Der Kulturanthropologe Edward T. Hall merkte an, dass es wesentliche Unterschiede in der nonverbalen Kommunikation und weiteren Aspekten des alltäglichen Umgangs von Menschen zwischen einzelnen Kulturen gibt. Ihm fiel dabei eine gewisse Systematik auf. Von da an widmete er sein Leben dem Studium kultureller Kommunikation und Missverständnisse.
Dabei erarbeitete er verschiedene Kulturdimensionen heraus. Die Erste bezieht sich auf die Dimension der Raumorientierung. Als zweite Dimension stellt Hall den Kontextbezug innerhalb der Kommunikation vor. Bezüglich der Ausprägungen unterschied er hierbei zwischen High-Context- und Low-Context-Kulturen. Hintergrund dieser Differenzierung ist die Annahme, dass sich Kulturen hinsichtlich der Dichte ihres Beziehungsgeflechts und der Vermischung von verschiedenen Lebensbereichen- und Räumen unterscheiden. High-Context-Kulturen zum einen beschreiben Lebenswelten, die eng miteinander verwoben sind. Die Interpretation der Nachricht beruht also stark auf kontextuellen Hinweisen.
Inhaltsverzeichnis
1 Die Abgrenzung von Stereotypen und Vorurteilen
2 Kulturspezifische Besonderheiten nonverbalen Kommunikationsverhaltens – Besonderheiten in der Paralinguistik
3 Das Phänomen des Kulturschocks – Ursachen und Gegenstrategien
4 Der Vergleich des Konfliktverhaltens der deutschen und asiatischen/arabischen Welt im Kontext der Ziele und Prinzipien der Mediation
5 High- und Low-Kontext-Kulturen – Voraussetzungen für die Durchführung einer Mediation?
6 Das Servieren des Getränkes – Eine kulturell-kontextuelle Erklärung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Ziel dieser Arbeit ist es, die Herausforderungen und Chancen der Mediation im interkulturellen Kontext zu beleuchten, indem der Einfluss unterschiedlicher Kommunikationsstile und kultureller Prägungen auf den Mediationsprozess analysiert wird.
- Abgrenzung und Definition von Stereotypen und Vorurteilen im sozialen Kontext.
- Analyse nonverbaler Kommunikation und paralinguistischer Besonderheiten.
- Untersuchung der Dynamik von Kulturschocks als Hürde in der interkulturellen Verständigung.
- Gegenüberstellung des Konfliktverhaltens in Low-Kontext-Kulturen (z.B. Deutschland) und High-Kontext-Kulturen (z.B. Asien/Arabien).
- Evaluierung von Mediationsprinzipien unter Berücksichtigung unterschiedlicher kultureller Erwartungshaltungen.
Auszug aus dem Buch
Die Abgrenzung von Stereotypen und Vorurteilen
Um Stereotype und Vorurteile klar voneinander abgrenzen zu können, sollen zunächst beide Phänomene inhaltlich definiert werden. Der Begriff des Stereotyps wurde von Walter Lippmann in die Sozialpsychologie eingeführt. „Darunter versteht man den Ausdruck einer auf soziale Gruppen oder einzelne Personen als deren Mitglieder gerichtete Überzeugung. Es hat die logische Form einer Aussage, die in ungerechtfertigt vereinfachender und generalisierender Weise, mit emotional-wertender Tendenz, einer Klasse von Personen bestimmte Eigenschaften oder Verhaltensweisen zu- oder abspricht. Stereotype als schematisierte Selbst- und Fremdbilder beinhalten vereinfachende Aussagen über Eigenschaften oder Verhaltensweisen von Gruppen oder Einzelpersonen und dienen somit der Einordnung und Abgrenzung. Sie beschreiben jedoch nicht das Verhalten eines Individuums; sondern lediglich das erwartete Verhalten, das man allen Mitgliedern einer bestimmten Gruppe zuschreibt.“ Dabei spielen persönliche Erfahrungen des Individuums bei der Herausbildung feindseliger Einstellungen gegenüber Fremdgruppen und der damit verbundenen Stereotype keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Es handelt bei Stereotypen folglich um festgefahrene Schemata und reduktionistische Ordnungsraster und äußert sich in Wendungen, wie „der fleißige Deutsche“ oder „der lebensfreudige Franzose“. Sie stellen mit solch ersten groben Orientierungen allerdings auch eine zentrale, menschliche Wahrnehmungsfunktion auf kognitiver, sozialer und affektiver Ebene dar. Solange jedoch kein Perspektivenwechsel stattfindet, können Stereotype zu Vorurteilen werden, die dann kaum mehr zu ändern sind, da sie (Vorurteile) relevante psychische Funktionen erfüllen, wie eine Selbstdarstellungs-, Abgrenzungs- und Identitätsfunktion. Eben dies ist ein erstes Unterscheidungsmerkmal. Bei Stereotypen handelt es sich um vereinfachte Denkmuster, die sich durch neue Erkenntnisse verändern lassen, wohingegen Vorurteile nur schwer zu verändern sind. Als die extremste Form des Vorurteils gegenüber Gruppen von Menschen ist die soziale Diskriminierung (im schlimmsten Fall der Rassismus) zu nennen. Vorurteile drücken sich dabei überwiegend in feindseligen Einstellungen gegenüber Personen oder Sachverhalten aus. Grundsätzlich sind sie im allgemeinen Sprachgebrauch eher inadäquate, falsche Erkenntnisse, die kaum rational zu beeinflussen sind. Dies rührt auch daher, dass sie häufig
Zusammenfassung der Kapitel
1 Die Abgrenzung von Stereotypen und Vorurteilen: Dieses Kapitel definiert und differenziert die Begriffe Stereotyp und Vorurteil als menschliche Wahrnehmungs- und Ordnungsfunktion.
2 Kulturspezifische Besonderheiten nonverbalen Kommunikationsverhaltens – Besonderheiten in der Paralinguistik: Hier werden Mimik, Gestik und die paralinguistischen Signale untersucht, die ohne expliziten Inhalt die interkulturelle Kommunikation prägen.
3 Das Phänomen des Kulturschocks – Ursachen und Gegenstrategien: Das Kapitel erläutert, wie Fremdheitserfahrungen zu psychischen Belastungen führen und welche Strategien diesen entgegenwirken können.
4 Der Vergleich des Konfliktverhaltens der deutschen und asiatischen/arabischen Welt im Kontext der Ziele und Prinzipien der Mediation: Es erfolgt eine Gegenüberstellung direkter und indirekter Kommunikationsstile und deren Auswirkungen auf den Mediationsprozess.
5 High- und Low-Kontext-Kulturen – Voraussetzungen für die Durchführung einer Mediation?: Dieses Kapitel analysiert das Modell von Edward T. Hall und hinterfragt, welche kulturellen Rahmenbedingungen für erfolgreiche Mediationen förderlich sind.
6 Das Servieren des Getränkes – Eine kulturell-kontextuelle Erklärung: Anhand eines konkreten Praxisbeispiels wird verdeutlicht, wie sich individualistische und kollektivistische Werte im täglichen Umgang auswirken.
Schlüsselwörter
Mediation, Interkulturelle Kommunikation, Stereotype, Vorurteile, High-Kontext-Kultur, Low-Kontext-Kultur, Konfliktverhalten, Paralinguistik, Kulturschock, Kollektivismus, Individualismus, Ambiguitätstoleranz, Neutralität, soziale Identität, interkulturelle Kompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen kulturellen Kommunikationsmustern und den Prinzipien der Mediation, um die Effektivität von Mediationsverfahren in einem interkulturellen Kontext zu bewerten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung kultureller Unterschiede (Stereotype, High-/Low-Kontext), die Analyse von Kommunikationsstilen sowie die praktische Anwendung dieser Erkenntnisse auf den Bereich der Konfliktlösung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie kulturell geprägte Erwartungen an Kommunikation und Konfliktlösung den Erfolg einer Mediation beeinflussen und welche Bedeutung interkulturelle Kompetenz dabei einnimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer interdisziplinären Literaturanalyse, die Konzepte aus der Sozialpsychologie, Anthropologie und dem Mediationsrecht miteinander verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Konzepte (z.B. Lippmanns Stereotypendefinition, Halls Kontext-Modell) als auch praktische Konfliktszenarien analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Mediation, interkulturelle Kommunikation, Stereotype, High- und Low-Kontext, sowie interkulturelle Kompetenz.
Warum ist das "Getränke-Beispiel" für die Mediation relevant?
Es dient als anschauliche Fallstudie, um zu verdeutlichen, wie grundlegend verschiedene kulturelle Logiken (Individualismus vs. Kollektivismus) bereits in kleinen Alltagssituationen zu Missverständnissen führen können.
Inwiefern beeinflusst die Kultur die Rolle des Mediators?
Je nach Kultur kann der Mediator als neutrale, faktenorientierte Instanz oder als harmonieorientierter Vermittler wahrgenommen werden, was das Vorgehen im Prozess maßgeblich beeinflusst.
Kann ein "Kulturschock" den Ausgang einer Mediation gefährden?
Ja, da ein Kulturschock zu emotionaler Desorientierung und physischem Stress führen kann, was die Kooperationsbereitschaft und die Fähigkeit, rationale Vereinbarungen zu treffen, erheblich einschränkt.
Welche Rolle spielt die Ambiguitätstoleranz?
Sie ist essenziell für Mediatoren und Teilnehmer, um Spannungsfelder zwischen unvereinbaren kulturellen Positionen auszuhalten, ohne handlungsunfähig zu werden oder in feindselige Ablehnung zu verfallen.
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- Anonym (Author), 2020, Mediation im interkulturellen Kontext, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1458124