Die Bachelorarbeit thematisiert den aufs Ausland ausgerichteten nonfiktionalen Film mit seinen möglichen Darstellungsformen. Den typischen Dokumentarfilm gibt es dabei nicht. Vielmehr haben sich über die Jahrzehnte unterschiedlichste Darstellungsformen entwickelt. Die Bachelorarbeit folgt den narrativen Stilmitten des Ethnologen Thorolf Lipp und stellt heraus, welche für den aufs Ausland ausgerichteten Dokumentarfilm am geeignetsten erscheinen. Dabei spielt unter anderem der Ethnographische Film eine Rolle, sowie das Afrikanische Kino, indem ausländische Autoren selbst zu Filmemachern werden. Denn Auslandserfahrungen sind wichtig, wie es in der Arbeit herausgestellt wird. Am Ende soll der Leser einen kurzen Einblick in die Geschichte des Dokumentarfilms erhalten haben, was diesen genau ausmacht und wie nah dieser der Realität wirklich kommen kann. Unterschiedlichste Autoren, wie Eva Hohenberger haben sich mit dieser Frage beschäftigt. Außerdem wird die aktuelle Auslandsberichterstattung beleuchtet und an welchem Punkten es bisher hakt. Denn in einer globalisierten Welt, wie sie heute nun mal ist, ist die Auslandsberichterstattung wichtiger denn je.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Theorie
1. Der Blick ins Ausland
1.1. Definierung des Fremden
1.2. Das Denken in Stereotypen
1.3. Zur europäischen Weltsicht
1.4. Zentrierung einer Weltsicht
2. Der Nonfiktionale Film
2.1. Eingrenzung einer Gattung
2.2. Authentizitätsanspruch
2.3. Der Ethnographische Film
2.4. Afrikanisches Kino
3. Narrative Stilmittel
3.1. Der Plotbasierte Dokumentarfilm (seit 1920)
3.2. Der Nonverbale Dokumentarfilm (seit 1925)
3.3. Das Documentary (seit 1930)
3.4. Das Direct Cinema (seit 1960)
3.5. Das Cinéma Vérité (seit 1960)
4. Zusammenführung der Thesen
II. Analyse
1. Vorgehensweise und Auswahl
2. Analyse der Filme
2.1. MAKALA
2.2. WAS UNS HEILIG IST: DER WEG IST DAS ZIEL
2.3. WIEDERGEBOREN IN WESTFALEN
2.4. MIT DEM ESEL DURCH AFGHANISTAN
2.5. LAGOS - TANGER: REISE OHNE RÜCKFAHRSCHEIN
3. Schlussfolgerungen
3.1. Das Narrative
3.2. Der ethnologische Anspruch
3.3. Die Glaubwürdigkeit
3.4. Der kulturelle Hintergrund
III. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht, wie der nonfiktionale Film als Medium genutzt werden kann, um das „Fremde“ im Ausland darzustellen, und welche narrativen Stilmittel dabei am besten geeignet sind, um Authentizität und Glaubwürdigkeit beim Zuschauer zu erzeugen.
- Theorie des Fremden und der Wahrnehmung durch Stereotype
- Entwicklung und Definition des nonfiktionalen Films
- Analyse narrativer Stilmittel (u.a. Direct Cinema, Cinéma Vérité)
- Fallbeispiele aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten
- Einfluss kultureller Vorkenntnisse auf die filmische Darstellung
Auszug aus dem Buch
1.1. Definierung des Fremden
Im Normalfall handelt es sich beim Nonfiktionalen Film, der aufs Ausland gerichtet ist, um eine mediale Darstellung fremder Kulturen. Dabei geht es nicht um das Fremde, das nach Simmel „heute kommt und morgen bleibt“, sondern um fremde Lebensweisen, die sich räumlich und gesellschaftlich distanziert von uns befinden. Um den Begriff des Fremden besser einordnen zu können, muss dieser zunächst genauer definiert werden. In der Wissenschaft bildet die Xenologie eine eigene Lehre des Eigenen und Fremden.
Das deutsche Wort „Fremd“ stammt etymologisch von dem germanischen Wort „fram“ ab, was soviel wie „entfernt“, „fern“, oder auch „fern von“, „weg von“ bedeutete. Bei dem Begriff der Fremdheit handelt es sich also um einen Begriff, der subjektiv von einem bestimmten Standpunkt aus benutzt wird. Denn die Feststellung, dass du mir fremd bist, heißt im Umkehrschluss nicht auch, dass ich dir fremd bin. Jedes Zuschreiben von Fremdheit ist somit ein kommunikativer Akt.
Münkler und Ladwig teilen den Charakter der Fremdheit dabei in drei Kategorien ein: Fremdheit ist rational (1), das heißt, wir bezeichnen etwas nur als fremd, wenn wir in irgendeiner angenommenen oder tatsächlichen Beziehung zu ihr stehen. Das Unbekannte ist uns schon deshalb fremd, weil wir überhaupt nichts darüber aussagen können. Auch das bloß Geglaubte gilt für uns nicht als fremd (jedoch kann hier eine Vermutung aufgestellt werden). Zudem ist Fremdheit ein indexikalischer (verwendungsrelativer) Begriff (2). Der Standort und die intentunale Einstellung des Sprechers bestimmen, was für diesen als fremd gilt oder als fremd gelten kann. Des weiteren bringt der Sprecher mit der verwendungsrelativ bestimmten Haltung zum Ausdruck.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der Blick ins Ausland: Es wird definiert, was unter dem „Fremden“ und dem Denken in Stereotypen verstanden wird, sowie die Problematik einer europäischen, zentrierten Weltsicht aufgezeigt.
2. Der Nonfiktionale Film: Das Kapitel grenzt den nonfiktionalen Film als Gattung ein, erläutert den Authentizitätsanspruch und beleuchtet ethnographische Einflüsse sowie afrikanisches Kino.
3. Narrative Stilmittel: Die Entwicklung verschiedener narrativer Prototypen und Formate im nonfiktionalen Film, von plotbasierten Filmen bis hin zum Direct Cinema und Cinéma Vérité, wird hier detailliert beschrieben.
4. Zusammenführung der Thesen: Die erarbeiteten Erkenntnisse werden theoretisch gebündelt, bevor sie im nächsten Teil der Arbeit praktisch an Filmbeispielen geprüft werden.
Analyse der Filme: Fünf ausgewählte Filme werden hinsichtlich ihrer eingesetzten narrativen Stilmittel und ihrer Wirkung auf die Darstellung des Fremden untersucht.
Schlussfolgerungen: Es wird diskutiert, wie sich die narrativen Stilmittel unterscheiden, welcher ethnologische Anspruch dabei besteht und welche Rolle kulturelle Hintergründe spielen.
Schlüsselwörter
Fremdheit, Nonfiktionaler Film, Authentizität, Stereotype, Ethnographischer Film, Narrative Stilmittel, Direct Cinema, Cinéma Vérité, Auslandskorrespondenz, Medienethik, Interkulturelle Kommunikation, Dokumentarfilm, Wahrnehmung, Perspektive, Kulturen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Darstellung fremder Kulturen durch den nonfiktionalen Film und analysiert, wie diese mediale Vermittlung durch narrative Mittel gestaltet wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Theorie der Fremdheit, die Entwicklung des Dokumentarfilms, filmästhetische Stilmittel und die Rolle der Auslandsberichterstattung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu ergründen, welche narrativen Mittel im nonfiktionalen Film die beste Authentizität und Glaubwürdigkeit bei der Vermittlung fremder Lebenswelten erreichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse zur theoretischen Fundierung sowie eine Fallstudienanalyse von fünf exemplarischen nonfiktionalen Filmen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung filmwissenschaftlicher Grundlagen und eine praktische Filmanalyse verschiedener Genres.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Schlüsselwörtern gehören Fremdheit, Authentizität, nonfiktionaler Film, narrative Stilmittel und ethnographischer Anspruch.
Warum ist die Unterscheidung zwischen "Direct Cinema" und "Cinéma Vérité" wichtig für die Analyse?
Die Methoden unterscheiden sich stark in der Rolle des Filmemachers: Während das Direct Cinema eine "beobachtende" Distanz anstrebt, agiert das Cinéma Vérité oft als Katalysator, um Reaktionen zu provozieren.
Wie beeinflusst die Herkunft der Filmemacher die Darstellung des Fremden?
Kulturelle Vorkenntnisse sind essenziell; eine "Entdeckungsreise" durch Einheimische ermöglicht oft tiefere Einblicke als eine rein europäische Perspektive, welche Gefahr läuft, fremde Kulturen zu objektivieren.
- Quote paper
- Ben Lauerer (Author), 2023, Zwischen Fiktion und Authentizität zur Thematik des Fremden im Auslandsbild des nonfiktionalen Films, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1459327