Der Umgang ein- und zweisprachiger Wörterbücher mit der Neutralisation und der Diversifikation


Seminararbeit, 2009
21 Seiten, Note: 3,0
Claudia Mayer (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Äquivalente zwischen den Sprachen
1.1 Wichtigkeit des Kontextes
1.2 Deutsch und Spanisch im Vergleich

2 Vergleich verschiedener Wörterbucheinträge
„Straße“, „calle“ und „carretera“ in ein- und zweisprachigen
Wörterbüchern

3 Schwierigkeiten und ihre möglichen Lösungen
3.1 Probleme beim Übersetzen, die aus der Diversifikation und der Neutralisation hervorgehen
3.2 Die richtige Vorgehensweise

Schluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

Jede Sprache ist einzigartig. Sie hat ihre eigene Struktur im Wortschatz, ihre Regeln, ihre Tempora und sie stellt jeden, der sie benutzt, hin und wieder vor die Frage: Wie heißt das jetzt richtig?

Werden zwei Sprachen gegenübergestellt, so treten neue Herausforderungen für den Benutzer auf. Neutralisation und Diversifikation sind solche Herausfor- derungen. Soll beispielsweise ein Satz von einer Sprache in eine andere über- setzt werden, ergibt sich die Frage, ob möglichst wortwörtlich zu übersetzen ist oder es wichtiger ist, den Sinn bestmöglich in die andere Sprache zu über- tragen. Also zum Beispiel einen Satz von Spanisch auf Deutsch „einzu- deutschen“1.

Ein Übersetzer sucht als erstes nach den jeweiligen Entsprechungen der Wörter in der anderen Sprache. Wenn jedoch ein Begriff in der Ausgangssprache2 zwei Begriffen in der Zielsprache3 entspricht, sollte der Übersetzer dem jeweiligen Kontext am ehesten zutreffenden Begriff wählen. Diese 1:2-Entsprechung wird Diversifikation genannt. Im umgekehrten Fall, wenn also zwei Begriffe in der Ausgangssprache einem Begriff in der Zielsprache entsprechen, ist dies Neutralisation (oder Neutralisierung) zu nennen.4

Zum korrekten und sinngemäßen Übersetzen tragen ein- und zweisprachige Wörterbücher entscheidend bei. Wie diese jedoch mit der Neutralisation und der Diversifikation umgehen, wird schrittweise in dieser Hausarbeit erklärt. Die Schwierigkeit, inhaltlich möglichst exakte Äquivalente zwischen zwei Sprachen zu finden, meistert nicht jedes Wörterbuch. Um eine (oder mehrere) Antworten auf die Frage, wie Wörterbücher die 1:2- bzw. 2:1- Entsprechungen behandeln, zu erlangen, wurden Lemmata5 aus den folgenden spanischen Wörterbüchern herangezogen: „Diccionario de uso del Español“ von María Moliner, „Diccionario del español actual“ von Manuel Seco, Olimpia Andrés und Gabino Ramos und letztlich aus dem „Diccionario de la lengua española“ von der Real Academía Española.

Deutsche und zweisprachige Wörterbücher wurden ebenso zum Vergleich hinzugezogen.

Diese Hausarbeit gliedert sich in drei Teile. Angefangen bei der Frage, wie es um die Begriffsentsprechungen zwischen zwei Sprachen steht, dessen Feststellung anschließend konkret auf das Spanische und das Deutsche bezogen wird. Im zweiten Teil werden bestimmte Wörterbucheinträge darauf untersucht, in wie weit Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen ihnen aufzuweisen sind. Der letzte Teil schließlich behandelt die Probleme, welche durch die Diversifikation und die Neutralisation hervorgerufen werden und stellt mögliche Lösungen vor. Im Schlussteil dieser Arbeit werden letztendlich alle Ergebnisse zusammengefasst und erläutert.

1 Äquivalente zwischen den Sprachen

1.1 Wichtigkeit des Kontextes

Wenn man im Wörterbuch nach einer Entsprechung eines Begriffs in einer anderen Sprache sucht, wird man garantiert fündig. Ist aber die gefundene Übersetzung des Begriffes dem anderen gegenüber wirklich gleichwertig? Gibt es überhaupt genaue inhaltliche Äquivalente zwischen zwei Sprachen? Um das herauszufinden, soll beispielsweise das Wort „Geheimnis“ übersetzt werden, auch wenn in einem gewöhnlichen Wörterbuch6, wie das „Langenscheidt Taschenwörterbuch Spanisch“ nachgeschlagen wird, so stößt man auf zwei Wörter.7 Die erste Übersetzung des Wortes „Geheimnis“ wäre „secreto“, welches gefolgt wird von Anwendungsbeispielen wie:

„vor jemandem keine Geheimnisse haben“ („no tener secretos para alguien“), „ein Geheimnis aus etwas machen“ („hacer de alguna cosa un secreto“) und „darin liegt das ganze Geheimnis“ („ahí está el secreto de la cuestión“).

Die zweite Übersetzung wäre „misterio“, wobei dieser Begriff vom kursivgedruckten Adjektiv „unergründliches“ begleitet wird, sowie von einem Gebrauchsbeispiel, nämlich: „die Geheimnisse des Meeres“, was übersetzt ist mit: „los misterios del mar“. Wären diese Anwendungsbeispiele nicht gegeben, wüssten die Wörterbuchbenutzer nicht, wann sie denn „secreto“ und wann sie „misterio“ einsetzen sollten. Mit dieser kleinen Hilfestellung können sie sich ein Bild machen, jedoch nicht immer wissen, was am zutreffendsten ist. Genauer, wie es Jörn Albrecht formuliert:

...entspricht [...] dem deutschen Wort Geheimnis, wenn damit etwas dem menschlichen Verstand Undurchdringliches gemeint ist, das französische Wort myst è re. Ist mit Geheimnis jedoch ein Sachverhalt gemeint, der einem dritten nicht mitgeteilt werden soll, so sagt man dazu im Französischen nicht myst è re, sonder secret.8

Das Problem, welches leicht entstehen kann, ist, dass die Übersetzung nicht nur weniger zutreffend, sondern sogar vollkommen unkorrekt ist. Es kann nämlich passieren, dass der zu übersetzende Satz, so übersetzt wird, dass er sogar das Gegenteil bedeutet und zwar nur auf Grund der falschen Begriffswahl. Diese Gefährdung wird aber später noch näher betrachtet.

Um zu wissen wie ein Gegenstand oder ein Sachverhalt in einer anderen Sprache genannt wird, hier zum Beispiel „Straße“ auf Spanisch, wird von vielen gern und häufig diese Art von Frage gestellt: „Was heißt 'Straße' auf Spanisch?“, was im Grunde falsch ist. Eigentlich sollte auf so eine Art von Fragestellung sofort die Gegenfrage: „In welchem Zusammenhang?“ kommen, da, wie es Jörn Albrecht in seiner Arbeit „Linguistik und Übersetzung“ erklärt, der Begriff „Straße“ mehrere Übersetzungen besitzt.9

Die auf Spanisch verschiedenen Entsprechungen für das Wort „Straße“ lauten: „calle“, „carretera“ und „vía“. „Calle“ wäre in bestimmten Kontexten anzu- wenden und „vía“ beispielsweise, in solchen, in denen „calle“ nicht zutreffend ist. Das zeigt, dass es hauptsächlich auf den Zusammenhang ankommt. Nicht ohne Grund haben einige Semantiker behauptet, Wörter hätten ohne Kontext überhaupt keine Bedeutung. Diese Behauptung ist nach Jörn Albrecht ein Versuch den Schwierigkeiten aus dem Wege zu gehen. Er selber will aber diese Schwierigkeit, dass kein Wort in einer anderen Sprache einem anderen Wort genau entspricht, lieber beseitigt haben.10 In der oben genannten Behauptung sehe ich jedoch sehr viel wahres, denn um auf das Exempel „Straße“ zurückzukommen, kann ich zum Beispiel über das Meer reden und es fällt im Laufe meiner Schilderungen das Wort „Straße“, so weiß mein Unterhalt- ungspartner, dass ich die Straße von Gibraltar meine, also die „Meerenge“ zwischen Spanien und Marokko. Eine andere Person aber, die sich zu einem späteren Zeitpunkt dazugesellt hat, bekommt nur das Wort „Straße“ mit und stellt sich „automatisch“ die prototypische Straße aus Beton in der Stadt vor. Ohne den Kontext zu kennen, können also andere Sachverhalte gemeint sein. Auf die Suche nach einer Antwort auf die Frage, ob es nicht doch ein simples Wort gibt, welches eine, und nur eine, akkurate Entsprechung in der anderen Sprache besitzt, wird nach einer Sache geschaut, auf die jeder mit dem Finger zeigen kann und dann ein Zweiter auf Anhieb weiß, was gemeint ist. Eines der besten Beispiele dafür ist der Apfel. „Apfel“ ist auf Spanisch zu übersetzen mit „manzana“. Soll die deutsche Redewendung „in den sauren Apfel beißen“ wiedergegeben werden, so müsste der Satz, um dem Sinn der Redewendung zu entsprechen mit: „hacer de tripas corazón“ übersetzt werden, was aufweisen würde, dass es hier ebenso auf den Kontext ankommt.

[...]


1 Man nehme die deutsche Redewendung „Das Herz auf dem rechten Fleck haben“. Die wortwörtliche Übersetzung würde keinen Sinn machen, die entsprechende Redewendung auf Spanisch zu suchen und es somit „einzubürgern“ schon: „Hacer de tripas corazón“.

2 Die Sprache von der aus übersetzt wird, wird Ausgangssprache genannt.

3 Die Sprache in die übersetzt wird, wird Zielsprache genannt.

4 Vgl. Albrecht 2005, S.138

5 „Lemmata“ ist die Mehrzahl vom Begriff „Lemma“, dieser kommt aus dem Griechischen und bedeutet Wörterbucheintrag.

6 Gewöhnliche und somit auch günstige Wörterbücher sind bekanntlich begriffsärmer als qualitativere Wörterbücher.

7 Vgl. Albrecht 1973, S.7

8 Albrecht 2005, S.2

9 Vgl. Albrecht 1973, S.27

10 Vgl. Albrecht 1973, S.39

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Der Umgang ein- und zweisprachiger Wörterbücher mit der Neutralisation und der Diversifikation
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Romanisches Seminar)
Veranstaltung
Spanische Lexikographie
Note
3,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
21
Katalognummer
V146477
ISBN (eBook)
9783640567485
ISBN (Buch)
9783640567614
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einsprachig, zweisprachig, Wörterbuch, Wörterbücher, Neutralisation, Diversifikation, Spanisch, Deutsch, Sprachwissenschaft, Sprachwissenschaften, Umgang, einsprachiges Wörterbuch, zweisprachiges Wörterbuch, Vergleich, Gegenüberstellung
Arbeit zitieren
Claudia Mayer (Autor), 2009, Der Umgang ein- und zweisprachiger Wörterbücher mit der Neutralisation und der Diversifikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146477

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