Dieser Arbeit liegt die Frage zugrunde wie es generell möglich bzw. in welcher Schulform es möglich ist, jedem Kind den für es am besten geeigneten Bildungsweg anzubieten. Das Hauptaugenmerk liegt dabei, aufgrund des vorgegebenen Arbeitsumfangs, weniger auf dem bildungspolitischen Aspekt bzgl. der Förderung individueller Leistung bei Schülern als mehr auf der Herausarbeitung von Kriterien der Effektivität des Bildungssystems. Dabei wird der Erfolg eines Schulmodells, welches auf Annahmen von allgemeiner Inklusion und Förderung von allgemeiner Heterogenität fußt, kritisch auf den Prüfstand gestellt und hinsichtlich der Förderung von Schülerleistung untersucht. Das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit ist es, quantitativ empirisch zu überprüfen wie die Zusammenstellung einer Klassengemeinschaft in einer Schule Einfluss auf die individuelle Leistung bzgl. der mathematischen Fähigkeiten des einzelnen Schülers hat. Dieses Erkenntnisinteresse ist per Definition im Bereich der Bildungssoziologie zu verorten.
Nicht erst mit der Pisa Studie aus dem Jahr 2000 der OECD, jedoch mit durch diese angesprochen, rückt einer der am stärksten polarisierenden gesellschaftspolitischen Diskurse der deutschen bzw. europäischen Gegenwart in den Fokus öffentlichen Interesses. Die sich bezüglich Bildungs- und Berufslebensläufen, Demografie sowie dem Einkommensgefüge immer mehr diversifizierende deutsche Gesellschaft, steht vor einer großen Herausforderung. Der Blick der Landesregierungen muss, gerade vor dem Hintergrund des schlechten Abschneidens deutscher Schüler in der Pisa 2000 Studie, auf der Verbesserung von zukünftigen Bildungsmodellen liegen. Vor diesem Hintergrund befasst sich die Arbeit mit denjenigen Menschen, welche mittel- bis langfristig die Leistungsträger der bundesdeutschen Gesellschaft sein werden: den jugendlichen Schülern an weiterführenden Schulen. Sinn und Zweck dieser Arbeit ist es, allen Kindern, die das deutsche Schulsystem durchlaufen, die für sie optimale Bildung und ihren vielfältigen und unterschiedlichen Bedürfnissen optimale Form von Bildung aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ansatz-gestützte Begründung der Auswahl struktureller Kategorien von Komposition
2.1. Prengels Pädagogik der Vielfalt als sozial- und erkenntniskritischer Referenzpunkt
2.2. Helmkes Angebot-Nutzungs-Modell als lehr- lernpsychologischer Referenzpunkt. Verwendung der ethnisch-kulturellen Variable bei Kompositionseffekten
2.3. Schülergüte-bezogene Zusammenstellung der Gemeinschaft als erklärendes Kriterium
2.4. Praktische Umsetzungen aus Lehr- Lernpsychologie und sozial- und erkenntniskritischen Ansätzen / Die Best-Practice Variante
3. Schule
3.1. Schule als selbstreferenzielles, offenes und geschlossenes System
3.2. Schule als autopoietisches System
3.3. Sinn und Schule
3.4. Wie das System Schule kommuniziert und handelt
3.5. Schule als System - Zwischenfazit
4. Alternative Betrachtungsweisen von Schule
4.1. Schule nach Bourdieu
4.1.1 Inkorporierter Zustand
4.1.2 Objektivierter Zustand
4.1.3 Institutionalisierter Zustand
4.2. Zwischenfazit zum Schul-Begriff nach Bourdieu
5. Warum Luhmann und nicht Bourdieu ?
6. Überleitung zum empirisch-methodischen Teil
7. Methodisches Vorgehen
7.1. Das Forschungsdesign
7.1.1 Der Typ des Forschungsdesigns Trend-, Querschnitt- oder Paneldesign
7.1.2 Pisa 2003 I Plus als Kohortendesign
7.2. Pisa 2003 I / Pisa 2003 I Plus als quantitative Studie
7.3. Konsequenzen der Eigenschaften von Pisa 2003 I Plus für die vorliegende Arbeit
8. Die verwendeten Variablen / Die abhängige Variable
8.1. Die verwendeten Variablen / Die unabhängigen Variablen
8.2. Die verwendeten Variablen / Die Kontrollvariablen
9. Kurzcharakteristik der Stichprobe
10. Vorgehensweise bei der Auswertung
10.1. Grundlagen der Mehrebenenanalyse
10.1.1 Vorstellung einer Auswahl an Statistikprogrammen
10.1.2 Niveaus und Beschaffenheit der Daten bei Mehrebenenanalysen
10.2. Grundlagen der Kontextanalyse
10.3. Grundlagen der Analysemodelle
10.3.1 Das allgemeine lineare Modell
10.3.2 Die multiple lineare Regression
10.3.3 Die Varianzanalyse
10.4. Das verwendete Analysemodell
11. Darstellung der Ergebnisse
12. Interpretation der Ergebnisse
13. Resümee und Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die Masterarbeit untersucht mittels einer quantitativen Sekundärdatenanalyse, inwieweit die Zusammensetzung von Klassengemeinschaften (hinsichtlich Schülergüte und ethnisch-kulturellem Hintergrund) die individuelle Leistung von Schülern in Mathematik beeinflusst. Ziel ist es, die Wirksamkeit von Kompositionseffekten im deutschen Schulsystem zu identifizieren und kritisch auf Basis systemtheoretischer und lehr-lernpsychologischer Ansätze zu hinterfragen.
- Analyse von Kompositionseffekten auf Basis der PISA 2003 I Plus Daten
- Vergleich von Ansätzen: Systemtheorie (Luhmann) vs. sozial-erkenntniskritische Ansätze (Bourdieu/Prengel)
- Operationalisierung von Schülergüte und ethnisch-kulturellem Hintergrund als unabhängige Variablen
- Anwendung komplexer statistischer Verfahren: Mehrebenenanalyse und Kontextanalyse
- Diskussion der Leistungsfähigkeit des dreigliedrigen Schulsystems hinsichtlich der optimalen Förderung
Auszug aus dem Buch
2.2. Helmkes Angebot-Nutzungs-Modell als lehr- lernpsychologischer Referenzpunkt. Verwendung der ethnisch-kulturellen Variable bei Kompositionseffekten
Helmke greift in seinem Werk (Helmke 2017) Weinert (Röhrs 1989) auf. Dieser stellt die Behauptung auf, einfache korrelative Wirkungen, sogenannte Prozess-Produkt-Modelle, würden zu Recht Ablehnung erfahren. Ziel der lehr- lernpsychologischen Ansätze ist es stets die erwünschten Unterrichtsziele zu erreichen. Die aufkommende Frage ist die nach den in bzw. externen Merkmalen bzw. Faktoren, welche dazu führen, dass die kognitive Leistungsentwicklung des Schülers eine positive Entwicklung erfährt und dadurch das Ziel der lehr- lernpsychologischen Ansätze erfüllt. Weinert zufolge gibt es keine hinreichend reliablen, isolierten Korrelationen und auch keine, die hinreichend signifikant wären um Unterrichtsmerkmale herauszubilden, die Leistungserfolg aufgrund des Unterrichts bedingen würden. Weinert führt aus, dass den meisten Prozess-Produkt-Modellen die wissenschaftliche Grundlage fehlt. Denn simple, stabile und invariate Korrelationen zwischen bestehenden Unterrichtskriterien und Leistungszuwachs der Schüler gäbe es nicht.
Deutlich macht er dies an Beispielen in denen die Ergebnisse von individualisierter und oder Computer-gestützter Instruktion als fruchtlose Didaktik herausstellt wird (Vgl. Helmke 2017 S.69). Hier schließt sich die Arbeit Helmke und Weinert an. Es ist nicht davon auszugehen, dass einzelne Faktoren den Erfolg des Schülers bestimmen. Vielmehr sind es kontextuelle bzw. kompositionelle Effekte, wie die Zusammensetzung des Klassenverbands, auf welcher der Fokus von Untersuchungen gelegt werden sollte.
Auch Helmke und Weinert nehmen zu denen, vom Autoren ausgewählten, Variablen Schülergüte und ethnisch-kulturellem Hintergrund Stellung. So führt Helmke Weinert an, der sagt, dass jenes „Niveau der fachlichen Vorkenntnisse bei Schülern und die Qualität der Instruktionen sich in ihrem Einfluss auf die Güte der einzelnen Schulleistung (Helmke 2017 S.70)“ addiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung formuliert das Forschungsinteresse an der Bedeutung von Kompositionseffekten in Klassengemeinschaften für die individuelle Schülerleistung und begründet die bildungssoziologische Relevanz.
2. Ansatz-gestützte Begründung der Auswahl struktureller Kategorien von Komposition: Dieses Kapitel vergleicht theoretische Fundamente zur Pädagogik der Vielfalt und lehr-lernpsychologische Modelle, um die Wahl der soziodemografischen Variablen zu stützen.
3. Schule: Schule wird hier als soziales System nach Niklas Luhmann definiert, wobei die Mechanismen der Kommunikation und Sinnstiftung im Fokus stehen.
4. Alternative Betrachtungsweisen von Schule: Das Kapitel kontrastiert den systemtheoretischen Ansatz mit Bourdieus Kapitaltheorie und untersucht die Rolle von Selektion und Ungleichheit.
5. Warum Luhmann und nicht Bourdieu ?: Hier wird argumentiert, warum für die gewählte Fragestellung ein systemtheoretisch informierter Ansatz der Pädagogik gegenüber einem rein sozialkritischen Ansatz den Vorzug erhält.
6. Überleitung zum empirisch-methodischen Teil: Dieses Kapitel dient als Brückenschlag, der die theoretischen Annahmen in eine nachprüfbare Hypothese für den empirischen Teil der Arbeit überführt.
7. Methodisches Vorgehen: Es wird das Forschungsdesign der PISA 2003 I Plus Studie beschrieben, das als Grundlage für die quantitative Datenauswertung dient.
8. Die verwendeten Variablen / Die abhängige Variable: Beschreibung der Plausible Values als Messinstrument für die Schülerleistung in Mathematik im Rahmen der PISA-Studie.
9. Kurzcharakteristik der Stichprobe: Dieses Kapitel charakterisiert die Zielpopulation sowie die Auswahlkriterien der Stichprobe aus den Daten der PISA 2003 Erhebung.
10. Vorgehensweise bei der Auswertung: Erläutert die Anwendung der Mehrebenen- und Kontextanalyse als statistische Verfahren zur Untersuchung hierarchisch strukturierter Daten.
11. Darstellung der Ergebnisse: Präsentation der statistischen Outputs der durchgeführten Regressionsmodelle ohne inhaltliche Interpretation.
12. Interpretation der Ergebnisse: Die statistischen Ergebnisse werden inhaltlich gedeutet, um die Ausgangshypothese auf Basis der Datenlage zu prüfen.
13. Resümee und Diskussion: Zusammenfassung der Kernergebnisse und kritische Reflexion des Nutzens der gewählten Modelle für die bildungspolitische Praxis.
Schlüsselwörter
Kompositionseffekte, Mehrebenenanalyse, PISA 2003, Schule als System, Luhmann, Bourdieu, Angebots-Nutzungs-Modell, Schülerleistung, Kontextanalyse, Heterogenität, Bildungsgerechtigkeit, Mathematikkompetenz, Schulleistungsforschung, Pädagogik, Sekundärdatenanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht den Einfluss der Klassenzusammensetzung (Kompositionseffekte) auf die individuellen Schulleistungen in Mathematik im deutschen Schulwesen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Konzepte von Heterogenität, Schulsysteme, Kompositionseffekte, die systemtheoretische Schule nach Luhmann sowie die Kapitaltheorie nach Bourdieu.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt, ob und in welcher Weise sich die Zusammensetzung von Klassen (bzgl. Schülergüte und Herkunft) auf das individuelle Lernniveau auswirkt, um Rückschlüsse auf die Effektivität von Bildungswegen zu ziehen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine quantitative Sekundärdatenanalyse basierend auf dem Datensatz der PISA 2003 I Plus Studie, wobei komplexe Mehrebenen- und Kontextanalysen angewendet werden.
Was deckt der Hauptteil der Arbeit ab?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Systemtheorie vs. sozialkritische Ansätze), die methodische Beschreibung des Datensatzes und die statistische Auswertung sowie Interpretation der gefundenen Effekte.
Was charakterisiert die Arbeit?
Die Arbeit zeichnet sich durch die Verknüpfung soziologischer Systemtheorie mit empirischen lehr-lernpsychologischen Forschungsansätzen aus, um ein komplexes Bildungskonstrukt zu evaluieren.
Wie unterscheidet sich der systemtheoretische von dem sozialkritischen Ansatz?
Während sozialkritische Ansätze (Bourdieu) die Schule als Reproduktionsinstanz von Ungleichheit betrachten, fokussiert die Systemtheorie (Luhmann) auf Schule als funktional differenziertes System, in dem Kommunikation und Sinnstiftung (z.B. Noten/Karriere) die Bildungsprozesse lenken.
Welches Fazit zieht der Autor in Bezug auf die Hypothese?
Die Ausgangshypothese, dass heterogene Zusammensetzungen auf Klassenebene das individuelle Leistungsniveau deutlich beeinflussen, kann anhand der analysierten PISA-Daten in dieser Form nicht bestätigt werden.
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- Anonym (Autor), 2024, Leistungseffizienz durch Kompositionseffekte. Vergleich von Gemeinschaftsschulen und dem gegliederten Schulsystem, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1470736