Nietzsche - ein Klassiker der Pädagogik

Biografie und pädagogische Grundgedanken


Seminararbeit, 2004

15 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

- Biografie

- Werke

- Pädagogische Grundgedanken
1. Nietzsche als Erzieher
- Nietzsches pädagogische Grunderfahrung
- Nietzsches Übermensch
2. Nietzsche in der Pädagogik
- Nietzsche und die Persönlichkeitspädagogik
- Nietzsche und die Landerziehungsheimbewegung
- Nietzsche und der Arbeitsschulgedanke
- Nietzsche und die Kunsterziehungsbewegung

- Vergleich mit J. J. Rousseau

- Einordnung in seine Zeit

- Bedeutung Nietzsches für die heutige Pädagogik (Eigene Stellungnahme)

Biografie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Werke

- Homer und die klassische Philologie: (1869)
- Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik: (1871)
- Unzeitgemäße Betrachtungen: (1873)
- Menschliches Allzumenschliches: (II, 1878)
- Der Wanderer und sein Schatten: (1880)
- Morgenröte: (1881)
- Die fröhliche Wissenschaft: (1882)
- Also sprach Zarathustra: (IV, 1883-1891)
- Jenseits von Gut und Böse: (1886)
- Zur Genealogie der Moral: (1887)
- Der Antichrist: (1888)
- Dionysus-Dithyramben: (1888)
- Der Fall Wagner: (1888)
- Götzendämmerung: (1869)
- Gedichte und Sprüche: (1898)
- Ecce homo
- Der Wille zur Macht (Nl., hg. E. Förster-N. u. P. Gast, 1901 (erw. 1906))

Pädagogische Grundgedanken

1. Nietzsche als Erzieher

Menschliches Leben gründe nicht wesentlich auf gegenständlicher Lebensäußerung, Gesellschaft, Arbeit und Bedürfnissen, sondern auf dem Willen, der sich gegen die im Menschen angelegte Naturgewalt der Selbstzerstörung richte. "Wer tief in die Welt gesehen hat, errät wohl, welche Weisheit darin liegt, dass die Menschen oberflächlich sind. Es ist ihr erhaltener Instinkt, der sie lehrt, flüchtig, leicht und falsch zu sein” (Nietzsche „Jenseits von Gut und Böse”, WW IV, S. 620).

Menschen seien zuallererst Tiere, die einer Zügelung bedürften, die nicht praktisch, theoretisch, gesellschaftlich, also kulturell in ihnen selbst als Resultat ihrer gesellschaftlichen Naturgeschichte entwickelt ist, sondern durch eine Macht ihnen "eingebrannt" werden müsse, ein Gedächtnis, das sie nicht so sein lässt, wie es ihre Triebe und Begierden von ihrer Natur her verlangen.

"Wie macht man dem Menschen-Tiere ein Gedächtnis? Wie prägt man diesem teils stumpfen, teils faseligen Augenblicks-Verstande, dieser leibhaften Vergeßlichkeit etwas so ein, daß es gegenwärtig bleibt? (...) Man brennt etwas ein, damit es im Gedächtnis bleibt: nur was nicht aufhört, wehzutun, bleibt im Gedächtnis das ist ein Hauptsatz aus der allerältesten (leider auch allerlängsten) Psychologie auf Erden. ... Es ging niemals ohne Blut, Martern, Opfer ab, wenn der Mensch es nötig hielt, sich ein Gedächtnis zu machen” (Nietzsche: Genealogie, WW IV, S. 802f).

Die Entwicklung der Menschheit sei nur durch einen Willen erklärlich, der sich über die Niedertracht der menschlichen Natur stellt - auch, indem er Gewalt hiergegen setzt. Er selbst sei unmittelbar sinnliche Notwendigkeit des Begehrens:

"Der Mensch sucht nicht Lust und vermeidet nicht Unlust (...) Lust und Unlust sind bloße Folge, bloße Begleiterscheinung - was der Mensch will, was jeder kleinste Teil eines lebenden Organismus will, das ist ein Plus von Macht. ... Die Unlust, als Hemmung seines Willens zur Macht, ist also ein normales Faktum, das normale Ingrediens jedes organischen Geschehens; der Mensch weicht ihr nicht aus, er hat sie vielmehr fortwährend nötig: jeder Sieg, jedes Lustgefühl, jedes Geschehen setzt einen überwundenen Widerstand voraus". (WW VI, Nachlass, S. 712).

Damit sei ein Gegensatz in der Menschheitsgeschichte quasi natürlich ausgemacht, der sich zwischen Herrenrasse und Sklavenmenschen austrägt und die Geschichtsepochen ausfüllt, die Herren dekant werden lässt, und die Sklaven zu Herren macht. Das Prinzip sei letztlich das Übermenschliche schlechthin, das sich darin durchsetzt, der Übermensch, der alleine seine Welt gestaltet.

Um Nietzsche als Erzieher verstehen und seiner Definition des Erziehungs- und Bildungsbegriffs folgen zu können ist es auch wichtig sich den Zusammenhang seiner eigenen Erziehungserfahrung anzuschauen. Anschließend möchte ich Nietzsches ‚Übermensch’ genauer vorstellen und darlegen was dies für uns heute bedeutet.

Nietzsches Pädagogische Grunderfahrung

Im Hause Nietzsche herrschte, in den ersten fünf Lebensjahren Nietzsches, die strenge Hand des Vaters. Das bedeutete, dass im gegebenen Fall hart gestraft wurde und sehr auf Leistung, Korrektheit und Christengläubigkeit geachtet wurde. Nietzsches Schwester schrieb kurz vor ihrem Tod, „dass jetzt nirgends Kinder so streng erzogen werden wie wir es wurden“ (Förster-Nietzsche 1935: 35).

Als Friedrich Nietzsche fünf Jahre alt war starb sein Vater. Die Ärzte diagnostizierten Gehirnerweichung. Von da an wuchs er unter Frauen auf. Sein Verhältnis zu seiner Mutter war kompliziert. Sie zog es vor ihn, statt mit Zorn und Schläge, mit Liebesentzug zu bestrafen. Außerdem störte es sie, dass ihr Sohn „über alle Dinge seine Gedanken (hatte), die mit denen andrer Leute gar nicht übereinstimmten“ (Förster-Nitzsche 1912: 33). Ostern 1861 kam es erstmals zu Auseinandersetzungen in Glaubensdingen. Damals bat Nietzsche seine Mutter noch um Verzeihung. Jahre später folgte die Analyse dessen, was zu dieser Zeit in ihm vorging. „Ein kalter Blick, ein verzogener Mund von Seiten Derer, unter denen und für die man erzogen ist, wird auch vom stärksten noch gefürchtet. Was wird da eigentlich gefürchtet? Die Vereinsamung! als das Argument, welches auch die besten Argumente für eine Person oder Sache niederschlägt! – So redet der Heerden-Instinct aus uns.“ (KSA 3: 415). Nietzsche brachte hier die pädagogische Erfahrung einer ganzen Generation zum Ausdruck. Jede Mutter, notierte er sich 1880, hält „das für moralich (...), was ihr Ansehen mehrt“ (KSA 9: 138). Er kreidet den Müttern damaliger Zeit an, dass sie die Individualität und Persönlichkeit ihrer Kinder in der Art unterdrücken und beeinflussen, dass eine annähernd freie Entfaltung überhaupt nicht möglich ist. 1881 stellte er die Definition auf, Erziehung sei „Umtaufen-lernen oder Anders-fühlen lernen“ (KSA 9: 479). Diese komplizierte Beziehung zur Mutter zog sich bei Nietzsche wie ein roter Faden durch sein Leben. Er blieb auch nicht bei der ‚Lou-Affäre’ von den Intrigen der Mutter und Schwester verschont. In der ‚Schweremetapher’ nahm er in erster Linie Bezug auf die Ängstlichkeit der stark religionsgebundenen Mutter („Dummheit“, „Nachäfferei“), die sich dem aufstrebenden Geist ihres Sohnes abwehrend entgegengestellt hatte. Mit „Liebe und Hunger„ (KSA 1: 320) umschrieb er die Mächte, die ihn trotz allem immer wieder zur Mutter zurück führten. Auf Grund dieser Feststellungen forderte Nietzsche eine Art Selbsterziehung, gemäß der Formel: „Hüte mich vor mir, nämlich vor der mir bereits anerzogenen Natur“ (KSA 1: 328).

Nietzsches Übermensch

„Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Tier und Übermensch, - ein Seil über einem Abgrunde“ schrieb Nietzsche in ‚Also sprach Zarathustra’. Seiner Auffassung nach soll aus der Menschheit ein Übermensch hervorgehen und das gemeine Volk soll dafür Sorge tragen, dass dieser Übermensch entstehen kann. Es wurde schon viel über dieses Thema geforscht und einige Wissenschaftler, wie Peter Sloterdijks, gehen davon aus, dass Nietzsche dies durchaus darwinistisch meinte. Sinngemäß schreibt er zum Beispiel auch, „ was der Affe für den Menschen ist, wird der Mensch dem Übermensch sein“. Sollte diese Theorie stimmen, sind wir heutzutage, mit dem Fortschritt unserer Genforschung nahe daran einen solchen Übermenschen, ganz im Sinne von Nietzsche, züchten zu können. Dieser könnte dann das Ende der jetzigen Menschheit bedeuten.

Andere Forschungen haben ergeben, dass es Nietzsche eher darum ging, dass sich der einzelne Mensch aus der Herde löst, um selbst zum Individuum ohne Normen, Moral und Religionen der Herde zu werden. Der Übermensch entspring also der Menschheit und dies kann jeder, in jedem Moment sein. Zarathustra zieht mit seinen Tieren in die Einsamkeit, weg von den Menschen. Als er zurück kehrt verkündet er als Individuum seine Lehren. Diese werden von den Menschen nicht verstanden und angenommen. Letztlich kehrt er in die Einsamkeit zurück. Man kann davon ausgehen, dass Nietzsche seinen Zarathustra bereits als Übermenschen in seinen Büchern beschreibt, da dieser die Herde überwindet. Durch die radikale Individualität und durch das „sich selbst überwinden und zu Gott machen“ ist/wird der Mensch dahingehend das „höchste Wesen“ wodurch er selbst der Übermensch ist.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Nietzsche - ein Klassiker der Pädagogik
Untertitel
Biografie und pädagogische Grundgedanken
Hochschule
Pädagogische Hochschule in Schwäbisch Gmünd
Veranstaltung
Klassiker der Pädagogik
Note
1,5
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V144253
ISBN (eBook)
9783640535095
ISBN (Buch)
9783640535620
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nietzsche, Klassiker, Pädagogik, Biografie, Grundgedanken
Arbeit zitieren
Sonja Axtmann (Autor), 2004, Nietzsche - ein Klassiker der Pädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144253

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