Die Forschungsfrage dieser Arbeit lautet: Inwiefern trägt der kreuzestheologische Entwurf von Jürgen Moltmann, wie in seinem Werk "Der gekreuzigte Gott" dargestellt, zur Lösung des Theodizeeproblems bei? Um dies zu untersuchen, wird zunächst die Theodizee im ersten Teil erläutert, gefolgt von einer allgemeinen und spezifischen Betrachtung der Kreuzestheologie im zweiten Kapitel, insbesondere im Kontext von Moltmanns Werk.
Die Worte Goethes, dass "wo viel Licht ist, starker Schatten" existiert, spiegeln die unausweichliche Verbindung von Glück und Leid wider. In der Geschichte finden sich zahlreiche Beispiele für tiefgreifendes Leid, das die Frage nach einem gütigen und allmächtigen Gott aufwirft. Dieses Dilemma wird in der Theologie und Philosophie als Theodizee-Problem erforscht, während die Kreuzestheologie, vertreten unter anderem von Jürgen Moltmann, das Leiden als zentralen Punkt des christlichen Glaubens betrachtet.
Es werden Moltmanns Thesen, die einen Bezug zur Theodizeefrage aufweisen, herausgearbeitet. Eine vergleichende Analyse mit dem Theodizee-Ansatz wird durchgeführt, um den Beitrag von Moltmanns Ansatz zur Lösung des Theodizeeproblems zu verstehen. Das Fazit wird die zentralen Erkenntnisse zusammenfassen und die Grenzen dieser Arbeit reflektieren. Diese Arbeit verspricht eine tiefgehende Untersuchung der Verbindung zwischen Kreuzestheologie und Theodizee.
Inhaltsverzeichnis
1 Theodizee
1.1 Die ursprüngliche Sündenfalltheodizee
1.2 Die Privationslehre
1.2.1 Die augustinische Theodizee
1.2.2 Die Leibniz’sche Theodizee
1.3 Die irenäische Theodizee und ihre modernen Weiterentwicklungen
1.4 Kritik an der Theodizee
2 Kreuzestheologie bei Jürgen Moltmann
2.1 Kreuzestheologie – Definition und allgemeine Aspekte
2.2 Exkurs: Moltmanns Weg zur Kreuzestheologie
2.3 Moltmanns Kreuzestheologie im „gekreuzigten Gott“
3 Beitrag von Moltmanns Kreuzestheologie zur Lösung des Theodizeeproblems
3.1 Die Theodizeefrage im „gekreuzigten Gott“
3.2 Moltmanns Gottesbegriff
3.3 Implikationen von Moltmanns Gottesbegriff
3.4 Menschlich unbeantwortbare Übel bei Moltmann
3.5 Vergleich zwischen Moltmanns theologia crucis und der Theodizee
3.6 Beiträge der beiden Ansätze zur Lösung des Theodizeeproblems
4 Fazit
4.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
4.2 Limitationen und weiterführende Überlegungen
4.3 Resumée
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, den kreuzestheologischen Entwurf von Jürgen Moltmann in seinem Werk „Der gekreuzigte Gott“ im Hinblick auf seinen Beitrag zur Lösung des Theodizeeproblems zu untersuchen und ihn der klassischen Theodizee vergleichend gegenüberzustellen.
- Grundlagen und zentrale Ansätze der Theodizee im Vergleich
- Die Entschlüsselung von Moltmanns „theologia crucis“
- Der Gottesbegriff als Antwort auf das menschliche Leiden
- Moltmanns Umgang mit „unbeantwortbaren“ Übeln wie Auschwitz
- Vergleich der Grundhaltungen von Kreuzestheologie und traditioneller Theodizee
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Theodizeefrage im „gekreuzigten Gott“
Die Theodizee wird nur in wenigen Textpassagen des „gekreuzigten Gottes“ explizit erwähnt: Zum einen liefert Moltmann in Kapitel 5.3 eine Definition der Theodizeefrage; diese ergebe sich daraus, dass zwar Jesus, aber nicht jeder Einzelne von uns auferweckt worden sei. Zum anderen nennt er das Theodizeeproblem in Kapitel 6.3 als Argument für den Atheismus.
Über die expliziten Erwähnungen der Theodizee hinaus finden sich im „gekreuzigten Gott“ zudem viele Passagen, in welchen Moltmann das Theodizeeproblem implizit aufgreift. Diesbezüglich äußert er erstens den Anspruch an jede christliche Theologie, Übel und Leiden aufzugreifen: Diesen Anspruch macht er beispielsweise deutlich, indem er betont, dass die christliche Theologie „in den Leiden dieser Zeit, und das heißt konkret, in und mit den Leidenden in dieser Gesellschaft“ denken müsse.
Zweitens greift Moltmann das Theodizeeproblem auch auf, indem er Bezug auf konkrete Übel in der Gesellschaft seiner Zeit nimmt. Diese bestünden etwa im „Seelenmord der Gottlosen, im Atomtod, im Haschtod der Jugend oder ökologischer Selbstzerstörung“, in „Ehekrisen, Drogensucht, Selbstmord und Alkoholismus“ sowie in „Kapitalismus, Rassismus und unmenschliche[r] Technokratie“. In ähnlicher Weise geht Moltmann auch auf die „dunklen Seiten des Bösen im Menschen“ mehrfach ein, indem er den „Selbstruhm[.] des Unmenschen“, die „allgemeine Erlösungssehnsucht“ und „Fremdenhass, Antisemitismus, Rassenhass, Kommunisten- und Christenverfolgung“ kritisch betrachtet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Theodizee: Überblick über traditionelle Lösungsansätze wie die Sündenfalltheodizee, die Privationslehre und die irenäische Theodizee sowie deren kritische Würdigung.
2 Kreuzestheologie bei Jürgen Moltmann: Darstellung der theologischen Definition und Genese von Moltmanns Kreuzestheologie, insbesondere vor dem Hintergrund seiner persönlichen Biografie.
3 Beitrag von Moltmanns Kreuzestheologie zur Lösung des Theodizeeproblems: Analyse von Moltmanns Gottesbegriff und Vergleich mit der traditionellen Theodizee hinsichtlich ihrer Relevanz für leidende Menschen.
4 Fazit: Synthese der Ergebnisse zur unterschiedlichen Zielsetzung beider Ansätze und Reflexion über künftige theologische Forschungsperspektiven.
Schlüsselwörter
Theodizee, Kreuzestheologie, Jürgen Moltmann, Der gekreuzigte Gott, Leiden, Gottesglauben, Trinität, theologia crucis, Privationslehre, Leid, Menschwerdung, Befreiung, Gottverlassenheit, christlicher Glaube, Sinnstiftung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht und vergleicht das Theodizeeproblem mit Jürgen Moltmanns Kreuzestheologie, um zu klären, ob und inwiefern der Entwurf in „Der gekreuzigte Gott“ eine Antwort auf die Frage nach dem Leid geben kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition der klassischen Theodizee, der trinitarischen Kreuzestheologie Moltmanns, dem christlichen Gottesbegriff sowie der Frage, wie Glauben in einer Welt mit „unbeantwortbaren“ Übeln möglich ist.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage lautet: Inwiefern trägt der kreuzestheologische Entwurf, welchen Moltmann in seinem Buch „Der gekreuzigte Gott“ präsentiert, zur Lösung des Theodizeeproblems bei?
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative theologische Analyse, indem sie primärliterarische Aussagen Moltmanns mit den theoretischen Konstrukten der klassischen Theodizee-Debatte kontrastiert und wertet.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der systematischen Gegenüberstellung: Erst wird die Theodizee beschrieben, dann Moltmanns Ansatz entfaltet, anschließend werden beide Ansätze unter Berücksichtigung von Gottesbild, Leiden und Praxisbezug miteinander verglichen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Typische Begriffe sind Theodizee, Kreuzestheologie, Moltmann, Gottesbegriff, Leid, Gottesverlassenheit, theologia crucis und christliche Befreiung.
Wie geht Moltmann mit historischem, nicht zu rechtfertigendem Leid (wie Auschwitz) um?
Moltmann versucht nicht, solches Leid zu euphemisieren oder zu rechtfertigen. Stattdessen vertritt er eine „Theologie in Auschwitz“: Gott ist nicht Verursacher, sondern solidarischer Begleiter, der das Leid des Menschen in sich aufnimmt.
Worin besteht der grundlegende Unterschied zwischen Theodizee und Moltmanns Ansatz?
Während die Theodizee als theoretisches Konstrukt den Widerspruch zwischen Gott und Leid zu „lösen“ versucht, zielt Moltmanns Kreuzestheologie auf eine praktische Lebenshilfe ab, indem sie Gott als einen mit-leidenden Partner auf Augenhöhe begreift.
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- Mara Boss (Author), 2022, Die Kreuzestheologie von Jürgen Moltmann. Untersuchung seines Beitrags zur Lösung des Theodizeeproblems, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1441743