Diese Hausarbeit befasst sich mit der Delinquenz von Jugendlichen. Weitestgehend soll herausgearbeitet werden, was Erklärungsansätze für delinquentes Verhalten bei Jugendlichen sind. Hierfür wird anhand der Hell- und Dunkelfeldforschung, sowie der Kriminalitätsfurcht ein Einblick in die Thematik geschafft. Anschließend wird ein Augenmerk auf die aktuellen Zahlen von Kriminalität in Zusammenhang mit Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden unter 21 gerichtet, um einen Überblick zu erhalten. Abschließend werden die die genannten Theorien, sowie abweichendes Verhalten näher betrachtet werden, um die Leitfrage: „Was sind Erklärungsansätze für delinquentes Verhalten von Jugendlichen?“ beantworten zu können.
Das Verhalten von Menschen zu erklären, vorherzusagen oder zu prognostizieren ist seit jeher ein grundlegendes Verlangen der Menschheit. Menschen werden bereits im Kindesalter mit Regelsetzungen und Normen der Gesellschaft konfrontiert. Die Kindheit ist also keineswegs eine Zeit der Unbeschwertheit frei von Stress und Sorgen, denn spätestens mit Eintritt in die Gesellschaft (z.B. ab Beginn des Besuches einer Kindertagesstätte, spätestens bei der Einschulung) lernen Kinder die Folgen einer Normverletzung durch Sanktionen kennen. Vor allem dann, wenn es zu einem Verhalten kommt, das nach gesellschaftlichen Ansichten nicht konform ist. Hierbei kann es bereits zu Überforderung durch Normanforderungen kommen. Daraufhin kann sich mit zunehmendem Alter das „Problemverhalten“ von Jugendlichen, zu einer Zeit der Identitätsbildung die gleichzeitig eine hohe Anpassungsfähigkeit abverlangt, bilden. Wenn dieses „Problemverhalten“ sich nicht nur durch Aufmüpfig- oder Zügellosigkeit auszeichnet, sondern zusätzlich so einen abweichenden Charakter entwickelt, kann man von Delinquenz und infolgedessen sogar Kriminalität sprechen. Hier galt es jedoch, die Begriffsbestimmungen der Delinquenz und Kriminalität zu differenzieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Fakten
2.1 Hell- und Dunkelfeld
2.2 Zahlen
3 Erklärungsansätze für delinquentes Verhalten von Jugendlichen
3.1 Abweichendes Verhalten
3.2 Theorien
3.2.1 Theorie der Etikettierung
3.2.2 Biologische Theorie
3.2.3 Lerntheorie
4 Diskussion
5 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, zentrale Erklärungsansätze für das delinquente Verhalten von Jugendlichen zu identifizieren und kritisch zu beleuchten, wobei der Fokus insbesondere auf soziologischen, psychologischen und biologischen Theorien liegt.
- Analyse von Hell- und Dunkelfeldern in der Kriminalistik
- Untersuchung statistischer Daten der Jugendkriminalität
- Erläuterung der Theorie der Etikettierung (Labeling Approach)
- Gegenüberstellung biologischer Erklärungsmodelle
- Betrachtung lerntheoretischer Ansätze zur Entstehung von Delinquenz
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Theorie der Etikettierung
Nach der Theorie der Etikettierung wird abweichendes Verhalten nicht aufgrund von individuellen Eigenschaften betrachtet, sondern bezieht sich auf das Attribut, das Menschen zugeschrieben wird und wie diese sich auf Grund dieser Etikettierung abweichend oder delinquent entwickeln (Serafin, 2018, S.142). Diese Theorie folgt somit der Ansicht: „Außenseiter werden zu Außenseiter, weil sie für solche gehalten und als solche behandelt werden (Oestendiekhoff, 2013, S.56).“
Nach Howard S. Becker ergeben sich vier Möglichkeiten der Etikettierung einer Handlung:
• fälschlich beschuldigt
• konform
• rein abweichend
• heimlich abweichend
Jedoch erfolgt die Bewertung von Handlungen selektiv, wodurch durch unterschiedliche Personen und Situationen unterschiedliche Bewertungen eines Individuums erfolgen. (Oestendiekhoff, 2013, S.56) Die Etikettierung richtet ihr Blickfeld also nicht auf die persönlichen-, sowie sozialen Merkmale einer Person, sondern auf die Untersuchung des Verhaltens dieser, die durch die Gesellschaft als abweichend betrachtet und auch so behandelt wird. Diese Betrachtung und Behandlungen hängen einzig und allein davon ab, wie Menschen auf das Verhalten eines anderen Menschen reagieren und es persönlich einschätzen (Serafin, 2018, S.61). Daraus bilden sich erhebliche Folgen für die etikettierte Person und kann verschiedenste Mechanismen auslösen, wonach sich die etikettierte Person dem Bild, welches ihr zugesprochen wurde, fügt und sich aufgrund dessen auch zwangsläufig in dieses formt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ein, definiert grundlegende Begriffe wie Delinquenz und Kriminalität und stellt die Forschungsfrage der Arbeit vor.
2 Fakten: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über die aktuelle Kriminalitätslage unter Verwendung der Polizeilichen Kriminalstatistik und beleuchtet die Problematik von Hell- und Dunkelfeld.
2.1 Hell- und Dunkelfeld: Hier wird erläutert, wie sich die behördliche Erfassung (Hellfeld) von der tatsächlichen Kriminalitätswirklichkeit (Dunkelfeld) unterscheidet und welche methodischen Grenzen der Kriminalitätsfurcht bestehen.
2.2 Zahlen: Dieser Abschnitt wertet aktuelle statistische Daten zu Tatverdächtigen unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und Herkunft aus.
3 Erklärungsansätze für delinquentes Verhalten von Jugendlichen: Der Hauptteil widmet sich der theoretischen Fundierung, um die Entstehung von abweichendem Verhalten bei Jugendlichen zu erklären.
3.1 Abweichendes Verhalten: Hier wird abweichendes Verhalten als offener Definitions- und Aushandlungsprozess innerhalb sozialer Gruppen analysiert.
3.2 Theorien: Es erfolgt eine Einordnung in soziologische, psychologische und biologische Perspektiven der Delinquenzforschung.
3.2.1 Theorie der Etikettierung: Dieses Kapitel erläutert, wie ein gesellschaftlich zugeschriebenes Label Prozesse der Stigmatisierung und Identitätsbildung beeinflussen kann.
3.2.2 Biologische Theorie: Hier werden die Ansätze von Lombroso sowie der Fokus auf genetische Veranlagungen und physische Anomalien als Ursache für kriminelles Verhalten dargelegt.
3.2.3 Lerntheorie: Dieser Punkt betrachtet Delinquenz als erlerntes Verhalten, insbesondere basierend auf der Theorie der differenziellen Assoziation sowie sozial-kognitiven Lerntheorien.
4 Diskussion: Das Kapitel reflektiert die Ergebnisse der Arbeit und setzt die theoretischen Ansätze in Bezug zu den präsentierten Daten.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und hebt die Bedeutung des sozialen Umfelds sowie der sozialen Arbeit im Umgang mit delinquenten Jugendlichen hervor.
Schlüsselwörter
Delinquenz, Jugendkriminalität, Theorie der Etikettierung, Hellfeld, Dunkelfeld, Kriminalitätsfurcht, Polizeiliche Kriminalstatistik, Lerntheorie, biologische Theorie, Stigmatisierung, Sozialisation, abweichendes Verhalten, Jugendstrafrecht, Sozialraum, kriminelle Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen Erklärungsansätzen für die Entstehung von delinquentem Verhalten bei Jugendlichen und stellt diese in den Kontext aktueller Kriminalitätsstatistiken.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Neben den statistischen Grundlagen der Kriminalitätsmessung werden soziologische, biologische und lerntheoretische Perspektiven auf abweichendes Verhalten analysiert.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die zentrale Leitfrage der Arbeit lautet: „Was sind Erklärungsansätze für delinquentes Verhalten von Jugendlichen?“
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Methodisch stützt sich die Arbeit auf eine qualitative Literaturanalyse sowie die Auswertung empirischer Daten, insbesondere der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS).
Was bildet den inhaltlichen Kern des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine faktische Bestandsaufnahme der Jugendkriminalität und eine detaillierte theoretische Auseinandersetzung mit Stigmatisierungsprozessen, biologischen Determinanten und Lernprozessen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Delinquenz, Labeling Approach, Dunkelfeldforschung und Sozialisation geprägt.
Was sagt die Etikettierungstheorie über das Entstehen von Kriminalität aus?
Sie postuliert, dass Kriminalität ein Konstrukt durch gesellschaftliche Zuschreibung ist; ein Individuum passt sich seinem durch Labeling zugeschriebenen „Außenseiter-Status“ zwangsläufig an.
Inwieweit spielt die Biologie in modernen Erklärungsansätzen der Arbeit noch eine Rolle?
Die Arbeit stellt historische biologische Theorien, wie die von Lombroso, kritisch vor und weist darauf hin, dass moderne Ansätze biologische Faktoren zwar einbeziehen, diese jedoch in einem breiteren, soziologischen Kontext betrachten müssen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2023, Erklärungsansätze für delinquentes Verhalten von Jugendlichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1453329