Die vorliegende Studienarbeit widmet sich dem Ziel, die vielfältigen Dimensionen des Sextourismus im Kontext der Globalisierung umfassend darzustellen, ethisch zu hinterfragen sowie verschiedene nationale wie internationale Verantwortungsbereiche zu identifizieren.
Um in dieser Debatte Fuß fassen zu können, wird zunächst eine Definitionsrahmen benötigt, innerhalb dessen sich weitere Überlegungen entfalten können. Zu diesem Zweck wird Sextourismus nachfolgend zunächst genauer definiert und inhaltlich ausgeführt. Anschließend wird die Bedeutung der Globalisierung in Bezug auf Sextourismus herausgearbeitet und die Thematik unter dem Standpunkt der Ethik analysiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Rahmen
2.1 Definition von Sextourismus
2.2 Bedeutung der Globalisierung in Bezug auf Sextourismus
2.3 Ethische Betrachtung von Sexarbeit und Sextourismus
3. Konsequenzen
3.1 Sexuelle Ausbeutung und Sexhandel
3.2 Gesundheitsrisiken
4. Verantwortungsbereiche
4.1 Tourismusindustrie
4.2 Politik
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Studienarbeit verfolgt das Ziel, die komplexen Dimensionen des Sextourismus im Kontext der Globalisierung kritisch zu durchleuchten. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie ein globales Phänomen, das auf Ausbeutung und ökonomischen Machtgefällen basiert, ethisch einzuordnen ist und welche Verantwortlichkeiten sowohl Akteure der Tourismusindustrie als auch die Politik nach internationalen Standards tragen.
- Definition und begriffliche Abgrenzung von Sextourismus
- Zusammenhang zwischen Globalisierung, Tourismus und Sexhandel
- Ethische Analyse mittels normativer Theorien
- Darstellung gesundheitlicher Folgen und sexueller Ausbeutung
- Analyse von Verantwortungsbereichen in Industrie und Politik
Auszug aus dem Buch
2.3 Ethische Betrachtung von Sexarbeit und Sextourismus
In seinem Buch “Tourism Ethics“ nutzt Fennell (2006) die von Schumann (2001) aufgestellten fünf normativen Theorien bezüglich ethisch richtigen Handelns als Schablone, um die moralische Verwerflichkeit von Sextourismus aufzuzeigen:
I. Aus einer utilitaristischen Perspektive sind nur diejenigen Handlungen moralisch richtig, welche den Netto-Sozialnutzen maximieren. Dieser ergibt sich aus der Differenz zwischen sozialen Kosten und Nutzen (vgl. Schumann, 2001, S.97 zitiert nach Fennell, 2006, S.290). Im Fall von Sextourismus übersteigen die gesellschaftlichen Kosten, wie etwa der Verlust der Menschenwürde, den sozialen Nutzen und sind folglich moralisch falsch (vgl. Fennell, 2006, S.290).
II. Im Gegensatz dazu besagt die rechtlich-ethische Sicht, dass eine Handlung moralisch richtig ist, wenn eine Person das moralische Recht zu ihr hat. Dabei ist es wichtig, sowohl die Rechte anderer Personen zu wahren als auch das moralische Recht anderer Personen zu fördern (vgl. Schumann, 2001, S.99 zitiert nach Fennell, 2006, S.291). Von dieser Perspektive ausgehend, lassen sich drei Konzepte ableiten: Umkehrbarkeit, besagt, dass der Handelnde seine Tat nicht am eigenen Leibe erfahren wollen würde; Verallgemeinerung, betrachtet eine gleichzeitige Ausführung der Handlung auf der ganzen Welt; Respekt und freier Wille, untersuchen, ob wir andere Menschen lediglich als Mittel zum Zweck verwenden. Überträgt man dies auf die Fragestellung folgert der Autor, dass Tourist*innen selbst nicht Opfer von Sextourismus sein wollen würden (Umkehrbarkeit), sexuelle Ausbeutung niemals als allgemein akzeptabel angesehen werden sollte (Verallgemeinerung) und der Respekt gegenüber Sexarbeiter*innen nicht gewahrt ist, da viele von ihnen nicht freiwillig an diesen Handlungen teilhaben (Respekt und freier Wille) (vgl. Fennell, 2006, S.291).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des (pädophilen) Sextourismus ein und skizziert das Ziel, diesen durch eine ethische und globale Linse zu untersuchen.
2. Theoretischer Rahmen: Das Kapitel definiert den Begriff Sextourismus, erläutert dessen Verflechtung mit globalen Tourismusprozessen und führt die ethische Analyse auf Basis verschiedener normativer Theorien ein.
3. Konsequenzen: Hier werden die gravierenden Folgen beleuchtet, insbesondere sexuelle Ausbeutung, Menschenhandel und physische sowie psychische Gesundheitsrisiken für die Betroffenen.
4. Verantwortungsbereiche: Dieses Kapitel untersucht, wie sowohl die Tourismusindustrie durch CSR-Standards als auch die Politik durch internationale Abkommen wie das Palermo-Protokoll dem Phänomen entgegenwirken.
5. Fazit: Das Fazit fasst die ethische Fragwürdigkeit zusammen und merkt an, dass trotz Bemühungen die ökonomische Macht des Sextourismus als Milliardenindustrie die Eindämmung erschwert.
Schlüsselwörter
Sextourismus, Globalisierung, Sexarbeit, Menschenhandel, Tourismusindustrie, Ethik, Utilitarismus, sexuelle Ausbeutung, Gesundheitsrisiken, Palermo-Protokoll, CSR, Menschenrechte, Minderjährigenschutz, postkoloniale Strukturen, sexuell übertragbare Infektionen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert den Sextourismus als globale, ethisch problematische Praxis innerhalb der Tourismusindustrie und deren Auswirkungen auf die betroffenen Menschen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition des Sextourismus, die ethische Einordnung mittels philosophischer Konzepte sowie die Analyse der sozialen und gesundheitlichen Konsequenzen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die vielfältigen Dimensionen des Sextourismus im Kontext der Globalisierung aufzuzeigen und die Verantwortlichkeiten nationaler und internationaler Akteure zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse, welche bestehende Studien und ethische Theorien zusammenführt, um das Problem umfassend zu durchleuchten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine Analyse der negativen Folgen wie Ausbeutung und Krankheiten sowie eine Untersuchung von Regulierungs- und Präventionsstrategien.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Neben dem Sextourismus selbst sind Begriffe wie Menschenrechte, globale Ausbeutung und Corporate Social Responsibility zentral für das Verständnis der Arbeit.
Welche Rolle spielt die Tourismusindustrie konkret?
Die Industrie wird als Akteur betrachtet, der durch Kodizes und Freiwilligenarbeit sowie Mitarbeitertrainings eine Mitverantwortung trägt, Menschen vor Ausbeutung zu schützen.
Wie beeinflusst die Pandemie die Datenlage im Bericht?
Die Pandemie hat laut Arbeit die Sichtbarkeit von Menschenhandel verringert, was die statistischen Aussagen über die Entwicklung des Phänomens erschwert.
Was zeichnet die „Loverboy-Methode“ aus?
Es handelt sich um eine Anwerbungsmethode, bei der Täter durch vorgetäuschte Liebesverhältnisse emotionale Abhängigkeiten nutzen, um Opfer in die Prostitution zu führen.
- Quote paper
- Emily Abbiss (Author), 2023, Sextourismus und seine Schattenseiten als Folge der Globalisierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1453145