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Walter Benjamins Thesen über den Begriff der Geschichte

Titel: Walter Benjamins Thesen über den Begriff der Geschichte

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2009 , 16 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Katharina Baessler (Autor:in)

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
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Geschichte wird heutzutage hauptsächlich als zur Kultur, zur Unterhaltung und zum Bildungsgut gehörig gesehen, seltener aber als ein für unser Leben, Handeln und die Wissenschaft Verbindliches und Wirksames. Auch der Fortschrittsoptimismus in der Geschichtsphilosophie des 19. Jahrhunderts wurde durch Verfallsgeschichte und Untergangsvisionen von der Idee vom Ende der Geschichte abgelöst. Eine gehaltvolle Deutung und philosophische Theorie des geschichtlichen Verlaufs hat in der Moderne stark an Glaubwürdigkeit verloren. Dennoch scheint es heute einen großes Interessen und einen Bedarf an Geschichte zu geben, betrachtet man den Zulauf zu Museen und historischen Ausstellungen, die wachsende Zahl von Publikationen über Alltagsgeschichte, sowie die neuen nationale und ethischen Bewegungen, welche sich auf historische Zugehörigkeit berufen. Walter Benjamins Begriff der Geschichte stellt nun eine aktuelle Alternative zu der ausgedienten universalistischen Geschichtsphilosophie und dem zum Relativismus neigenden Historismus dar. Sie wendet sich ab von einer chronologischen, die Geschehnisse aufzählenden Geschichtsschreibung, indem sie versucht, die Objektivität zu durchbrechen und die Erfahrungen des einzelnen Individuums in den Mittelpunkt des geschichtlichen Verständnisses zu stellen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung: Überblick

I Erläuterung der Thesen über den Begriff der Geschichte

1 These I: Historischer Materialismus und Theologie

2 These II: Gegenwartsverwiesenheit von Erlösung und Glück

3 These III: Verbindung von konkreter Gegenwart und Vergangenheit im Zitat

4 These IV: Der Kampf um die feinen und spirituellen Dinge

5 Thesen V, VI, VII: Aktualisierung des Gewesenen

6 These VIII: Der Ausnahmezustand als Normalfall

7 These IX: Der Engel der Geschichte

8 Thesen X-XIII: Kritik am Fortschrittsbegriff

9 Thesen XIV-XV: Konstruktion durch Destruktion

10 Thesen XVI-XVIII, Anhang A und B: messianische Stilllegung des Geschehens

II persönliche Stellungnahme zu Walter Benjamins Thesen

Schluss: Appell an die Gegenwart

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit Walter Benjamins "Thesen über den Begriff der Geschichte" auseinander, um eine Alternative zum traditionellen, am Fortschrittsoptimismus orientierten Geschichtsverständnis aufzuzeigen. Dabei wird untersucht, wie die messianische Kraft der Erinnerung und die Aktualisierung vergangener Ereignisse genutzt werden können, um ungerechte gesellschaftliche Zustände zu hinterfragen und eine politische Handlungsfähigkeit in der Gegenwart zu begründen.

  • Analyse der zentralen Thesen Benjamins zum historischen Materialismus und der Theologie.
  • Untersuchung der Gegenwartsverwiesenheit von Erlösung und Glück im geschichtlichen Prozess.
  • Kritik am linearen Fortschrittsbegriff und der Rolle des historischen Wissens.
  • Erarbeitung der Methode der "Konstruktion" und "Destruktion" zur Offenlegung verborgener Sinninhalte.
  • Reflexion über die Notwendigkeit des aktiven Eingedenkens als politisches Instrument.

Auszug aus dem Buch

7 These IX: Der Engel der Geschichte

Die Überwindung des Faschismus verlangt deshalb eine andere Auffassung der Geschichte. Zur Veranschaulichung dieses Kernanliegens zieht Benjamin im Zentrum seiner Thesen Paul Klees Bild „Angelus Novus“ heran und bezeichnet die dargestellte Engelfigur als den Engel der Geschichte, der die Fortschrittsideologie als Katastrophe betrachtet. Der Engel sieht aus, „als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muss so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, daß der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm“ (TBG, 669-670)

Obwohl es sein sehnlichster Wunsch ist, kann der Engel den Sturm der fortschreitenden Zeit nicht anhalten, um in die Katastrophe einzugreifen und das Geschehene rückgängig zu machen. Er kann nur versuchen, sich nicht mit dieser Vergangenheit als einer Kette von Begebenheiten abzufinden, indem er den Schaden benennt, ihn in Erinnerung behält und die Katastrophe anprangert. Die der Zeit gewöhnlich unterstellte vorwärts strebende Dynamik wird durch die Blickrichtung des Engels konterkariert. Dieser blickt auf das Unrecht der Vergangenheit und macht es dadurch gegenwärtig, was die Eindrücklichkeit des Geschehenen verstärkt. Als Prophet der Gegenwart sieht der Engel, was alles noch Geschichte werden kann beziehungsweise hätte werden können.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Überblick: Diese Einleitung skizziert die Notwendigkeit einer neuen philosophischen Theorie des geschichtlichen Verlaufs und stellt Benjamins Ansatz als Alternative zum Historismus vor.

1 These I: Historischer Materialismus und Theologie: Das Kapitel analysiert die Allegorie des Schachroboters, um das Zusammenspiel von historischem Materialismus und theologischem Eingedenken zu verdeutlichen.

2 These II: Gegenwartsverwiesenheit von Erlösung und Glück: Hier wird dargelegt, warum wahres Glück nicht in einer fernen Zukunft, sondern im aktiven Bezug der Gegenwart zur Vergangenheit liegt.

3 These III: Verbindung von konkreter Gegenwart und Vergangenheit im Zitat: Dieses Kapitel erläutert, wie das Zitat als Mittel dient, vergangene Momente in die Jetztzeit zu holen und so konventionelle Geschichtsbilder aufzubrechen.

4 These IV: Der Kampf um die feinen und spirituellen Dinge: Es wird untersucht, wie immaterielle Werte trotz materieller Niederlagen gegen herrschende Unterdrückungsmechanismen wirken.

5 Thesen V, VI, VII: Aktualisierung des Gewesenen: Diese Thesen befassen sich mit der Konstruktion eines wahren Geschichtsbildes, das sich dem Konformismus der Sieger entgegenstellt.

6 These VIII: Der Ausnahmezustand als Normalfall: Die Analyse zeigt auf, dass für die Unterdrückten der Ausnahmezustand die historische Regel darstellt, woraus sich eine radikale politische Handlungsnotwendigkeit ergibt.

7 These IX: Der Engel der Geschichte: Anhand von Paul Klees Bild "Angelus Novus" wird die Fortschrittsgläubigkeit als zerstörerischer Sturm kritisiert.

8 Thesen X-XIII: Kritik am Fortschrittsbegriff: Dieses Kapitel setzt sich kritisch mit der parlamentarischen Linken und einem unreflektierten Glauben an den Fortschritt auseinander.

9 Thesen XIV-XV: Konstruktion durch Destruktion: Es wird beschrieben, wie das Aufbrechen des historischen Kontinuums durch eine dialektische "Destruktion" erst eine echte historische Konstruktion ermöglicht.

10 Thesen XVI-XVIII, Anhang A und B: messianische Stilllegung des Geschehens: Der Fokus liegt auf der "Jetztzeit" und der monadologischen Struktur des geschichtlichen Gegenstands als Moment der revolutionären Chance.

II persönliche Stellungnahme zu Walter Benjamins Thesen: Die Autorin reflektiert kritisch über das Verhältnis von Theologie und Materialismus sowie die ethische Dimension des Gedenkens.

Schluss: Appell an die Gegenwart: Diese Zusammenfassung betont die Relevanz der Benjaminschen Methode für den Umgang mit modernen Medien und historischen Zeugnissen.

Schlüsselwörter

Walter Benjamin, Geschichtsphilosophie, Historischer Materialismus, Theologie, Fortschrittsbegriff, Jetztzeit, Eingedenken, Faschismus, Angelus Novus, Messianik, Klassenkampf, Revolution, Monade, Überlieferung, Erlösung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit einer tiefgehenden Analyse von Walter Benjamins "Thesen über den Begriff der Geschichte" und deren Bedeutung für das Verständnis von Vergangenheit, Gegenwart und politischem Handeln.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die Kritik am linearen Fortschrittsdenken, die Verbindung von Theologie und Historismus sowie die Rolle der Erinnerung im Kampf gegen den Faschismus.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, Benjamins theoretisches Konstrukt zu entschlüsseln und aufzuzeigen, wie seine Philosophie als Werkzeug gegen eine als "Geschichte der Sieger" verstandene Geschichtsschreibung dienen kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine hermeneutische Textanalyse der Thesen Benjamins, ergänzt durch eine kritische Auseinandersetzung mit der Sekundärliteratur sowie eine eigene persönliche Stellungnahme.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Exegese der Thesen I bis XVIII, wobei insbesondere Begriffe wie die "Jetztzeit", das "Eingedenken" und der "Engel der Geschichte" detailliert erläutert werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Messianische Stilllegung", "Konstruktion durch Destruktion", "Gegenwartsverwiesenheit" und "Monadologische Struktur" charakterisiert.

Warum wird der "Engel der Geschichte" als zentrale Figur herangezogen?

Der Engel dient als anschauliche Metapher für den Historiker, der nicht blindlings in die Zukunft blickt, sondern das Unrecht der Vergangenheit erkennt und die Katastrophe des linearen Fortschritts offenlegt.

Was bedeutet die "messianische Stilllegung des Geschehens"?

Es bezeichnet einen Moment, in dem der historische Fluss angehalten wird, um ein bestimmtes Ereignis der Vergangenheit mit der Gegenwart zu konstellieren, was eine revolutionäre Chance zur Erlösung eröffnet.

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Details

Titel
Walter Benjamins Thesen über den Begriff der Geschichte
Hochschule
Hochschule für Philosophie München
Veranstaltung
Walter Benjamins "Kritische Theorie"
Note
2,0
Autor
Katharina Baessler (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V144135
ISBN (eBook)
9783640533756
ISBN (Buch)
9783640533909
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Walter Benjamins Thesen Begriff Geschichte
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Katharina Baessler (Autor:in), 2009, Walter Benjamins Thesen über den Begriff der Geschichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144135
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