Private Präventionen zur Verhinderung von Straftaten

Eine ökonomische Analyse


Diplomarbeit, 2010
56 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Forschungsfrage

3 Bereitstellung privater Sicherheitsvorkehrungen
3.1 Motivation der Haushalte in Sicherheitsvorkehrungen zu investieren
3.2 Maßnahmen zur Verhinderung einer Straftat
3.3 Maßnahmen zur Reduzierung des Tätergewinns
3.4 Auswirkungen auf die Aufdeckungsrate

4 Das optimale Präventionsniveau
4.1 Ein Modell
4.2 Grundlegende Annahmen
4.3 Analyse
4.3.1 Das optimale individuelle Präventionsniveau
4.3.2 Das optimale kollektive Präventionsniveau
4.3.3 Das optimale gesellschaftliche Präventionsniveau
4.4 Schlussbemerkung

5 Lösungsansatz zur Korrektur ineffizienter Entscheidungen
5.1 Der „Contributory-Fault-Mechanismus“
5.2 Grundlegende Annahmen
5.3 Analyse
5.4 Schlussbemerkung

6 Eine kritische Betrachtung

7 Zusammenfassung

A Anhang
A.1 Diebstahl unter erschwerenden Umständen
A.2 Polizeiliche Kriminalstatistik: Grundtabelle ab 1987
A.3 Versuchsquote seit 1993
A.4 Der Markt für elektronische Sicherheitssysteme

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

„Alle 2 Minuten findet in Deutschland ein Einbruch statt“ (ZDF, 2009). Ob gewöhnliche Einfamilienhäuser, abgelegene Ferienhäuser oder Wohnungen, Bürogebäude oder Kioske, Einbrüche können jeden treffen. Die polizeilich geführten Kriminalstatistiken machen dies besonders deutlich und verzeichnen im Jahr 2008 mit über 1,1 Mio. Fällen im Bereich „schwerer Diebstahl“ erschreckend hohe Zahlen (vgl. A.1, Diebstahl unter erschwerenden Umständen, S.45). Die Eingriffe in eines der existenziellen Grundbedürfnisse des Menschen - die Sicherheit - führen seit den 90er Jahren zu verstärktem Interesse, die Frage nach den Ursachen der Kriminalität zu klären. Verschiedene Studien haben sich bereits mit dem Phänomen „Kriminalität“ befasst und dabei unter Anderem das geringe Maß vorhandener Polizeiintensität1 sowie eine hohe Arbeitslosigkeit2 als mögliche Ursachen diskutiert. Denn nur wer Zusammenhänge und Ursachen eines Problems erkennt, ist auch in der Lage dieses gezielt sowie möglichst Kosten minimierend zu verringern oder ganzheitlich zu beseitigen. Die Möglichkeit Verbrechen ungeachtet zu lassen und dabei auf baldige Besserung zu hoffen, scheint realistisch betrachtet unmöglich zu sein, denn „Kriminalität gehört zur Normalität von Gesellschaften“3 (Oberwittler und Reinecke, 2008, S.49). So lange Menschen in der Lage sind eigenständige Entscheidungen zu treffen und zwischen verschiedenen Alternativen zu wählen, sind Verhaltensnormen zum Schutz des Gemeinschaftslebens unumgänglich. Um deren Einhaltung zu gewährleisten, wurden in den letzten Jahrzehnten immer höhere Strafmaße eingeführt um der Inakzeptanz von Verbrechen eine stärkere Bedeutung zu verleihen (vgl. Hohmann Dennhardt, 2003, S.1). Doch ist dies der richtige und einzige Weg, um gegen Kriminalität vorzugehen? Die Aufgabe des Staates ist es, das Recht des Bürgers auf Sicherung seiner Freiheitsräume zu schützen. Sanktionen bieten eine Möglichkeit entsprechende Rechte zu gewährleisten, bringen jedoch gleichfalls einen schweren Eingriff in eben diese Rechte mit sich. Deshalb muss vor dem Einsatz von Strafsanktionen eine „sorgfältige Abwägung erfolgen, ob der Freiheitsentzug in einem angemessenem Verhältnis zu dem steht, was an Freiheit geschützt werden soll“ (ebd., S.2).

Die darauf basierende Erkenntnis, dass der sich stetig erhöhende Einsatz von Strafe dem aufstrebenden Wunsch nach einer Gesellschaft ohne Kriminalität nur in bedingtem Maße dienlich zu sein scheint, hat den Grundstein für neue Instrumentarien zur Eindämmung von Kriminalität gelegt. In den Vordergrund treten Präventions- maßnahmen. Diese nutzen das aus der Ursachenforschung stammende, differenzierte Wissen über die Entstehungsbedingungen des zu verändernden, bzw. zu verhindernden Verhaltens, um Kriminalität vorzubeugen. Mittlerweile gehören Kriminalpräventionen zu den wichtigsten polizeilichen und gesamtgesellschaftlichen Aufgaben. Denn es ist in jedem Fall besser Vorbeugung zu betreiben, um damit Straftaten zu verhindern, als diese ausschließlich zu verfolgen und zu bestrafen (vgl. Polizei Berlin, 2003, S.166). Die Zuversicht hierbei erfolgreich zu sein, scheint sich im Besonderen bei präventablen Delikten im Bereich „Wohnungsdiebstahleinbruch“ zu bestätigen, in dem seit Beginn der 90er Jahre rückläufige Werte beobachtet werden können Grundtabelle ab 1987, S.46).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Zahl der Wohnungseinbrüche 1993-2007 (Quelle: vgl. PKS, 2008, S.165).

Die Frage danach, ob diese tatsächlich auf erfolgreiche Kriminalprävention zurückzuführen sind, kann nach wie vor nicht eindeutig bestimmt werden.

Expertenschätzungen zu Folge kann jedoch eine „positive Wirkung von Präventions- maßnahmen“ (PKS, 2008, S.166) zumindest angenommen werden, da der prozentuale Anteil gescheiterter Einbruchsversuche bundesweit im Vergleich nicht etwa abgenommen, sondern in den Jahren 1993-2007 sogar um fast 10 Prozentpunkte zugenommen hat (vgl. A.3, Versuchsquote seit 1993, S.47). Dennoch ist es schon allein aus finanziellen Gründen nicht ausreichend, ausschließlich den Staat im Rahmen der Prävention zur Verantwortung zu ziehen. Die aktive Mitwirkung seitens der Bevölkerung ist mehr gefragt denn je. Denn nur der kooperative Einsatz staatlicher und privater präventiver Maßnahmen ermöglicht eine insgesamt positive Beeinflussung der Kriminalitätsentwicklung. Dabei ist es von besonderer Bedeutung, den gesellschaftlichen Zusammenhang nicht auszublenden, in dem der Einzelne steht und sich zum Täter entwickeln kann (vgl. Polizei Berlin, 2003; Hohmann-Dennhardt, 2003).

2 Forschungsfrage

Der 1968 im „Journal of Political Economy“ veröffentlichte, wegweisende Aufsatz „Crime and Punishment: An Economic Approach“ von Ökonom und späterem Nobelpreisträger Gery S. Becker hat auch weitere Ökonomen darin bestärkt die Grenzen der Ökonomie zu durchbrechen und sich dem Feld der Kriminalität zu öffnen (vgl. Entorf, 1998). Zahlreiche Studien untersuchen bereits die Abschreckungswirkung von Strafhöhe und Strafwahrscheinlichkeit im Sinne der ökonomischen Theorie der Kriminalität.4 Andere Forschungsbeiträge diskutieren Wechselwirkungen5 zwischen ökonomischen Größen und bestehender Kriminalität oder beschäftigen sich mit den Ursachen plötzlich auftretender Schwankungen6 der Kriminalitätsrate.

Mit Beginn der 90er Jahre lässt sich ein zunehmendes Forschungsinteresse an der Bereitstellung privater Sicherheitsvorkehrungen und der damit verbundenen aktiven gesellschaftlichen Beteiligung an der Kriminalitätsbekämpfung beobachten. Traditionelle Ansichten, die Individuen eine passive Rolle zuweisen, werden hinterfragt und reformiert. Im Zentrum vieler Analysen steht das Verhalten von Individuen bei der Wahl privater präventiver Maßnahmen. Was motiviert Individuen private Sicherheits- vorkehrungen bereitzustellen? Woraus resultiert die Abweichung von privatem und gesellschaftlich optimalem Verhalten und wie lässt sich diese korrigieren?

Tatsache ist, dass im Jahr 2007 neben den gesamtstaatlichen Ausgaben für innere Sicherheit von etwa 3 Mrd. Euro (vgl. Bundesministerium, 2007, S.44)7 weitere 1,2 Mrd. Euro für private elektronische Sicherheitstechniken in Deutschland seitens der Bevölkerung investiert wurden (vgl. A.4 Entwicklung des Umsatzvolumens elektronischer Sicherheitsvorkehrungen, S.48). In den USA übersteigen die jährlichen Beträge mit 160 bis 300 Mrd. Dollar für private Sicherheitsvorkehrungen sogar seit vielen Jahren das gesamtstaatliche Budget innerer Sicherheit (vgl. Philipson und Posner, 1996). Kapitel 3 beschäftigt sich daher mit der Frage, was Individuen dazu veranlasst in private Sicherheitsvorkehrungen zu investieren und dabei Kosten in beachtlicher Höhe auf sich zu nehmen. Dabei sollen Entscheidungsbeeinflussende Motive herausgearbeitet und Reaktionsmöglichkeiten der Individuen auf entsprechende Risikosituationen dargestellt werden.8 Mit Kapitel 4 folgt eine detaillierte Analyse des Verhaltens von Individuen bei der Wahl des optimalen Präventionsniveaus auf Basis eines Modells von Steven Shavell aus dem Jahre 1991. Shavell greift die Ergebnisse einer früheren Studie von Clotfelter (1978) auf, um diese im Rahmen eines ausführlichen Präventionsmodells mit einzubinden und zu erweitern. Da Individuen dazu neigen, das gesellschaftlich optimale Niveau durch überhöhte bzw. zu geringe Investitionen in private Vorsorgemaßnahmen zu verfehlen (Shavell, 1991), untersucht Kapitel 5 einen Lösungsansatz zur Korrektur der ineffizienten Entscheidungen, mit dem Ziel, Individuen Anreize für die Wahl des gesellschaftlich optimalen Niveaus bieten zu können. Kapitel 6 wirft einen kritischen Blick auf die Ergebnisse der Modelle und hinterfragt die Richtigkeit der getroffenen Annahmen sowie deren Realitätsbezug. Kapitel 7 fasst die Ergebnisse der Arbeit noch mal zusammen, um einen abschließenden Gesamteindruck zu vermitteln.

3 Bereitstellung privater Sicherheitsvorkehrungen

Wenn Individuen sich dazu entscheiden illegalen Handlungen, wie beispielsweise Diebstählen nachzugehen, um sich damit durch Verletzung festgelegter Verhaltensnormen einen Vorteil zu verschaffen, ist es nötig mit geeigneten Mitteln dagegen zu intervenieren. Denn die Verbrechensrate wird nicht allein durch persönliche Entscheidungen potentieller Täter beeinflusst. Staatlich präventive sowie repressive Maßnahmen zur Gefahrenabwehr und Sanktionierung krimineller Straftaten, können in Kooperation mit privaten Investitionen in Sicherheitsvorkehrungen dazu beitragen, eine Straftat zu erschweren oder zu verhindern und damit die Kriminalitätsrate mindern. Private Vorsorgemaßnahmen spielen dabei eine ganz besondere Rolle. Da Individuen selbst am Besten wissen, wo sie schützenswerte Güter aufbewahren und was ihrem Wohl von Nutzen ist, können private präventive Maßnahmen weitaus wirksamer eingesetzt werden als staatliche Maßnahmen. Deshalb entscheiden Haushalte selbständig wie groß ihre Nachfrage nach Sicherheitsvorkehrungen tatsächlich ist. Sie können sich jedoch bei der Wahl präventiver Maßnahmen von staatlich geförderten, nicht kommerziellen (Polizei-)Beratungsstellen bei Bedarf unterstützen lassen.

3.1 Motivation der Haushalte in Sicherheitsvorkehrungen zu investieren

Ein Grundbedürfnis des Menschen ist es, in Sicherheit zu leben und damit materielle und immaterielle Güter sowie sich selbst geschützt zu wissen. Die generell für den Alltag und das Leben relevante, subjektiv empfundene Sicherheit, beeinflusst dabei maßgeblich die Lebensqualität. Straftaten erhöhen die Sorge um die eigene Sicherheit und führen im Besonderen bei Einbruchsdelikten, die neben materiellen Schäden auch einen sicherheitsrelevanten Eingriff in die Privatsphäre mit sich bringen, zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität und einem Vertrauensabfall gegenüber dem Staat und der Gesellschaft (vgl. Lehne, 1996). Es ist daher nicht verwunderlich, dass Menschen trotz entstehender Kosten durch individuelle, private Präventionsmaßnahmen versuchen, Gefahren abzuwehren und sich vor der Bedrohung durch Straftaten zu schützen. Der Nutzen, den ein Individuum aus einer Sicherheitsvorkehrung erhält und die damit verbundene Motivation in diese zu investieren, hängt größten Teils von der Art der Maßnahme und deren Auswirkung auf Straftaten, beziehungsweise auf das subjektive Sicherheitsempfinden, ab.

3.2 Maßnahmen zur Verhinderung einer Straftat

Alarmanlagen sind in der Lage das Eindringen unerwünschter Personen in ein Gebäude zu melden und Beschädigungen mitzuteilen. Videokameras übernehmen unter Anderem die Außenhautüberwachung von Fenstern und Türen. Einbruch hemmende Rollladensicherungen können eine Tat erschweren und verzögern. Wie sich erkennen lässt, leisten präventive Sicherheitstechniken wirksamen Schutz vor materiellen und ideellen Verlusten und bieten durch den gezielten Einsatz mechanischer und elektronischer Vorkehrungen zusätzlichen Schutz vor ungebetenen Gästen auf Grund ihres abschreckenden Effekts (vgl. Sicherheits Technik GmbH, 2007).

Die Entscheidung eines potentiellen Täters für oder gegen die Durchführung einer kriminellen Handlung hängt von seinem erwarteten Nutzen E(U)i ab. Dieser ergibt sich aus zwei, mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eintretenden Zuständen, die im ungünstigen Fall eine Ergreifung und Verurteilung mit den Folgen einer Bestrafung und im günstigen Fall den Nutzen aus einer erfolgreich durchgeführten Tat mit sich bringen. Der Erwartungsnutzen des Individuums i aus einer Straftat (vgl. Entorf und Spengler, 1998; Becker, 1968) sei daher gegeben durch

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] (3.1) mit P: Bestrafungswahrscheinlichkeit der Straftat

U: Nutzen des Täters

V: Wert der Beute s: Monetäre Strafhöhe

Nach Ben-Shahar und Harel (1995) werden potentielle Opfer bei der Wahl einer geeigneten Präventionsmaßnahme versuchen, ihre Kosten y und die Wahrscheinlichkeit mit der eingebrochen wird und ihnen weitere Kosten h entstehen, zu minimieren. Dies geschieht unter der Bedingung, dass der Gewinn des Täters b, mit b aus dem Intervall [0,1], größer ist, als die ihm im Falle einer Verhaftung und Verurteilung drohenden Folgen s, die mit einer Wahrscheinlichkeit von P(x,y) zu gewichten sind. Die für den Täter zu erwartenden Konsequenzen einer Tat sind daher durch das Produkt P(x,y)s gegeben. Das Ziel potentieller Opfer ist es, ein optimales y zu finden, welches einerseits die Kosten für präventive Maßnahmen in einem vertretbaren Rahmen hält und andererseits die Wahrscheinlichkeit mit der eingebrochen wird reduziert. Es gilt

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] (3.2) mit x: Aufwendungen für Schutzmaßnahmen Staat y: Aufwendungen für Schutzmaßnahmen Haushalt b: Gewinn des Täters

P: Wahrscheinlichkeit der Festnahme s: Sanktionen h: Kosten der Opfer

Nimmt man an, dass die Wahrscheinlichkeit mit der eine Straftat gelingt nicht vom Verhalten des Täters, sondern ausschließlich von y, den Kosten/Investitionen für private präventive Maßnahmen abhängt, dann sei α (y) mit α ′ <0 und α ′′ >0 die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreich durchgeführten Straftat (vgl. ebd.). In Anlehnung an (3.1) und (3.2) wird sich ein potentieller Täter für eine Tat entscheiden, wenn sein Erwartungsnutzen einen positiven Wert annimmt oder die Wahrscheinlichkeit, mit der eine Straftat gelingt und der Täter den Gewinn b erhält, der Wahrscheinlichkeit, mit der der Täter gefasst und bestraft wird gleichgestellt ist oder diese übersteigt (vgl. ebd., S.448). Zu beachten ist, dass von einer Risikoneutralität des Täters ausgegangen wird. Somit muss gelten

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] (3.3) oder

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] (3.4)

Investitionen in private Vorsorgemaßnahmen bringen daher verschiedene Effekte mit sich. Mit steigendem y erhöht sich die Wahrscheinlichkeit P(x,y)s, mit der ein Täter gefasst und bestraft wird. Wegen α ′ (y)<0 sinkt gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit, mit der eine Straftat gelingt und der Täter den Nutzen b erhält. Beide Effekte wirken positiv auf die Kriminalitätsrate ein, da sich die Täter sowohl einem höheren Risiko als auch einer geringeren Erfolgsrate gegenübersehen. Dies kommt den investierenden Individuen zu Gute, da die Wahrscheinlichkeit Opfer einer Straftat zu werden sinkt.

3.3 Maßnahmen zur Reduzierung des Tätergewinns

Kann eine Tat nicht verhindert werden, so ist es dennoch möglich durch private Sicherheitsvorkehrungen eine Senkung der Schadenshöhe und einen geringeren Gewinn der Täter herbei zu führen. Hierzu ist es nötig Maßnahmen zu wählen, die die Nutzung eines Gegenstandes oder die Tat an sich erschweren. Die Hinterlegung einer PIN, um mit einem Handy telefonieren zu können oder die Markierung eines teuren Bildes, welche die Möglichkeit eines öffentlichen Verkaufs einschränkt, können hier als Beispiele angeführt werden.9

Es wird angenommen, dass der Anteil des potentiellen Tätergewinns β von den Kosten/ Aufwendungen für private präventive Maßnahmen y abhängt und 0 ≤ β (y) 1 für alle y mit β ′ < 0 und β ′′ > 0 sei (vgl. ebd., S.450). In Anlehnung an (3.2) wird sich ein potentieller Täter für eine Tat entscheiden, wenn der mögliche Gewinnanteil der ihm verbleibt, den Kosten im Falle einer Festnahme und Sanktionierung gleichgestellt ist, oder diese übersteigen. Es gilt

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. (3.5)

Mit steigendem y erhöht sich die Wahrscheinlichkeit P(x,y)s, mit der ein Täter gefasst und bestraft wird. Wegen β ′ (y) < 0 sinkt der dem Täter verbleibende Gewinnanteil aus der Tat und die damit verbundene Motivation weitere Taten zu begehen. Es wird weniger eingebrochen und neben geringeren Verlusten das subjektive Sicherheitsempfinden gestärkt.

3.4 Auswirkungen auf die Aufdeckungsrate

Wir haben gesehen, dass Investitionen in Sicherheitstechniken dazu beitragen können, die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreich durchgeführten Straftat zu senken und damit die Kriminalitätsrate beeinflussen. Andere präventive Maßnahmen sind in der Lage die Nutzung eines Gutes, bzw. die Tat an sich zu erschweren und einen verminderten Tätergewinn hervorzubringen.10

Da bei Präventionsmaßnahmen grundsätzlich von einer positiven Wirkung ausgegangen werden kann, tragen diese je nach Art und Ausprägung ihren individuellen Teil dazu bei, auch die Aufdeckungsrate von Straftaten zu erhöhen. Die Nutzenfunktion potentieller Opfer sei unverändert und gegeben durch

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nach (3.1) und (3.6) wird sich ein Täter für eine kriminelle Handlung entscheiden, wenn

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] (3.7) oder

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] (3.8)

Investitionen in private Präventionsmaßnahmen y führen wie bereits erwähnt, zu einer gesteigerten Festnahmewahrscheinlichkeit und Bestrafung P(x,y) s des Täters. Gerade bei Wohnungseinbrüchen liegen Festnahme- und Aufdeckungswahrscheinlichkeit dicht beieinander, da sich die Täter im Falle einer Festnahme meist noch am Tatort befinden oder an Hand der gestohlenen Ware eindeutig identifiziert werden können. Trotzdem bleiben immer noch 80% der Fälle ungeklärt (Abb.2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Aufgedeckte Einbrüche/Einbruchsversuche 1993-2007 (Quelle: vgl. PSK, 2008, S.65).

Aber auch kleinere Erfolge wie diese senken die Gewinne b der Täter und damit auch die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Einbruch verübt wird.

Wenn Sicherheitsvorkehrungen in der Lage sind eine Straftat zu verhindern, den Gewinn der Täter zu mindern oder die Aufdeckungsrate zu erhöhen, bringt dies den investierenden Individuen einen positiven Nutzen, der sie motiviert weiter zu investieren.

[...]


1 Die Untersuchungen von Marvell und Moody (1996) analysieren breite Paletten unterschiedlicher Variablen wie Inflation, Polizeiintensität und demographische Trends, an Hand derer eine Korrelation zur Kriminalität beschrieben wird. So wurde unter anderem herausgefunden, dass eine Erhöhung der Gefängnispopulation um 10%, die Kriminalität um etwa 13 % sinken lässt.

2 Gould et al. (1999) untersuchen die Beziehung zwischen Kriminalität und Arbeitsmarktbedingungen indem sie die Löhne als Maß verwenden und nicht wie üblich die Arbeitslosenquote heranziehen. Da geringe Löhne häufig ausschlaggebend bei der Entscheidung für eine Straftat sind und Straftaten zunehmend von ungelernten Personen ohne Schulabschluss begangen werden, untersuchen Gould et al. die Auswirkungen dieser Trends unter Berücksichtigung der Frage nach der Endogenität.

3 Auf Basis dieser Erkenntnis sind zahlreiche Forschungsfragen entstanden, die Kriminalität aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Fragen nach der Entstehung, Durchsetzung und Kontrolle von Normen werden dabei ebenso in Augenschein genommen wie die Frage danach, warum Menschen überhaupt gegen Gesetze verstoßen und in wie weit ihre Lebensbedingungen dabei eine Rolle spielen.

4 Ehrlich (1996) kommt zu dem Ergebnis, dass bei risikofreudigen Personen eine Erhöhung der Bestrafungswahrscheinlichkeit eine größere Abschreckungswirkung aufweist, als eine Erhöhung des Strafmaßes, während bei nicht-risikofreudigen Personen die Erhöhung des Strafmaßes zu größerer Abschreckungswirkung führt. Antony und Entorf (2003) diskutieren die Auswirkungen der Androhung von Strafmaßnahmen auf die Kriminalität mit dem Ergebnis signifikanter Abschreckungseffekte, die zu verringerter Kriminalität führen.

5 Gould et al. (1999); Nommel (2001).

6 Levitt (2003) untersucht im Rahmen einer empirischen Studie den unerwarteten Kriminalitätsrückgang in den USA in den 90er Jahren.

7 Im Jahr 2007 wird das Programm PSIS zur Stärkung der Inneren Sicherheit ins Leben gerufen und im kommenden Jahr mit zusätzlichen Mitteln in Höhe von 44 Mio. Euro fortgeführt. Dem Bundesamt für Verfassungsschutz fließen 21,5 Mio. Euro zu, dem Bundeskriminalamt 13,6 Mio. Euro sowie der Bundespolizei 8,9 Mio. Euro. Die verbleibenden zusätzlich bereitgestellten Mittel in Höhe von 275 Mio. Euro werden in den Ausbau der Internetfahndung sowie in Videoüberwachung an Bahnanlagen und Verkehrsflughäfen investiert, in die Verbesserung der Auswertungsmöglichkeiten elektronischer Massendaten sowie in Entwicklung, Aufbau und Betrieb der Antiterrordatei.

8 Im Folgenden wird davon ausgegangen, dass sich das Risiko der Individuen auf die im Fokus der Arbeit stehenden Einbrüche bezieht. Auf der Täterseite bezeichnen die Worte „Tat“, „Straftat“ oder „Verbrechen“ das unrechtmäßige Eindringen einer oder mehrerer Personen in Gebäude sowie die unrechtmäßige Entwendung von Gütern und Werten (vgl. Shavell, 1991, S.123).

9 Neben der eingeschränkten Nutzbarkeit eines Gutes erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit P(x,y)s für den Täter bei einem Verkauf gefasst zu werden. Maßnahmen wie diese führen daher zu einem verminderten Interesse die Gegenstände zu stehlen.

10 Punkt 3.2 und 3.3 beinhalten vorsichtige Andeutungen auf die von Shavell (1991) analysierten Effekte sichtbarer und nicht sichtbarer Präventionsmaßnahmen sowie deren Auswirkungen.

Ende der Leseprobe aus 56 Seiten

Details

Titel
Private Präventionen zur Verhinderung von Straftaten
Untertitel
Eine ökonomische Analyse
Hochschule
Universität Konstanz
Veranstaltung
Angewandte Mikroökonomie: Law & Economics
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
56
Katalognummer
V145922
ISBN (eBook)
9783640564620
ISBN (Buch)
9783640564972
Dateigröße
628 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhalten von Privatpersonen bei der Wahl präventiver Maßnahmen, die diese zur Verhinderung von Straftaten und zu ihrem eigenen Schutz bereitstellen. Neben motivierenden Faktoren, die eine aktive Beteiligung der Bevölkerung an der Kriminalitätsbekämpfung hervorrufen, stehen privates und gesellschaftlich optimales Verhalten sowie dessen Regulierung im Falle ineffizienter Entscheidungen im Zentrum der Analysen.
Schlagworte
Law & Economics, Prävention
Arbeit zitieren
Anna-Lena Walter (Autor), 2010, Private Präventionen zur Verhinderung von Straftaten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145922

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