rest in den modernen Mechanismen der Kriminaljustiz – ein Rest, der nicht ganz überwunden wird, der aber immer mehr in ein Strafsystem des Körperlosen integriert wird.“ Nach Axel Honneth erforscht Foucault in ‚Überwachen und Strafen‘ anhand „der institutionellen Etablierung der Gefängnisstrafe exemplarisch die Vorgeschichte jener administrativen Strategien der Körperdisziplinierung“, welche sich „in den entwickelten Gesellschaften zu der festgefügten Ordnung der Disziplinarmacht verknüpfen“. Für Foucault scheitert sowohl „die klassische Politikwissenschaft wie auch die marxistische Sozialtheorie“ daran, die Machtmechanismen moderner Gesellschaften adäquat zu erfassen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, wie der Wandel von der Souveränitätsmacht zur Disziplinar- und Bio-Macht bei Foucault zu verstehen ist.
1. Die Verschiebung der Macht in Foucaults Werk ‚Wille zum Wissen‘: Das Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der Machtformen nach, beginnend mit den Analysen aus ‚Überwachen und Strafen‘.
1.1 Erläuterung von Foucaults Konzept der Souveränitätsmacht: Es wird die klassische Souveränitätsmacht als Ausgangspunkt und Negativfolie definiert, die primär durch das Recht über Leben und Tod gekennzeichnet ist.
1.2 Erläuterung von Foucaults Konzept der Bio-Macht: Dieses Kapitel erläutert, wie sich durch Biopolitik eine neue Machtform entwickelte, die Verwaltung und Kontrolle über das Leben der Bevölkerung ausübt.
2. Vergleich der Merkmale und Eigenschaften von Souveränitätsmacht und Bio-Macht: Es wird der Zusammenhang der Machttransformation im Hinblick auf ein revolutionstheoretisches Problem und die Notwendigkeit einer neuen Machtanalytik untersucht.
Schlussbemerkungen: Die Arbeit fasst die zentralen Argumente zur Transformation der Machtformen zusammen und reflektiert die Aktualität von Foucaults Analysen.
Schlüsselwörter
Foucault, Souveränitätsmacht, Bio-Macht, Disziplinarmacht, Biopolitik, Machttransformation, Wille zum Wissen, Überwachen und Strafen, Sexualität, Diskurs, Machtanalytik, Normalisierung, Widerstand, Bevölkerung, Staatsrassismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit Foucaults Verständnis der Machttransformation von historischen, souveränen Formen hin zu modernen, biopolitischen Mechanismen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Genealogie der Machtformen bei Foucault sowie die Unterscheidung und Interaktion von Souveränitätsmacht, Disziplinarmacht und Bio-Macht.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu klären, welche Transformation Foucault beschreibt, wie sich diese Machtformen unterscheiden und warum klassische Machttheorien heute an ihre Grenzen stoßen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Literatur- und Diskursanalyse, primär basierend auf Foucaults Werken wie ‚Der Wille zum Wissen‘ und ‚Überwachen und Strafen‘ sowie ergänzender Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Grundlegung des Machtwandels, eine detaillierte Erläuterung der Souveränitäts- und Bio-Macht sowie einen abschließenden Vergleich dieser Machttypen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Diskurs, Biopolitik, Disziplinierung, Normierung und die Machtanalytik Foucaults beschreiben.
Wie unterscheidet sich die Souveränitätsmacht von der Bio-Macht laut Foucault?
Während die Souveränitätsmacht durch unmittelbaren Zugriff auf den Körper und physische Bestrafung definiert ist, zielt die Bio-Macht auf die Verwaltung, Regulierung und Optimierung der Bevölkerung ab.
Warum spielt die Sexualität eine so zentrale Rolle bei der Analyse der Bio-Macht?
Foucault zeigt auf, dass Sexualität nicht unterdrückt wurde, sondern im Gegenteil zum Gegenstand einer politisch-ökonomischen Regulierung wurde, um die Bevölkerung effizient zu steuern.
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- Andreas Raissle (Author), 2023, Souveränitätsmacht und Bio-Macht. Die Verschiebung der Macht in Foucaults Werk "Der Wille zum Wissen", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1439052