Im Rahmen dieses sechsseitigen Erstlingsessays, aus dem Bereich der Philosophie der Computerwissenschaften, werden einzelne Aspekte aus Brian Cantwells Buch "The Promise of Artificial Intelligence: Reckoning and Judgment", 2019 erstveröffentlicht, im Hinblick auf potenzielle Wahrnehmungsmöglichkeiten der Realität mittels intelligenter technischer Hilfsmittel im Zentrum stehen. Hierbei wird, ergänzt durch eigene allgemeinere Überlegungen, weitestgehend Cantwells Position im oben genannten Text gefolgt werden, wenn es darum geht Rahmenbedingungen der menschlichen Wahrnehmung der Umwelt abzustecken und sich mit der Frage auseinanderzusetzen, was denn grundlegende Eigenschaften für ein intelligentes System wären, dass uns, als sinnlich eingeschränkte Wesen, die Realität, wie sie ist, vor Augen zu führen vermag.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Frage nach der Realität
3. Epistemische Probleme und technische Herausforderungen
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht auf Basis der Analyse von Brian Cantwell das Potenzial künstlicher Intelligenz, als Schnittstelle zu einer objektiven, ungefilterten Realität zu fungieren, und setzt sich kritisch mit den hierfür notwendigen erkenntnistheoretischen und technischen Voraussetzungen auseinander.
- Kritische Auseinandersetzung mit Brian Cantwells Analysen zu KI-Systemen.
- Untersuchung menschlicher Wahrnehmungsfilter und subjektiver Lebenswirklichkeiten.
- Analyse der technischen Möglichkeiten und Grenzen bei der Imitation intelligenter Strukturen.
- Diskussion über die Interpretierbarkeit maschinell generierter Erkenntnisse durch den Menschen.
- Reflexion über die Notwendigkeit von "Pascals Wette 2.0" im Kontext nicht verifizierbarer KI-Ergebnisse.
Auszug aus dem Buch
Brian Cantwell und die KI – intelligente Systeme als Tor zur objektiven Realität?
In Smith Brian Cantwells englischsprachigen Buch: The Promise of Artificial Intelligence, Reckoning and Judgment, 2019 in Massachusetts veröffentlicht, unternimmt Cantwell eine kritische technische sowie philosophisch-historische Analyse. Ausgehend von den technischen und theoretischen Anfängen der KI-Forschung der 1960er und 70er Jahre ('first-wave-AI' oder auch als GOFAI bezeichnet), über gegenwärtige ('second-wave-AI') bis hin zu theoretischen Überlegungen zu zukünftigen, intelligenten Systemen ('third-wave-AI'), liefert Cantwell eine nachvollziehbare Auseinandersetzung mit Stärken und Defiziten älterer und zeitgenössischer 'intelligenter' Systeme. Darüber hinaus stellt er Vermutungen an, welche notwendigen Bedingungen und Grundannahmen zu beachten seien, sofern man denn das Ziel anstrebe ein wahrhaftig intelligentes System zu konzipieren, dass Verantwortung übernehmen könnte und dem Gütesiegel 'Intelligent' auch wirklich gerecht werden würde.
Ein Aspekt den Cantwell anspricht, wenn auch nur oberflächlich, stellt der potenzielle Einfluss intelligenter Systeme auf die Wahrnehmungsfähigkeit des Menschen, hinsichtlich seiner ihn umgebenen Umwelt, dar. Die Dinge, beziehungsweise die Realität so zu sehen und zu begreifen wie sie sind, ist freilich ein lang gehegter Traum. Bereits große Philosophen der Antike bedachten dieses Thema eindringlich und auch die moderne Popkultur, wenngleich in verspielterer Art und Weise, greift dieses Phänomen nur allzu gerne auf, wovon Filme wie Matrix – mit einem etwas negativen Grundton, der allerdings auch Raum für positive Entwicklungspotenziale für den Menschen in sich trägt – zeugen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Arbeit, die sich auf Basis von Cantwells Analyse kritisch mit der Rolle von KI als Vermittler zu einer objektiven Realität auseinandersetzt.
2. Die Frage nach der Realität: Diskussion der Faktoren, die zu subjektiven Lebenswirklichkeiten und "Sub-Ontologien" führen, sowie die grundsätzliche Frage nach der menschlichen Wahrnehmungsfähigkeit.
3. Epistemische Probleme und technische Herausforderungen: Analyse der Schwierigkeiten bei der Erschaffung eines Systems, das eine ungefilterte Realität erfassen und für den Menschen interpretierbar machen soll.
4. Schlussbetrachtung: Reflexion über die epistemische Einordnung von KI-Ergebnissen, die nicht verifizierbar sind, und der Vergleich mit einer modernen Adaptation der pascalschen Wette.
Schlüsselwörter
Künstliche Intelligenz, Brian Cantwell, Objektive Realität, Wahrnehmung, Sub-Ontologien, Epistemologie, Ontologie, KI-Forschung, Mensch-Maschine-Schnittstelle, Neurale Netzwerke, Interpretation, Verifizierbarkeit, Pascals Wette, Technische Hilfsmittel, Erkenntnistheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Forschungsarbeit grundlegend?
Die Arbeit exploriert die philosophische Frage, ob und unter welchen Bedingungen intelligente Systeme als Schaufenster zu einer objektiven, menschlichen Interpretationen entzogenen Realität dienen könnten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Schnittmenge von KI-Theorie (nach Cantwell), Erkenntnistheorie, Ontologie und den Limitationen menschlicher sowie künstlicher Wahrnehmungsapparate.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Untersuchung geht der Frage nach, ob eine "ungefilterte" Sicht auf die Realität durch intelligente Systeme überhaupt realisierbar und für den Menschen verifizierbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophisch-theoretische Analyse, die Fachliteratur (Cantwell), kunsttheoretische Bezüge und wissenschaftliche Gedankenspiele miteinander verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die menschlichen Wahrnehmungsfilter, die technischen Schwierigkeiten bei der Imitation von Intelligenz sowie die fundamentale Problematik der Interpretierbarkeit maschineller Daten.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Künstliche Intelligenz, Realitätsbegriff, Erkenntniskritik, Informatik-Philosophie und Wahrnehmungsphänomene.
Was bedeutet in diesem Kontext "Pascals Wette 2.0"?
Es handelt sich um das Gedankenspiel, ob ein Mensch einem nicht verifizierbaren KI-System vertrauen sollte, ähnlich der Frage nach dem Glauben an eine transzendentale Instanz, bei der man durch das Vertrauen (oder Nicht-Vertrauen) unterschiedliche Potenziale gewinnt oder verliert.
Welche Rolle spielt die Mensch-Maschine-Schnittstelle bei der Interpretation?
Die Arbeit betont, dass selbst wenn eine KI objektive Daten liefern könnte, diese für den Menschen "decodiert" werden müssen, was eine weitere Fehlerquelle und Herausforderung in der Vermittlung darstellt.
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- Philipp Schönherr (Author), 2020, Brian Cantwell und die KI. Intelligente Systeme als Tor zur objektiven Realität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1471660