Die „Schule X“ ist eine offene Ganztagsschule mit einer Mensa, nachmittäglicher Hausaufgabenhilfe und einem Förderbereich sowie einem vielfältigen Kursangebot. Somit werden unterschiedliche Begabungen gefördert und Interessen auch nach Unterrichtsschluss weiterhin verfolgt. Die Schule, die sich im X Stadtteil Y befindet, umfasst die Jahrgangsstufen 5-10 mit ca. 600 Schülern und 44 Lehrern.
Die von mir unterrichtete Lerngruppe, Klasse 6b, besteht aus 12 Jungen und 12 Mädchen im Alter von 11 bis 12. Ich habe die Klasse erst zum August 2008 übernommen und unterrichte dort seitdem eigenverantwortlich fünf Stunden Deutsch. Außerdem gebe ich zehn Schülern, die kein Spanisch lernen, eine Stunde in der Woche Förderunterricht. Ich begleite die Klasse nicht nur im Fach Deutsch, sondern auch bei schulischen Aktivitäten wie Klassenfahrten und Weihnachtsfeiern. Drei Schüler sind nicht deutscher Herkunft, sprechen jedoch sicher Deutsch. Sie haben geringere Schwierigkeiten im mündlichen Gebrauch. Größere Schwächen zeigen sich dagegen in der Schriftsprache, bei deren Umsetzung häufig grammatikalische Defizite sichtbar werden. Ihnen fehlen beim Verfassen von Texten der notwendige Wortschatz und die Distanz zur mündlichen Sprache, bzw. erzählen sie stark in der Umgangssprache.
Inhaltsverzeichnis
1. Lernsituation und Lernvoraussetzungen
2. Didaktische Analyse
2.1 Struktur des Lerngegenstands
2.2 Struktur des Lern- und Vermittlungsprozesses
3. Sequenzierung der Unterrichtseinheit
4. Lernziele der Unterrichtsstunde
5. Geplanter Unterrichtsverlauf
Zielsetzung & Themen
Die Unterrichtsstunde verfolgt das Ziel, das Verständnis der Schülerinnen und Schüler für literarische Fabeln zu vertiefen, indem sie sich mit der Fabel „Löwe, Esel und Fuchs“ auseinandersetzen, deren Struktur analysieren und das moralische Konzept der Gerechtigkeit kritisch bewerten.
- Analyse der fabeltypischen Struktur (Ausgangssituation, Konflikt, Ergebnis)
- Erarbeitung und Beurteilung von Tiermotiven durch innere Monologe
- Reflexion über Gerechtigkeitskonzepte am Beispiel fiktiver Machtverhältnisse
- Produktive Arbeitstechniken wie das Ordnen von Textbausteinen und die Rollenübernahme
Auszug aus dem Buch
2.1 Struktur des Lerngegenstands
Die Fabeln gehören zu den ältesten literarischen Kurzformen der Epik und sind in der Regel kürzer als viele epische Kurzformen. Trotz der Kürze ist die erzählte Geschichte ein gut strukturiertes Ganzes, „das Spannung aufbaut und in einer Schlusspointe löst.“ (Coenen 2000, 14) Die handelnden Figuren sind am meisten die Tiere, Pflanzen oder Dinge sind selten. Das auffälligste Merkmal der Fabel ist, dass Tiere menschliche Züge und Charakterweisen vorlegen und eine repräsentative Funktion besitzen.
Einige der bekanntesten handelnden Figuren (Hahn, Fuchs, Wolf, Löwe, Maus, Katze, Esel) begegnen sich immer wieder und stellen bestimmte Eigenschaften dar, die ihnen schon fast traditionellerweise zugeordnet sind, wie z.B. die Dummheit des Esels, die Listigkeit der Schlange oder die Schlauheit des Fuchses. Die einzelnen Figuren repräsentieren bestimmte Persönlichkeiten. So wird dem Löwen oft die Rolle des Königs, die herrschende, dominierende Funktion gegeben (Esser 2002, 47). Des Weiteren ist auffällig, dass die Tiere Tätigkeiten, die für den Menschen typisch sind, ausführen, wie z.B. Dialoge halten.
Am Ende der Fabel steht meist eine moralische Lehre, die durch den Leser auf sein eigenes Leben übertragen werden kann. Die Lehre kann entweder explizit ausgedrückt werden oder hinter dem Erzählten versteckt sein, die dann zu entschlüsseln ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Lernsituation und Lernvoraussetzungen: Dieses Kapitel beschreibt die soziokulturelle Herkunft der Schule sowie das Leistungsvermögen und Sozialverhalten der Klasse 6b.
2. Didaktische Analyse: Hier wird die fachliche Einordnung der Fabelgattung vorgenommen und der didaktische Begründungsrahmen für die Unterrichtseinheit erläutert.
3. Sequenzierung der Unterrichtseinheit: Dieser Abschnitt bietet einen tabellarischen Überblick über die vier geplanten Unterrichtssequenzen, von der Einführung bis hin zur eigenen Fabelproduktion.
4. Lernziele der Unterrichtsstunde: Hier werden die inhaltlichen, verfahrensbezogenen, sozialen und prozessorientierten Ziele für die spezifische Lehrprobe definiert.
5. Geplanter Unterrichtsverlauf: Dieser Teil schlüsselt die 45-minütige Stunde methodisch in Phasen auf und begründet die gewählten Lernschritte.
Schlüsselwörter
Fabel, Aesop, Gerechtigkeit, Literarische Erziehung, Innerer Monolog, Didaktische Analyse, Textstruktur, Parabel, Tierfiguren, Moraldidaktik, Sekundarstufe I, Produktives Schreiben, Unterrichtsentwurf, Lernvoraussetzungen, Interpretationskompetenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Unterrichtsentwurf grundsätzlich?
Der Entwurf dient als Vorbereitung für eine Lehrprobe im Fach Deutsch in einer sechsten Klasse und behandelt den Umgang mit der Fabel „Löwe, Esel und Fuchs“ von Aesop.
Was sind die zentralen Themenfelder der Unterrichtsstunde?
Die zentralen Themen sind die Merkmale und der Aufbau der Fabel, das Interpretieren von Tiermotiven sowie die Auseinandersetzung mit dem Gerechtigkeitsbegriff.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Stunde?
Ziel ist es, dass die Schülerinnen und Schüler das Verhalten der Fabeltiere reflektieren, die Lehre der Fabel entschlüsseln und diese kritisch mit ihrem eigenen Verständnis von Gerechtigkeit abgleichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden produktionsorientierte Verfahren eingesetzt, insbesondere das Ordnen von Textteilen und das Verfassen innerer Monologe aus der Perspektive der Tiere.
Was wird im Hauptteil des Entwurfs behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Struktur des Lerngegenstands (Fabel) sowie die didaktische Planung des Vermittlungsprozesses unter Berücksichtigung der spezifischen Klassensituation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit fokussiert auf Fachbegriffe wie Fabellehre, Charakteristika von Fabeltieren, gerechte Teilung und die didaktische Reduktion für die Sekundarstufe I.
Warum spielt das soziale Gefüge der Klasse 6b eine Rolle für den Unterricht?
Da die Lerngruppe stark heterogen ist, werden differenzierte Arbeitsformen wie Partner- und Gruppenarbeit gewählt, um sowohl leistungsstarke als auch leistungsschwächere Schüler einzubinden.
Welche Bedeutung hat der „innere Monolog“ für die Schüler?
Der innere Monolog ermöglicht den Schülern, sich aktiv in die Gedankenwelt der Tiere hineinzuversetzen und deren absichtsvolles Handeln jenseits des reinen Textes zu begründen.
Wie wird mit der moralischen Lehre der Fabel umgegangen?
Die Schüler sollen aus drei zur Auswahl stehenden Lehren die passenden auswählen, ihre Wahl argumentativ begründen und so ein tieferes Textverständnis erlangen.
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- Nuran Ozan (Author), 2009, Umgang mit literarischen Texten. Der Begriff „Gerechtigkeit“ am Beispiel der Fabel "Löwe, Esel und Fuchs" von Aesop, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145225