Unternehmensbewertung ist eines der umfangreichsten Gebiete der Betriebswirtschaft. Es ist gekennzeichnet durch eine sehr hohe Methodenvielfalt und eine lebhafte Diskussion in der Literatur über deren Anwendbarkeit. Zum aktuellen Zeitpunkt hat das Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschlandmit der dritten Auflage des Standards Grundsätze zur Durchführung von Unternehmensbewertung seine Auffassung zu diesem Thema veröffentlicht. Diese Arbeit soll die Vorstellungen des IDW S1 i.d.F. 2008 zur Unternehmensbewertung untersuchen unddiskutieren.
Einleitend sollen die Grundlagen der Unternehmensbewertung vorgestellt werden, gefolgt von einer vergleichenden Darstellung der Unternehmensbewertung nach dem IDW S1 i.d.F. 2008. Anschließend wird diskutiert, ob der IDW S1 i.d.F. 2008 angemessene Methoden auswählt und diese zielführend konkretisiert. Darüber hinaus wird die praktische Anwendbarkeit des Standards untersucht. Im Anschluss daran werden Unterschiede zu Bewertungsgrundsätzen herrschender Bilanzierungssystemen aufgezeigt. Die Arbeit schließt dann nach einer kritischen Würdigung des IDW S1 i.d.F. 2008 mit einer Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse und einem Ausblick der Entwicklung des IDW S1 i.d.F. 2008.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Gang der Untersuchung
2. Grundlagen der Unternehmensbewertung
2.1. Grundzüge der modernen Unternehmensbewertung
2.2. Unternehmensbewertung nach dem IDW S1 2008
3. Der IDW S1 i.d.F.2008 im Fokus
3.1. Eine angemessene Unternehmensbewertung im Sinne des IDW
3.2. Probleme in der praktischen Anwendung des IDW S1
3.2.1. Theorie versus Praxis
3.2.2. Bewertung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU)
3.3. Unterschiede der Bewertungsgrundsätze nach IDW S1 zu allgemeinen Bewertungsgrundsätzen
3.3.1. Unterschiede zum deutschen HGB
3.3.2. Unterschiede zu den IFRS
4. Kritische Würdigung des IDW S1
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und diskutiert die Vorgaben des IDW S1 i.d.F. 2008 zur Unternehmensbewertung. Ziel ist es, die Angemessenheit der vorgeschlagenen Methoden, die praktische Anwendbarkeit des Standards sowie die Unterschiede zu anderen Bilanzierungssystemen wie HGB und IFRS kritisch zu beleuchten.
- Grundlagen der modernen Unternehmensbewertung
- Analyse des IDW S1 Standards in der Fassung von 2008
- Praktische Herausforderungen bei der Anwendung des CAPM
- Besonderheiten bei der Bewertung von KMU
- Vergleichende Analyse zwischen IDW S1, HGB und IFRS
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Theorie versus Praxis
Die Benutzung des CAPM scheint schon vor dem Hintergrund schwierig, dass das CAPM ein Erklärungsmodell und kein Entscheidungsmodell ist, das auf realitätsfernen Annahmen beruht und eine einperiodige Betrachtung darstellt, während die Bewertung eine mehrer Perioden umfasst. Sieht man von dieser Modellproblematik ab, ergeben sich in der praktischen Anwendung weitere Schwierigkeiten. Im vorherigen Abschnitt wurde aufgezeigt, dass die Bestimmung der Parameter des CAPM nur durch Annäherung über Proxies möglich ist. Die Bestimmung des Basiszinssatzes anhand von Zinsstrukturkurven erfolgt in der Praxis zumeist über die von der Deutschen Bundesbank nach der Svensson-Methode ermittelte Zinsstrukturkurve für Staatsanleihen. Diese Methode erlaubt es für zukünftige Überschüsse laufzeitäquivalente Basiszinssätze (spot rates) zu ermitteln, anhand derer ein einheitlicher barwertäquivalenter Zinssatz errechnet werden kann. Dieser Einheitszins enthält Rundungsfehler, die aber aufgrund der Komplexitätsreduktion in Kauf genommen werden. Der -Faktor kann bei börsennotierten Unternehmen mittels einer Regressionsanalyse abgeleitet werden. Ob dies in Bewertungspraxis geschieht scheint nicht zuletzt aufgrund des Aufwandes und der beruflichen Zeitknappheit fragwürdig, denn auch der S1 verweißt auf Finanzdienstleister. Die Anwendungsschwierigkeiten, die sich aus dem deutschen Steuersystem ergeben, sollen aus Komplexitätsgründen in dieser Arbeit nicht betrachtet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Problemstellung und des Untersuchungsgangs bezüglich des IDW S1 Standards.
2. Grundlagen der Unternehmensbewertung: Darstellung der modernen Bewertungsansätze und der spezifischen Einordnung des IDW S1.
3. Der IDW S1 i.d.F.2008 im Fokus: Detaillierte Untersuchung der Angemessenheit, praktischer Probleme und Abgrenzungen zu HGB und IFRS.
4. Kritische Würdigung des IDW S1: Reflektion über die Objektivierbarkeit des Verfahrens und die Kritik am CAPM-Modell.
5. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Einschätzung der Rolle des Wirtschaftsprüfers und zukünftiger Entwicklungstendenzen des Standards.
Schlüsselwörter
Unternehmensbewertung, IDW S1, Wirtschaftsprüfer, Kapitalisierungszinssatz, CAPM, Discounted Cash Flow, Ertragswertmethode, KMU, HGB, IFRS, Objektivierung, Unternehmenswert, Finanzierungspolitik, Zirkularitätsproblem, Bewertungsstandards.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch die Vorgaben des IDW S1 Standards in der Fassung von 2008 für die deutsche Unternehmensbewertungspraxis.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die methodische Fundierung der Bewertung, die Anwendbarkeit des CAPM, Besonderheiten bei KMU sowie Vergleiche mit HGB und IFRS.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll untersucht und diskutiert werden, ob der IDW S1 zielführende Methoden zur Ermittlung eines objektivierten Unternehmenswerts vorgibt.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit nutzt einen methodisch-vergleichenden Ansatz, indem sie theoretische Anforderungen der Finanzierungstheorie den praktischen Anwendungsvorgaben des IDW gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Konkretisierung der Bewertung durch den IDW S1, den Problemen in der praktischen Anwendung, insbesondere bei KMU, und der Abgrenzung zu anderen Rechnungslegungssystemen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Unternehmensbewertung, IDW S1, Kapitalisierungszinssatz, CAPM, DCF-Verfahren und Objektivierung.
Welche Rolle spielt die Unterscheidung zwischen "Theorie und Praxis" für die Arbeit?
Das Kapitel thematisiert, dass das CAPM ein realitätsfernes Erklärungsmodell ist, dessen praktische Anwendung auf Annäherungen und Proxies angewiesen ist, was den Spielraum für Ermessen des Bewerters vergrößert.
Warum ist die Bewertung von KMU laut dem Text besonders herausfordernd?
KMU fehlen häufig detaillierte Informationsbasen, sie sind nicht börsennotiert (Erschwerung des CAPM-Parameters) und erfordern zusätzliche Risikozuschläge sowie eine Berücksichtigung der eingeschränkten Fungibilität.
- Arbeit zitieren
- Benjamin Burghardt (Autor:in), 2009, Unternehmensbewertung nach dem IDW S1 2008, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144230