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Rezeption des Nibelungenliedes in der Neuzeit – Moritz Rinke: „Die Nibelungen“

Title: Rezeption des Nibelungenliedes in der Neuzeit – Moritz Rinke: „Die Nibelungen“

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 32 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: M.A. Andrea Frohleiks (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Das im 12. Jahrhundert entstandene Nibelungenlied beschäftigt spätestens seit seiner Wiederentdeckung im 18. Jahrhundert durch Johann Jacob Bodmer die Welt und insbesondere die deutsche Germanistik.
Losgelöst von interpretatorischen Belastungen, nationalistischer Befrachtung und germanistischen Phrasen hat Moritz Rinke, geboren 1967 in Worpswede, einen neuen Zugang zum Nibelungenlied gesucht – und gefunden. Sein Drama „Die Nibelungen“ (2002) folgt ausschließlich dem Nibelungenlied und lässt andere Aufarbeitungen des Stoffes außer Acht.
„Die Nibelungen“ wurden im Sommer 2002 im Rahmen der neugegründeten Nibe- lungenfestspiele auf der Wormser Freilichtbühne vor dem Dom – dem Originalschau- platz – uraufgeführt.
Thema dieser Hausarbeit ist die Beschäftigung mit Rinkes Drama als Beispiel für die Rezeption des Nibelungenliedes in der Neuzeit. Dabei werde ich nicht auf den Stellenwert der „Nibelungen“ in der Rezeptionsgeschichte des Nibelungenliedes eingehen – dieser wird sich erst in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zeigen können. Auch die Rezeptionsgeschichte im Allgemeinen sowie im Besonderen deren Beurteilung des nationalen Charakters des Nibelungenliedes werde ich vernachlässigen und nur im Zusammenhang mit Rinkes eigener Beurteilung und seinem immanenten Umgang mit dem Mythos Nationalepos Nibelungenlied in den „Nibelungen“ erwähnen. Stattdessen wird in der Analyse der Vergleich mit dem mittelalterlichen Originaltext im Vordergrund stehen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Der Aufbau der „Nibelungen“

3. Das Gestaltungsmittel der Vorausdeutung

3.1 Kinder

3.2 Die erste Szene

3.3 Theater im Theater

3.4 Etzels Brautwerbung

3.5 Kriemhilds Träume

4. Personengestaltung

4.1 Frauengestalten

4.1.1 Kriemhild

4.1.2 Brünhild

4.2 Frauenwelt

4.2.1 Handlungsorte

4.2.2 Idealismus

4.2.3 Opferrolle

4.3 Männergestalten

4.3.1 Siegfried

4.3.2 Hagen

4.3.3 Giselher

4.4 Männerwelt

4.5 Frauenwelt versus Männerwelt

5. Interpretationsmöglichkeiten

6. Nationalepos Nibelungenlied?

7. Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht das Drama „Die Nibelungen“ (2002) von Moritz Rinke als Beispiel für die moderne Rezeption des mittelalterlichen Nibelungenliedes, wobei der Fokus auf den strukturellen und inhaltlichen Veränderungen sowie der Personengestaltung liegt.

  • Analyse der dramaturgischen Struktur und des Einsatzes von Vorausdeutungen.
  • Untersuchung der psychologischen Tiefe und Individualisierung der Hauptfiguren.
  • Kontrastierung von Frauen- und Männerwelt im Vergleich zur mittelalterlichen Vorlage.
  • Kritische Auseinandersetzung mit der national-ideologischen Vereinnahmung des Stoffes.
  • Herausarbeitung der modernen Interpretation von Schuld und Opferrollen im Drama.

Auszug aus dem Buch

3.1 Kinder

Wie ich bereits erwähnt habe, fehlt in den „Nibelungen“ ein Erzähler. An Stelle eines solchen hat Rinke an zwei Stellen die – zum erzählten Geschehen noch nicht geborenen – Kinder der Hauptpersonen verwendet. Interessant ist dabei, dass den Kindern im Nibelungenlied selbst keine bedeutende Rolle zukommt; ihre Existenz wird jeweils nur kurz erwähnt und Kriemhilds zweiter Sohn Ortlieb erhält seine Wichtigkeit nur durch seine Ermordung durch Hagen. Die Erzählungen der Kinder gliedern das Geschehen in zwei Teile. Zu Beginn der Haupthandlung geben die beiden Kinder Siegfried und Gunther einen Überblick über die Personen des Wormser Hofes und das beginnende Geschehen. Parallel dazu gibt auch der kleine Ortlieb nach dem Ortswechsel der Handlung einen Überblick über das Geschehen der Zwischenzeit. Dadurch dass die Kinder zum Zeitpunkt des erzählten Geschehens noch nicht geboren sind, deuten sie einerseits auf ihre eigene spätere Existenz hin, andererseits gliedern sie das Drama in zwei Teile – die Geschichte um Siegfrieds Tod mit dem Handlungsort Worms und den Untergang der Burgunder im Hunnenland. Dieser Aufbau weist auf die Vorlage des Dramas hin, denn das Nibelungenlied selbst gibt – wie ich bereits beschrieben habe – genau diese Zweiteilung vor.

Die Kinder haben noch an einer anderen Stelle einen Sinn als Vorausdeutung; diese zeigt sich im Kampf der beiden Jungen, bei dem Siegfried schwer verletzt wird. Mir erscheint dieses als ein Vorgriff auf das Geschehen, insofern als dass der namensgleiche Onkel Siegfried durch den Untergebenen König Gunthers – nämlich Hagen – sterben wird, so wie der namensgleiche Neffe Gunther seinen Cousin schwer verletzt. Gleichzeitig sehe ich diese Szene aber auch als Rückdeutung. Der Sohn Siegfrieds kämpft bei seiner ersten Ankunft in Worms und gewinnt; damit führt er den Kampf, auf den Siegfried aus Höflichkeit verzichtet hat, um den Burgunder stattdessen im Krieg zu helfen. Dass der Sohn Siegfrieds dem Sohn Gunthers überlegen ist, ist als Symbol für die Unterlegenheit der Burgundern im eigentlichen Kampf zu interpretieren. Wie sich zeigt, bleibt ihnen nur täuschendes Verhalten, um einen „Held“ wie Siegfried zu töten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorwort: Es wird die Rezeption des Nibelungenliedes durch Moritz Rinke und die methodische Herangehensweise der Arbeit an das Drama „Die Nibelungen“ erläutert.

2. Der Aufbau der „Nibelungen“: Dieses Kapitel vergleicht die dreiteilige Aktstruktur des Dramas mit der Aventiuren-Einteilung des mittelalterlichen Epos und weist auf inhaltliche Änderungen hin.

3. Das Gestaltungsmittel der Vorausdeutung: Die Analyse zeigt, wie Rinke durch den Einsatz von Kindern, Vorgriffe und Rückdeutungen das Schicksal der Figuren als „Umschwung von Liebe in Leid“ inszeniert.

4. Personengestaltung: Das zentrale Kapitel untersucht die komplexere, psychologisch motivierte Charakterisierung von Frauen- und Männerfiguren im Vergleich zum Original.

5. Interpretationsmöglichkeiten: Hier werden die veränderte Rollenverteilung und die Zukunftsperspektiven der Figuren sowie die Darstellung von Tätern und Opfern diskutiert.

6. Nationalepos Nibelungenlied?: Dieses Kapitel beleuchtet Rinkes bewusste Distanzierung von national-ideologischen Deutungen und die Entmythologisierung der Charaktere.

7. Schlussbemerkung: Die Arbeit fasst zusammen, dass Rinke durch seine Modernisierung eine vielschichtige Neuinterpretation schafft, die die mittelalterliche Vorlage neu beleuchtet.

Schlüsselwörter

Moritz Rinke, Nibelungenlied, Dramenrezeption, Vorausdeutung, Personengestaltung, Kriemhild, Siegfried, Hagen, Giselher, Idealisierung, Nationalepos, Schuldfrage, Opferrolle, Geschlechterrollen, Moderne Literatur

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der literarischen Auseinandersetzung des Dramatikers Moritz Rinke mit dem mittelalterlichen Nibelungenlied und analysiert dessen moderne Neudichtung.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten zählen der strukturelle Aufbau des Dramas, die psychologische Tiefe der Protagonisten, der Umgang mit dem mythologischen Erbe und die explizite Ablehnung national-ideologischer Interpretationsmuster.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Rinke durch gezielte Änderungen an der Struktur und den Charakteren eine neue, „pathosfreie“ und vielschichtigere Interpretation des klassischen Stoffes ermöglicht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse, die das Drama von Moritz Rinke fortlaufend dem mittelalterlichen Originaltext gegenüberstellt, um Veränderungen und deren erzählerische Funktion herauszuarbeiten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der dramaturgischen Gestaltungsmittel, wie etwa Vorausdeutungen, sowie eine detaillierte Analyse der einzelnen Männer- und Frauengestalten und deren jeweilige Motivation.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Rezeption, Individualisierung, Entmythologisierung, Schuld, Opferrolle sowie die kritische Distanz zur nationalen Vereinnahmung des Nibelungen-Mythos.

Inwiefern unterscheidet sich Rinkes Kriemhild von der mittelalterlichen Vorlage?

Rinkes Kriemhild wandelt sich allmählich von einer sensiblen Idealistin zu einer Rächerin, wobei ihr Handeln stärker psychologisch durch die Enttäuschung über die Männerwelt und das Scheitern ihrer Utopien motiviert ist.

Welche Rolle spielen die Kinder im Drama?

Die Kinder Siegfried und Gunther sowie Ortlieb fungieren als dramaturgisches Mittel zur Strukturierung des Stoffes und zur Vorausdeutung des tragischen Untergangs, da sie als ungeborene Figuren auf die spätere Handlung blicken.

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Details

Title
Rezeption des Nibelungenliedes in der Neuzeit – Moritz Rinke: „Die Nibelungen“
College
University of Osnabrück
Course
Seminar: Das Nibelungenlied – Dynamik eines Untergangs
Grade
1,0
Author
M.A. Andrea Frohleiks (Author)
Publication Year
2004
Pages
32
Catalog Number
V144180
ISBN (eBook)
9783640534142
ISBN (Book)
9783640534173
Language
German
Tags
Rezeption Nibelungenliedes Neuzeit Moritz Rinke Nibelungen“
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Andrea Frohleiks (Author), 2004, Rezeption des Nibelungenliedes in der Neuzeit – Moritz Rinke: „Die Nibelungen“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144180
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