Jede Sprache ist einzigartig. Sie hat ihre eigene Struktur im Wortschatz, ihre Regeln, ihre Tempora und sie stellt jeden, der sie benutzt, hin und wieder vor die Frage: Wie heißt das jetzt richtig?
Werden zwei Sprachen gegenübergestellt, so treten neue Herausforderungen für den Benutzer auf. Neutralisation und Diversifikation sind solche Herausforderungen. Soll beispielsweise ein Satz von einer Sprache in eine andere übersetzt werden, muss zunächst geklärt werden, ob möglichst wortwörtlich zu übersetzen ist oder es wichtiger ist, den Sinn bestmöglich in die andere Sprache zu übertragen. Ein Übersetzer sucht als erstes nach den jeweiligen Entsprechungen der Wörter in der anderen Sprache. Wenn jedoch ein Begriff in der Ausgangssprache zwei Begriffen in der Zielsprache entspricht, sollte der Übersetzer dem jeweiligen Kontext am ehesten zutreffenden Begriff wählen. Diese 1:2-Entsprechung wird Diversifikation genannt. Der umgekehrte Fall, wenn also zwei Begriffe in der Ausgangssprache einem Begriff in der Zielsprache entsprechen, wird Neutralisation (oder Neutralisierung) genannt. Zum korrekten und sinngemäßen Übersetzen tragen ein- und zweisprachige Wörterbücher entscheidend bei. Wie diese jedoch mit der Neutralisation und der Diversifikation umgehen, wird schrittweise in dieser Hausarbeit erklärt.
Die Schwierigkeit, inhaltlich möglichst exakte Äquivalente zwischen zwei Sprachen zu finden, meistert nicht jedes Wörterbuch. Um eine (oder mehrere) Antworten auf die Frage, wie Wörterbücher die 1:2- bzw. 2:1- Entsprechungen behandeln, zu erlangen, wurden Lemmata aus den folgenden spanischen Wörterbüchern herangezogen: „Diccionario de uso del Español“ von María Moliner, „Diccionario del español actual“ von Manuel Seco, Olimpia Andrés und Gabino Ramos und letztlich aus dem „Diccionario de la lengua española“ von der Real Academía Española.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Äquivalente zwischen den Sprachen
1.1 Wichtigkeit des Kontextes
1.2 Deutsch und Spanisch im Vergleich
2 Vergleich verschiedener Wörterbucheinträge
„Straße“, „calle“ und „carretera“ in ein- und zweisprachigen Wörterbüchern
3 Schwierigkeiten und ihre möglichen Lösungen
3.1 Probleme beim Übersetzen, die aus der Diversifikation und der Neutralisation hervorgehen
3.2 Die richtige Vorgehensweise
Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Umgang ein- und zweisprachiger Wörterbücher mit den linguistischen Phänomenen der Neutralisation und Diversifikation, um Lösungsstrategien für die Herausforderungen beim Übersetzen zwischen dem Deutschen und Spanischen zu identifizieren.
- Semantische Entsprechungen und die zentrale Bedeutung des Kontextes
- Vergleichende Analyse von Wörterbucheinträgen (Beispiel „Straße“)
- Strategien zur Bewältigung von 1:2- und 2:1-Entsprechungen
- Methoden der Umschreibung bei fehlenden direkten Äquivalenten
- Die Rolle der Wortschatzstruktur und grammatikalischer Regeln
Auszug aus dem Buch
Die richtige Vorgehensweise
Die in 3.1 genannten Problembeispiele sind keine unlösbaren Fälle. In der Übersetzung gibt es verschiedene Arten, Inhalte sinngemäß und sprachlich korrekt in eine andere Sprache zu übertragen.
Eine der Möglichkeiten wäre die Umschreibung von Wörtern, dessen exaktes Äquivalent in der anderen Sprache fehlt. Die schon im vorrigen Unterkapitel erwähnte Schwierigkeit bezogen auf „Glas“ und “copa“, wäre so zu lösen, dass wenn vom Deutschen aus übersetzt werden soll, den Kontext zu beachten ist, in welches „Glas“ eingesetzt werden soll. Andersherum, muss „copa“ mit einen der folgenden Möglichkeiten umschrieben werden: (Rot-/ Weiß-)Weinglas, Sektglas, Champagnerglas Glas und zur Not auch Glas mit Stiel.
Wenn auf das nächste Problembeispiel geachtet wird, die Schwierigkeit mit „heaven“ und „sky“, so wäre dieser Ausschnitt mit folgenden Strophen zu übersetzen: Stell dir/ stellt euch vor es gäbe keinen Gott. Es ist leicht das zu versuchen. Keine Hölle unter uns, Über uns nur Himmel. „Gott“ würde anstelle von „heaven“ stehen, da „heaven“ eher religiös gemeint ist und für „sky“ würde man den Begriff „Himmel“ wählen. Gerade bei diesem Beispiel muss diversifiziert werden, da im Text selbst eine lexikalische Opposition thematisiert wird.
Bei dem Fall von „El sueño de la razón...“ bleibt die Diskussion, ob es als „Traum“ oder als „Schlaf“ zu verstehen ist, bestehen. Meiner Meinung nach müsste man alles über Goya herausfinden, was es über ihn zu wissen gibt, das Gemälde analysieren und dann letztendlich sich für das zutreffendere entscheiden: Hat er zur Aufklärung oder zur Romantik tendiert?
Ein schwer oder manchmal fast unmöglich zu übersetzender Begriff kann häufig auch einfach übernommen werden, wie im unteren Beispiel zu sehen ist. „Monsieur!... Monsieur!... Il est huit heuers...“ „Monsieur!... Monsieur!... Es ist acht Uhr...“ So wird, auch wenn die meisten Begriffe keine inhaltlich genauen Entsprechungen in einer anderen Sprache vorzuweisen haben, es immer Möglichkeiten geben sinngemäß zu übersetzen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Problematik von Sprachstrukturen und die Definition der Begriffe Neutralisation und Diversifikation.
1 Äquivalente zwischen den Sprachen: Untersuchung der Wichtigkeit des Kontextes sowie ein direkter Vergleich zwischen deutscher und spanischer Sprachstruktur.
2 Vergleich verschiedener Wörterbucheinträge: Praktische Analyse der Handhabung von spezifischen Lemmata in verschiedenen ein- und zweisprachigen Wörterbüchern.
3 Schwierigkeiten und ihre möglichen Lösungen: Erläuterung der Übersetzungsprobleme durch semantische Unterschiede und Vorstellung von Lösungsansätzen wie Umschreibungen.
Schluss: Zusammenfassung der Ergebnisse hinsichtlich des korrekten Gebrauchs von Wörterbüchern und der Anwendung von Übersetzungstechniken.
Schlüsselwörter
Übersetzung, Wörterbuch, Neutralisation, Diversifikation, Kontext, Äquivalente, Deutsch, Spanisch, Semantik, Lemma, Sprachvergleich, Linguistik, Wortschatzstruktur, Übersetzungsstrategie, Begriffswahl.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Herausforderung, Begriffe zwischen dem Deutschen und dem Spanischen zu übersetzen, insbesondere wenn keine exakten Entsprechungen existieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Phänomene der Neutralisation (2:1-Entsprechung) und der Diversifikation (1:2-Entsprechung) sowie der Einfluss des Kontextes auf die korrekte Wortwahl.
Was ist das primäre Ziel?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie ein- und zweisprachige Wörterbücher mit semantischen Differenzen umgehen und welche Strategien Übersetzer nutzen können, um dennoch sinngemäß zu arbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin wendet eine vergleichende Analyse von Wörterbucheinträgen sowie eine Auswertung einschlägiger linguistischer Fachliteratur an, um den Umgang mit Übersetzungsproblemen zu verdeutlichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Wörterbucheinträgen am Beispiel von „Straße“ sowie die theoretische und praktische Analyse von Schwierigkeiten und Lösungsansätzen bei der Übersetzung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Übersetzung, Neutralisation, Diversifikation, Kontext, semantische Äquivalente und die vergleichende Lexikographie.
Wie gehen Wörterbücher mit dem Begriff „Straße“ um?
Wörterbücher behandeln den Begriff je nach Sprache unterschiedlich, wobei im Spanischen zwischen „calle“ (innerorts) und „carretera“ (außerorts) stärker differenziert wird als im Deutschen.
Welche Bedeutung hat das Beispiel von Goya für die Übersetzung?
Das Beispiel verdeutlicht, dass eine falsche Begriffswahl (hier „Schlaf“ vs. „Traum“) die gesamte Interpretation einer Aussage oder politischen Haltung ins Gegenteil verkehren kann.
Wann ist eine Umschreibung einer direkten Übersetzung vorzuziehen?
Eine Umschreibung wird notwendig, wenn in der Zielsprache kein exaktes Äquivalent existiert oder der Kontext eine Differenzierung erfordert, die das einsprachige Wort nicht leisten kann.
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- Claudia Mayer (Author), 2009, Der Umgang ein- und zweisprachiger Wörterbücher mit der Neutralisation und der Diversifikation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146477