WebQuests - Eine neue Möglichkeit zum Unterricht mit neuen Medien


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
23 Seiten, Note: 3

Leseprobe

1. Einleitung

Das Internet ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Es gibt in der westlichen Welt nur noch wenige Menschen, die dem Einfluss des World Wide Web völlig entfliehen können. Das Netz informiert über aktuelle Ereignisse, ist für die meisten ein Ort der Dienstleistungen und der Kommunikation und fungiert gleichzeitig als Marktplatz für Waren und Informationen aller Art. Wer heutzutage berufstätig ist, wird auf Email, Chat und Webseiten nur noch in den seltensten Fällen verzichten können. Gleichzeitig ist das Internet ein schier grenzenloser Speicher von Information. Menschen informieren über ihre Arbeit mit Blogs, Unternehmen, Städte, Personen, Vereine und Organisation präsentieren sich und ihre Arbeit auf ihren Webseiten.

Aus diesem Umstand folgend erscheint es nur logisch, dass sich auch die Schule mit diesem neuen Medium beschäftigt, an dem praktisch jeder teilhaben und mitwirken kann. Allerdings scheint es bis heute immer noch an den richtigen Ansätzen zu fehlen.

Die folgende Arbeit hat das Ziel, sich mit neuen Medien und Medienkompetenz, sowie einer vergleichsweise neuen Methode des Unterrichts, den WebQuests, zu beschäftigen. Die neuen Medien, das soll zu Beginn gezeigt werden, sind gerade durch ihre Qualität durch alle und jeden gestaltbar zu sein, auf keinen Fall unkritisch zu sehen. Die Menschen unserer Gesellschaft müssen lernen, mit dem Internet kritisch umzugehen, und sich nicht blind auf die Macht des geschriebenen Wortes zu verlassen. Die Aufgabe, solche Fertigkeiten zu vermitteln, kommt den Eltern und Erziehern, vor allem aber der Schule zu. Daher muss auf diese neuen Entwicklungen, wie auch auf die offensichtliche Internetaffinität von Kindern und Jugendlichen im Unterricht, reagiert werden.

WebQuests sind eine wirksame Methode, die Inhalte des Internets didaktisch aufzubereiten und gleichzeitig die durch die Zeit erforderlichen Medienkompetenzen zu üben. Ebenso wie meine Generation mit Nachrichten und Zeitungen aufgewachsen ist, und in der Schule gelernt hat, damit umzugehen, muss heutigen Schülern dieser kritische Umgang nahe gebracht werden.

Für den Abschnitt über Medienkompetenz waren die Bücher von Kron/Sofos[1] und von Tulodziecki[2] sehr hilfreich, und boten mir einen umfassenden Einblick in die Realität der Medienrezeption vor pädagogischem Hintergrund. Gleiches gilt für das zwar schon etwas veraltete, aber dennoch sehr interessante Werk „Abenteuer Internet“ von Heinz Moser.[3] Dieses Buch allein bot bereits alle für den Rahmen dieser Arbeit notwendigen Einblicke in die Methode der WebQuests. Nichtsdestotrotz waren auch die im Internet recherchierbare Arbeit von Bernie Dodge und Tom March, sowie die Zeitschrift Computer + Unterricht, die sich ausschließlich mit neuen Medien in der Schule beschäftigt, mehr als einen Blick wert. Auch die deutsche Webseite lehrer-online.de und der Internetauftritt von Reinhard Donath, erreichbar unter http://www.englisch.schule.de/www.htm boten vielseitige Informationen, auch wenn nicht alle davon in meine Literatur eingegangen sind.

2. Neue Medien und Medienkompetenz

Im ersten Teil meiner Arbeit werde ich zunächst über die neuen Medien nachdenken, die in den letzten eineinhalb Jahrzehnten Eingang in unsere Schulen erhalten haben. Zuerst werde ich kurz definieren, was unter traditionellen und neuen Medien zu verstehen ist. Anschließend soll besprochen werden, was Medienkompetenz ist, und weshalb die Schüler diese Kompetenz im Unterricht lernen müssen.

2.1 Neue und traditionelle Medien

In der Schule, wie auch im richtigen Leben, geht es um den Umgang mit Medien. Es geht darum ein Medium richtig zu deuten und zu nutzen. Zunächst soll der Begriff des Mediums, wie er in der vorliegenden Arbeit verwendet wird, kurz definiert werden. Ein Medium ist ein Träger von Informationen, aus denen bei richtiger Nutzung des Mediums Erkenntnis gewonnen werden kann. Dabei unterscheide ich – vor meinem schulischen Hintergrund – zwischen traditionellen und neuen Medien. Die traditionellen Medien sind diejenigen, die jeder seit seiner eigenen Schulzeit aus dem Unterricht kennt, also Bücher aller Art, Bilder, Arbeitsblätter, Film- und Fernsehen, auch Sprachlabore sowie verschiedene Presseprodukte wie Zeitschriften, Magazine und Zeitungen. Diese Medien sind aus didaktischer Sicht nicht neu, denn es gibt bereits seit längerer Zeit wissenschaftlich entwickelte Methoden, mit denen man diese Medien gewinnbringend im Unterricht einsetzen kann.

Aus dieser Definition der traditionellen Medien folgend, verstehe ich unter den neuen Medien diejenigen, die die Mikroprozessortechnologie nutzen, also den Computer und als neuestes Medium, das Internet. Dabei ist „das Besondere an den so genannten „neuen Medien“: Sie transportieren ihre Daten in digitaler Form und sind damit – eigentlich – problemlos transferier-, integrier- und speicherbar.“[4] Der Computer und die CD-ROM sind seit Anfang der 90er Jahre auf dem Vormarsch in unseren Haushalten, Büros und Schulen; das Internet seit Mitte der Neunziger.

Direkt aus der Tatsache, dass diese neuen Medien nun seit zehn bis 15 Jahren zum Alltag gehören, entsteht die Frage, was man denn nun konkret mit ihnen anfangen soll. Mit den traditionellen Medien sind Lehrer wie Schüler schon vom Beginn ihrer eigenen Schulzeit an vertraut, und es gibt kaum Zweifel darüber, wie man denn nun zum Beispiel mit einem Schulbuch didaktisch umgehen soll, schließlich ist dieses sogar eigens für den Gebrauch in der Schule entwickelt worden. Das Internet, denn hierum soll es ja in dieser Arbeit hauptsächlich gehen, ist ein Medium, das sich der Kontrolle durch eine einzige Instanz von außen beinahe völlig entzieht. Heinz Moser schreibt dazu, es sei „davon auszugehen, dass das World Wide Web einen riesigen Wissenspeicher darstellt, der nicht nach pädagogischen Kriterien strukturiert ist.“[5] Es ist ein Netzwerk, in dem jeder so gut wie alles hineinstellen kann, ohne unmittelbare Kritik oder Zensur fürchten zu müssen. Deshalb kommen fast alle Informationen, die aus dem World Wide Web stammen, einfach so daher, und haben keine Kritik, und schon gar keine didaktische Aufbereitung erfahren. Daher ist es unverantwortlich, einen Schüler einfach so nach fachlichen Informationen im Netz suchen zu lassen. Die Schüler müssen, und das ist nicht erst seit dem Einzug der neuen Medien so, die Fähigkeit erwerben, den Inhalt der Medien, die sie nutzen, kritisch zu hinterfragen und zu bewerten.

Das Schlagwort, das in diesem Zusammenhang immer wieder fällt, lautet Medienkompetenz, und darauf soll sich der folgende Abschnitt beziehen. Hierbei soll dargestellt werden, was unter Medienkompetenz zu verstehen ist, und worin die Gefahren bei einem Mangel an dieser Qualifikation bestehen.

2.2 Medienkompetenz

Den richtigen Umgang mit Medien zu lernen ist eine der wichtigsten Qualifikationen unserer Zeit. In den Berufen der Zukunft ist das Beherrschen dieser Fähigkeit von größter Wichtigkeit, und das gilt nicht nur für Journalisten, Lehrer und Professoren, sondern zieht sich mittlerweile durch beinahe alle Bereiche, vom Schreinermeister, der die Angebote für Rohmaterial bewerten können muss, bis hin zum Betriebsleiter, der wissen muss, wer den Wirtschaftsteil seiner Tageszeitung verfasst hat. Im Bereich der Medienpädagogik gibt es, wie Kron und Sofos festhalten, „kaum aktuelle Veröffentlichungen, in denen nicht von Medienkompetenz die Rede ist. Dabei wird Medienkompetenz als eine zentrale Qualifikation für alle angesehen, die in Lern- und Lehrprozessen aktiv sind.“[6]

Medienkompetenz bekommen wir alle in die Wiege gelegt. Kron und Sofos schreiben zu diesem Thema: „Jeder Mensch bildet von Geburt an seine individuelle Medienkompetenz heraus, insofern er in und mit Medien jeder Art zu handeln und zu denken lernt. Diese sog. funktionale Medienkompetenz wird in Sozialisations- und Enkulturationsprozessen gelernt.“ Und weiter „erwerben [diese] alle Menschen, die in modernen Gesellschaften dem Einfluss Neuer Medien ausgesetzt sind.“[7]

Es geht also nicht darum, den Schülern die Medien an sich nahe zu bringen, sondern darum, ihre Medienkompetenz in die richtigen, kritisch hinterfragenden Bahnen zu lenken. Daran hat die Schule ohne Zweifel einen großen Anteil, was man auch daran sehen kann, dass es bei der Lehrplandiskussion über Medienerziehung und informationstechnische Grundbildung „eine reflektierte und verantwortungsbewusste Mediennutzung in verschiedenen Richtlinien und Lehrplänen aller Bundesländer als wichtigstes Ziel von Unterricht und Schule anerkannt ist.“[8]

Auch Heinz Moser ist der Ansicht, dass Medienkompetenzen „Schlüsselqualifikationen für die Zukunft“ darstellen, und es eine Aufgabe der Schulen ist, diese zu entwickeln und zu fördern.[9] In seinem Werk „Abenteuer Internet. Lernen mit WebQuests“, dass bereits im Jahr 2000 erschienen ist, geht der Pädagoge auch auf die Chancenungleichheit bezüglich des Zuganges verschiedener Schüler zu Computer und Internet ein.[10] Heute, im Jahr 2010, können diese Bedenken allerdings meiner Meinung nach vernachlässigt werden, denn es ist mittlerweile kaum mehr vorstellbar, dass ein Schüler überhaupt keinen Zugang zu PC und Internet hat.[11] Sicherlich gibt es Unterschiede in Qualität, Leistung und Nutzungszeit, aber PCs und Internet Flatrates sind heutzutage für jeden erschwinglich, die meisten Schulen sind mit der entsprechenden technischen Ausstattung ausgerüstet, daher wird dieser Aspekt in der vorliegenden Arbeit nicht weiter beachtet.

Moser gliedert Medienkompetenz in verschiedene Teilaspekte und fasst die Ergebnisse aus seinem Werk „Einführung in die Medienpädagogik“ folgendermaßen zusammen. Medienkompetenz besteht aus technischer Kompetenz, etwa dem Navigieren im Netz oder der Kenntnis von Fachausdrücken, und aus kultureller Kompetenz, zum Beispiel der Beachtung von „Netiquetten“ und dem Bewusstsein des multikulturellen Charakters des Internets. Dazu kommen soziale Kompetenzen, das heißt eine gewisse Sensibilität für die Kommunikation in der Anonymität des World Wide Web oder die Teilnahme an Online Lernplattformen oder Aktivitäten in Chatrooms. Zuletzt folgen reflexive Fähigkeiten; der Nutzer soll also in der Lage sein, sich mit den Inhalten des Internets kritisch auseinander zu setzen und die Kosten und Nutzen seiner eigenen Netzaktivitäten zu bilanzieren.[12]

Aus den hier angeführten Aspekten kann man folgern, dass die Fähigkeit zur Nutzung von Medien, insbesondere des Internets äußerst wichtig ist, denn sollten diese Qualifikationen nicht erworben werden, so läuft der Lernende Gefahr zu verkennen, dass das Internet als Informationsquelle und Lehrmittelquelle nicht ganz unproblematisch ist. Deswegen ist der letzte Punkt meiner Gedanken über Medien und Medienkompetenzen, der Kritik, aber auch der Besonderheit der beinahe unerschöpflichen Informationsquelle Internet gewidmet.

[...]


[1] Friedrich W. Kron, A. Sofos, Mediendidaktik. Neue Medien in Lehr- und Lernprozessen, München 2003

[2] Gerhard Tulodziecki, Einführung und Überblick. In: Bertelsmann Stiftung, Heinz Nixdorf Stiftung (Hrsg.), Neue Medien in den Schulen. Projekte – Konzepte – Kompetenzen. Gütersloh 1996.

[3] Heinz Moser, Abenteuer Internet. Lernen mit WebQuests. Zürich 2000

[4] Stefan Aufenanger, E-Learning in der Schule. Chance oder Bedrohung? In: Computer + Unterricht, Heft 62 (2006) S. 6.

[5] Moser, S.15.

[6] Kron/Sofos, S. 57.

[7] Kron/Sofos, S. 70.

[8] Tulodziecki, S. 18.

[9] Moser, S. 12.

[10] Moser, S.13.

[11] Laut der JIM-Studie von 2009 haben 98% der Gymnasiasten einen Internetzugang. http://www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdf09/JIM-Studie2009.pdf, aufgerufen am 11.01.2009.

[12] Moser, S. 14.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
WebQuests - Eine neue Möglichkeit zum Unterricht mit neuen Medien
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Englische Philologie)
Veranstaltung
Theorie und Methode
Note
3
Autor
Jahr
2010
Seiten
23
Katalognummer
V147303
ISBN (eBook)
9783640580613
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
WebQuest, Englischunterricht, Medienkompetenz
Arbeit zitieren
Florian Widmann (Autor), 2010, WebQuests - Eine neue Möglichkeit zum Unterricht mit neuen Medien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147303

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