Professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit auf der Grundlage fallrekonstruktiver Studien mit "Chronisch Mehrfachbeeinträchtigt Abhängigkeitskranken" Menschen


Doktorarbeit / Dissertation, 2009

338 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

DANKSAGUNGEN

1 EINLEITUNG

VORWORT

GESELLSCHAFTLICHE RELEVANZ DES THEMAS

KONSTRUKTION DER SOZIALWISSENSCHAFTLICHEN FRAGESTELLUNGEN

REFLEXION DES ERKENNTNISTHEORETISCHEN HINTERGRUNDES

AUFBAU DER ARBEIT

2 DAS FALLREKONSTRUKTIVE FORSCHUNGSDESIGN
2.1 BEGRÜNDUNG DER FALLREKONSTRUKTIVEN METHODENWAHL
2.2 FALLREKONSTRUKTIVE FORSCHUNG IM STIL DER GROUNDED THEORY
2.2.1 Methodologischer Standpunkt
2.2.2 Der Theoriebildungsprozess im Stil der Grounded Theory
2.3 FALLREKONSTRUKTIVE FORSCHUNG IM STIL DER OBJEKTIVEN HERMENEUTIK
2.3.1 Lebenspraxis als autonome Einheit
2.3.2 Rekonstruktion generativer Regeln des Phänomens „CMA“
2.3.3 Das fallrekonstruktive Verfahren der Sequenzanalyse
2.3.4 Der fallrekonstruktive Forschungsprozess

3 REKONSTRUKTION DER SUCHT ALS GESELLSCHAFTLICHES PROBLEM
3.1 ALKOHOLKONSUM IM SPIEGEL DER GESELLSCHAFTLICHEN ENTWICKLUNG
3.1.1 Rekonstruktion des Alkoholkonsums in der Antike
3.1.2 Rekonstruktion der Konsummuster im Mittelalter
3.1.3 Rekonstruktion des Umgangs mit Alkohol in der Neuzeit
3.1.4 Rekonstruktion der Alkoholkonsummuster in der Moderne
3.2 REKONSTRUKTION DER GESELLSCHAFTLICHEN DEFINITION DES TRINKENS ALS SUCHTKRANKHEIT
3.2.1 Die Medikalisierung des sozialen Trinkproblems
3.2.2 Konstruktion der Suchtkrankheit in therapeutischen Modellen
3.2.2.1 Konstruktion der Suchtkrankheit im psychoanalytischen Modell
3.2.2.2 Konstruktion der Suchtkrankheit im transaktionsanalytischen Modell
3.2.2.3 Konstruktion der Suchtkrankheit im verhaltenstherapeutischen Modell
3.2.2.4 Konstruktion der Suchtkrankheit im sozial-kognitiven Rückfallmodell
3.2.2.5 Konstruktion der Suchtkrankheit im systemischen Modell
3.2.2.6 Konstruktion der Suchtkrankheit im biologischen Modell
3.2.2.7 Fazit
3.2.3 Rekonstruktion konstitutiver Bedingungen des Suchtbegriffs
3.2.4 Rekonstruktion der Sucht im Kontext soziologischer Theorien
3.3 RESÜMEE

4 REKONSTRUKTION DES KONZEPTES „CMA“
4.1 REKONSTRUKTION DER BEGRIFFSBILDUNG
4.1.1 Rekonstruktion definitorischer Ebenen des Phänomens „CMA“
4.1.1.1 Die Studie der Arbeitsgruppe „Chronisch Mehrfachbeeinträchtigt Abhängigkeitskrank“.
4.1.1.2 Die Studie der Arbeitsgruppe „Chronisch Mehrfachgeschädigte Abhängigkeitskranke“ ..
4.1.2 Diskussion der Ergebnisse der „CMA“ Studien
4.2 FACETTEN DER SOZIALEN KONSTRUKTION LANGWIERIGER ERKRANKUNGEN

4.2.1 Zur Problematik des Chronischen an der Sucht
4.2.2 Definitorische Ebenen der chronischen Suchtkrankheit
4.2.2.1 Individuenzentrierte und substanzbasierte Konstruktionen chronischer Suchtkrankheit
4.2.2.1.1 Konstruktion der chronischen Krankheit im Kontext medizinisch- diagnostischer Kriterien
4.2.2.1.2 Konstruktion der chronischen Suchtkrankheit in psychodynamischen Modellen
4.2.2.1.3 Konstruktion der chronischen Suchtkrankheit in biologischen Modellen
4.2.2.2 Konstruktion der chronischen Suchtkrankheit in interaktionistischen Modellen
4.2.2.2.1 Konstruktion der chronischen Suchtkrankheit unter soziologisch erkenntnistheoretischen Prämissen
4.2.2.2.2 Konstruktion der chronischen Suchtkrankheit als Deutungsproblem
4.2.2.2.3 Konstruktion der chronischen Suchtkrankheit als Autonomieparadoxie
4.2.2.2.4 Konstruktion der chronischen Suchtkrankheit im Kontext sozialer Systeme..
4.2.2.2.5 Die Konstruktion der chronischen Suchtkrankheit in Suchtkrankenerzählungen
4.2.2.2.6 Konstruktion der chronischen Suchtkrankheit im Therapieprozess
4.3 DATENERHEBUNG
4.3.1 Auswahl der Datenträger
4.3.2 Das narrative Interview
4.3.2.1 Die Konstruktion narrativer Identität
4.3.2.2 Der Aufbau narrativer Erzählungen
4.3.3 Die Fixierung flüchtiger sozialer Daten

5 FALLREKONSTRUKTIONEN
5.1 DER FALL „JENS KUSELKA“
5.1.1 Die Großeltern väterlicherseits
5.1.2 Die Großeltern mütterlicherseits
5.1.2.1 Die Konstruktion der Zugehörigkeitsparadoxie in Johannas Partnerschaft
5.1.2.2 Das Scheitern der Familienbildung bei prekärer Partnerschaft
5.1.2.3 Bewältigungsstrategien von Statusübergängen
5.1.2.4 Die Familienstruktur im Spannungsbogen zwischen Nähe und Distanz
5.1.2.5 Gabrielas Entwicklung unter den Bedingungen diffuser Familienstrukturen
5.1.2.6 Bewältigungsbestrebungen familialer Strukturschwächen
5.1.2.7 Konsequenzen der Entwicklungsbedingungen des desintegrierten Familienmilieus ...
5.1.2.8 Zusammenfassung
5.1.3 Gabrielas Entwicklung zwischen Wandel und Reproduktion
5.2 DIE FAMILIENSTRUKTUR VON ANTON UND GABRIELA KUSELKA
5.2.1 Ehejahre
5.2.2 Das zentrifugal rotierende Familienmilieu
5.2.3 Die Reproduktionen familialer Sinnzusammenhänge in intergenerationeller Perspektive
5.2.4 Das familiale Herkunftsmilieu Anita Thiels
5.3 DER ZUSAMMENHANG ZWISCHEN ALKOHOLISMUS UND FAMILIENSTRUKTUR
5.3.1 Narzissmus und die Bedingungen der Sozialstruktur
5.3.1.1 Rekonstruktion des Trinkens als Kompensationsleistung
5.3.1.2 Rekonstruktion der Bedeutung des Trinkens im Dialog
5.3.1.3 Rekonstruktion der Bedeutung des Trinkens im Dialog zwischen den Generationen
5.3.2 Zwischen partikularistischen und universalistischen Perspektiven
5.3.2.1 Die Bedeutung der Substanz im Dialog
5.3.2.2 Rekonstruktion der Trinksemantik Jens Kuselkas
5.3.2.3 Die substanzvermittelte Reduktion kontingenter Umweltinformationen
5.3.2.4 Rekonstruktion der geschlossenen Suchtkommunikation
5.3.2.5 Rekonstruktion der mehrfachen Beeinträchtigung im Kontext generativer Regeln
5.3.2.6 Rekonstruktion der Chronizität im temporalen Verlauf
5.3.2.7 Die Sucht im Kontext gesellschaftlicher und individueller Perspektiven
5.3.2.8 Ein Haustier als Familiensymbol
5.3.3 Zusammenfassung
5.4 DER FALL „RUDOLF STENGEL“
5.4.1 Die Verabredung mit Rudolf Stengel
5.4.1.1 Die Ordnung des Raumes
5.4.1.2 Rekonstruktion der Sitzordnung als Ausdruck der Selektivität im Kontext räumlicher Bedingungen
5.4.2 Analyse der Eingangssequenz
5.4.2.1 Rekonstruktion komplexer Koordinationsleistungen
5.4.2.2 Rekonstruktion des Sinngehalts eines Gemeinschaftsversprechens
5.4.3 Rekonstruktion generativer Regeln des Falles „Rudolf Stengel“
5.4.3.1 Die Rekonstruktion narrativer Identität
5.4.3.2 Die Großeltern väterlicherseits
5.4.3.3 Die Großeltern mütterlicherseits
5.4.3.4 Das Genogramm der Familie Stengel
5.4.3.5 Rekonstruktion der Familienstruktur Rudolf Stengels
5.4.3.6 Die Berufswahl als Indikator für den gesellschaftlichen Status
5.4.4 Prozesse der Identitätskonstruktion im zentrifugalen Familienmilieu
5.4.4.1 Rekonstruktion von Identitätsbildungsprozessen
5.4.4.2 Strukturelle Bedingungen der sozialisatorischen Interaktion
5.4.4.3 Die Ideologie als Klammer familialer Zugehörigkeit
5.4.4.4 Die Ideologie im Zentrum familiärer Zugehörigkeit
5.4.4.5 Prozesse der Identitätskonstruktion in intergenerationeller Perspektive
5.4.5 Rekonstruktion des Alkoholmissbrauchs als Ideologie
5.4.6 Rekonstruktion von „CMA“ als perspektivenabhängige Leistung
5.4.6.1 Rekonstruktion der chronisch mehrfachbeeinträchtigten Abhängigkeitskrankheit in intergenerationeller Perspektive
5.4.6.2 Rekonstruktion des chronischen Trinkens als Prozess rekursiver Beschreibungen
5.4.6.3 Rekonstruktion des Alkoholismus in universalistischen und partikularistischen Perspektiven
5.5 REKONSTRUKTION DER FAMILIENSTRUKTUR ADELHEID SIEGLS
5.6 DIE STRUKTUR DER PAARBEZIEHUNG ZWISCHEN ADELHEID UND RUDOLF
5.6.1 Rekonstruktion des Übergangs zur Paarbeziehung
5.6.1.1 Die Konstitution der Paarbeziehung als thematische Einheit
5.6.1.2 Die Verstetigung der Paarbeziehung im Suchtdiskurs
5.7 ZUSAMMENFASSUNG DER ANALYSE DES FALLES „RUDOLF STENGEL“

6 FALLÜBERGREIFENDE DISKUSSION DER „CMA“ REKONSTRUKTIONEN

7 PROFESSIONELLES HANDELN IN DER SOZIALEN ARBEIT
7.1 REKONSTRUKTION DER ENTSTEHUNGSGESCHICHTE SOZIALER ARBEIT
7.1.1 Der gesellschaftliche Modernisierungsprozess
7.1.2 Die Konstruktion von Identität in der Moderne
7.1.3 Die Wissensabhängigkeit der gesellschaftlichen Risikoproduktion
7.1.4 Die Risikoproduktion im Kontext der Zeit
7.1.5 Soziale Arbeit als institutionalisierte Form der gesellschaftlichen Bearbeitung sozialer Modernisierungsrisiken
7.1.5.1 Rekonstruktion der Verberuflichung sozialer Arbeit
7.1.5.2 Zur Struktur sozialen Berufshandelns
7.1.5.3 Strukturelle Dilemmata professionellen Handelns in der Sozialen Arbeit
7.1.5.3.1 Die wissenschaftliche Basis des sozialpädagogischen Handelns
7.1.5.3.2 Die Ziele des sozialpädagogischen Handelns
7.1.5.3.3 Paradoxien der Dokumentation sozialpädagogischen Handelns
7.1.6 Zusammenfassung
7.2 DAS KONZEPT DES „FALLVERSTEHENS IN DER BEGEGNUNG“
7.2.1.1 Die Ebene der Begegnung in professionellen Handlungspraxen
7.2.1.2 Die Ebene des Wissens in professionellen Handlungspraxen
7.2.1.3 Der berufliche Habitus professionell Handelnder
7.2.1.4 Das Handlungskontinuum in professionellen Handlungspraxen
7.2.1.5 Die doppelte Zeitperspektive professioneller Handlungspraxen
7.3 REKONSTRUKTION PROFESSIONELLEN HANDELNS IN DER SOZIALEN ARBEIT
7.3.1 Soziale Arbeit als Übergangshilfe
7.3.1.1 Die Initiierung des Ablösungsprozesses Jens Kuselkas
7.3.1.2 Soziale Arbeit im Kontext legitimationsbedürftiger Interaktionen
7.3.1.3 Die Herstellung fallspezifischer Anschlussmöglichkeiten
7.3.1.4 Die Herstellung der Bedingungen des Übergangs in der Interaktion
7.3.1.5 Die Statussicherung Jens Kuselkas durch sozialarbeiterisches Handeln
7.3.1.6 Rekonstruktion der ökologischen Perspektive Sozialer Arbeit
7.3.1.7 Soziale Arbeit unter universalistischen und partikularistischen Perspektiven
7.3.1.8 Rekonstruktion sozialarbeiterischen Handelns im Paradox von Hilfe und Kontrolle...
7.3.1.9 Die Suchtkommunikation im Fokus der Entwicklung von Handlungsautonomie
7.3.1.10 Die präventive Bearbeitung des Suchtrisikos im Kontext diffusen und rollenförmigen Handelns
7.3.1.11 Intervenierende Bedingungen für sozialarbeiterisches Handeln
7.3.1.12 Die Herstellung des Rahmens für Veränderungsprozesse im sozialarbeiterischen Handlungsprozess
7.3.1.13 Deprofessionalisierungstendenzen durch die Rigidisierung der Suchtbehandlungsstruktur in der Sozialen Arbeit
7.3.1.14 Das Arbeitsbündnis im Kontext des biografischen Deutungsraums

8 ZUSAMMENFASSUNG
8.1 PROFESSIONALISIERUNGSPROBLEME SOZIALER ARBEIT

9 PLÄDOYER FÜR EINE FALLREKONSTRUKTIVE SOZIALARBEIT

LITERATURVERZEICHNIS

ANHANG

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Forschungslogischer Trias der Grounded Theory

Abbildung 2: Prozessmodell pragmatistischer Forschungslogik in Anlehnung an Strübing

Abbildung 3 Zusammenhang des temporalen Ressourcenverbrauchs und Einstufung von Abhängigkeitskranken

Abbildung 4: Autonomieparadoxie

Abbildung 5: Einfluss der Zuschreibungen des Therapeuten auf den Therapieprozess

Abbildung 6: Zielhierarchie nach Steingass

Abbildung 7: Karte des alten Kreises Saaz

Abbildung 8: Die partnerschaftliche Zugehörigkeitsparadoxie

Abbildung 9: Genogramm der Herkunftsfamilie Gabriela Bergers

Abbildung 10: Familiale Strukturskizze in Gabrielas erstem Lebensjahr

Abbildung 11: Familienmilieu Kuselka

Abbildung 12: Genogramm der Familie Thiel

Abbildung 13: Strukturen der Bezogenheit im intergenerationellen Kontext

Abbildung 14: Prozessmodell des Trinkmusters Jens Kuselkas

Abbildung 15: Individual- und gesellschaftsstruktureller Zusammenhang der Suchtkommunikation

Abbildung 16: Konstruktion der "CMA" Paradoxie

Abbildung 17: Der rekursive individual- und gesellschaftsstrukturelle Zusammenhang der Suchtdynamik

Abbildung 18: Das Wohnzimmer von Adelheid Siegl und Rudolf Stengel

Abbildung 19: Sitzordnung während des Gesprächs mit Rudolf Stengel

Abbildung 20: Sonderbefehl zum Verlassen Polens

Abbildung 21: Genogramm „Rudolf Stengel“

Abbildung 22: Handlungsparadox zwischen Integration und Individuierung

Abbildung 23: Strukturskizze der Familie Stengel unter der Perspektive der Übernahme der sozialistischen Ideologie

Abbildung 24: Die Struktur interdependenter Beschreibungsprozesse des chronischen Alkoholismus

Abbildung 25: Alkoholismus als Perspektivenproblem

Abbildung 26: Genogramm der Familie Siegl

Abbildung 27: Typisierungsleistungen im Kontext sozialer Unterstützung

Abbildung 28: Konzept des „Fallverstehens in der Begegnung“

Abbildung 29: Patient oder Kunde? Ethische Positionen therapeutischen Handelns

Abbildung 30: Biografie im Deutungsprozess

Abbildung 31: Die Gestaltung des Neubeginns unter schwierigen Bedingungen

Abbildung 32: Die Dimensionen der sozialarbeiterischen Handlungspraxis

Abbildung 33: Das therapeutische Abstinenz-Herstellungs-Programm als rigide Handlungsstrategie

Danksagungen

Ohne die bereitwillige Unterstützung der folgenden Personen wäre die Durchführung dieser Untersuchung nicht möglich gewesen.

Besonders danke ich Herrn Prof. Bruno Hildenbrand. Seine Bereitschaft, die Dissertation eines praktisch tätigen Sozialarbeiters zu betreuen hat mir die Tür für diesen Erkenntnisprozess geöffnet. Ich danke ihm für die Begleitung meiner Forschungen und für seine wertvollen Hinweise zur konzeptionellen Gestaltung meiner Arbeit. Gleichermaßen danke ich Frau Professor Regina Krczizek, für ihre Ermutigungen im Vorfeld meines Promotionsvorhabens, für ihre Fragen und Anmerkungen, die dazu beitrugen, weitere Perspektiven in meinen Forschungsprozess einzuführen und für ihre hilfreichen Worte in den Motivationstälern meiner Arbeit an diesem Projekt.

Ich danke meinen zahlreichen Gesprächspartnern, die mir bereitwillig aus ihrem Leben berichteten. Dies waren insbesondere Klienten und ehemalige Klienten der Sozialen Arbeit, deren Geschichten aus ihrem Leben die materiale Grundlage für die Forschungsarbeit bildete. Darüber hinaus waren es Sozialarbeiter, die Mitarbeiterinnen eines Jugendamtes und die Kontaktperson eines Vertriebenenverbandes.

Meinen herzlichen Dank richte ich an die bischöfliche Studienförderung „Cusanuswerk“, welche die materiellen Bedingungen meines, im Kontext der Graduiertenförderung nicht alltäglichen Promotionsantrag eines „Praktikers“ abzusichern bereit war und damit sehr deutlich nachwies, dass neben wissenschaftlicher Qualität die Biografieförderung für das Auswahlgremium keine Leerformel darstellt. In den Graduiertentagungen waren mir bereichernde Begegnungen mit anderen Promovierenden und die Erweiterung meines Horizonts über sozialwissenschaftliche Themenfelder hinaus möglich.

Ich danke den Teilnehmern des Forschungskolloquiums „klinische Soziologie“ der FriedrichSchiller-Universität Jena in den Jahren 2004 bis 2006, die mich dabei unterstützten, meine Daten analytisch zu öffnen und meinen Forschungen damit den Weg bereiteten.

Ich danke herzlich meiner Familie und meinen Freunden, die während des Entstehensprozesses dieser Arbeit auf viel gemeinsame Zeit verzichtet haben.

1 Einleitung

Vorwort

„Fragen sind oft wichtiger als Antworten [...]“1 damit leitet Hans-Peter Steingass seine Zusammenstellung der Tagungsbeiträge von Fachleuten ein, die mit „Chronisch Mehrfachbeeinträchtigt Abhängigkeitskranken“ Menschen zusammenarbeiten.

Ende der sechziger Jahre wiesen erste Fachpublikationen aus Psychiatrie, Medizin und den Sozialwissenschaften auf abhängigkeitserkrankte Personen hin, welche die Angebotsstrukturen sozialer Dienste überfordern. In Folge dessen kam ein intensiver Diskussionsprozess zwischen Wissenschaftlern und Praktikern in Gang, der in der Gegenwart keineswegs als abgeschlossen zu betrachten ist.2 Innerhalb dieses Diskussionsprozesses kristallisierte sich schließlich ein Kern von Abhängigkeitskranken heraus, welcher als „Chronisch Mehrfachbeeinträchtigt Abhängigkeitskrank“ („CMA“) bezeichnet wird. Sie werden in der fachwissenschaftlichen Literatur übereinstimmend als Substanzabhängige dargestellt. Ihr Erkrankungsverlauf führte zu weiteren Folgeschädigungen. Darüber hinaus treten andere Beeinträchtigungen in Wechselwirkung mit der Abhängigkeitserkrankung und präsentieren in sozialmedizinischer Hinsicht komplexe „Störungsbilder“. Fachpersonal, welches in einer Klienten- oder Patientenbeziehung mit „CMA“ zusammenarbeitet, bestimmt diese Personengruppe mit einer Vielzahl unterschiedlicher, überwiegend negativ konnotierter Merkmalszuschreibungen. Es werden Eigenschaften wie „vergesslich“, „krank“ und „unmotiviert“, „charakterschwach“, „labil“, „neurotisch“ genannt.3 Entsprechend dieser Zuschreibungen werden „CMA“ belehrt, bekehrt, behandelt, verurteilt, diskriminiert, bestraft oder erzogen.4 Sie werden entsprechend ihrem Trinkverhalten typologisch erfasst und der Abhängigkeitsprozess in einem idealtypischen Phasenverlauf interpretiert und entsprechend zergliedert.5 Die Behandlung Abhängigkeitskranker wirft nicht erst in jüngster Zeit Probleme auf. Die Vielzahl unterschiedlicher Behandlungsmethoden ist jeweils abhängig vom wissenschaftlichen Standpunkt, von dem das zu behandelnde Problem betrachtet wird. Daraus resultiert, dass Behandlungsverfahren nicht konsistent ineinander greifen und die Sichtweisen auf das Phänomen je nach wissenschaftlicher Vorbildung und Handlungsroutine variieren.

Die Einrichtungen der Sozialarbeit stellen für „Chronisch Mehrfachbeeinträchtigt Abhängigkeitskranke“ in zahlreichen Fällen einen ersten Zugang zu professioneller Hilfe zur Verfügung. In den Einrichtungen sozialer Dienste werden jedoch keine Klassifikationsmerkmale behandelt. In den Rollen von Fachleuten und Klienten begegnen sich Menschen unterschiedlicher Herkunft, mit ihrer individuellen Geschichte, mit unterschiedlichen - auch vom spezifischen Setting abhängigen Ressourcen, Möglichkeiten und Grenzen. Sie gestalten gemeinsam einen Prozess, der schließlich die autonomen und lebenspraktischen Kompetenzen des Klienten erweitern soll.6 Die Professionalisierbarkeit der Sozialen Arbeit ist jedoch wissenschaftlich umstritten. Neben dem Doppelmandat der Hilfe und Kontrolle, behindern zahlreiche strukturelle und handlungspraktische Probleme das professionelle Handeln in der Sozialen Arbeit.7 Sie beeinflussen die Möglichkeiten fallangemessenen Handelns auf der Grundlage eines Arbeitsbündnisses zwischen Sozialarbeitern und ihren Klienten.

Gesellschaftliche Relevanz des Themas

Die Alkoholabhängigkeit wird in der Gegenwart als ein gravierendes sozialmedizinisches Problem in der Bundesrepublik Deutschland dargestellt. Die Hauptstelle gegen die Suchtgefahren verweist auf einen, nahezu auf gleichbleibend hohem Niveau stagnierenden Verbrauch. Dieser liegt im Zeitraum 1990 bis 2006 bei einem jährlichen Konsum von etwa 12,1 bis 10,1 Litern reinen Alkohols je Einwohner. Deutschland belegt damit im internationalen Vergleich eine Spitzenposition.8 Etwa fünf Prozent der Bevölkerung werden missbräuchliche Konsumgewohnheiten zugeschrieben, weiteren drei Prozent ein „abhängiges Konsummuster“.9 In den Jahren 1980 bis 2005 erhöhte sich die Zahl der jährlich an alkoholbedingten Krankheiten Verstorbenen von 9042 auf 16329 in Deutschland. Die Behandlung alkoholbedingter Folgekrankheiten, die Produktionsverluste und sozialen Belastungen durch Tod, Unfälle und Kriminalität verursachen hohe gesellschaftliche Folgekosten.10 Eine Untergruppe aller Suchtmittelabhängigen stellen die „Chronisch Mehrfachbeeinträchtigt Abhängigkeitskranken“ („CMA“) dar. Mit „Chronisch Mehrfachbeeinträchtigt Abhängigkeitskrank“ werden in wissenschaftlichen Untersuchungen11 Suchtkranke bezeichnet, die von etablierten Therapieangeboten12 nicht erreicht werden.

Genaue Zahlen zur Größe und den Merkmalen der Population sind nicht bekannt. Die Gruppe der „Chronisch Mehrfachbeeinträchtigt Abhängigen“ wird hinsichtlich individueller Merkmalsausprägungen heterogen beschrieben und mit negativ konnotierten Attributen versehen. Dies verdeutlicht den angelegten (Problem-) Fokus, welcher die gesunden und intakten Anteile der „Patienten“ weitgehend vernachlässigt.13 Es ist unbekannt, welche lebens- und familiengeschichtlichen Dispositionen zur Ausprägung des Phänomens „CMA“ führen. Es herrscht Unkenntnis darüber, auf welche Ressourcen jene Abhängigen zum Zwecke ihrer Alltagsbewältigung zurückgreifen. Fachleute sehen den sozialen Bereich jedoch als Schlüssel, der „CMA“ den Zugang zu anderen professionellen Hilfsangeboten bereit stellt.14 Schätzzahlen zufolge, trifft die Merkmalszuschreibung „CMA“ auf etwa 400.000 Menschen in der Bundesrepublik Deutschland zu.15

Konstruktion der sozialwissenschaftlichen Fragestellungen

In der öffentlichen Wahrnehmung erlangt Alkoholabhängigkeit, je nach angelegtem Fokus, widerstrebende Qualitäten. Nur eines scheint sicher, die Zahl der Abhängigkeitserkrankten in Deutschland liegt im internationalen Vergleich auf hohem Niveau.16 Dies resultiert jedoch nicht ausschließlich aus empirischen Daten. Die Zunahme von Abhängigkeitskranken reflektiert auch ein nahezu grenzenlos ausgeweiteter Krankheitsbegriff, der die Deutung nahe legt, von einer „abhängigen Gesellschaft“ zu sprechen.17 Zudem wird die Diagnose „Abhängigkeitskrank“ vom jeweils angelegten diagnostischen Raster bestimmt, mithin von Fachleuten vor deren spezifischem wissenschaftlichen Hintergrund konstruiert. Wolfgang Schulz weist darauf hin, dass „Alkoholiker“ erst bei auftretenden Begleiterkrankungen oder Folgeproblemen als solche erkannt und als „Abhängigkeitskranke“ etikettiert werden. In der Öffentlichkeit besteht ein stereotypes Bild des Alkoholikers, welches mit den Attributen des täglichen Betrunkenseins, des schwankenden Gangs, des Kontrollverlustes, des „heruntergekommenen“ Aussehens besetzt ist. Insofern kann eher von einem Image gesprochen werden, welchem Trinker am Beginn ihrer Alkoholikerkarriere nicht entsprechen. Mit der Zuschreibung „Alkoholiker“ korrelieren folglich die sozialen Kontextbedingungen des Trinkens, die den einen als „Suchtkrank“ erscheinen lassen, den anderen als sozialen Menschen, der in Gesellschaft mit Anderen etwas trinkt.18 Das Phänomen des Alkoholikers wird demnach in einer Interaktionsbeziehung im Kontext sozialer Bedingungen hervorgebracht. Dieser Hinweis von Wolfgang Schulz unterstellt eine Interaktionsbeziehung, in der das Phänomen des „Alkoholikers“ konstituiert wird.19

Nicht zu allen Zeiten war Abhängigkeit als Krankheitskonzept ein gesellschaftlich relevantes Thema.20 Groenemeyer verweist darauf, dass bis heute keineswegs unumstritten feststeht, was genau den Krankheitscharakter des Alkoholismus ausmacht, regelmäßiges Trinken, die Wirkung der Substanz, physiologische Folgen des Konsums, das Kontrollverlustparadigma oder eine dahinter zu vermutende psychische Störung. Diese Unklarheiten verwischen die Zuständigkeiten gesellschaftlicher Mandatsträger für die Bearbeitung dieses Problems.21

Diese Untersuchung verfolgt folgende zentrale Fragestellungen:

1. Welcher kulturell-historischen Rahmen stellt den beteiligten Akteuren die Bedingungen zur Konstruktion der „CMA“ Problematik bereit?
2. Auf welche Weise konstruieren die beteiligten Akteure im mikrosoziologischen Bereich ihres Alltags das Phänomen „CMA“?
3. Welche Möglichkeiten professionellen Handelns ermöglichen die fallrekonstruktiven Forschungsergebnisse Sozialarbeitern in der Zusammenarbeit mit „CMA-Klienten“ unter Berücksichtigung der Strukturprobleme der Sozialen Arbeit?

Soziologische Theorien werden als heuristische Mittel im Rahmen der fallrekonstruktiven Analysen einbezogen.

Reflexion des erkenntnistheoretischen Hintergrundes

Krankheitszuschreibungen und Modelle stellen Selektionen dar. Selektion bedeutet „nicht Auswahl aus bestehenden Erfahrungswirklichkeiten, sondern Auswahl aus sich anbietenden Erfahrungsmöglichkeiten.“22 Die Verwirklichung des einen ist gleichzeitig die Verunmöglichung des anderen.23

Die formulierten Fragestellungen implizieren bereits die Einnahme einer bestimmten Perspektive auf den zu untersuchenden Gegenstandsbereich. Diese angelegte Perspektive soll nicht implizit untergeschoben, sondern hinsichtlich ihrer Angemessenheit offen gelegt und begründet werden.

Mit „Sucht“ wird kein Gegenstand bezeichnet, welcher mit einem genau definierten Merkmalskanon klassifiziert werden kann. Als Ausdruck eines Trinkverhaltens kennzeichnet Sucht ein soziales Geschehen, welches auf die Deutungsabhängigkeit bei der Erfassung ihrer Dimensionen, Auswirkungen und kontextuellen Bedingungen verweist. Die sprachliche Fassung der Sucht als Krankheit stellt einen Rückgriff auf eine spezifische Interaktionsbeziehung innerhalb eines gesellschaftlichen Bedingungsrahmens dar. Sie vermittelt die, von einem Akteur eingenommene Perspektive auf einen sozialen Sachverhalt.24 Mit anderen Worten: Die Bezeichnung eines Trinkverhaltens als Suchtkrankheit bringt nicht nur die in spezifischen Interaktionen gewonnene Auffassung zum Ausdruck, sondern sie wirkt gleichermaßen strukturierend auf diese Interaktionen zurück. Die Akteure konstituieren in diesem wechselseitigen Abgleich ihre gemeinsam geteilte Alltagswirklichkeit.25 Die Bezeichnung eines Geschehens als „Sucht“ stellt demzufolge Ordnung in einem komplexen sozialen Geschehen her, indem die Akteure diese Komplexität reduzieren. Sie selektieren aus der Fülle an weiteren Deutungsmöglichkeiten die Krankheitszuschreibung und setzen damit entsprechende semantische Abgrenzungen.26 Die begriffliche Fassung stellt demnach das Ringen um die angemessene Form dessen dar, was von den Akteuren mit der Zuschreibung einer Suchtkrankheit einerseits sprachlich zum Ausdruck gebracht wird und was darüber hinaus zum Bezugsrahmen ihrer geltenden Wirklichkeit wird. Das Trinken selbst stellt kein isoliertes Geschehen dar. Es wird innerhalb eines sozialen Milieus hervorgebracht, welches selbst als Verweisungszusammenhang typischer Selbst- und Weltauffassungen zu verstehen ist. Die Familie wird dabei als der soziale Ort angesehen, innerhalb dessen milieutypische Selbstverständlichkeiten identitätsbildend erworben werden.27 Das Trinken ist in diesem Zusammenhang Träger von Bedeutungen, die in Familiengeschichten auf typische Weise zur Geltung gebracht werden.28

Diese Auffassung einer Wirklichkeit im Herstellungsprozess bedingt eine sozialphänomenologisch pragmatistische Perspektive, welche von der Intersubjektivität der sinnstrukturierten Lebenswelt ausgeht. Diese ist der fraglos gegebene Boden, auf dem sich der Alltag vollzieht. Die fraglose Selbstverständlichkeit resultiert aus der Suspendierung des Zweifels an der äußeren Existenz der Welt und ihrer Objekte. Die Akteure konstituieren ihre alltägliche Welt, indem sie auf die Erfahrungsschichten zurückgreifen, welche in einem Kontinuum der Produktion von Wissensbeständen verfügbar sind. Sie stellen Überlieferungen früherer Erfahrungsträger dar, bestehen aus persönlichen Erfahrungen und antizipierten Erwartungen künftiger Erfahrungen.29 Das alltäglich fraglos Gegebene wird durch einen Abbruch der Auslegung der Wirklichkeit im Alltag realisiert und ermöglicht in diesem Zusammenhang routiniertes und selbstverständliches Handeln.30 Den Zweck ihrer Handlungen und ihre Realisierung messen die Akteure an den unterstellten und erwarteten Konsequenzen.31 Die allgemein verfügbaren impliziten Kenntnisse und Wissensbestände stellen Hintergrundelemente dar, welche die Akteure zur Konstitution ihres Alltags aktivieren. Sie sind spezifisch für den jeweiligen Handlungsraum. Sie stellen jedoch keine eigene Ordnung zur Verfügung, sondern bilden die Grundlage zur Herstellung einer sozialen Ordnung. Sie verweisen auf den allgemeinen, gesellschaftlich restringierten Regelkanon, auf den die Akteure bei der Lösung von Alltagsproblemen zugreifen.32 Die Auslegung von Situationen und überlieferten Erfahrungen führt zur Typisierung von Zusammenhängen und Personen. Sie werden mit bestimmten Attributen versehen, die vom Einzelfall auf eine größere Gesamtheit abstrahieren und gleichsam im Kontext geltender Regeln sprachlicher Syntax und Semantik objektiviert. Typisierungsprozesse sind demnach eng mit der sprachlichen Kompetenz verknüpft. Sprache löst die Produktion von Erfahrungen aus der Unmittelbarkeit des Alltagshandelns und transformiert diese auf eine symbolische Ebene.33 Biografisch bedeutsam sind demzufolge nicht primär die Möglichkeiten der individuellen Lebensführung, sondern die ihnen in Typisierungen übergeordneten Deutungen der Sozialwelt, die Alltagshandlungen legitimieren oder restringieren. Die Handlungen des Alltags werden demnach unter Rückgriff auf den vorhandenen Wissensvorrat vollzogen.34 Zur Bildung neuer Wissensbestände führen Routinebrüche, die das Alltagshandeln zum Scheitern bringen und praktische Zweifel an der Tragfähigkeit der angewandten Alltagsmethoden aufkommen lassen.35 Als ein solcher Routinebruch ist die Krankheitszuschreibung „CMA“ zu betrachten. Sie verändert den Konstruktionsprozess des Alltags der Suchtkranken und bringt die medizinische Behandlung der Suchtkranker an ihre Grenzen.

Darauf bezogenes Bewältigungshandeln hinterlässt Spuren und regt die Bildung neuer, jenseits des Routinehandelns angelegter Deutungsschemata an.36 Differenzierte Wissensbestände werden zwischen gesellschaftlichen Rollenträgern (beispielsweise Ärzte, Therapeuten, Sozialarbeiter) weitergegeben, an die sich Uneingeweihte zum Erhalt stellvertretender Deutungen37 ihrer problematischen Situation wenden können. Diese Spezialisten bilden zum Erwerb ihrer Berufsrolle eigene Methoden des Wissenserwerbs und Prozesse der Habitusbildung aus.38 Die erkenntnistheoretischen Positionen der Sozialphänomenologie und Ethnomethodologie stellen demnach die Prämissen bereit, den hier in Frage gestellten Gegenstand im Kontext des Alltagshandelns der Akteure zu untersuchen. Sie nehmen den Konstitutionsprozess der Lebenswelt nicht als naturgegeben hin, sondern thematisieren den Prozess der Hervorbringung einer gemeinsam geteilten Wirklichkeit39, in der Phänomene mit Bedeutungen versehen sind, handelnd hervorgebracht werden und ihrerseits das Handeln der Akteure beeinflussen. Gegenstand ist hier demnach nicht eine unterstellte soziale Ordnung, sondern der Prozess in dem die Akteure sich Situationen verfügbar machen, um sich gegenseitig im Alltagshandeln die Geltung ihrer sozialen Ordnung zu bestätigen.40 Die hier angelegten Fragestellungen implizieren ebenso, dass eine Häufigkeitsverteilung im Sinne eines Erfassens des Vorliegens des Phänomens „CMA“, auf die bereits veröffentlichte Untersuchungen zurückgreifen, nicht die gewünschten Ergebnisse zu Tage fördert, denn darin wird implizit die Geltung eines Phänomenbereichs bereits unterstellt. Dieser wird so hinsichtlich seiner Konstitutionsbedingungen reflexiv nicht verfügbar. In der angelegten Fragestellung werden die Methoden selbst zur Disposition gestellt, welche Handelnde zur Bewältigung ihres Alltags aktivieren. Anders gesagt: Das zu untersuchende Phänomen „CMA“ schließt bereits die zu seiner Hervorbringung konstitutiven Bedingungen ein.41 Es wird in einem Konstruktionsprozess der Handelnden im Kontext allgemeiner Möglichkeiten regelhaft hervorgebracht.42 Als Spezialfall einer eingerichteten Handlungspraxis verweist es auf die Dimensionen des Handelns auf interaktioneller Ebene, der Ebene der Erwartungen und in Folge dessen auf angewandte Strategien, auf die Ebene der Handlungskonsequenzen und die Ebene der flankierenden Bedingungen des Handelns.43 Folglich ist

1. „CMA“ als Spezialfall im Kontext allgemeiner Möglichkeiten,
2. als das, von deutungsmächtigen Akteuren im sozialen Konstruktionsprozess hervorgebrachte Phänomen und
3. mit seiner spezifischen Entstehungsgeschichte, seiner individuell gestaltbaren Gegenwart und im Kontext erwartbarer Handlungsmöglichkeiten

zu rekonstruieren. Jede Handlung stellt ein Geschehen in Raum und Zeit dar, in der Akteure in Abhängigkeit von ihren situationsbezogenen Deutungen in wechselseitigem Bezug aufeinander ihre Wirklichkeit konstruieren.44 Dieser wechselseitige Bezug hält, symbolisch vermittelt die Möglichkeiten dafür bereit, Identität in der Interaktion zu erlangen.45 Dieser konstitutive Prozess ist es, der innerhalb dieser Arbeit fallrekonstruktiv offen zu legen ist.

Aufbau der Arbeit

Jede Merkmalszuschreibung steht in einem historischen Kontext. Dieser Entstehenszusammenhang stellt einen Reflex auf die, innerhalb eines gesellschaftlichen Rahmens allgemeiner Möglichkeiten spezifisch gewählte Perspektive auf den Gegenstandsbereich dar. Sie resultiert aus den in spezifischen Interaktionen und unter Anwendung spezifischer Wissensbestände gewonnenen Erfahrungen und wird im Hinblick auf das in Rede stehende Phänomen als „Chronisch Mehrfachbeeinträchtigt Abhängigkeitskrank“ versprachlicht und objektiviert. Diese Zuschreibung wirkt handlungsstrukturierend auf die Akteure zurück. „CMA“ stellt demnach eine komplexe soziale „Sinngestalt“ dar, welche die Akteure im Kontext ihrer Deutungs- und Handlungsprozesse konstituieren.46

Die Untersuchung sozialer Wirklichkeit im Herstellungsprozess erfordert eine Methode, welche einerseits soziale Prozesse analytisch zu öffnen, und andererseits die Sinnstruktur des Akteurshandelns zu erschließen vermag. Das fallrekonstruktive Forschungsdesign bildet dabei nicht nur das, auf die Erkenntnisinteressen bezogene und angemessene Untersuchungsinstrument, sondern auch die Klammer, die das weitere Vorgehen strukturiert. Im ersten Teil meiner Arbeit stelle ich mein qualitatives Forschungsdesign dar. Davon ausgehend, dass „CMA“ das Ergebnis strukturierter Entscheidungsprozesse innerhalb eines gesellschaftlichen Rahmens allgemeiner Möglichkeiten darstellt, folgt anschließend die Rekonstruktion des Phänomens „CMA“ in einem kulturhistorischen Kontext. Daran schließen die Fallrekonstruktionen an, welche die Voraussetzung für die anschließende Diskussion der Möglichkeiten professionellen, sozialarbeiterischen Handelns mit „CMA“ bilden. Die Fallrekonstruktionen bilden die Grundlage für das Verstehen des Falles als ein Gebilde mit individueller Entstehensgeschichte und einer eigenen regelhaften Selektivität. Daran anschließend werden an Textsequenzen die Möglichkeiten des einzelfallangemessenen, professionellen Handelns in der Sozialen Arbeit rekonstruiert und diskutiert. Abschließend werden die Bedingungen für eine professionell handelnde Soziale Arbeit verdeutlicht.

2 Das fallrekonstruktive Forschungsdesign

2.1 Begründung der fallrekonstruktiven Methodenwahl

Der innerhalb dieser Untersuchung anzulegende Blickwinkel pragmatistischer und phänomenologischer Wirklichkeitsauffassungen stellt die Gesellschaft als Ergebnis historischer Handlungen dar. Die Gesellschaft wird darüber hinaus in aktuell, im Vollzug befindlichen Handlungen sozialer Akteure bestätigt, hervorgebracht und verändert. Sie stellt jenen Deutungs- und Handlungsrahmen bereit, innerhalb dessen einzelne Akteure ihre Handlungen in einer symbolisch verdichteten Umwelt sinnstrukturiert hervorbringen.47 Der analytische Fokus dieses Forschungsprojekts ist demnach auf einen Bedingungszirkel gerichtet in dem die Gesellschaft:

1. die, jedem Akteurshandeln vorausgehenden Sinn- und Deutungshorizonte zur Verfügung stellt, innerhalb derer die Akteure ihr Handeln zum Ausdruck bringen.
2. Des Weiteren sind die Akteure auch fortwährend am Herstellungsprozess der Gesellschaft beteiligt. Im jeweiligen Handeln des einzelnen Subjekts lassen sich demnach Spuren des allgemeinen gesellschaftlichen Ermöglichungshorizontes rekonstruieren.

Somit findet jedes Akteurshandeln immer in der Dialektik von Allgemeinem und Besonderem statt:

1. Es beschreibt den Prozess spezifischer Auswahlen innerhalb eines allgemeinen gesellschaftlichen Sinn- und Deutungshorizonts mit eigenem historischen Gepräge und
2. es lässt in der Mikrostruktur, im Handlungsprozess des einzelnen Subjekts Spuren

erkennen, die Reflexe auf die, jedem Handeln vorausgehenden sozialen Ermöglichungszusammenhänge darstellen.48

Das Phänomen („CMA“) beschreibt unter dieser Prämisse einen Bildungsprozess, dessen Spezifik einen Ausschnitt, aus den Möglichkeiten eines allgemeinen gesellschaftlichen Rahmens darstellt. Die Analyse dieser beiden Ebenen, die im Akteurshandeln in einander fallen, benötigt eine Untersuchungsmethode, welche die Dialektik des Besonderen im Kontext des Allgemeinen angemessen theoriebildend einbezieht.49

Welche Forschungsmethode, die als Handwerkszeug und Hilfsmittel den Forschungsprozess strukturiert und leitet, ist in der Lage, sowohl entwicklungsgeschichtliche Bildungsprozesse des Phänomens „CMA“ in ihrer prozesshaften Gestalt zu analysieren, der Lebenspraxis gleichzeitig ihre Zukunftsoffenheit und Autonomie50 zuzugestehen, Umweltfaktoren in der Auseinandersetzung zwischen Autonomie und Heteronomie analytisch einzubeziehen und theoriebildend die Lücken eines wissenschaftlichen Erkenntnisprozesses zu füllen? Diese Fragen führen zur Entscheidung für ein methodisches Vorgehen, welches soziale Wirklichkeit im fortwährenden Vollzug analytisch zu öffnen vermag und gleichermaßen den individuellen Subjektivierungsprozess in der Relation zwischen:

1. Entscheidungszwang (das Subjekt kann nicht alle Optionen realisieren) und
2. Begründungsverpflichtung (die getroffene Entscheidung muss sich konsistent in Bezug auf die, im Leben zu realisierenden Ziele begründen lassen) einbezieht.51

Die hier anzulegende Methodik muss es folglich ermöglichen, prozesshafte Entwicklungsverläufe in ihrer Eigenlogik52 rekonstruieren zu können, mithin lebendige Prozesse protokollarisch fixiert in ihrer Komplexität analytisch zu erfassen und in einen material gesättigten Theoriebildungsprozess zu überführen.

In den folgenden beiden Kapiteln stelle ich die theoretischen Grundlagen des fallrekonstruktiven Forschungsdesigns dar.

2.2 Fallrekonstruktive Forschung im Stil der Grounded Theory

2.2.1 Methodologischer Standpunkt

Der mit den beiden Begründern Barney Glaser und Anselm L. Strauss verbundene und methodologisch, im amerikanischen Pragmatismus (Peirce, Dewey, Mead) und deutschen Idealismus (Hegel, Kant)53 verwurzelte Forschungsstil der Grounded Theorie trägt dem Anspruch Rechnung, im Prozess befindliche soziale Wirklichkeit analytisch zu erfassen. Die soziale Wirklichkeit wird als Produkt menschlicher Interpretationsleistungen in einer symbolisch verdichteten Umwelt betrachtet.54 Darin offenbaren die Begründer eine Sicht auf den Herstellungsprozess sozialer Wirklichkeit, den Herbert Blumer in den Prämissen des symbolischen Interaktionismus folgendermaßen formulierte:

„Menschen handeln Dingen gegenüber aufgrund der Bedeutung, die diese Dinge für sie besitzen.“

„Die Bedeutung solcher Dinge ist aus der sozialen Interaktion, die man mit seinen Mitmenschen eingeht abgeleitet, oder entsteht aus ihr.“

„Diese Bedeutungen werden in einem interpretativen Prozess, den die Person in der Auseinandersetzung mit den ihr begegnenden Dingen benutzt, gehandhabt und geändert.“55

Mit „Dingen“ meint Blumer auch Menschen, Situationszusammenhänge oder Institutionen.56

In dieser erkenntnistheoretischen Haltung spiegelt sich das pragmatistische Wahrheitskriterium, welches Strübing zufolge in der Prozessgebundenheit und Perspektivität praktischer Handlungsvollzüge angesiedelt ist. Soziale Realität wird in einem fortwährenden Herstellungsprozess hervorgebracht und beansprucht keine akteursunabhängige Geltung.57

Strauss bezeichnet das Vorgehen nach Grounded Theory als einen Forschungsstil58, der nicht an spezielle Datentypen, Forschungseinrichtungen oder theoretische Interessen gebunden ist. Sie wird auch als Kunstlehre bezeichnet und trägt dem fortwährend stattfindenden Wandel sozialen Lebens insofern Rechnung, als sie jene Prozesse des Wandels in den Mittelpunkt ihres analytischen Interesses rückt und der Forscher seinerseits mit größtmöglicher Offenheit und Unvoreingenommenheit auf die Daten blickt.59

2.2.2 Der Theoriebildungsprozess im Stil der Grounded Theory

Verpflichtend für eine, auf dem Forschungsstil der Grounded Theory basierende Studie ist die Annahme, dass Theorie sein muss. Nach einer Definition von Corbin besteht eine Theorie aus einem Bündel von Konzepten und Kategorien, die aufgrund einer Reihe von Aussagen integriert sind, welche das Wesen der Beziehung der Konzepte und Kategorien untereinander definieren. Konzepte und Kategorien erklären wiederum einzelne Phänomene und deren Beziehungen untereinander.60 Den Theoriebildungsprozess strukturiert ein Kodierparadigma, dass es dem Forscher ermöglicht:

1. die Interaktionen der Handelnden,
2. die Entstehens- und Auftretensbedingungen des Phänomens,
3. die Konsequenzen von Handlungen und
4. die von den Akteuren angewandten Strategien und Taktiken, die den

Hervorbringungsprozess der sozialen Wirklichkeit beeinflussen gleichermaßen in den Blick zu nehmen und aufeinander zu beziehen.61

Dieses methodische Instrument ist einerseits offen genug für soziale, interaktiv hervorgebrachte Wandlungsprozesse. Andererseits stellt es auch jene Handlungsorientierung bereit, die im aufmerksam. Diese wird von den Akteuren in Interaktionsprozessen stets neu hervorgebracht. Vgl.: Corbin, J.; Hildenbrand, B. (2000) In: Rennen-Allhoff, B.; Schaeffer, D. (Hrsg.), S.: 165; Strübing verweist auf die Interaktion der Forschenden mit ihren Daten, in dessen Kontext sie den Sinn und die Bedeutung, der im Material fixierten sozialen Prozesse explizieren. Vgl.: Strübing, J. (2006): Wider die Zwangsverheiratung von Grounded Theory und Objektiver Hermeneutik. Eine Replik auf Bruno Hildenbrand. In: SozialerSinn (2006), 7. Jahrgang, Heft 1, S.: 149-150

Forschungsprozess vor dem Orientierungsverlust in der „Flut“ der Daten schützt.62 Das Kodierparadigma der Grounded Theory ist insofern als Hilfsmittel zu verstehen, indem es den Forscher dabei unterstützt, analytisch Konzepte aus dem Material zu heben und diese in ihren Dimensionen zu erfassen.63 Im Zentrum der Analyse im Stil der Grounded Theory stehen Deutungen sozialer Wirklichkeiten von Handelnden, sowie Interaktionen zwischen den Akteuren, in denen diese ihre Deutungen entwickeln und modifizieren.64

Die folgende Grafik verdeutlicht den analytisch zirkulären Prozess:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Forschungslogischer Trias der Grounded Theory65

Aus den Daten werden analytisch Indikatoren gebildet. In ihrem Sinngehalt ähnliche Indikatoren bilden die Basis für ein analytisches Konzept.66 Das „theoretical sampling“ erweitert die Datenbasis. Vergleichsfälle werden in enger Verbindung zu den analytischen Erkenntnissen von „Fall zu Fall“ gebildet.67 Die Erhebung weiterer Daten folgt der Spur der sich entwickelnden Theorie. Der Forscher sucht nach Personen, Schauplätzen und Ereignissen, die ihm weitere Vergleiche ermöglichen und die Erkenntnisse über Eigenschaften, Dimensionen und Beziehungen der Konzepte zueinander erweitern. Persönliche und fachbezogene Erfahrungen dienen als heuristische Mittel, um reflexiv über die erhobenen Daten nachzudenken. Diese forschungslogische Trias trägt einerseits zur materialen Sättigung der entstehenden Theorie bei und erhöht gleichermaßen die Dichte der analytischen Konzepte und ihrer Indikatoren.68

Die Gültigkeit der Analyse sichert der fortwährende Vergleich zwischen den allmählich entwickelten Konzepten auf der Basis der Konfrontation erwarteter minimaler und maximaler Abweichungen mit den tatsächlich eingetretenen Abweichungen.69 Hinter diesem Vorgehen steht das erkenntnisleitende Interesse, das Phänomen „CMA“ in seinen Kontextbedingungen zu erfassen und wesentliche Variablen und Einflussfaktoren zu identifizieren, die schließlich eine Erklärung dessen ermöglichen, was von den Akteuren im Datenmaterial zum Ausdruck gebracht wird.70

Eine weitere wissenschaftliche Erkenntnislücke besteht neben den Alltagskonstruktionsprozessen in Bezug auf die Genese des Phänomens und ist auf die Rekonstruktion generativer Regeln des Falles „CMA“ gerichtet.71 Diese Analyse erfordert folglich eine Methode, welche die Strukturierungsgesetzlichkeiten der Genese des Phänomens analytisch in den Blick nimmt.72

2.3 Fallrekonstruktive Forschung im Stil der Objektiven Hermeneutik

2.3.1 Lebenspraxis als autonome Einheit

Davon ausgehend, dass soziale Phänomene nicht natürlich vorhanden sind, sondern eine Bildungs- und Individuierungsgeschichte beschreiben, geht es nun darum, wie diese Fallbildungsgeschichte „CMA“ analytisch in den Griff zu bekommen ist. Mit Lebenspraxis spricht Oevermann von sozialen Gebilden mit einer eigenen Individuierungsgeschichte. Diese treten auf verschiedenen Aggregierungsebenen hervor. Es handelt sich zum Beispiel um einzelne Person oder auch als nationalstaatliche Gebilde.73 Die Lebenspraxis individuiert in einem ständigen Prozess der Krisenbewältigung, der Handlungsentscheidung zwischen verschiedenen Optionen unter den Bedingungen der Unsicherheit. Die Vernünftigkeit der getroffenen Entscheidungen lässt sich erst im Nachhinein begründen.74 Es besteht folglich eine Lücke zwischen dem Zwang zur Entscheidung und der umgesetzten Handlung. Entscheidungen werden unter der Prämisse, dass es schon gut gehen werde, in eine offene Zukunft hinein getroffen.75

In diesem regelgeleiteten Prozess der Eröffnung und Schließung von Handlungen generiert die Lebenspraxis neue Optionen in eine offene Zukunft.76 Besonderes beschreibt der Fall als autonome, die soziale Ordnung reproduzierende Entscheidungsinstanz, die aus jenem Horizont objektiv gegebener Möglichkeiten regelgeleitet und fallspezifisch bestimmte außer acht lässt und sich auf diese Weise individuiert.77 Diese regelhaft eröffneten Handlungs- und Entscheidungsoptionen bilden Anschlussmöglichkeiten in einem fortwährenden Prozess der Strukturerzeugung und verweisen auf die Zukunftsoffenheit der Lebenspraxis.78 Dieser Prozess wird determiniert von Regeln der sprachlichen Syntax, von pragmatischen Regeln des Sprechhandelns und den Regeln für formale und material sachhaltige Schlüssigkeit. Diese Regeln strukturieren den Horizont an Möglichkeiten aus denen die Lebenspraxis im Kontext ihrer Disponiertheit (Eigenart) ihre Auswahl vollzieht und eine fallspezifische Bedeutung konstituiert.79

Die Identität der Lebenspraxis als autonome Einheit, ihre Unverwechselbarkeit stellt demnach einen Reflex auf die konstituierenden Regeln dar, die ihren Entscheidungen zugrunde liegen. Sie strukturieren den Prozess der Krisenbewältigung in der widersprüchlichen Einheit von Entscheidungszwang und Begründungsverpflichtung.80 Die Analyse dieses Individuierungsprozesses benötigt ein Verfahren, welches die Regelhaftigkeit der Krisenbewältigungsmechanismen der Lebenspraxis analytisch zu rekonstruieren vermag.

2.3.2 Rekonstruktion generativer Regeln des Phänomens „CMA“

Bei der Wahl geeigneter Forschungsinstrumente geht es nicht um ein Entweder - Oder zwischen den Methoden der Grounded Theory oder der Objektiven Hermeneutik. Während Objektive Hermeneutik ihr Augenmerk zentral auf die hinter den Handlungen aufscheinenden, abstrakten und von den Akteuren sinnlich nicht wahrnehmbaren Strukturen richtet81, betont Grounded Theory die Herstellung von Strukturen im Handlungsprozess selbst. In späteren Grounded Theory Forschungsarbeiten legten die Autoren mehr Gewicht auf die Vermittlung von Makrobedingungen (gegebenen Strukturen) und sozialem Handeln, in dessen Kontext diese Strukturen mit Leben gefüllt, hervorgebracht und verändert werden. Bei der Entscheidung für die eine oder die andere Methode sind demzufolge nicht die methodologischen Begründungszusammenhänge gegeneinander aufzuwiegen, sondern der Fallangemessenheit (Forschungsfrage) und dem zugrundliegende Material das größte Gewicht beizumessen.82 Gegenstand der objektiven Hermeneutik sind „latente Sinnstrukturen“ und „objektive Bedeutungsstrukturen“ jener Ausdrucksgestalten, in denen sich die Erfahrungswelt präsentiert.83 Objektive Hermeneutik folgt damit einem methodologischen Realismus, in dem als empirisch all jenes angesehen wird, was sich durch Methoden der Geltungsprüfung nachweisen lässt.84

Welchen Beitrag vermag die Methode der objektiven Hermeneutik zur Erhellung jener Erkenntnislücken zu leisten, die in bislang ungewissen Prozessen der Genese des Phänomens „CMA“ begründet liegen? Auf welche Weise verhilft diese Methode zu einem analytischen Blick auf „CMA“, der die Besonderheiten der Repräsentanten dieses Typus in der fallrekonstruktiven Studie berücksichtigt und den allgemeinen Ermöglichungszusammenhang der FallBildungsgeschichte als verschränkte Einheit einbezieht?85

2.3.3 Das fallrekonstruktive Verfahren der Sequenzanalyse

Das rekonstruktionslogische Verfahren der Objektiven Hermeneutik ist die Sequenzanalyse. Sie ermöglicht es, die latenten Sinn- und objektiven Bedeutungsstrukturen intersubjektiv überprüfbar zu entziffern.86 Diese, dem einzelnen Akteur in der Regel unbewussten „latenten Sinnstrukturen“ bringen soziale Wirklichkeit vorhersehbar hervor, indem sie kontinuierlich reproduziert werden.87 Dieses Verfahren der Textanalyse stellt die forschungslogische Konsequenz dar, den Fall in seiner Strukturlogik von Allgemeinem und Besonderem zu rekonstruieren. Die Krisenerfahrung selbst ist für das praktisch handelnde Subjekt nach ihrer erfolgreichen Lösung in Transformationen aufgegangen. Der Gegenstand der Sequenzanalyse sind daher Protokolle, die textförmigen Ausdrucksgestalten lebenspraktischen Handelns.88 Der protokollierte Vorgang selbst ist an die flüchtige und unwiederbringliche Raum-Zeit-Stelle des Sich-Ereignens gebunden.89

Analytisch bildet sich Allgemeines im Horizont der, an jeder Sequenzstelle durch Einzelhandlungen regelgeleitet beschlossenen, vorausgehend eröffneten Wahlmöglichkeiten ab. Oevermann macht deutlich, dass Sequenzanalyse an die für humanes Handeln konstitutive Sequentialität angelehnt ist. Sie stellt demnach die forschungspraktische Konsequenz dieses sozialen Geschehens dar. Die Sequenzanalyse beinhaltet ein falsifikatorisches und gleichzeitig qualitätssicherndes Prinzip. Im Forschungsprozess werden „Fallstrukturhypothesen“ am Material entwickelt und überprüft. Dieser Vorgang ist entsprechend der Lebenspraxis offen.90 An jeder Sequenzstelle können die in theoriebildender Absicht generierten Fallstrukturhypothesen empirisch scheitern.91 Im Unterschied zur Lebenspraxis, für die Krise ein strukturbedrohender Ausnahmefall ist, stellt sequenzanalytisch die Routine den Ausnahmefall dar. Routiniert reproduziert die Lebenspraxis ihre fallspezifische Identität und Charakteristik. Krisensituationen führen hingegen zu Strukturtransformationen, zu Veränderungen der Ablaufgesetzlichkeiten. Sowohl Krisensituation als auch routinierte Abläufe sind Vorgänge ohne konkreten Beginn, die sequenziell in ihrer prozesshaften Gestalt der Öffnung und Schließung handlungspraktischer Abläufe analysiert werden.92 Im Kontext der Analyse von Krisenlösungen, welche als emergente Qualitäten der Veränderung von Strukturierungsregeln durch die Lebenspraxis hervortreten, ist Objektive Hermeneutik als Kunstlehre zu bezeichnen.93

Latente Sinnstrukturen werden am wörtlichen Protokolltext erschlossen, in dem gedankenexperimentell Anschlussmöglichkeiten und Kontexte konstruiert werden, die eine untersuchte Äußerung wohlgeformt94 und adäquat erscheinen lassen. Orientierung geben dabei die Prinzipien der Sequentialität, Extensivität, Wörtlichkeit, Sparsamkeit und Vollständigkeit.95 Sequentialität verpflichtet auf den Ablauf des Protokolltextes. Die extensive Auslegung zielt auf das Finden aller, einer Textsequenz angemessenen Lesarten. Nach dem Prinzip der Sparsamkeit sind nur solche Lesarten zugelassen, die ohne Zusatzannahmen aus der Protokollsequenz interpretiert werden können. Die Interpretationen orientieren sich ohne Auslassungen am genauem Wortlaut des Protokolltextes.96

Die gedankenexperimentelle Konstruktion von Entscheidungsoptionen kommt der Explikation weiterer Fallstrukturen gleich, so dass eine Fallrekonstruktion erkenntniserweiternd auf weitere Falltypen verweist. Darüber hinaus verweist jede Fallstruktur durch ihre Bildungsgeschichte im Optionenraum einer übergeordneten Aggregierung auf deren Fallstrukturgesetzlichkeit, so dass in einer Fallstruktur immer Allgemeines und Besonderes gleichermaßen aufgehoben sind.97 Erst nach diesem gedankenexperimentell interpretativen Akt werden die Fallstrukturhypothesen mit dem tatsächlichen Kontext und dem der interpretierten Sequenz folgenden Protokolltext kontrastiert.98 Die Fallstruktur tritt dann hervor, wenn die Regelhaftigkeit, mit der die Lebenspraxis Optionen realisiert, wiedererkennbar vorliegt.99 Wie gelingt es, dynamische Verfahren der qualitativen Sozialforschung, die erstens Strukturen im Handlungsprozess und zweitens die Strukturiertheit lebenspraktischer Selektivität in den Blick nehmen, forschungslogisch abgesichert durchzuführen?

Welche forschungspraktischen Operationen sichern einerseits die Qualität des hypothesengeleiteten Forschungsprozesses und verhelfen andererseits zur Entdeckung neuer Qualitäten lebenspraktischen Handelns im Protokolltext?

2.3.4 Der fallrekonstruktive Forschungsprozess

Die für fallrekonstruktive Verfahren typischen forschungspraktischen Operationen sind die analytischen Prozesse der Induktion, Abduktion und Deduktion. Als Induktionen bezeichnet Strauss jene Denkschritte und Handlungen, die zur Entwicklung von Hypothesen führen. Hypothesen gehen wiederum von einer Idee oder Vermutung aus, die vorläufig als Teilbedingung für einen Typus von Ereignissen, Handlungen, Beziehungen oder Strategien dient. Als Deduktion wird hingegen jener Vorgang bezeichnet, durch den die aus Hypothesen abgeleiteten Implikationen empirisch auf ihre Richtigkeit geprüft werden.100 Induktionen wirken wahrheitserweiternd. Von einem Einzelfall wird gedankenexperimentell auf die Qualität einer größeren Gesamtheit geschlossen. Dies verallgemeinert die empirische Erfahrungsbasis. Deduktionen stellen hingegen wahrheitskonservierende Schlüsse dar. Verallgemeinertes wird an das empirische Material rückgebunden. Damit werden Aussagen zu einem konkret vorliegenden Fall getroffen.101 Verifikationen kommen folglich nicht ohne die deduktive Prüfung am Material aus.

Damit ist jedoch noch nicht erklärt, wie die in Bezug auf „CMA“ vorliegenden, sozialwissenschaftlichen Erkenntnislücken zu schließen sind und eine analytische Annäherung an die, von der Lebenspraxis initiierten, emergenten Qualitäten gelingt.102 In dieser Hinsicht verweisen die Autoren fallrekonstruktiver Forschungsliteratur auf das Einnehmen einer abduktiven Haltung im Hinblick auf das Erkenntnisproblem.103 Diese Haltung ermöglicht den Schluss, vom Resultat auf den Fall, von einer beobachteten Folge auf einen vorher stattgefundenen Prozess, mithin die Entdeckung des Neuen.104 Sie regt forschungspraktisch zur rekonstruktiven Neuordnung von Fallbestandteilen an, in dessen Ergebnis die Erklärung des innovativen Ereignisses als neue Qualität aufscheint. Abduktive Schlüsse verbinden Wahrnehmungsgehalte zu einer neuen Sinngestalt. Der Forscher gelangt schließlich zu theoretischen Erklärungsmustern, die sich im zugrundeliegenden Protokoll als innovative Leistungen der Lebenspraxis manifestieren, mithin zu einer Erklärung des Neuen, dessen emergenter Gehalt aus den rekonstruierten Sequenzen des Materials analytisch hervortritt.105 Deshalb wird fallrekonstruktive Forschung als „Kunstlehre“ bezeichnet,106 die in zirkulären Bewegungen, induktiv (die Datenbasis hypothetisch erweiternd) und deduktiv die Hypothesen an das Material rückbindend, transformatorische Leistungen der Lebenspraxis analytisch zu fassen sucht. Das Einnehmen einer abduktiven Haltung erscheint insbesondere im Zusammenhang mit explorativen Studien bedeutsam. Abduktion bildet das grundlegende Prinzip des bewusst erkennenden Lernens und zugleich die zentrale Forschungsstrategie, die auf das Erkennen des Neuen gerichtet ist. Eine Voraussetzung dafür ist, unbefangen auf die Daten zu blicken.107 In Bezug auf die abduktive Haltung zitiert Hildenbrand den Künstler Cèzanne folgendermaßen: „ [...] Man sollte sehen können, wie ein Neugeborener.“108 Abduktive Schlüsse ersetzen keineswegs die zur Geltungsüberprüfung und Qualitätssicherung erforderlichen deduktiven und induktiven Operationen.

Strübing merkt kritisch an, dass eine abduktiv forschungslogische Schlussform streng genommen nicht existiert. Anders gesagt, nehmen Forschungsarbeiten ihren Ausgang an einem Erkenntnisproblem, an einem Routinebruch, der mittels des verfügbaren Erfahrungswissens nicht lösbar ist und sich nicht ohne weiteres aus bereits bekannten Fragmenten rekonstruieren lässt. Die Krisenlösungen stellen in dieser Hinsicht Innovationen dar, deren Antworten auf Handlungs- und

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten109

Abbildung 2: Prozessmodell pragmatistischer Forschungslogik in Anlehnung an Strübing110

Die dargestellten qualitativen Methoden halten demnach die forschungspraktischen Möglichkeiten bereit, ausgehend von der Alltagswelt der Akteure die Innovationen der Lebenspraxis in Bezug auf das Phänomen „CMA“ in ihrer Genese und im Kontext ihrer Herstellungsbedingungen fallangemessen zu rekonstruieren.111

3 Rekonstruktion der Sucht als gesellschaftliches Problem

3.1 Alkoholkonsum im Spiegel der gesellschaftlichen Entwicklung

Vor dem Hintergrund der Nüchternheit hebt sich die Trunkenheit stark ab.112 Davon ausgehend, dass Menschen ihre Biografie in der Dialektik von „Allgemeinem“ und „Besonderem“113, als individuell getroffene Wahlen vor dem Hintergrund gesellschaftlich gegebener Möglichkeiten entfalten, bildet dieser kulturell - gesellschaftliche Zusammenhang gleichsam den Rahmen, der den Blickwinkel auf substanzabhängige Menschen und den gesellschaftlichen Umgang mit ihnen beeinflusst.114

Menschen konsumieren keine chemischen Substanzen. Sie konsumieren psychoaktive Stoffe, die in kulturellen Diskursen Träger von Bedeutungen sind und in Geschichten eingebettet weitergegeben werden.115 Der Konsum von Alkohol und die individuelle „Suchtkarriere“ bleiben ohne Berücksichtigung des spezifisch kulturellen Hintergrunds unverständlich.116 Hilge weist in seiner Dissertation darauf hin, dass der Konsum von Suchtmitteln kulturübergreifend, ein Jahrtausende altes Phänomen ist.117 Dabei lässt sich anhand des Alkoholkonsums innerhalb eines gesellschaftshistorischen Kontinuums die Medikalisierung sozialer Probleme nachweisen, welche ausgehend von einem „religiös - moralisierenden“ über eine „kriminalisierend - punitive“ hin zu einer „medikalisierend - kurativen“ Bearbeitung dieses Problembereichs verlief. Dabei stehen die einzelnen Bearbeitungsansätze keineswegs in einer linearen Abfolge. Vielmehr enthält auch der „medikalisierend - kurative“ Ansatz Elemente ehemaliger Orientierungen. Diese Versatzstücke sind Teil des kollektiven Wissens, welches in Geschichten überliefert, aufbewahrt und von den Akteuren im Alltag reaktiviert werden kann.118

Bezugnehmend auf Schütz und Luckmann stellt der Alltag eine Welt sedierter Wissensvorräte dar, in die der Mensch hineingeboren wird. Diese Wissensvorräte haben andere Menschen bereits vor ihm gesammelt. Der Einzelne entgeht diesem Wissensvorrat nicht. Er stellt den Rahmen seines Denkens dar und strukturiert sein Handeln.119

Mit den Drogen werden demnach immer auch die überlieferten Symbole und Geschichten konsumiert. Eingebettet in Konsumhandlungen werden sie Teil der „individuellen Inszenierung“ und des Herstellungsprozesses von Identität.120

„Die Definition von Drogenkonsum und Drogenkonsumenten implementiert ein gesellschaftliches Identitätsangebot, Individualität wird hergestellt in Auseinandersetzung mit diesem Rahmen, der ausgefüllt wird durch eigene Erfahrungen innerhalb einer kollektiven Praxis.“121

Diesen Rahmen etwas näher zu bestimmen kommt einer „Entdeckungsreise“ gleich, welche den Konsum von Alkoholika in einen kulturanthropologischen Zusammenhang betrachtet, zunächst aus pathogenen Zuschreibungen löst.

3.1.1 Rekonstruktion des Alkoholkonsums in der Antike

Eine frühe Problematisierung des Gebrauchs alkoholischer Getränke lässt sich bereits in der Antike nachweisen. Platon beschreibt den Umgang mit Suchtmitteln als Entwicklungsaufgabe, die eine alterspezifische Kompetenz benötigt. In seinem zweiten Buch der Gesetze empfiehlt er Knaben unter erzieherischem Blickwinkel einen maßvollen Umgang mit Alkohol.122

Für Plutarch ist Wein „unter allen Getränken das nützlichste, unter den Arzneien die schmackhafteste und unter den Nahrungsmitteln das angenehmste“.123

Im Altertum war das Wissen um die Wirkung psychoaktiver Substanzen jedoch kein Allgemeingut.124 Angehörige religiöser Gesellschaftsschichten bewältigten durch den Gebrauch von Alkoholika die Erfahrung von Brüchen in der Kontinuität der Zeit. Sie nutzten die bewusstseinsverändernde Wirkung alkoholischer Getränke, eingebettet in rituelle Handlungen, für einen mystischen Übergang vom Alltag in heilige Sphären.125 Der betrunkene Mann galt als heilige Person.126 Auch zu jener Zeit wurde der Alkoholgenuss mit einer Männlichkeitssymbolik besetzt. Im alten China verlief das Zeremoniell des Trinkens bei Hofe zwar nach Regeln. Es dominierte letztlich jedoch die Vorschrift des „Trinkens ohne Maß“. Wer aufgab geriet in den Ruf des Verweichlicht-Seins.127 In Germanien erfüllten Trinkgelage den Zweck, eine identische Gemütsbewegung zu erzeugen, die sämtliche Beteiligte in einer Art liturgischer Zeremonie zu höherer Individualität vereinte. Trinkgelage waren integraler Bestandteil des Kriegerlebens, ein periodisch wiederkehrender Initiationsritus.128

3.1.2 Rekonstruktion der Konsummuster im Mittelalter

Im Mittelalter war der Rausch ein selbstverständlicher Bewusstseinszustand.129 Er verlor jedoch in der sich neu formierenden Oberschicht seinen sakralen Gehalt.130 Der hohe Energiegehalt des Alkohols beförderte seinen Aufstieg zu einem Nahrungsmittel ersten Ranges. Verbesserte Produktionsverfahren und eine, mit der wirtschaftlichen Entwicklung einhergehende Steigerung des Lebensstandards sorgte für die Verbreitung des Alkohols.131 Auch als Medizin genoss Alkohol hohe Wertschätzung. Dem „aqua vitae“ wurden kräftigende Wirkungen, die Linderung von Schmerzen und der Schutz vor der Pest zugeschrieben. Als Therapeutikum lag die Vergabe in den Händen der Ärzte und Apotheker.132 Der Rausch blieb jedoch eine männliche Domäne.

„Die Teilnahme am gemeinsamen Gelage [...] war eine Ehrenpflicht, der tüchtigste Trinker ein Held.“133

„Nur der Arme trank Wasser, oder aber der - auf seine Weise unmäßige - Asket.“134

Diese Überlieferungen weisen dem Trinken eine gesellschaftliche, gemeinschaftsstiftende Funktion zu. Die Art der Trinkhandlung ist eine Ausdrucksform bestimmter Schichten und der Verzicht verdeutlicht eine gesellschaftliche Stellung durch eine moralisch asketische Rollenverpflichtung.

Erst mit der Christianisierung bekämpfte man die üblichen Trinkgelage als Reste germanischer Stammeskultur. Der Wein galt als Gabe Gottes, dessen Verschwendung und maßloser Gebrauch weitere Verfehlungen nach sich zogen und mit Sündhaftigkeit gleichgesetzt wurden. Die Folgen der Trunkenheit wurden apokalyptisch besetzt und in das Jenseits verlegt zu Schäden des Seelenheils. Besonders Martin Luther zog in seinen Streitschriften gegen das Saufen zu Felde.135

Martin Luther bekämpfte jedoch nicht den Alkohol, sondern die soziale Institution des (Sauf -) Gelages. Der Säufer „war lasterhaft, uneinsichtig aber keinesfalls krank!“136

Von der Kirche und den sich verbreitenden Ordensgemeinschaften gingen verhaltensregulierende Impulse aus, die eine gesellschaftsintegrative Wirkung entfalteten. Sie verlegten die Verhaltenskontrolle zunehmend in die Steuerungsfähigkeit des Subjekts, dem dadurch ein höheres Maß an Eigenverantwortung zugeschrieben wurde. Diese Verantwortung erstreckte sich nicht mehr nur auf die Gegenwart. Unheil wurde als Folge des Fehlverhaltens interpretiert und die Sphäre der Verantwortung für sich selbst und für die eigenen Handlungsfolgen in die Zukunft hinein ausgedehnt.137 Die Vergangenheit, die Gegenwart und Zukunft wurden über die kausalen Zurechnungen von Handlungen und deren Folgen in einen Zusammenhang gerückt.138

Damit geriet die Wandelbarkeit des Menschen in den Blick.139 Der Gebrauch von Alkohol wurde zu einer Frage des rechten Maßes.140

3.1.3 Rekonstruktion des Umgangs mit Alkohol in der Neuzeit

Im Zuge von Reformation, Aufklärung und der Ausweitung französisch geprägter, höfischer Kultur wurden Vernunft und Nüchternheit zu den Leitmotiven der aufsteigenden Gesellschaftsschichten.141 Trunkenheit wurde von den Geistlichen schließlich zur Todsünde erklärt.142 Die Reformatoren propagierten eine neue Auffassung der Beziehung zwischen Mensch und Gott und verlagerten die Sozialkontrolle in das Subjekt. Zuvor waren Gesundheit und Krankheit als Ausdruck eines gottgefälligen Lebens oder als göttliche Prüfung der eigenen Einflussnahme weitgehend enthoben. Öffentlich inszenierte und symbolisch ritualisierte Akte der Umkehr wurden als Versöhnungshandlungen etabliert. Die Trunkenheit wurde fortan als moralische Verfehlung gedeutet. Vergebung konnte nicht mehr durch äußerlich sichtbare Opfer oder bußfertige Werke erlangt werden. Der gesamten Lebensführung kam nun der Ausdruck der Gottgefälligkeit zu. Dadurch wurde dem Subjekt eine hohe Reflexionsfähigkeit und -verpflichtung zur Erlangung des eigenen Seelenfriedens auferlegt.143

„In ihrer pathetischen Unmenschlichkeit musste diese Lehre nun für die Stimmung einer Generation, die sich ihrer grandiosen Konsequenz ergab, vor allem eine Folge haben: ein Gefühl einer unerhörten inneren Vereinsamung des einzelnen Individuums. In der für die Menschen der Reformationszeit entscheidendsten Angelegenheit des Lebens, der ewigen Seligkeit, war der Mensch darauf verwiesen, seine Straße einsam zu ziehen, einem von Ewigkeit her feststehenden Schicksal entgegen. Niemand konnte ihm helfen. Kein Prediger: - denn nur der Erwählte kann das Gotteswort spiritualiter verstehen.“144

Der Kampf gegen den „Saufteufel“ wurde in Predigten propagiert und die Trunkenheit als Störung der öffentlichen Ordnung, als Zersetzung der weltlichen oder geistlichen Autorität als gesellschaftliches Problem definiert.145 Dies führte zu einem Rückzug des Trinkers aus dem öffentlichen Raum. Das Trinken wurde seiner sozialen Einbindung entkleidet, hinter die Kulissen des öffentlichen Lebens verlegt und damit privatisiert. Der Trinker betrat von nun an eine Enklave in einer nüchternen Welt. Die Dosierung der Droge wurde zur individuell zu steuernden Gradwanderung und führte zur Ausprägung differentieller Trinkmuster.146 Der Rausch erhielt neben der Deutung als asoziale Pflichtverletzung die Funktion der individuellen Entspannung, der jedoch die sozial eingebundene Regulation fehlte.147

Die fortschreitende Industrialisierung ermöglichte es, hochprozentigen Alkohol sehr billig zu produzieren. Durch den Einsatz von Kältemaschinen und modernen Transportmöglichkeiten konnte Alkohol über weite Strecken transportiert werden.148 Zahlreiche Menschen zogen aus ländlich geprägten Gebieten und Lebenszusammenhängen in die Städte, um den existenzbedrohenden Einflüssen von Missernten, Seuchen, Armut und Perspektivlosigkeit zu entgehen.149 In den Städten lebten sie vielfach in Elendsquartieren und arbeiteten unter harten körperlichen Bedingungen. Ein Teil des Lohnes wurde in Form von Gutscheinen ausgezahlt, die auch den Bezug einer bestimmten Menge Alkohols beinhalteten. Das Trinken war während der Arbeitszeit erlaubt.150 Auf diesem Wege erreichte Alkohol schließlich alle Gesellschaftsschichten. Im Hinblick auf die Armut des Proletariats thematisierte man die Trunkenheit zunächst nicht als gesamtgesellschaftliches Problem, sondern als „Elendsalkoholismus“ bestimmter Gruppen. Das Trinken wurde für den Verfall der Sitten verantwortlich gemacht und als moralische Verfehlung semantisch aufgeladen.151 Es wurde zu einem Dokument für die Charakter- und Willensschwäche des Trinkers, der durch sein Verhalten fortan ein Verbrechen an der Allgemeinheit beging.152

3.1.4 Rekonstruktion der Alkoholkonsummuster in der Moderne

Den Prozess der Modernisierung kennzeichnete die weitgehende Freisetzung des Individuums aus traditionellen Bindungen und Versorgungszusammenhängen. Damit änderten sich die Formen der sozialen Einbindung. Es wurden jene Sicherheiten brüchig, die dem Einzelnen Handlungswissen und leitende Normen für das gesellschaftliche Zusammenleben zur Verfügung stellten.153 Die „individualisierte Privatexistenz“154 rückte unter das Diktat komplexer Verhältnisse und Kontingenzerfahrungen nahmen zu.155 Feuerlein bezieht in den missbräuchlichen Umgang mit psychotropen Substanzen bereits jeweils geltende soziokulturelle Normen ein, die einen erhöhten Konsum begünstigen oder hemmen.156 In Kulturvergleichen lassen sich verschiedene Umgangsweisen mit dem Gebrauch alkoholischer Substanzen feststellen. In Bezug auf die vorherrschenden Konsummuster sind vier kulturelle Prägungen zu unterscheiden:

1. Abstinenzkulturen, in denen jeglicher Alkoholgenuss verboten ist (beispielsweise im islamischen Kulturkreis),
2. Ambivalenzkulturen, die konfliktreiche Wertstrukturen dem Alkohol gegenüber pflegen (beispielsweise in Skandinavien oder den USA),
3. Permissivkulturen, die Alkoholgenuss billigen, Trunkenheit jedoch ablehnen (beispielsweise in mediterranen Ländern, in denen Alkoholgenuss während der Mahlzeiten gepflegt wird) und
4. Permissiv - (funktionsgestörte) Kulturen, die das normale Trinkens und den Exzess billigen (beispielsweise in osteuropäischen und südamerikanischen Ländern).157

Eine andere Unterscheidung trifft Groenemeyer. Er unterscheidet drei kulturelle Grundmuster:

1. Gesellschaften mit rituellem Trinkmuster (beispielsweise: orthodoxe - jüdische Kultur),
2. Gesellschaften mit sozial - konvivialem Konsummuster. Der Konsum fußt auf tradierten Trinksitten (beispielsweise: Italien - dort bleibt das Trinken auf die Mahlzeiten beschränkt und
3. Gesellschaften mit utilitaristischen Trinkmustern. Im Zentrum stehen Prozesse der Entspannung, Stimulation und Enthemmung (beispielsweise: USA).158

Hilge zufolge sind Gesellschaften mit wachsender Differenzierung und wachsenden Abhängigkeiten anfälliger für Normabweichungen. Diese Normabweichungen werden gesellschaftlich sanktioniert. Im Spannungsfeld zwischen Marktdiktat, Institutionen und individuellen Autonomiebestrebungen159 verantwortet heute der Einzelne sein Trinkverhalten selbst. Es ist nicht mehr eingebettet in die Sinnzusammenhänge festlicher Anlässe oder religiöse Riten.160 Als individuelles Verhaltensmuster findet es seinen Anschluss in biografischen Zusammenhängen, in den subjektiven Erlebnis- und Erfahrungsstrukturen des Individuums, in seinen Sinn- und Bedeutungszuschreibungen und schließlich in selbst zu verantwortenden Konsequenzen.161 Der „kontrollierte Kontrollverlust“162 wird zu einer individuell zu leistenden Aufgabe.163 Der „Alkoholiker“ fungiert für den „Normalen“ als Folie für Unordnung und wird als Subjekt pathologisiert und therapiert.164

Damit ist bereits auf die spezifische Bearbeitungsform des Suchtrisikos in modernen Gesellschaften hingewiesen. Es geht im Kern um die Vermittlung von erfahrungsbezogenen Sinn- und Bedeutungshorizonten, aus denen der Einzelne sein Leben gestaltet und dem gesellschaftlichen Bedeutungsstrom der auf Möglichkeiten und Grenzen alltagsweltlicher Lebensentwürfe verweist.165 Den Vergesellschaftungsprozess kennzeichnet eine Differenz zwischen dem Individuum, welches in der Gesellschaft nicht vollständig aufgeht und den Verbindungen zwischen den Individuen, die schließlich dazu führen, dass der gesellschaftliche Zusammenhang nicht in Einzelwelten auseinander fällt.166 Die Erklärung eines Trinkverhaltes als Suchtkrankheit ist ein Prozess, welcher nicht auf die Erfassung eines natürlich gegebenen Geschehens gerichtet ist. Deshalb wenden sich die folgenden Kapitel der Rekonstruktion der erkenntnistheoretischen Seite der Sucht zu.

[...]


1 Steingass, H.-P. (2003), S.: 5 [Auslassung von mir, A. L.]

2 Vgl.: Hombach (2004): Referat „Suchtkrank und wohnungslos“. In: Sächsische Landesstelle gegen die Suchtgefahren (Hrsg.): Dokumentation der Tagung „Suchtkrank und wohnungslos, Wohnung los und suchtkrank.“ am 9. Juni 2004 in Dresden, S.: 6-9 Download unter: http://www.slsev.de/FT2004.pdf Zugriff am 24.03.2006, Vgl.: Deutscher Bundestag (Hrsg. 1975), S.: 26; Vgl.: Sundermann., E. (2001): Suchtkrankenhilfe und Primärversorgung - Zur Versorgung chronisch mehrfachbeeinträchtigt Abhängigkeitskranker. In: Aktion Psychisch Kranke (Hrsg.), S.: 190-192

3 Vgl.: Steingass, H.-P. (Hrsg. 2003), S.: 8 (Meine Aufzählung ist unvollständig.); Vgl.: Schmidt, L. (1986), S.: 23; Vgl.: Heigl- Evers, A.; Helas, I.; Vollmer, H.C. (Hrsg. 1993), S.: 7; Vgl.: Köhl, H. (2003): Sucht und Selbstverantwortung. In: Kaufmann, M. (Hrsg.), S.: 254-258

4 Vgl.: Schmidt, L. (1986), S.: 23

5 Eine der bedeutendsten Typologien entwarf Jellinek. (Siehe Anhang). Vgl.: Schmidt, L. (1986), S.: 25-35

6 Vgl.: Steingass (Hrsg. 2003), S.: 8

7 Oevermann betrachtet das Vorhandensein einer zweifachen Verpflichtung zwischen Hilfe und Kontrolle in der sozialen Arbeit als professionstheoretisch als nicht zu vereinbarenden Gegensatz. Vgl.: Nagel, U. (1997), S.: 49 ff

8 im europäischen Vergleich liegt Deutschland auf Rang 5. Vgl.: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.: Onlinestatistik, erreichbar unter http://www.dhs.de/web/datenfakten/alkohol.php

9 Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (Hrsg. 2003), S.: 8 ff

10 Vgl.: Statistisches Bundesamt : Die Erfassung alkoholbedingter Sterbefälle in der Todesursachenstatistik 1980 bis 2005, S.: 278 ff Download unter: http://www.destatis.de

11 Vgl.: Leonhardt, H.-J., Mühler, K.; Böttger, G.; Härtel, F. (1999 a und b) und (2005)

12 Vgl.: Wienberg, G. (2004): Die vergessene Mehrheit - Struktur und Dynamik der Versorgung Abhängigkeitskranker in der Bundesrepublik. In: Jagoda, B.; Kunze, H. (Hrsg.), S.: 18-38; Vergleiche auch: Schlanstedt, G.; Schu, M.; Sommer, L., Oliva, H. (2001): Zur Definition von „chronisch mehrfachbeeinträchtigt abhängig“ - Eine empirische Überprüfung anhand von Daten des Kooperationsmodells nachgehende Sozialarbeit, In: Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren (Hrsg.), S.: 322 ff

13 Vgl.: Steingass, Hans-Peter (Hrsg. 2003), S.: 8-11

14 In Sachsen wurden 467 Plätze für die Betreung und Behandlung von „CMA“ in sozialtherapeutischen Heimen geschaffen. Vgl.: Domurath, J.: Soziodemografischer Wandel und gesundheitliche Veränderungen bei suchtkranken Menschen Sachsens. In: Ärzteblatt Sachsen (2006), 5, S.: 201-204

15 Vgl.: Steingass, Hans-Peter (Hrsg. 2003), S.: 8

16 Nach ICD-10 wird die Diagnose „Suchtkrank“ bereits bei einem täglichen Alkoholgenuss von zwei Flaschen Bier zugeschrieben. Spode, H. (2005): Was ist Alkoholismus? Die Trunksucht in historisch-wissenssoziologischer Perspektive. In: Dollinger, B.; Schneider, W. (Hrsg. ), S.: 111-112 Die Klassifikation der alkoholverursachten Störungen befindet sich im Anhang.

17 Vgl.: Spode, H. (1993), S.: 272-273; Abhängigkeit, als wechselseitiges Auf-Einander-Angewiesen-Sein ist auch ein Kennzeichen moderner Demokratien, in denen letztlich „jeder von jedem abhängig ist“. Dahrendorf zit. nach: Luckscheiter, R. In.: Kiesel, H. (Hrsg. 1999), S.: 279; Vgl. auch Rost, W.D. (1987), S.: 11, 49; Rost verweist darauf, dass in modernen Industriegesellschaften das Marktdiktat und Entfremdungsprozesse in Produktion und Familienbeziehungen geradezu eine narzisstisch geprägte Persönlichkeitsstruktur fördern, die selbstwertsteigernd konsumiert. Vgl.: ebenda, S.: 73; Gleichermaßen ist darin die Frage aufgehoben, welches Maß an Abweichung hingenommen wird. Vgl.: Kaufmann, M. (2003): Rausch und Sucht als Gegenstand philosophischer Reflexion. In: Derselbe (Hrsg.), S.: 10; Wiesemann, C. (2003): Zur Geschichte des Suchtbegriffs. In.: Kaufmann, M. (Hrsg.), S.: 43; Vgl.: Wilson Schaef (1993), S.: 11-14

18 Vgl.: Schulz, W. (1976): Die Images von Alkoholkonsumenten. In: Antons, K.; Schulz, W. (Hrsg.), S.: 139-152

19 Die wahrgenommenen Merkmale der Begegnung mit einem Trinker werden mit den Erinnerungsspuren verglichen. Tritt ein Passungsverhältnis ein, kommt es zur Etikettierung und damit zur Subsumtion des konkret Wahrgenommenen unter die allgemeine Kategorie des „Trinkers“. (Das hier angeführte Beispiel stammt von mir, A.L.) Vgl.: Reichertz, J. (1993): Abduktives Schlussfolgern und Typen(re)konstruktion. In: Jung, T; Müller-Doohm, S. (Hrsg.), S.: 258-283

20 Vgl.: Feuerlein, W. (1989), S.: 1

21 Vgl.: Groenemeyer, A. (1999): Alkohol, Alkoholkonsum und Alkoholprobleme. In: Albrecht, G.; Groenemeyer, A.; Stallberg, F. W. (Hrsg.), S.: 175

22 Waldenfels, B. (1987), S.: 56

23 Vgl.: Waldenfels, B. (1987), S.: 56 14

24 Vgl.: Searle, J. R. (2004), S.: 134 ff

25 Vgl.: Schütz, A.; Luckmann, T. (1979)

26 Vgl.: Waldenfels, B. (1987), S.: 87; Sprachliche Bestimmungen eines Phänomens erzeugen Enklaven innerhalb der natürlichen Welt, die als eng „umgrenzte Sinnprovinzen“ Zugehörigkeit und Distanz dokumentieren. Vgl.: Berger, P. L.; Luckmann, T. (1980); S.: 28, 38-41

27 Vgl.: Corbin, J.; Hildenbrand, B. (2003): Qualitative Forschung. In: Rennen-Allhoff, B.; Schaeffer, D. (Hrsg.), S.: 161-163; Vgl.: Hildenbrand, B. (1999), S.: 11-12

28 Vgl.: Hildenbrand, B. (1999), S.: 11-12

29 Vgl.: Schütz, A.; Luckmann, T. (1979), S.: 80

30 Vgl.: Schütz, A.; Luckmann, T. (1979), S.: 30-35

31 Vgl.: Schütz, A. (1971): Wissenschaftliche Interpretation und Alltagsverständnis menschlichen Handelns. In: Derselbe, S.: 22-25

32 Vgl.: Zimmermann, D. H.; Pollner, M. (1976): Die Alltagswelt als Phänomen. In: Weingarten, E.; Sack, F.; Schenkein, J. (Hrsg.), S.: 69, 80-87

33 Vgl.: Mead, G. H. (1968), S.: 81 ff

34 Der aktuell zur Interpretation verfügbare Wissensvorrat der Akteure kann nur verstanden werden, wenn der Konstitutionsvorgang analysiert wird, in dessen Kontext dieser entstanden ist. Vgl.: Schütz, A.; Luckmann, T. (1979), S.: 246 ff

35 Untersuchungen nehmen dort ihren Anfang, wo Verhaltengewohnheiten im aktuellen Handeln problematisch werden. Vgl.: Strübing, J. (2002): Just do ist? Zum Konzept der Herstellung und Sicherung von Qualität in grounded theory basierten Forschungsarbeiten. In: KZfSS (2002), Jahrgang 54, Heft 2, S.: 323

36 Vgl.: Schütz, A. (1982), S.: 113

37 Vgl.: Oevermann, U. (1996): Theoretische Skizze einer revidierten Theorie professionellen Handelns. In: Combe, A.; Helsper, W. (Hrsg.), S.: 123-124

38 Vgl.: Schütz, A.; Luckmann, T. (1979); Vgl.: Grathoff, R. (1989), S.: 17-66

39 Vgl.: Psathas, G. (1979): Die Untersuchungen von Alltagsstrukturen und das ethnomethodologische Paradigma. In.: Sprondel, W. M.; Grathoff, R. (Hrsg.), S.: 178-183

40 Vgl.: Zimmermann, D. H.; Pollner, M. (1976): Die Alltagswelt als Phänomen. In: Weingarten, E.; Sack, F.; Schenkein, J. (Hrsg.), S.: 67-68; Vgl.: Psathas, G. (1979): Die Untersuchungen von Alltagsstrukturen und das ethnomethodologische Paradigma. In.: Sprondel, W. M.; Grathoff, R. (Hrsg.), S.: 179-180

41 Vgl.: Zimmermann, D. H.; Pollner, M. (1976): Die Alltagswelt als Phänomen. In: Weingarten, E.; Sack, F.; Schenkein, J. (Hrsg.), S.: 74-88

42 Vgl.: Psathas, G. (1979): Die Untersuchungen von Alltagsstrukturen und das ethnomethodologische Paradigma. In.: Sprondel, W. M.; Grathoff, R. (Hrsg.), S.: 189-190

43 Vgl.: Ausführungen in Kapitel: „Fallrekonstruktive Forschung im Stil der Grounded Theory“

44 Vgl.: Luckmann, T. (1992), S.: 26-48

45 Vgl.: Mead, G. H. (1968)

46 Vgl.: Jung, T.; Müller-Doohm, S. (Hrsg. 1993)

47 Vgl.: Luckmann, T. (1992), S.: 1-39, 125 ff; Vgl.: Berger, P. L.; Luckmann, T. (1980), S.: 1-3 Die Autoren weisen auf die Objektivierung der sozialen Welt durch die logischen Fundamente der Sprache. Dadurch wird die logisch ausgestattete institutionale Ordnung Teil des gesellschaftlichen Wissensvorrates und schließlich als Gewissheit hingenommen.; Vgl.: Strübing, J. (2002): JUST DO IT? Zum Konzept der Herstellung und Sicherung von Qualität in grounded theory-basierten Forschungsarbeiten. In: KZfSS (2002), S.. 318-323; Vgl.: Mead, G. H. (1968)

48 Vgl.: Hildenbrand, B. (1999), S.: 12; Vgl.: Oevermann, U. (1981); Zur Entwicklung der Sinninterpretationskompetenz Vgl.: Oevermann, U. et al. (1976): Beobachtungen zur Struktur der sozialisatorischen Interaktion. In: Auwärter, M.; Kirsch, E.; Schröter, M. (Hrsg.), S.: 371-399

49 Vgl.: Corbin, J. (2002): Die Methode der Grounded Theory im Überblick. In: Schaeffer, D.; Müller-Mundt, G. (Hrsg.), S.: 59-70

50 Oevermann spricht in Bezug auf die Lebenspraxis von einem autonomen, selbst-transformatorischen und historisch konkretem Strukturgebilde, „welches sich als widersprüchliche Einheit von Entscheidungszwang und Begründungsverpflichtung konstituiert“. Oevermann, U. (1993): Die objektive Hermeneutik als unverzichtbare methodologische Grundlage für die Analyse von Subjektivität. In: Jung. T.; Müller-Doohm, S. (Hrsg.), S.: 178

51 Vgl.: Oevermann, U. (1981): Fallrekonstruktionen und Strukturgeneralisierung als Beitrag der objektiven Hermeneutik zur soziologisch-strukturtheoretischen Analyse, Frankfurt, S.: 30

52 Vgl.: Hildenbrand, B. in seinem Vorwort zu : Strauss, A. L. (1998), S.: 12

53 Vgl.: Hildenbrand, B. in seinem Vorwort zu : Strauss, A. L. (1998), S.: 16

54 Vgl.: Strübing, J. (2006): Wider die Zwangsverheiratung von Grounded Theory und Objektiver Hermeneutik. Eine Replik auf Bruno Hildenbrand. In: SozialerSinn (2006), 7. Jahrgang, Heft 1, S.: 153-155

55 Blumer, H. (1973): Der methodologische Standort des symbolischen Interaktionismus. In: Bielefelder Soziologen (Hrsg.), S.: 80-81

56 Vgl.: Blumer, H. (1973): Der methodologische Standort des symbolischen Interaktionismus. In: Bielefelder Soziologen (Hrsg.), S.: 80-81; Vgl.: Treibel, A. (2000):, S.: 118; Vgl.: Fuchs, M. (2001), S.: 59

57 Vgl.: Strübing, J. (2002) In: KZfSS (2002), 54. Jg., Heft 2., S.: 321-323; Vgl. auch: Corbin, J.; Hildenbrand, B. (2000) In: Rennen-Allhoff, B.; Schaeffer, D. (Hrsg.), S.: 159 Auch Hildenbrand macht auf die Prozesshaftigkeit sozialer Wirklichkeit

58 Vgl.: Strauss, A. L. (1998), S.: 30, 35; Hildenbrand, B. (1999), S.: 14

59 Vgl.: Hildenbrand, B. in seinem Vorwort zu : Strauss, A. L. (1998), S.: 13

60 Vgl.: Corbin, J. (2002) In: Schaeffer, D.; Müller-Mundt, G. (Hrsg.), S.: 60 „In der Grounded Theory wird Theorie betrachtet als ein Versuch von vielen, Phänomene der sozialen Welt zu erklären.“ Vgl.: Hildenbrand, B.; Corbin, J. (2003) In: Rennen-Allhoff, B.; Schaeffer, D. (Hrsg.); S. 160

61 Anselm Strauss weist insbesondere auf die Schriften von, Dewey, Mead und Peirce hin, die besonderes Gewicht auf Handlungen, problematische Situationen und die Notwendigkeit legen, Methode im Rahmen von Problemlösungsprozessen zu begreifen. Vgl.: Strauss, A. L. (1998), S.: 30

62 vgl.: Strauss, A. (1998); Vgl.: Südmersen, I. M. (1983): Hilfe, ich ersticke in Texten! - Eine Anleitung zur Aufarbeitung narrativer Interviews. In: Neue Praxis (1983), 13. Jahrgang, Heft 3, S. 294-306

63 Vgl.: Hildenbrand, B. (2004): In: Sozialer Sinn (2004), Heft 2, S.: 182-184; Vgl.: Derselbe (1999), S.: 26; Vgl.: Strauss, A. L. (1998), S.: 37, 56-64

64 Vgl.: Strübing, J. (2002) In: KZfSS (2002), 54. Jahrgang, Heft 2., S.: 321; Vgl.: Corbin, J.; Hildenbrand, B. (2003) In: RennenAllhoff, B.; Schaeffer, D. (Hrsg.), S.: 159

65 Vgl.: Strauss, A. L. (1998), S.: 37, 46; Vgl.: Hildenbrand, B.; Corbin, J. (2000) In: Rennen-Allhoff, B.; Schaeffer, D. (Hrsg.), S.: 159-184; Darstellung von mir, A.L.

66 zum Konzept-Indikator-Modell: Vgl.: Strauss, A. L. (1998), S.: 54

67 Vgl.: Hildenbrand, B. (1999), S.: 67-71

68 Vgl.: Strauss, A. (1998), S.: 38-40

69 Vgl.: Strübing, J. (2002) In: KZfSS (2002), Jg. 54, Heft 2, S.: 329; Vgl.: Corbin, J.; Hildenbrand, B. (2000) In: Rennen-Allhoff, B.; Schaeffer, D. (Hrsg.), S.: 159-161; Hildenbrand macht darauf aufmerksam, dass Daten nicht nur aus dem Material gehoben, sondern in diesem zirkulären Analyseprozess auch an das Material rückgebunden werden. Vgl.: Hildenbrand, B. (2004) In: Sozialer Sinn (2004), Heft 2, S.: 178; Er verweist weiterhin darauf, dass der Forscher sein Sampling nach internen Kriterien der Konzepte der sich entwickelnden Theorie leitet. Vgl.: Hildenbrand, B. (1999), S.: 65-71

70 Dem Gebrauch des Kodierparadigmas liegt die Logik zugrunde, das Bewusstsein des Forschers für die Bandbreite einer Kategorie zugehöriger möglicher Eigenschaften und Dimensionen zu schärfen. Vgl.: Corbin, J. (2002): Die Methode der Grounded Theory im Überblick. In: Schaeffer, D.; Müller-Mundt, G. (Hrsg.), S.: 64-65

71 Vgl.: Hildenbrand, B. (2004): Gemeinsames Ziel, verschiedene Wege: Grounded Theory und Objektive Hermeneutik im Vergleich. In: SozialerSinn (2004), Heft 2, 5. Jahrgang, S.: 188, Vgl.: Oevermann,. U. (2002), Vgl.: Corbin, J.; Hildenbrand, B. (2003): Qualitative Forschung. In: Rennen-Allhoff, B.; Schaeffer, D. (Hrsg.), S.: 169

72 Vgl.: Hildenbrand, B. (2004): Gemeinsames Ziel, verschiedene Wege: Grounded Theory und Objektive Hermeneutik im Vergleich. In: SozialerSinn (2004), 5. Jahrgang, Heft 2, S.: 178

73 Vgl.: Oevermann, U. (2002), S.: 8

74 Auch Oevermann verweist auf die widersprüchliche Einheit von Entscheidungszwang (in Krisensituationen muss die Lebenspraxis Entscheidungen in Abwesenheit geprüfter Begründungen und unter der Annahme der Möglichkeit anderer Optionen fällen) und Begründungsverpflichtung (trotzdem muss die Entscheidung selbst als Konsistente begründbar sein). Vgl.: Oevermann, U. (1996), S.: 11; Vgl. Derselbe (1981), S.: 33-34

75 Vgl.: Hildenbrand, B. (2005), S.: 18

76 Vgl.: Oevermann, U. (2002), S.: 6

77 Vgl.: Hildenbrand, B. (1999), S.: 12-13; In dem Maße, in dem ein Fall wiedererkennbar Optionen realisiert, spricht man von einer Fallstruktur. Vgl.: Wernet, A. (2000), S.: 15, 19; Vgl.: Oevermann, U. (1981), S.: 54; Vgl.: Oevermann, U. (1991): Genetischer Strukturalismus und das sozialwissenschaftliche Problem der Erklärung der Entstehung des Neuen. In: MüllerDoohm, S. (Hrsg.), S.: 269-273

78 Vgl.: Wernet, A. (2000), S.: 16

79 Vgl.: Oevermann, U. (1996), S.: 7-8 Diese Regeln gelten ebenso in der gedankenexperimentellen Explikation von Bedeutungskontexten innerhalb der Sequenzanalyse. Vgl.: Derselbe (1981), S.: 10-11, 30-31; Als universell geltende, jeder Begründbarkeit vorausgehende Regeln benennt Oevermann universalgrammatische Regeln, die Regeln des logischen Schließens und die konstituierenden Regeln der Moral im Sinne Piagets. Vgl.: Oevermann, U. (1991): Genetischer Strukturalismus und das sozialwissenschaftliche Problem der Erklärung der Entstehung des Neuen. In: Müller-Doohm, S. (Hrsg.), S.: 284

80 Vgl.: Hildenbrand, B. (2005), S.: 18

81 Vgl.: Oevermann, U. (1996), S.: 1

82 Vgl.: Hildenbrand, B.: Wider die Sippenhaft. Eine Antwort auf Jörg Strübing. In: SozialerSinn (2006),7. Jahrgang, Heft 1, S.: 159-167

83 Oevermann macht deutlich, dass psychische Motive, Erwartungen, Meinungen, Haltungen und Wertorientierungen methodisch überprüfbar für den Forscher nicht greifbar sind, sondern nur anhand der Spuren, die sie hinterlassen haben. Vgl.: Oevermann U. (1996), S.: 1; Zu dem hier angelegten Strukturbegriff siehe Oevermann, U. (1996), S.: 9-10

84 Vgl.: Oevermann, U. (1996), S.: 3

85 Vgl.: Hildenbrand, B. (1999): Fallrekonstruktive Familienforschung. In: Bohnsack, R,; Lüders, C.; Reichertz, J. (Hrsg.), S.: 12; Vgl.: Hildenbrand, B. (2002): Der abwesende Vater als strukturelle Herausforderung in der familialen Sozialisation. In: Walter, H. (Hrsg.), S.: 743-782

86 Vgl.: Oevermann U. (1996), S.: 1

87 Vgl.: Corbin, J.; Hildenbrand, B. (2000): Qualitative Forschung. In: Rennen-Allhoff, B.; Schaeffer, D. (Hrsg.), S.: 165

88 Vgl.: Oevermann, U. (1991): Genetischer Strukturalismus und das sozialwissenschaftliche Problem der Erklärung der Entstehung des Neuen. In: Müller-Doohm, S. (Hrsg.), S.: 326-327, 302; Vgl.: Oevermann, U. (1993): Die objektive Hermeneutik als unverzichtbare methodologische Grundlage für die Analyse von Subjektivität. In: Jung, T.; Müller-Doohm, S. (Hrsg.), S.: 113 Zum in Anspruch genommenen, erweiterten Textbegriff: Vgl. Ebenda, S.: 119-120

89 Für die Geltungsüberprüfung eines Protokolltextes ist nach Oevermann ein in seiner „Selektivität andersartiges Protokoll“ hinzuzuziehen. Vgl.: Oevermann, U. (1996), S.: 2-3

90 Vgl.: Hildenbrand, B. (1999), S.: 13 Die Spuren von Transformationsprozessen finden sich in jeder sequenziell analysierten Struktur. Emergentes Neues muss, um dauerhaft Bestand zu haben, in Determiniertes übergegangen und als Rekonstruktion fixiert worden sein. Darauf weist Oevermann im Hinblick auf Meads identitätskonstituierende, dialektisch zusammenwirkende Instanzen „I“ und „ME“ hin. Transformationen machen das Umschreiben der Vergangenheit erforderlich, denn nur als solche sind sie in die Struktur des „ME“ intergrierbar. Vgl.: Derselbe (1991) In.: Müller-Doohm, S. (Hrsg.), S.: 297-299

91 Vgl.: Oevermann, U. (1996), S.: 8; Vgl.: Oevermann, U. (1991): Genetischer Strukturalismus und das sozialwissenschaftliche Problem der Erklärung der Entstehung des Neuen. In: Müller-Doohm, S. (Hrsg.), S.: 314, 322-323; Ein empirisch wissenschaftliches System muss im Zug der Geltungsüberprüfung an der Erfahrung scheitern können. Vgl.: Popper, K. (2005), S.: 16-19

92 Vgl.: Oevermann, U. (1996), S.: 9, 10, 12; Mit der Krisenerfahrung tritt die Lebenspraxis bereits in die Auseinandersetzung mit deren Entstehensbedingungen ein. Sie vollzieht demzufolge erste krisenrekonstruierende Schritte, die bereits auf deren Lösung hinweisen und weiterführend das Potential folgender Krisen bereits in sich tragen.

93 Vgl.: Reichertz, J. (1994): Von Gipfeln und Tälern. Bemerkungen zu einigen Gefahren, die den objektiven Hermeneuten erwarten. In: Garz, D.; Kraimer, K. (Hrsg.), S.: 127-128

94 Was als wohlgeformte Erzählung anerkannt wird, ist kulturell bedingt. Vgl.: Klein, R. (2002), S.: 61

95 Vgl.: Wernet, A. (Hrsg. 2000), S.: 21

96 Vgl.: Wernet, A. (2000), S.: 21-39

97 Vgl.: Oevermann, U. (1996), S.: 16; Vgl.: Derselbe (1981), S.: 9

98 Vgl.: Hildenbrand, B. (1999), S.: 65-67

99 Vgl.: Wernet, A. (2000), S.: 15 28

100 Vgl.: Corbin, J.; Hildenbrand, B. (2000): Qualitative Forschung. In: Rennen-Allhoff, B.; Schaeffer, D. (Hrsg.), S.: 159-184; Vgl.: Strauss, A. L. (1998), S.: 37-38 Peirce spricht im Kontext der Hypothesenbildung auch von qualitativer Induktion als besonderem Fall der Abduktion. Der Forscher schließt von Resultat und Regel auf den Fall. Das beobachtete „Token“ ist ein Exemplar eines bekannten Typus. Diese Schlussform wirkt insofern kenntniserweiternd, als von einer begrenzten Zahl von Fällen auf eine umfassendere Gesamtheit geschlossen wird. Forscher gelangen so zu einem wahrscheinlichen Ergebnis. Vgl.: Reichertz, J. (1993): Abduktives Schlussfolgern und Typen(re)konstruktion. In: Jung, T.; Müller-Doohm, S. (Hrsg.), S.: 264-265 Entsprechen jedoch die Merkmale eines beobachteten Tokens keinem bestimmten Typus, muss ein neuer Bewusstseinsinhalt gebildet werden. Demzufolge handelt es sich in diesem Fall um einen abduktiv vollzogenen Schritt der Entdeckung des Neuen. Vgl.: Ebenda, S.: 268

101 Vgl.: Diekmann, A. (2002), S.: 150-158, Vgl.: Popper, K. (2005), S.: 3-25; Vgl.: Strauss, A. (1998), S.: 36-40

102 Vgl.: Strübing, J.; Schnettler, B. (Hrsg. 2004), S.: 201 ff

103 Vgl.: Corbin, J.; Hildenbrand, B. (2003): Qualitative Forschung. In: Rennen-Allhoff, B.; Schaeffer, D. (Hrsg.), S.: 170-172; Vgl.: Hildenbrand, B. (1999), S.: 12; Vgl.: Oevermann, U. (2002), S.: 27; Strauss nimmt, wenn er von der Erfahrung im Umgang mit den untersuchten Phänomenen spricht Bezug auf Peirce Konzept der Abduktion. Vgl.: Strauss, A. (1998), S.: 38

104 Vgl.: Strübing, J. (2002) In: KZfSS (2002), 54. Jahrgang, Heft 2 , S.: 325-329; Kelle und Kluge verweisen in Bezug auf die abduktiv einzunehmende Haltung des Forschers auf den „spielerischen Umgang mit Daten“. Aus dieser forschungspraktischen Freiheit ergeben sich Neubewertungen und Umdeutungen empirischer Phänomene. Vgl.: Kelle, U.; Kluge, S. (1999), S.: 22-23; Hildenbrand weist auf das „Cholera-Beispiel“ von Peirce hin. Vgl.: Hildenbrand, B. (1999), S.: 12; Vgl. Hildenbrand, B., Corbin, J. M. (2000): Qualitative Forschung. In: Beate Rennen-Allhoff, Doris Schaeffer (Hrsg.), S.: 172; Vgl.: Reichertz, J. (1993): Abduktives Schlussfolgern und Typen(re)konstruktion. In: Jung, T; Müller-Doohm, S. (Hrsg. 1993), S.: 258-283

105 Vgl.: Strübing, J.; Schnettler, B. (Hrsg. 2004), S.: 201 ff

106 Vgl.: Strübing, J.; Schnettler, B. (Hrsg. 2004), S.: 19; Vgl.: Hildenbrand, B. (1999), S.: 14

107 Vgl.: Hildenbrand, B.; Corbin, J. (2000) In: Rennen-Allhoff, B.; Schaeffer, D. (Hrsg.), S.: 170; Während Grathoff eher die abduktive Haltung betont, ist für Umberto Eco unzweifelhaft, dass jedes neue Wissen abduktiv erschlossen werden muss. Vgl.: Reichertz, J. (1993): Abduktives Schlussfolgern und Typen(re)konstruktion. In: Jung, T.; Müller-Doohm, S. (Hrsg.), S.: 258-260, Reichertz weist in Bezug auf Peirce darauf hin, dass eine abduktiven Haltung dazu anregt, neue Erkenntnisse zu generieren. Die übrigen Schlussformen sind tautologisch. Vgl.: Ebenda, S.: 266

108 Cèzanne zit. nach Hildenbrand, B. (1999), S.: 14 [Auslassung von mir, A. L.]

109 Auch Oevermann macht in Anlehnung an Mead auf die eingerichteten Routinen aufmerksam, die durch ihr Scheitern der Lebenspraxis strukturelles Transformationspotential eröffnen. Meads „Me“ bildet als Rekonstruktion der Begriffe des Allgemeinen für Oevermann den Agenten des krisenhaften Althergebrachten. Es ist Meads „I“, welches sich als krisenbewältigende Instanz zeigt. Auch dieser emergent krisenlösende Impuls des „I“ geht schließlich in der Rekonstruktion jener Krisenlösung in eine Routine über, welche erneut lebenspraktisch scheitern kann. Diese fortwährende Rekonstruktion emergenter Inhalte lässt Oevermann schließlich auf Piagets Begriffe kognitiver Schemata der „Äquilibration“ der „Akkomodation“ zurückgreifen. Vgl.: Oevermann, U. (1991): Genetischer Strukturalismus und das sozialwissenschaftliche Problem der Erklärung der Entstehung des Neuen. In: Müller-Doohm, S. (Hrsg.), S.: 314-323, 327; Vgl.: Hoppe-Graff, S.; Keller, B. (Hrsg. 1992), S.: 66 Abduktive Erkenntnisse können nicht durch Verfahrensprogramme oder Laborbedingungen herbeigezwungen werden. Peirce benennt die Anwesenheit echter Zweifel und die Befreiung von aktuellem Handlungsdruck als konstitutive Bestandteile, während der allein mit logischen Regeln kalkulierende Verstand ausmanövriert ist. Vgl.: Reichertz, J. (1993): Abduktives Schlussfolgern und Typen(re)konstruktion. In: Jung, T.; Müller-Doohm, S. (Hrsg.), S.:276-277

110 Vgl.: Strübing, J. (2002): Just do it? Zum Konzept der Herstellung und Sicherung von Qualität in grounded theory basierten Forschungsarbeiten. In: KZfSS (2002), Jahrgang 54, Heft 2, S.: 328

111 In Anlehnung an Peirce: Vgl.: Kelle, U.; Kluge, S. (1999), S.: 24; Vgl.: Grathoff, R. (1989), S.: 17 ff

112 Vgl.: Spode, H. (2005): Was ist Alkoholismus? Die Trunksucht in historisch-wissenssoziologischer Perspektive. In: Dollinger, B.; Schneider, W. (Hrsg.), S.: 96; Vgl.: Groenemeyer, A. (1999): Alkohol, Alkoholkonsum und Alkoholprobleme. In: Albrecht, G.; Groenemeyer, A.; Stallberg, F. W. (Hrsg.), S.: 181

113 Vgl.: Hildenbrand, B. (1999), S.: 12 bezugnehmend auf Karl Marx; Degkwitz meint in Bezug auf diese Dialektik, dass die Akteure ihre süchtige Biografie selbst herstellen, dies jedoch unter „vorgefundenen“ Bedingungen tun, die sie nur bruchstückhaft durchschauen. Vgl.: Degkwitz, P. (2005): „Sucht“ in einer „praxeologischen“ Sicht - Überlegungen zum Potential des soziologischen Ansatzes Bourdieus. In: Dollinger, B.; Schneider, W. (Hrsg.), S.:75 Jede Handlung zeitigt als Auseinandersetzung mit den Umweltbedingungen den Bedingungsrahmen für weitere Handlungen. Vgl.: Derselbe, S.: 83-84

114 Goffman macht darauf aufmerksam, dass sich Menschen in Interaktion wechselseitig interpretativ eine Situationsdefinition erschließen und dieser entsprechend verhalten. Vgl.: Goffman, E. (1980), S. 1, 32; Spode spricht, den Blickwinkel historischer und anthropologischer Sozialwissenschaft einnehmend, vom „stummen Zwang der Verhältnisse“. Spode, H. (1993), S.: 12

115 Vgl.: Schulz, W.: Ansatz einer sozialen Theorie des Trinkens. In: Antons, K.; Schulz, W. (1976), S.: 159

116 Vgl.: Dollinger, B. (2005): Sucht als Prozess. Eine Einführung. In: Dollinger, B.; Schneider, W. (Hrsg.), S.: 7-11

117 Vgl.: Hilge, T. (1998), S.: 3

118 Vgl.: Groenemeyer, A. (1999): Alkohol, Alkoholkonsum und Alkoholprobleme. In: Albrecht, G.; Groenemeyer, A.; Stallberg, F. W. (Hrsg.), S.: 175 - 176

119 Vgl.: Schütz, A.; Luckmann, T. (1979), S.: 25-29 Man könnte den Menschen daher auch als „reflektiert-reflektierendes Gebilde“ beschreiben, „das die Einstellungen, die Andere ihm gegenüber haben und gehabt haben, spiegelt“. Vgl.: Berger, P. L.; Luckmann, T. (1980), S.: 140

120 Vgl.: Dollinger, B. (2002 a), S.: 212-219

121 ] Dollinger, B. (2002 a), S.: 229

122 Vgl.: Hilge, T. (1998), S. 3; Platon ist jedoch auch der Ansicht, dass der Rausch den Zugang zu transzendent göttlichen Sphären eröffnet, welche die menschlichen Erkenntnismöglichkeiten erweitert und das Schaffen großer (Kultur-) Güter ermöglicht. Vgl.: Aichele, A. (2003): Wahnsinn und Wahrheit. In: Kaufmann, M. (Hrsg.), S.: 149-154; Auch heute entstehen zahlreiche Kulturgüter unter dem Einfluss von Drogen. Leist zufolge, schrieb beispielsweise Sartre viele seiner Werke unter Kokaineinfluss. Vgl.: Leist, A. (2003): Was könnte gut an Drogen sein? In: Kaufmann, M. (Hrsg.), S.: 283

123 Spode, H. (2005): Was ist Alkoholismus? Die Trunksucht in historisch-wissenssoziologischer Perspektive. In: Dollinger, B.; Schneider W. (Hrsg.), S.: 93; Vgl.: Schlüter-Dupont, L. (1990), S.: 3

124 Seneca bezeichnete den Rausch als temporären Wahnzustand, bei dem die überwältigende Kraft des Weins Herrschaft über uns gewann. Vgl.: Wink, M. (1999): Wirkung und Kulturgeschichte psychotroper Pflanzen und Drogen. In: Universitätsgesellschaft Heidelberg (Hrsg.), S.: 28

125 Das Wissen um die bewusstseinsverändernde Wirkung von Alkohol war speziell gebildeten „Fachleuten“ vorbehalten (beispielsweise Ärzten, Schamanen, Priesterinnen) Vgl.: Wink, M. (1999): Wirkung und Kulturgeschichte psychotroper Pflanzen und Drogen. In: Universitätsgesellschaft Heidelberg (Hrsg.), S.: 28; Vgl.: Spode, H. (1993), S.: 18 In der Bibel werden beide Sicht- und Umgangsweisen mit dem Alkohol thematisiert. Der Alkohol gilt allgemein als Geschenk Gottes, sein übermäßiger Gebrauch aber als Übel. Vgl.: Kruse, G.; Körkel, J.; Schmalz, U. (2001), S.: 19-23

126 Vgl.: Spode, H. (1993), S.: 18-19 Der „Rasende“ tritt durch den Gebrauch psychotroper Substanzen aus der Welt hinaus und macht sich den Göttern gleich. Er gewinnt dadurch die Welt in ihrer Ganzheit zurück. Vgl.: ebd., S.: 19; Vgl.: Groenemeyer, A. (1999): Alkohol, Alkoholkonsum und Alkoholprobleme. In: Albrecht, G.; Groenemeyer, A.; Stallberg, F. W. (Hrsg.), S.: 176

127 Vgl.: Spode, H. (1993), S.: 17-18

128 Vgl.: Spode, H. (1993), S.: 21-23

129 Vgl.: Spode, H. (1993), S.: 33, Vgl.: Ladewig, D. (1996), S.: 15

130 Vgl.: Spode, H. (1993), S.: 24

131 Vgl.: Feuerlein, W. (1989), S.: 3 Alkohol ist die einzige psychoaktive Substanz, die im Körper zu Fett abgebaut wird. Vgl.: Lindemeyer, J. (2001), S.: 44; Vgl.: Groenemeyer, A. (1999): Alkohol, Alkoholkonsum und Alkoholprobleme. In: Albrecht, G.; Groenemeyer, A.; Stallberg, F. W. (Hrsg.), S.: 177

132 Vgl.: Groenemeyer, A.: Alkohol, Alkoholkonsum und Alkoholprobleme. In: Albrecht, G.; Groenemeyer, A.; Stallberg, F. W. (Hrsg. 1999), S.: 176-177; vgl.: Feuerlein, W. (1989), S.: 3; Vgl.: Lindemeyer, J. (2001), S.: 44

133 Groenemeyer, A. (1999): Alkohol, Alkoholkonsum und Alkoholprobleme. In: Albrecht, G.; Groenemeyer, A.; Stallberg, F. W. (Hrsg.), S.: 176 [Auslassung von mir, A. L.]

134 Groenemeyer, A. (1999): Alkohol, Alkoholkonsum und Alkoholprobleme. In: Albrecht, G.; Groenemeyer, A.; Stallberg, F. W. (Hrsg.), S.: 177; Vgl.: Spode, H. (1993), S.: 51

135 Vgl.: Hilge, T. (1998), S.: 3-4; Vgl.: Spode, H. (1993), S.: 62

136 Spode, H. (1993), S.: 117

137 Vgl.: Groenemeyer, A. (1999): Alkohol, Alkoholkonsum und Alkoholprobleme. In: Albrecht, G.; Groenemeyer, A.; Stallberg, F. W. (Hrsg.), S.: 177-179

138 Vgl.: Elias, N. (1976), S.: 51 ff

139 Die soziale Ordnung entsteht aus der Interdependenz handelnder Menschen. Der Schauplatz des Krieges wird in das Subjekt verlegt und zur Spannung dessen, was Freud schließlich als „Über-Ich“, „Ich“ und „Es“ beschreibt. Vgl.: Elias, N. (1976), S.: 312- 336

140 Die Vorreiter dieser Entwicklung waren Klöster. Vgl.: Spode, H. (1993), S.: 35-45; Vgl.: Groenemeyer, A. (1999): Alkohol, Alkoholkonsum und Alkoholprobleme. In: Albrecht, G.; Groenemeyer, A.; Stallberg, F. W. (Hrsg.), S.: 177

141 Vgl.: Ladewig, D. (1996), S.: 16; Vgl.: Wiesemann, C. In: Zur Geschichte des Suchtbegriffs. In.: Kaufmann, M. (Hrsg. 2003), S.: 51; Vgl.: Groenemeyer, A. (1999): Alkohol, Alkoholkonsum und Alkoholprobleme. In: Albrecht, G.; Groenemeyer, A.; Stallberg, F. W. (Hrsg.), S.: 178

142 Vgl.: Lindemeyer, J. (2001), S.: 28; Vgl.: Spode, H. (1993), S.: 47-49, 55-70, 105-114

143 Vgl.: Groenemeyer, A. (1999): Alkohol, Alkoholkonsum und Alkoholprobleme. In: Albrecht, G.; Groenemeyer, A.; Stallberg, F. W. (Hrsg.), S.: 178-179

144 Weber, M. (2001): Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, S. 91

145 Vgl.: Groenemeyer, A. (1999): Alkohol, Alkoholkonsum und Alkoholprobleme. In: Albrecht, G.; Groenemeyer, A.; Stallberg, F. W. (Hrsg.), S.: 179

146 Vgl.: Spode, H. (1993), S.: 99-101

147 Vgl.: Groenemeyer, A. (1999): Alkohol, Alkoholkonsum und Alkoholprobleme. In: Albrecht, G.; Groenemeyer, A.; Stallberg, F. W. (Hrsg.), S.: 183; Vgl.: Klein, R. (2002), S.: 68-69

148 Vgl.: Lindemeyer, J. (2001), S.: 30

149 Vgl.: Hering, S.; Münchmeier, R. (2000), S.: 23, Vgl.: Lindemeyer, J. (2001), S.: 29; Vgl.: Hering, S.; Münchmeier, R. (2000), S.: 23; vgl.: Spode, H. (1993), S.: 101-104

150 Vgl.: Lindemeyer, J. (2001), S.: 29-30; Vgl.: Kruse, G.; Körkel, J.; Schmalz, U. (2001), S.: 29 In der Literatur wird in diesem Zusammenhang vom „Armutsalkoholismus“ gesprochen. Im Gegenzuge ließe sich in der Gegenwart vom „Wohlstandsalkoholismus“ sprechen. Vgl.: Kruse, G.; Körkel, J.; Schmalz, U. (2001), S.: 27; Vgl.: Groenemeyer, A.: Alkohol, Alkoholkonsum und Alkoholprobleme. In: Albrecht, G.; Groenemeyer, A.; Stallberg, F. W. (Hrsg. 1999), S.: 194

151 Vgl.: Spode, H. (1993), S.: 149-163; Vgl.: Groenemeyer, A. (1999): Alkohol, Alkoholkonsum und Alkoholprobleme. In: Albrecht, G.; Groenemeyer, A.; Stallberg, F. W. (Hrsg.), S.: 177, 183-184, 190-191; Vgl.: Klein, R. (2002), S.: 70

152 Vgl.: Hilge, T. (1998), S.: 5

153 Vgl.: Beck, U. (1986), S.: 206-209 Beck beschreibt die Individualisierung als widersprüchlichen Prozess. Der Einzelne wird selbst zur „Reproduktionseinheit des Sozialen“. Vgl.: Derselbe, S.: 209-211; Vgl.: Schmidt, L. (1986), S.: 49-52; Vgl.: Keupp, H. (2006 a), S.: 1-4

154 Beck, U. (1986), S.: 211

155 Entscheidungen sind stets so und auch anders möglich. Rationale Entscheidungsgrundlagen sind dem Individuum nicht vollständig verfügbar. Erwartungen in Bezug auf den Handlungserfolg stehen unter dem latenten Eindruck des Misserfolgs. Der individuelle Handlungserfolg wird beeinflusst von den Entscheidungen anderer, die als konkrete Gegenüber jedoch nicht verfügbar sind. Vgl.: Luhmann, N. (1986), S.: 79, 107 Keupp weist darauf hin, dass mit dem Individualisierungsprozess auch andere Formen der Bearbeitung individueller Notlagen einhergehen. Diese verlieren Gruppen- oder kollektive Notlagen aus dem Blick und führen zu der Gefahr, im therapeutischen Optimismus die Veränderungsmächtigkeit des Einzelnen über Gebühr zu strapazieren. Vgl.: Keupp, H. (2006 b): Und „Die“ im Dunklen sieht man nicht: Von der Alten und der Neuen Armut, und ihren psychosozialen Konsequenzen. Vortrag auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie am 4. März 2006 in Berlin, S.: 5-6

156 Vgl.: Feuerlein, W. (1989), S.: 4

157 Vgl.: Kruse, G.; Körkel, J.; Schmalz, U. (2001), S.: 26-27; Vgl.: Schlüter-Dupont, L. (1990), S.: 4

158 Vgl.: Groenemeyer, A.: Alkohol, Alkoholkonsum und Alkoholprobleme. In: Albrecht, G.; Groenemeyer, A.; Stallberg, F. W. (Hrsg. 1999), S.: 215

159 Vgl.: Beck, U. (1986), S.: 211

160 Vgl.: Spode, H. (1993), S.: 197; Rost weist darauf hin, dass die Mobilität in modernen Gesellschaften dazu führt, dass Suchtmittel aus anderen kulturellen Zusammenhängen herausgelöst werden. Der fehlende kulturelle Sinnzusammenhang (beispielsweise den religiösen Ritus der Indianer, die Meskalin zur Bewusstseinsänderung gebrauchten) führt häufig zum Missbrauch, da den Drogennutzern der religiös rituelle Hintergrund fehlt. Vgl.: Rost, W. D. (1987), S.: 16

161 Vgl.: Spode, H. (1993), S.: 275

162 Spode, H. (1993), S.: 279

163 Vgl.: Reinarman, C.: Sucht als Errungenschaft: Die diskursive Konstruktion gelebter Erfahrung. In: Dollinger, B., Schneider, W. (Hrsg. 2005), S.: 31

164 Vgl.: Spode, H. (1993), S.: 280

165 Nach Luhmann besteht die moderne Gesellschaft aus einem umfassenden System sinnhafter Kommunikation. Vgl.: Luhmann, N. (1986), S.: 62 ; Einzelne Kommunikationsbeiträge enthalten immer einen Sinnüberschuss. Dieser wird jedoch aufgrund der Situationspragmatik nicht aktualisiert. Die Akteure schränken erfahrungsbezogen ihre Möglichkeitsspielräume ein. Vgl.: Schütz, A.; Luckmann, T. (1979), S.: 133-154; Luckmann macht auch darauf aufmerksam, dass Gesellschaft durch Tätigkeiten konstruiert wird, die subjektiv gemeinten Sinn ausdrücken. Vgl.: Berger, P. L.; Luckmann, T. (1980), S.: 20

166 Vgl.: Simmel, G. (1992), S.: 280-284 Gleichermaßen macht Simmel darauf aufmerksam, dass die hier benannten Gemeinsamkeiten zwischen den Individuen eine Zuschreibung ist, die den Einzelnen unter einen allgemeinen Typus ordnet. Diese Zuordnung schließt zwar an der subjektiven Einzigartigkeit an, diese bleibt dem Anderen in ihrer Vollständigkeit jedoch verschlossen. Deshalb beschreibt die Typisierung des Einzelnen nicht dessen tatsächliches „Fürsichsein“ (Ebenda, S.: 281). Diese Rollentypen, als „soziale Verallgemeinerungen“ (Ebenda, S.: 282), verkörpern zugleich mehr oder weniger die Individualität des Einzelnen. Durch die Wechselwirkungen zwischen individuell dargebotenem Verhalten und dem Blick des Anderen, der in seinem Verhalten schließlich darauf Bezug nimmt wird gesellschaftliche Ordnung erzeugt. Der geschichtlich in einer Ahnenreihe stehende Einzelne, der über das auf ihn bezogene Verhalten der Anderen auch Informationen über sich gewinnt, wird untrennbar mit diesem Prozess verbunden. Vgl.: Ebenda, S.: 280-287 Dieser Hinweis Simmels ist auch bedeutsam in Bezug auf das diskutierte Phänomen „CMA“. Menschen werden aufgrund ihnen individuell zugerechneter Merkmale unter den Typus „CMA“ kategorisiert. Kategorisierungen lösen als „Wirklichkeitsabbilder“ Handeln aus, die schließlich als Informationen über „CMA“ kategorisierte Menschen auf jene zurückwirken. Das Phänomen „CMA“ wird damit zwischen gesellschaftlichen Rollenträgern konstruiert. (Anmerkung von mir A. L.) Der Umgang mit dem Süchtigen und der Sucht kann auch als gesellschaftliches Ringen mit ihrem Bedürfnis nach Lust und Genuss einerseits und Disziplinierungsbedürfnissen und der Angst vor dem Verlust gesellschaftlicher Wertsetzungen andererseits verstanden werden. Vgl.: Bussmann, K.-D. (2003): Freiheit - Gesellschaftliche Entwicklung - Disziplinierung und Rausch. In: Kaufmann, M. (Hrsg.), S.: 109-110

Ende der Leseprobe aus 338 Seiten

Details

Titel
Professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit auf der Grundlage fallrekonstruktiver Studien mit "Chronisch Mehrfachbeeinträchtigt Abhängigkeitskranken" Menschen
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Soziologie)
Note
1
Autor
Jahr
2009
Seiten
338
Katalognummer
V145539
ISBN (eBook)
9783640549535
ISBN (Buch)
9783640552986
Dateigröße
2231 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale Arbeit, professionalles Handeln, Fallrekonstruktion, Objektive Hermeneutik, Biografie, Generation, systemisch, Identität, Sucht, Autonomie, Suchterkrankung, gesellschaftliches Problem, chronisch, mehrfachbeeinträchtigt, abhängig, Genogramm, Familie, Stanmmbaum, Analyse, Soziologie, Kultur, Gesellschaft, soziales Problem, Interaktion, Handeln
Arbeit zitieren
Andreas Lampert (Autor), 2009, Professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit auf der Grundlage fallrekonstruktiver Studien mit "Chronisch Mehrfachbeeinträchtigt Abhängigkeitskranken" Menschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145539

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