Das Privatsprachenargument Wittgensteins


Referat (Ausarbeitung), 2007

25 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort – Sprache und Empfindungen

2. Einleitung – Aufbau der Arbeit

3. Einführung
3.1 Grundannahmen der „Philosophischen Untersuchungen“ im Kontext des Wandels der Wittgensteinschen Philosophie
3.2 Sprachspiele
3.3 Privatheit und private Empfindungen

4. Textüberblick

5. Privatsprachenargumentation
5.1 Das Privatsprachenargument
5.2 Der Bezug zur öffentlichen Sprache
5.3 Zusammenfassende Betrachtung

6. Resümee: Bedeutung und Diskussion

Literaturverzeichnis

1. Vorwort – Sprache und Empfindungen

Die Sprache ist eines der wichtigsten Elemente unserer emotionalen und sozialen Kommunikation. Je besser diese von klein auf ausgebildet ist, umso differenzierter, gewählter und kommunikativer kann sich der Mensch mitteilen. Sprache ist selbstverständlich und alltäglich, ja sogar überlebenswichtig.

Doch wer von uns macht sich während seines üblichen Tagesablaufes schon differenzierte Gedanken über Entstehung, Gebrauch und Nutzen der Sprache?

Ferdinand de Saussure hat Sprache als Zeichensystem konzipiert[1], Karl Bühler sieht Sprache als „geformtes Gerät“[2]. Für die Pragmatik wiederum ist Sprache ein zweckorientiertes Handlungssystem, das mental verankert ist; für andere das Medium der Gedankenbildung schlechthin (Wilhelm von Humboldt)[3]. Auch die Philosophie beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit dem Phänomen Sprache, wie wir bestimmte Dinge zum Ausdruck bringen, wie z. B. unsere Gefühle. So wird in den Kognitionswissenschaften erforscht, warum ein Mensch erkennen kann wie sein Gegenüber sich fühlt, wenn er sein lachendes Gesicht sieht.

Der österreichisch-englische Philosoph Ludwig Wittgenstein geht noch viel weiter; er stellt sich die Frage ob es überhaupt möglich ist zu wissen, dass zwei Menschen das Gleiche meinen, wenn sie ein Gefühl, ihr eigenes, individuelles Gefühl z. B. als Glück bezeichnen. Woher kann ich wissen, dass mein Gesprächspartner das Gleiche fühlt wie ich? Und wenn dies nicht der Fall sein sollte, ist es dann überhaupt von Bedeutung? Wie kommen wir überhaupt dazu bestimmte Dinge, wie auch Emotionen mit bestimmten Begriffen zu bezeichnen; könnte nicht jeder sich ein eigenes, individuelles Wort für sein eigenes, individuelles Gefühl „ausdenken“?

Normalerweise wird in der modernen Philosophie die Annahme vorausgesetzt, dass die Bedeutung der Wörter durch das gegeben ist wofür sie stehen (augustinisches Bild) und die geistigen Phänomene nur dem Einzelnem zugänglich sind.

Doch seit Ludwig Wittgenstein ändert sich dieses traditionelle Verständnis. Er hat die Sicht auf die Sprachtheorie in interessanter Weise verändert und sich wie kein anderer mit den menschlichen Emotionen und ihren (v. a. sprachlichen) Ausdrucksmöglichkeiten beschäftigt.

Es ist unumstritten, dass dieser Denker erheblichen Einfluss auf die Entwicklung in der Sprachphilosophie genommen und wichtige Denkanstöße, insbesondere in Bezug auf Überlegungen anderer Philosophen wie z. B. Kripke gegeben hat.

Auch wir möchten uns in dieser Arbeit dem „Klassiker“ Wittgenstein und einer seiner Theorien, dem Privatsprachenargument, widmen, aus persönlichem Interesse sowie aktuellen Gründen.

2. Einleitung – Aufbau der Arbeit

Nachdem das persönliche Interesse unsererseits und die Bedeutsamkeit der Erforschung von Wittgensteins Philosophie und vor allem des Privatsprachenarguments im Kontext der fortwährenden Präsenz seiner Gedanken, sowie Einflussnahme auf philosophische Entwicklungen erläutert wurde, soll nun auf den Aufbau der nachfolgenden Arbeit hingewiesen werden:

Primär soll der Text „Privatsprache und private Erfahrung“ aus der Seminarslektüre „ Ludwig Wittgenstein. Ein Reader“[4] untersucht werden. In diesem stellt sich der Philosoph die zentrale Frage: „Ist eine Sprache denkbar, in der eine Person über ihre eigenen subjektiven Erlebnisse spricht, über ihre unmittelbaren privaten Empfindungen?“[5] Im Zuge seiner Überlegungen argumentiert Wittgenstein gegen diese Möglichkeit. Wir wollen mit dieser Arbeit zeigen auf welche Art und Weise dies geschieht.

Zu Beginn wird eine Einordnung des Themas erfolgen, die sich vor allem auf den biografischen Kontext Wittgensteins beziehen wird. Da die allgemein übliche Unterscheidung zwischen dem „frühen“ und dem „späten Wittgenstein“ getroffen wird und die geschichtlichen und gesellschaftlichen Faktoren sowie die persönlichen Erlebnisse sich im Werk des Philosophen niedergeschlagen haben, soll zunächst einmal eine kurze Darstellung seines Lebens erfolgen, in der die wichtigsten Ereignisse als auch Werke des Philosophen aufgeführt werden, in denen Grundzüge seines philosophischen Denkens zum Ausdruck kommen. Es soll also die Ausgangslage fixiert werden, auf welcher der in dieser Arbeit behandelte Text entstanden ist.

Anschließend werden, um Verständnisgrundlagen zu schaffen, Definitionen der grundlegendsten Termini dieses Themenbereichs festgelegt. Es soll in zwei aufeinander folgenden Abschnitten der Einführung exemplarisch deutlich gemacht werden, was sowohl unter dem elementaren Begriff des Sprachspiels als auch unter Privatheit und privater Erfahrung verstanden wird und vor allem was Wittgenstein genau darunter versteht. So soll ein Vorverständnis erlangt werden, welches ein gewisses Einfühlungsvermögen gegenüber dem Meisterkopf Ludwig Wittgenstein vermitteln soll, um das Begreifen der im Hauptteil behandelten komplexeren Thematik zu erleichtern.

Hier wird anschließend im Zuge eines kurzen Textüberblicks die Struktur des solchen herausgearbeitet, damit im Verlauf der Arbeit konkreter erläuterte Aspekte besser verortet werden können.

Nach dieser allgemeinen Einführung und dem Überblick wird im folgenden Hauptteil das Privatsprachenargument dargestellt und analysiert. Mit Bezug auf die eingangs genannte zentrale Fragestellung werden Wittgensteins Argumente dazu nachgezeichnet und eine abschließende Zusammenfassung gegeben. Die Untersuchung wird den Bereich von der Idee einer privaten Sprache über Wittgensteins Überlegungen und den Versuch einer privaten Sprache bis hin zum Bezug zur öffentlichen Sprache umfassen.

Auf die Erläuterung der Theorie der Projektionsmethode muss an dieser Stelle leider verzichtet werden. (Im Referat übernahm eine dritte Kommilitonin diesen Part.)

Es wird die Bedeutung des Privatsprachenarguments mit seinem Ausmaß auf die Entwicklung in der Philosophie beschrieben und ferner die möglicherweise veränderte Sichtweise auf die menschliche Sprache durch dieses in einem zusammenfassenden Abschluss des Hauptteils aufgeführt.

Die gewonnen Ergebnisse, sowie offene Fragen und zukünftige Aussichten werden in einem abschließenden Resümee zusammenfassend festgehalten.

Das Ziel dieser Arbeit besteht sowohl in der Beantwortung der zentralen Fragestellung als auch in der umfassenden Klärung und einer tiefgreifenden, möglicherweise vom ersten persönlichen Verständnis abweichenden, Ergründung und dem Verstehen von Entstehung sowie Entwicklung des Privatsprachenarguments, die Einsicht in dessen Bedeutsamkeit und Einflussnahme auf die Philosophie, was der geschilderte Aufbau unterstreicht.

Aufgrund der insgesamt sehr umfangreichen und komplexen Thematik kann in der Kürze der Arbeit nur diese gezielte Auswahl dargestellt werden und hebt daher bestimmte Bereiche mehr hervor, während andere lediglich gestreift werden können.

An dieser Stelle möchten wir auch ausdrücklich darauf hinweisen, dass viele Interpretationen des Wittgensteinschen Privatsprachenargumentes existieren, darunter auch einige Fehlinterpretationen, die unter anderem durch den eigentümlichen Schreibstil des Philosophen bedingt sind. Daher soll unsere Arbeit nur eine mögliche, keine normative, Art des Verstehens darstellen.

3. Einführung

3.1 Einordnung des Themas – biografische Einflüsse

Die Zeit, in die ein Mensch hineingeboren wird, der sozio- kulturelle Hintergrund sowie persönliche Erfahrungshorizonte nehmen deutlichen Einfluss auf seine Art des Denkens und so ist auch der Einblick in die Lebensumstände Ludwig Wittgensteins von Bedeutung; sie zeigen sein Denken im Wandel:

Ludwig Josef Johann Wittgenstein – so der vollständige Name – wurde 1889 als das jüngste von acht Kindern des Großindustriellen Karl Wittgenstein und seiner Ehefrau Leopoldine in Wien geboren. Karl Wittgenstein gehörte zu den erfolgreichsten Stahl-Industriellen der späten Donaumonarchie und das Ehepaar Wittgenstein wurde zu einer der reichsten Familien der Wiener Gesellschaft der Jahrhundertwende. Der Vater war ein großzügiger Förderer zeitgenössischer Künstler, die Mutter eine begabte Pianistin. Ludwig wurde katholisch erzogen. Wie er selbst zeichneten sich seine Geschwister durch außerordentliche musische und intellektuelle Fähigkeiten aus. Sein Bruder Paul etwa wurde ein berühmter Pianist. Diesen Fähigkeiten stand jedoch eine zarte seelische Konstitution gegenüber: Drei seiner sieben Geschwister begingen Selbstmord. Auch Ludwig Wittgenstein legte Zeit seines Lebens (insbesondere nach den Erfahrungen des Ersten Weltkrieges) depressive Verhaltensweisen an den Tag und erwies sich im Umgang mit seinen Mitmenschen als einerseits autoritär und rechthaberisch, andererseits auch als sensibel und unsicher.[6]

Im Alter von 17 bis 24 Jahren verbringt er seine Jugend mit dem Studium in verschiedenen Städten wie Berlin, Manchester und zuletzt Cambridge.

In den Jahren 1914 –1918 nimmt Wittgenstein freiwillig am Ersten Weltkrieg teil und verfasst in dieser Zeit sein wohl bekanntestes Werk, den „Tractatus logico-philosophicus“, für welchen er auch im Alter von 40 Jahren den Doktortitel in Cambridge verliehen bekommt. Hier lehrt er bis zu seinem 47. Lebensjahr.[7]

Um 1937 schließlich entsteht der 1. Teil der „Philosophischen Untersuchungen“, die den in dieser Arbeit thematisierten Abschnitt „Privatheit und private Empfindungen“ enthalten.[8] Zwei Jahre darauf erhält Wittgenstein den Lehrstuhl Moores und hält schließlich seine letzte Vorlesung in Cambridge im Alter von 58 Jahren. Die Gründe für die Aufgabe seiner Lehrtätigkeit bestanden in der Abneigung gegenüber den akademischen Philosophen und in der Verschlechterung seines Gesundheitszustandes. Ein Jahr später schließt Wittgenstein die Arbeit an den „Philosophischen Untersuchungen“ mit dem 2. Teil ab bevor er 1951 im Alter von 62 Jahren in Cambridge verstirbt.[9]

Ludwig Wittgenstein ging also nach dem Ende seines Stipendiums nach Norwegen und beginnt hier seine „Philosophischen Untersuchungen“ zu verfassen.

Im Folgenden sollen nun die Grundannahmen dieses Werkes im Kontext der Entwicklung seiner Philosophie erläutert werden:

3.1 Grundannahmen der „Philosophischen Untersuchungen“ im Kontext des Wandels der Wittgensteinschen Philosophie

Die Biografie Ludwig Wittgensteins zeigt nun deutlich erste Umstände und Bezüge unter denen sich seine Philosophie und letztlich ja auch auf dessen Grundlage sich das Privatsprachenargument entwickelt hat.

Die „Philosophischen Untersuchungen“ nun stellen einen Wendepunkt in der Denkweise Wittgensteins dar, welches sich v. a. auf Darstellung und Stil, nicht aber auf Methode und Gehalt der Arbeit auswirkt. Der Philosoph selbst meinte mit diesem Werk seinen „Hauptbeitrag zur Philosophie“[10] geleistet zu haben, in dem er sowohl den Logizismus als auch den Formalismus und den Intuitionismus verwirft.

[...]


[1] De Saussure, Ferdinand: Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft. 2. Auflage mit neuem Register und einem Nachwort von Peter von Polenz, Berlin: de Gruyter 1967. (Übersetzung der frz. Originalausgabe v. 1916), S.19.

[2] Bühler, Karl, Sprachtheorie, Stuttgart: G. Fischer 1934, S. 21.

[3] Von Humboldt, Wilhelm, Grundzüge des allgemeinen Sprachtypus, Berlin: Philo 2004, S. 96.

[4] Kenny, Anthony (Hg.), Ludwig Wittgenstein. Ein Reader, Stuttgart: Reclam 1994, S. 168 – ff.

[5] Vgl. op. cit., S. 168.

[6] Vgl. Bömke, Frank, Ludwig Wittgenstein (1889 – 1951), URL: http://www.ilwg.eu/wittgenstein.html (13.11.2006).

[7] Vgl. Hügli, Anton/Lübcke, Poul (Hgg.), Philosophielexikon: Personen und Begriffe der abendländischen Philosophie von der Antike bis zur Gegenwart, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch 6. Aufl. 2005, S. 682 ff.

[8] Vgl. Kenny, Anthony (Hg.), Ludwig Wittgenstein. Ein Reader, Stuttgart: Reclam 1994, S. 176.

[9] Vgl. Unveröffentlichte Seminarsmitschrift zu Reichenberger, Andrea, Einführung in die Sprachphilosophie Wittgensteins, WS 2006/07 (16.11.2006).

[10] Vgl. Wittgenstein, Ludwig, hg. v. Eike von Savigny, Philosophische Untersuchungen, Berlin: Akad.-Verl. 1998, S. 37.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Das Privatsprachenargument Wittgensteins
Hochschule
Universität Paderborn  (Institut für Humanwissenschaften)
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
25
Katalognummer
V144221
ISBN (eBook)
9783640535330
ISBN (Buch)
9783656834335
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Privatsprachenargument, Wittgensteins
Arbeit zitieren
Carolin Lohre (Autor), 2007, Das Privatsprachenargument Wittgensteins, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144221

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