Diese Arbeit zielt darauf ab, das Wechselspiel zwischen den außenpolitischen Handlungen Roosevelts und der öffentlichen Meinung in den USA nachzuvollziehen, und erörtert, inwiefern letztere Einfluss auf den Zeitpunkt des Kriegseintritts hatte. Hierzu wird quellenkritisch die Infamy Speech und ihre unmittelbare Auswirkung auf die US-Öffentlichkeit untersucht. Diese Analyse wird zeigen, dass die USA in beinahe historischer Geschlossenheit hinter der Kriegserklärung standen, was die Frage aufwirft, warum diese nicht schon viel früher erfolgt ist – in Anbetracht der verzweifelten Lage Englands und Frankreichs. Daher wird im Anschluss ein Zeitsprung ins Jahr 1918 zum Ende des Ersten Weltkriegs und seinen Folgen für Amerika gemacht, ehe die sich hieraus erschließende US-Außenpolitik der folgenden Jahre kompakt nachgezeichnet wird, gefolgt von einer intensiven Betrachtung der Regierungsjahre Roosevelts von 1933 bis 1941 im Hinblick auf Außenpolitik und öffentliche Kommunikation darüber.
Roosevelt beschrieb den 7. Dezember 1941 als Tag der Schande "which will live in infamy", wobei er sich auf den zuvor erfolgten Angriff der Japaner auf den US-Marinestützpunkt Pearl Harbor bezog. Mit dem folgenden Kriegseintritt der USA verbanden sich die Kriege in Ostasien und Europa endgültig zu einem neuen, einem zweiten Weltkrieg.
Der blutige Konflikt in Europa zwischen den Achsenmächten und dem britisch-französischen Bündnis tobte da bereits seit zwei Jahren. Und auch in diesem Krieg stand man moralisch und ideologisch schon lange auf Seiten der alten Verbündeten Frankreich und des Vereinigten Königreichs, dessen langes Durchalten gegen die anfängliche Übermacht der Achsenmächte, erst mit kriegswichtigen Gütern aus den USA überhaupt ermöglicht wurde. Doch stand es nicht gut um die westlichen Demokratien, so musste Frankreich im Juni 1940 kapitulieren und in England wurden Stimmen nach Friedensverhandlungen laut. Wieso zögerten die USA also so lange aktiv in den Krieg einzugreifen, hatten diese doch durch die Handlungen ihres Präsidenten den Pfad der Neutralität längst verlassen? Historiker stimmen darin überein, dass ein Grund für Roosevelts Zögern der noch fehlende innenpolitische Rückhalt war. Zum einen stand bis Ende 1941 die Mehrheit der Amerikaner einem aktiven Krieg gegen die Achsenmächte nicht positiv gegenüber, zum anderen gab es im US-Kongress einen isolationistischen Block, der zwar in der Minderheit, aber einflussreich war und zu mobilisieren wusste.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Day of Infamy
2 Die Außenpolitik der USA zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Großen Depression
3 Das Zusammenwirken von Außenpolitik und öffentlicher Meinung unter Franklin D. Roosevelt von 1933 bis 1941
4 Abschlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Wechselspiel zwischen den außenpolitischen Handlungen Franklin D. Roosevelts und der US-amerikanischen öffentlichen Meinung in der Zeit von 1933 bis 1941. Dabei liegt der Fokus primär auf der Frage, inwiefern die isolationistische Haltung der Bevölkerung das lange Zögern der US-Regierung hinsichtlich eines aktiven Eintritts in den Zweiten Weltkrieg beeinflusste.
- Analyse der Rolle der öffentlichen Meinung für außenpolitische Entscheidungen
- Quellenkritische Untersuchung der "Infamy Speech" nach dem Angriff auf Pearl Harbor
- Aufarbeitung der US-Außenpolitik in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg
- Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen Interventionalismus und Isolationismus
- Auswertung von Umfragedaten und deren Einfluss auf die politische Kommunikation Roosevelts
Auszug aus dem Buch
1.1 Day of Infamy
Zunächst soll nun die bereits erwähnte, als Infamy Speech bekannte Rede Franklin D. Roosevelts untersucht werden, welche dieser am 8. Dezember 1941 in Washington bei einer gemeinsamen Sitzung von US-Senat und Repräsentantenhaus im Kongress hielt. Der Anlass der Rede war der am Vortag ohne zuvor erfolgte Kriegserklärung durchgeführte Angriff des Japanischen Kaiserreichs auf den US-amerikanischen Pazifikflottenstützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii. In der vergleichsweise kurz gehaltenen Rede bezeichnet Roosevelt diesen als einen Akt des Verrats und als einen unprovozierten Überfall ohne jegliche Vorwarnung. Die Vereinigten Staaten seien im Frieden mit Japan gewesen, und hätten mitten in Verhandlungen über die Wahrung des Friedens im pazifischen Raum gestanden, die große Distanz zwischen Japan und den hawaiianischen Inseln ließe jedoch keinen Schluss zu, als dass dieser Angriff schon Tage oder Wochen zuvor geplant worden sei. Adressat der Rede ist zunächst einmal der US-Kongress, der unmittelbarer Zuhörer der Infamy Speech war, und dessen Zustimmung für eine Kriegserklärung an Japan sich Roosevelt einholen wollte. Des Weiteren kann jedoch auch die gesamte Bevölkerung der USA zu den Adressaten gezählt werden, an die er sich an vielen Stellen indirekt wendet. So habe sich das amerikanische Volk bereits seine Meinung über den Angriff gebildet und verstanden, welche Auswirkung dieser auf das Leben und die Sicherheit der Nation habe.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema des US-Kriegseintritts ein und erläutert die zentrale Fragestellung zur Bedeutung der öffentlichen Meinung in diesem Prozess.
1.1 Day of Infamy: Dieses Unterkapitel analysiert Roosevelts berühmte Ansprache vor dem Kongress am Tag nach dem Angriff auf Pearl Harbor und deren propagandistische Wirkung.
2 Die Außenpolitik der USA zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Großen Depression: Hier werden die historischen Ursprünge des Isolationismus nach 1918 und die politische Stimmung in den USA während der 1920er-Jahre dargelegt.
3 Das Zusammenwirken von Außenpolitik und öffentlicher Meinung unter Franklin D. Roosevelt von 1933 bis 1941: Dieses Kapitel betrachtet die außenpolitische Strategie Roosevelts, seinen Umgang mit dem starken Isolationismus der Bevölkerung und die schrittweise Abkehr von der Neutralität bis zum Kriegseintritt.
4 Abschlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert die gewonnenen Erkenntnisse und unterstreicht die wegweisende Rolle des öffentlichen Drucks für die politische Handlungsfähigkeit in jener Epoche.
Schlüsselwörter
Franklin D. Roosevelt, Pearl Harbor, Infamy Speech, Isolationismus, Interventionalismus, Außenpolitik USA, öffentliche Meinung, Zweiter Weltkrieg, Kriegseintritt, Demokratie, Roosevelt-Administration, Neutralitätsgesetze, Public Opinion, Geschichte USA.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von außenpolitischen Entscheidungen der US-Regierung unter Franklin D. Roosevelt und der Stimmung der amerikanischen Öffentlichkeit im Vorfeld des Kriegseintritts 1941.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die isolationistische Grundstimmung der USA nach dem Ersten Weltkrieg, Roosevelts politische Kommunikation und der Einfluss dieser Rahmenbedingungen auf seine außenpolitischen Schritte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu erörtern, warum die USA trotz des wachsenden Drucks durch die Aggressionen der Achsenmächte lange mit einer formalen Kriegserklärung zögerten und welche Rolle die öffentliche ablehnende Haltung dabei spielte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine quellenkritische historische Analyse, die vor allem Primärquellen wie Reden Roosevelts sowie zeitgenössische Umfragedaten und historische Fachliteratur auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit inhaltlich behandelt?
Der Hauptteil analysiert chronologisch das Erbe des Ersten Weltkriegs, die Entwicklung der 1930er- und frühen 1940er-Jahre sowie die spezifische Rolle der "Infamy Speech" bei der Mobilisierung der Nation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Isolationismus, Kriegseintritt, Roosevelt, Pearl Harbor und öffentliche Meinung definieren.
Welche Bedeutung hat die "Infamy Speech" konkret?
Die "Infamy Speech" fungierte als Wendepunkt, der erstmals eine breite, fast geschlossene Zustimmung zur Kriegserklärung im bis dahin tief gespaltenen amerikanischen Kongress und Volk erzeugte.
Wieso zögerte Roosevelt trotz diplomatischer Spannungen so lange mit aktiven Schritten?
Roosevelt war aufgrund regelmäßiger Umfragen bewusst, dass ein zu früher aggressiver Kurs oder eine Kriegsbeteiligung auf massiven politischen Widerstand im Kongress und in der isolationistisch geprägten Bevölkerung gestoßen wäre.
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- Michael Bauer (Author), 2019, Die USA beim Eintritt in den 2. Weltkrieg. Die Rolle der öffentlichen Meinung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1441063