Ein angreifender Kommentar unter einem Post, ein Meme welches zwar lustig, aber auch sehr angreifend sein kann, eine böse Nachricht von einer Person, die du gar nicht kennst, von der du nicht einmal weißt, wie sie aussieht. Kommt dir das bekannt vor? Für die Meisten Nutzer des Internets ist dies nichts ungewöhnliches mehr, wenn nicht sogar etwas Alltägliches, normales geworden. Doch was steckt hinter diesen Beobachtungen und Erfahrungen und inwiefern können auch ganze Berufsfelder davon betroffen sein und eingeschränkt werden?
All diese Beispiele stehen unter dem Begriff Hate Speech. Darunter versteht sich ein Phänomen, welches mit der zunehmenden Mediatisierung und Digitalisierung global immer weiterverbreitet wird. So gut wie jeder Nutzer von Online-Foren oder sozialen Netzwerken, sowie alle Berichterstatter können ihm zum Opfer fallen, so auch Journalist*innen. Doch inwiefern ist dies durch die Anonymität des Internets bedingt und wird womöglich sogar durch diese verstärkt? Um dies herauszufinden, muss sich zuerst mit einer grundlegenden Definition des Begriffes Hate Speech befasst werden, sowie mit seiner Ausbreitung auf den journalistischen Bereich in den Punkten Betroffenheit und Auswirkungen. Wodurch Hate Speech in seinen Grundsätzen und seine Ausbreitung entsteht, kann anschließend mit dem Online-Disinhibition Effekt erklärt werden. Als Abschluss kann dann ein schlüssiger Zusammenhang zwischen der Anonymität in Nutzerkommentaren und (verstärktem) Hate Speech gegenüber Journalist*innen hergestellt werden. Es stellt sich zusammengefasst also die Frage, inwiefern sich das veränderte Verhalten von Personen im Internet auf digitale Angriffe auswirkt. Spannend oder nicht? Ein Thema was uns alle irgendwo betrifft und bei dem wir uns womöglich alle an bestimmten Stellen in unserem eigenen digitalen Verhalten ertappt fühlen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hate Speech gegen Journalist*innen
2.1 Definition Hate Speech
2.2 Betroffenheit von Journalist*innen
2.3 Auswirkungen von Hate Speech auf Journalist*innen
3. Anonymität in Nutzerkommentaren als stärkender Faktor für Hate Speech
3.1 Online-Disinhibition-Effect
3.2 Zusammenhang von Anonymität in Nutzerkommentaren und Hate Speech
4. Fazit
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Anonymität in Online-Kommentarspalten als potenziellen Verstärker für medienfeindliche Äußerungen. Dabei wird analysiert, inwieweit die digitale Maskierung sowie psychologische Enthemmungsmechanismen dazu beitragen, dass Journalist*innen zur Zielscheibe von Hassrede werden, und welche Auswirkungen dies auf die journalistische Arbeitsweise hat.
- Definition und Erscheinungsformen von Hate Speech
- Analyse der Betroffenheit von Medienschaffenden
- Psychologische Hintergründe durch den Online-Disinhibition-Effect
- Zusammenhang zwischen Anonymität und Enthemmung bei Hasskommentaren
- Auswirkungen auf die journalistische Selbstzensur und Berichterstattung
Auszug aus dem Buch
3.1 Online-Disinhibition-Effect
Verankern lässt sich das Phänomen Hate Speech unter anderem in der Anonymität der digitalen Welt. Die Tarnung der eigenen Identität hinter falschen Nutzernamen oder Profilbildern verleitet dazu im Netz eine Art zweite Persönlichkeit zu erschaffen, welche oft andere Charakterzüge aufweist als die Person dahinter in einem realen sozialen Umfeld (Suler, 2005, S. 184). Beschreiben lässt sich dieses Verhalten mit dem Online-Disinhibition-Effect. Dieser beschreibt das Phänomen, dass Personen im Netz ein anderes Verhalten aufweisen, als dass, wenn sie sich in einem nicht digitalen Umfeld befinden (Suler, 2005, S. 184). Man spricht unter anderem auch von einer Senkung der Verhaltenshemmung in der Online-Umgebung (Lapidot-Lefler & Barak, 2012, S. 434). Unterschieden werden kann dabei in die sog. „benign disinhibition“ (Suler, 2005, S. 184) und die „toxic disinhibition“ (Suler, 2005, S. 184). Dabei beschreibt die „benign disinhibition“ den positiven Fall, in welchem die beobachtete Person im Netz ein freundlicheres, stärker sozialisiertes Verhalten aufweist. Die „toxic disinhibition“ hingegen beschreibt den Fall, dass die betrachtete Person im Netz ein im Vergleich zum alltäglichen Verhalten unüblich bösartiges Verhalten aufweist (Suler 2005, S. 184). Dieser zweite Fall des unüblich bösartigen Verhaltens ist für uns nun interessanter, da er als Grundlage für das Phänomen Hate Speech angesehen werden kann und die Entstehung von Hate Speech mitunter mit diesem Effekt begründet werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das Phänomen Hate Speech im digitalen Raum und führt die Forschungsfrage nach dem Zusammenhang zwischen Anonymität und Angriffen auf Journalist*innen ein.
2. Hate Speech gegen Journalist*innen: Dieses Kapitel definiert Hate Speech, thematisiert die hohe Betroffenheit von Medienschaffenden und untersucht die psychischen sowie beruflichen Auswirkungen der Angriffe.
3. Anonymität in Nutzerkommentaren als stärkender Faktor für Hate Speech: Das Kapitel erklärt den Online-Disinhibition-Effect und analysiert, wie Anonymität und die damit verbundene Enthemmung zur Verbreitung von Hassrede beitragen.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Anonymität als Katalysator für Hassrede wirkt und diskutiert die Herausforderungen für den zukünftigen digitalen Journalismus.
5. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen, Studien und Fachliteratur, die zur Untermauerung der Arbeit herangezogen wurden.
Schlüsselwörter
Hate Speech, Anonymität, Online-Disinhibition-Effect, Journalismus, Digitale Gewalt, Selbstzensur, Hasskommentare, Soziale Medien, Enthemmung, Mediennutzung, Kommunikation, Digitale Sicherheit, Politische Motivation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie Anonymität in Online-Foren als ein verstärkender Faktor für Hate Speech gegen Journalist*innen fungiert.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Untersuchung?
Die Arbeit umfasst Themen wie die Definition von Hassrede, die Betroffenheit von Journalisten, psychologische Mechanismen der Online-Enthemmung und deren Folgen für die Pressefreiheit.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet: Inwiefern ist Anonymität in Nutzerkommentaren ein Katalysator für Hate Speech gegen Journalist*innen?
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, bei der aktuelle medienwissenschaftliche Studien und psychologische Theorien zur digitalen Kommunikation ausgewertet werden.
Womit befasst sich der Hauptteil?
Der Hauptteil analysiert die Definitionen von Hate Speech, die empirische Betroffenheit von Journalisten sowie die psychologischen Hintergründe der „toxic disinhibition“.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Anonymität, Hate Speech, Online-Enthemmung, journalistische Selbstzensur und digitale Kommunikation.
Welche psychologische Rolle spielt die Identitätsmaskierung?
Die Anonymität führt zu einer Senkung der Verhaltenshemmung, wodurch Nutzer eher dazu neigen, Angriffe oder Beleidigungen zu formulieren, die sie in einer realen Situation vermeiden würden.
Warum sind gerade Journalist*innen von diesem Phänomen betroffen?
Journalist*innen stehen in der Öffentlichkeit. Ihre Arbeit provoziert oft kontroverse Reaktionen, was sie in Kombination mit der Anonymität im Netz zu einem leichten Ziel für politisch motivierte Angriffe macht.
- Quote paper
- Pauline Scholz (Author), 2023, Inwiefern ist Anonymität in Nutzerkommentaren ein Katalysator für Hate Speech gegen Journalist*innen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1474093