Miami ist die heimliche Hauptstadt Lateinamerikas: Stimmt das?

Ursache, Umfeld und Ausblick


Seminararbeit, 2007

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte Miamis von der Gründung bis zur kubanischen Revolution

3. Kubanisierung und Lateinamerikanisierung oder: Vom verschlafenen Touristenort zur Weltstadt

4. Miami und die Assimilationstheorie

5. Fazit und Ausblick

6. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Geografische Lage Miamis

1. Einleitung

Wer Miami aus Will Smiths gleichnamigem Lied und den Kinofilmen Scarface und Miami Vice kennt, verbindet mit dieser Stadt tropisches Klima, Sonnenschein, Palmen, braungebrannte Latino-Schönheiten, schnelle Autos, Drogen und Gewalt. Doch Miami ist viel mehr: die südlichste Großstadt der USA, eine kubanische Enklave, ein Wirtschaftszentrum mit globaler Reichweite und eine Stadt, die mit Spannungen und beachtlichen Ungleichheiten zwischen ethnischen Gruppen zu kämpfen hat. Es ist eine zweisprachige, multikulturelle Stadt, die durch 40 Jahre Massenimmigration geprägt ist. Über siebzig Prozent der Bewohner sind Immigranten erster oder zweiter Generation - hauptsächlich Latinos. Da ist es nicht sonderlich überraschend, dass Fragen nach der kulturellen Identität eben dieser Bewohner gestellt werden. Wird Miami hispanisiert?

Die USA haben mit Abstand die meiste Erfahrung mit Einwanderung. Von 1820 bis 2000 wurden über 65 Millionen Immigranten aufgenommen (Stepick et al., 2003, S. 11). Doch Miami stellt eine ganz neue Herausforderung für die Integrationsfähigkeit dieses Landes dar, denn es muss sich eine Mehrheit an eine Minderheit anpassen. Das macht die Stadt auch soziologisch interessant, denn dort wird die Assimilationstheorie auf den Kopf gestellt.

Neben dem Spruch „Miami ist die heimliche Hauptstadt Lateinamerikas“ kursiert in den USA auch folgender Witz: „Die Kubaner mögen Miami deshalb so sehr, weil die Stadt so nah an den Vereinigten Staaten liegt.“ (Stepick et al., 2003, S. 141).

Wie viel Wahrheit in beiden Aussagen steckt, soll in dieser Arbeit geklärt werden. Ich werde deshalb die Geschichte Miamis darstellen und mich dabei besonders auf die Entwicklung der Stadt nach der kubanischen Revolution im Jahr 1959 konzentrieren. Zuvor möchte ich aber auch ein paar wenige Worte zur Zeit vor diesem (auch) für Miami so schicksalhaften Ereignis verlieren.

2. Geschichte Miamis von der Gründung bis zur kubanischen Revolution

Es wird vermutet, dass Indianer die ersten waren, die sich vor etwa 10.000 Jahren im Gebiet des heutigen Miamis niederließen. 1513 entdeckte der Spanier Juan Ponce de León Florida. Mit Pedro Menéndez de Avilés als erstem Gouverneur, der 1566 mit Soldaten und einem Jesuitenpriester ankam, wurde Florida in das spanische Reich in der neuen Welt eingegliedert. Allerdings hatte „die sumpfige Halbinsel … anscheinend kaum mehr als Schildkröteneier und Moskitos zu bieten“ (Miller, 2007, S. 18), weswegen sie nur äußerst spärlich besiedelt wurde. In Folge des französisch-indianischen Krieges gaben die Spanier Florida an die Briten ab. Diese gaben die Halbinsel nach der amerikanischen Revolution an Spanien zurück. Das zweite Siedlungsprogramm der spanischen Krone war aber ebenso wenig von Erfolg gekrönt. Die amerikanischen Siedler suchten jedoch ihr Glück in der Expansion und für George Washington bedeutete das spanische Florida die Anarchie. Außerdem verärgerten die Spanier die Plantagenbesitzer der Südstaaten, indem sie geflohene Sklaven aufnahmen. Ab 1811 begannen Amerikaner, spanische Siedlungen zu überfallen und Plantagen zu zerstören. 1821 übergab Spanien die Halbinsel dann den USA. Die Amerikaner begannen sofort mit der Besiedlung Floridas und führten ab 1835 einen 22 Jahre andauernden Vernichtungskrieg gegen die ansässigen Indianer. Julia Tuttle, eine reiche Witwe aus Ohio, kaufte 1875 256 Hektar Land in dem Gebiet, in dem sich das heutige Miami befindet, und baute Zitrusfrüchte an. Weil sie eine Stadt gründen wollte, ist sie auch als „Mother of Miami“ bekannt. Voraussetzung für den Stadtbau war die Anbindung an das Schienennetz der Florida East Coast Railway von Henry Flagler. Dieser hatte jedoch kein Interesse. Erst der starke Frost des Winters 1894, der alle Zitrusblüten Floridas, bis auf jene Miamis, erfrieren ließ, stimmte ihn um. Am 15. April 1896 kam der erste Zug in Miami an. Die Aufbauarbeit wurde im Wesentlichen von schwarzen Arbeitern geleistet. 1920 hatte die neue Stadt 30.000 Einwohner. Die Folgezeit war von einem Land- und Bauboom geprägt. „Es hieß, eine Investition in Florida garantiere fabelhafte Gewinne, die Sümpfe von heute seien das Land von morgen.“ (Miller, 2007, S. 21 f.). Während des Zweiten Weltkrieges wurde Miami eine Militärstadt, in der Hotels zu Kasernen wurden und Strände zu Übungsplätzen. 500.000 Soldaten und 50.000 Offiziere waren in Miami stationiert, von denen später viele wieder zurückkamen. Miami entwickelte sich zu einer Stadt der Pensionäre und sonnenhungriger Touristen. Von 1950 bis 1960 verdoppelte sich die Einwohnerzahl auf 1,5 Millionen (vgl. Miller, 2007).

Miami wuchs hauptsächlich durch die Zuwanderung aus dem Norden der USA, besonders nachdem die Klimaanlage erfunden wurde. Unter den weißen Amerikanern, die in den Süden zogen, befanden sich auch viele Juden. Während der siebziger Jahre gab es in Miami die größte jüdische Konzentration in den Vereinigten Staaten außerhalb von New York (Stepick et al., 2003, S. 22 f.).

3. Kubanisierung und Lateinamerikanisierung oder: Vom verschlafenen Touristenort zur Weltstadt

Um die folgende Entwicklung Miamis zu verstehen, muss man sich die besondere geografische Lage dieser Stadt vergegenwärtigen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Geografische Lage Miamis(Microsoft Encarta Professional, 2003)

Miami ist die südlichste Großstadt der Vereinigten Staaten von Amerika und ist nur etwa 370 km Luftlinie von Havanna entfernt. Auch die geografische Nähe zu Haiti, Nicaragua und Kolumbien hatte und hat immer noch schwerwiegende Folgen für die Entwicklung Miamis.

Als Fidel Castro im Januar 1959 in Havanna einmarschierte, wurde er begeistert begrüßt, denn er beendete die Diktatur Fulgencio Batistas. Nach seiner Machtübernahme begann Castro, Großgrundbesitzer und Unternehmer zu enteignen, um die Landwirtschaft und die Industrie zu verstaatlichen. Diese Revolution in Kuba veränderte das Schicksal Miamis radikal. Die enteignete kubanische Bourgeoisie verließ ihr Heimatland fluchtartig und siedelte sich beinahe geschlossen in Miami an. Die USA nahmen die Kubaner mit offenen Armen auf, denn jeder Immigrant aus einem „kommunistischen“ Staat wurde als partikulärer Sieg des Kapitalismus gewertet. Im Rahmen des amerikanischen „Cuban Refugee Program“ bekamen die Neuankömmlinge Nahrung, Kleidung und Unterkünfte zur Verfügung gestellt. Den kubanischen Kindern wurde sogar eine zweisprachige Schulbildung ermöglicht. Das brachte den Kubanern in den USA den Ruf der „verwöhnten Minderheit“ ein. Diese erste Generation von kubanischen Einwanderern unterschied sich aber auch enorm vom „Durchschnittsimmigranten“. Sie hatten einen hohen Bildungsgrad, unternehmerische Erfahrung und Wirtschaftsbeziehungen. Wegen diesem Humankapital werden sie auch die „goldenen Exilanten“ genannt. Viele von ihnen wurden unternehmerisch tätig und legten damit den Grundstein für die kubanische Erfolgsgeschichte in Miami. Die Kubaner der ersten Einwanderungswelle zeichneten sich auch durch ein hohes Maß an ethnischer Solidarität aus. Sie unterstützten sich so gut es ging gegenseitig, zum Beispiel indem sie in ihren neu gegründeten Unternehmen nur Kubaner einstellten. Dieser Zusammenhalt kam zustande, weil sie alle das Erlebnis der Flucht aus Kuba teilten und der gleichen sozialen Schicht angehörten. Einige Sozialwissenschaftler nennen diesen Effekt „verbindende Solidarität“. Die „reaktive Solidarität“ unter den Kubanern entwickelte sich durch Diskriminierung seitens der gebürtigen US-Amerikaner und Isolationsgefühlen. Dieser ethnische Zusammenhalt hatte nicht unerheblichen Anteil am wirtschaftlichen Erfolg der kubanischen Enklave. Die meisten Kubaner ließen sich im Westen von Downtown Miami nieder, ein Gebiet, das später als „Little Havanna“ bekannt werden sollte. Die Kubakrise im Jahr 1962 stoppte die Immigration vorübergehend (vgl. Alberts, 2005).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Miami ist die heimliche Hauptstadt Lateinamerikas: Stimmt das?
Untertitel
Ursache, Umfeld und Ausblick
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Kommunikation im sozioökonomischen Bereich zwischen Lateinamerika, Deutschland und Europa
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V146747
ISBN (eBook)
9783640576272
Dateigröße
606 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Miami, Kuba, USA, Lateinamerika, Multikulturalismus, Immigration, Einwanderung, Hispanisierung, Samuel P. Huntington, Assimilation, Assimilationstheorie, kubanische Revolution, Milton M. Gordon, Rassenunruhen, Globalisierung, Transkulturation, Akkulturation, Kubanisierung, Lateinamerikanisierung
Arbeit zitieren
Paul Thierbach (Autor), 2007, Miami ist die heimliche Hauptstadt Lateinamerikas: Stimmt das?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146747

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