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Männliche Homosexualität als Thema des Deutschunterrichts in der Gymnasialen Oberstufe

Am Beispiel Thomas Manns Novelle "Der Tod in Venedig"

Title: Männliche Homosexualität als Thema des Deutschunterrichts in der Gymnasialen Oberstufe

Examination Thesis , 2009 , 93 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Martin Fröhlich (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

In der Gesellschaft existiert eine starke Unsicherheit in Bezug auf Homosexualität. Dies zeigt neuerdings unter anderem die polemische Diskussion über die Adoptionsfrage homosexueller Paare seitens der Politik (BÖHRINGER/VERBEET 2005: 50). Diese Unsicherheit der Homosexualität gegenüber, wird in allen Bereichen der Gesellschaft manifest und somit auch in der Institution Schule. Die Schule als staatsunterstellte Institution hat jedoch bestimmte Aufgaben, die ihr durch Lehrpläne auferlegt werden, zu erfüllen. Diese Aufgaben beschränken sich nicht nur auf die Schulung und Ausbildung fachlicher Kompetenzen, sondern auch auf die Vermittlung von sozialen Fähigkeiten. Dazu gehört unter anderem das Aufzeigen und Ausräumen von Vorurteilen gegenüber sozialen Minderheiten. Diese Minderheiten bezeichnen nicht nur den Bereich der Homosexualität oder gar ausschließlich der männlichen Homosexualität.
Es stellt sich in dieser Arbeit also die Frage, wie dieser Thematik in der Gesellschaft und besonders im Bereich Schule, als persönlichkeitsausbildende, staatsimmanente Institution entgegengetreten wird.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Der Begriff „Homosexualität“

1.1 Die männliche Homosexualität als Sexualitätskonzept betrachtet von der Antike bis zur Gegenwart

1.1.1 Antike

1.1.2 Mittelalter

1.1.3 Neuzeit bis einschließlich 20.Jahrhundert

1.2 Praxen der Erzeugung der Geschlechterdifferenz in der Neuzeit

1.2.1 Jungenbilder – gender und sex

1.2.2 Probleme der Rollenbilder – doing gender und gender trouble

1.3 Männliche Homosexualität in der Gesellschaft

2. Männliche Homosexualität und Schule

2.1 Die Aufgabe der Schule als werte- und moralvermittelnde Instanz und die Einbindung der Homosexualität in diesen Kontext

2.2 Der Fachbereich Deutsch als Plattform für das Thema der männlichen Homosexualität

2.2.1 Der literarische Schulkanon und die Thematisierung der männlichen Homosexualität

2.2.2 Die Lehrwerke des Fachbereichs Deutsch von Klasse 7-13 und die Thematisierung der männlichen Homosexualität

3. Die Behandlung des Themas der männlichen Homosexualität im Literaturunterricht des Faches Deutsch am Beispiel „Der Tod in Venedig“ von Thomas Mann

3.1 Inhaltsanalyse der Novelle „Der Tod in Venedig“ mit dem Schwerpunkt auf männlicher Homosexualität Literaturauswahl

3.1.1 Aschenbach und der Gegensatz „apollinisch“ und „dionysisch“

3.1.2 Venedig

3.1.3 Der Phaidros-Dialog

3.2 Die Eignung des Werkes für die Thematisierung der männlichen Homosexualität im Deutschunterricht

3.3 Die Verarbeitung des Themas der männlichen Homosexualität in Unterrichtsmodellen zu „Der Tod in Venedig“ Literaturauswahl

3.3.1 Vorstellen der Unterrichtsmodelle

3.3.1.1 Analyse und Kritik zu dem Unterrichtsmodell der Handreichung für Schwule und lesbische Lebensweisen

3.3.1.2 Analyse und Kritik zu dem Unterrichtsmodell von Frizen

3.3.2 Fazit zu den Unterrichtsmodellen

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Thematisierung männlicher Homosexualität im Deutschunterricht der gymnasialen Oberstufe. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Vorurteile und heteronormative Strukturen den Unterricht beeinflussen und wie Thomas Manns Novelle „Der Tod in Venedig“ als Medium zur Vermittlung dieser komplexen Thematik dienen kann.

  • Konstruktion von Geschlechterrollen und deren Auswirkungen auf die Identitätsfindung.
  • Die Rolle der Schule als moralische Instanz im Umgang mit sexueller Vielfalt.
  • Analyse des Literaturkanons hinsichtlich seiner heterosexuellen Normierung.
  • Didaktische Konzepte zur Behandlung homoerotischer Texte im Deutschunterricht.
  • Kritische Evaluation von Unterrichtsmodellen zu Thomas Manns „Der Tod in Venedig“.

Auszug aus dem Buch

3.1.2 Venedig

Schon im ersten Kapitel fällt Aschenbach die Entscheidung, in den „liebenswürdigen Süden“ zu reisen (MANN 1912: S.12). Dass ihn dort mehr als nur Erholung und die ersehnte Entspannung seiner Nerven erwartet, wird dem Leser aber bereits durch den Einsatz mannigfacher Symbole deutlich, die das erste Kapitel durchziehen. So nicht nur der Wanderer, welcher einem Todesboten gleichkommt, sondern auch die dionysisch geprägte Umgebung und Traumlandschaft, die Aschenbach vor sich entstehen sieht.

„Eine seltsame Ausweitung seines Innern ward ihm ganz überraschend bewußt, eine Art schweifender Unruhe, ein jugendlich durstiges Verlangen in die Ferne, ein Gefühl, so lebhaft, so neu oder doch so längst entwöhnt und verlernt, daß er, die Hände auf dem Rücken und den Blick am Boden, gefesselt stehen blieb, um die Empfindung auf Wesen und Ziel zu prüfen. (…) Er sah (…) wie mit leiblichem Auge eine ungeheure Landschaft, ein tropisches Sumpfgebiet unter dickdunstigem Himmel, feucht, üppig und ungesund, eine von Menschen gemiedene Urweltwildnis aus Inseln, Morästen und Schlamm führenden Wasserarmen. (…) Dem Schauenden war es, als hauchte der laue, mephitische Odem dieser geilen und untauglichen Öde ihn an, die in einem ungeheuerlichen Zustande von Werden oder Vergehen zu schweben schien, zwischen den knotigen Rohrstämmen eines Bambusdickichts glaubte er einen Augenblick die phosphoreszierenden Lichter des Tigers funkeln zu sehen--und fühlte sein Herz pochen vor Entsetzen und rätselhaftem Verlangen“ (MANN 1912: 10).

Es stellt sich hier eine Landschaft ein, die stark dionysische Züge trägt. Der Tiger als Bewohner Indiens, dem Ursprungsland des Gottes Dionysos (FINK 1993: 92), reiht sich somit ein in das Gefolge jenes Gottes (SHALABI 1996: 25) und steht mythologisch betrachtet neben allen dionysischen Attributen auch für Wildheit und Kraft (KRETSCHMER 2008: 427). Die Landschaft, die Aschenbach so vor Augen hat, besitzt etwas Chaotisches, Exotisches, Unbekanntes, genau das, was der Protagonist in seinem Leben vermisst.

Zusammenfassung der Kapitel

0. Einleitung: Hier wird die gesellschaftliche Unsicherheit gegenüber Homosexualität dargelegt und die Forschungsfrage formuliert, wie Schulen als Bildungsinstitutionen dieser Thematik begegnen.

1. Der Begriff „Homosexualität“: Dieses Kapitel liefert eine diachrone Übersicht über das Verständnis von Homosexualität von der Antike bis zur Gegenwart und analysiert die Konstruktion von Geschlechterrollen durch „doing gender“.

2. Männliche Homosexualität und Schule: Hier wird die Rolle der Schule als Wertevermittlerin beleuchtet und untersucht, inwieweit der Fachbereich Deutsch zur Aufklärung und Toleranzbildung beitragen kann.

3. Die Behandlung des Themas der männlichen Homosexualität im Literaturunterricht des Faches Deutsch am Beispiel „Der Tod in Venedig“ von Thomas Mann: Das Kernkapitel analysiert das literarische Werk sowie existierende Unterrichtsmodelle und bewertet deren Eignung zur Thematisierung homosexueller Inhalte.

4. Fazit: Die Ergebnisse werden zusammengeführt und es wird resümiert, dass eine stärkere, lineare Integration des Themas in den Unterricht notwendig ist, um Diskriminierung abzubauen.

Schlüsselwörter

Männliche Homosexualität, Deutschunterricht, Thomas Mann, Der Tod in Venedig, Geschlechterrollen, Literaturkanon, Sexualerziehung, Identitätsfindung, Didaktik, Intertextualität, Toleranz, Vorurteile, Diskriminierung, Preußentum, Antike.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht den Umgang mit männlicher Homosexualität innerhalb der Institution Schule und insbesondere im Literaturunterricht des Faches Deutsch, wobei Thomas Manns Novelle „Der Tod in Venedig“ als zentrales Beispiel dient.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Arbeit fokussiert auf die geschichtliche Entwicklung des Begriffs Homosexualität, die Konstruktion von Geschlechterrollen durch Sozialisation, die Funktion der Schule bei der Wertevermittlung und die problematische heterosexuelle Normierung des Literaturkanons.

Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Homosexualität in der Schule meist tabuisiert oder ignoriert wird, und ein Konzept zu entwickeln, wie durch eine fundierte Auseinandersetzung mit Literatur ein Beitrag zur Toleranzbildung und Identitätsstärkung geleistet werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende Literatur- und Diskursanalyse, in die Ergebnisse sexualwissenschaftlicher und pädagogischer Studien einfließen, ergänzt durch eine fachdidaktische Evaluation konkreter Unterrichtsmodelle.

Was behandelt der Hauptteil?

Der Hauptteil analysiert, wie „Der Tod in Venedig“ als literarischer Text die Aspekte von Künstlertum, Dekadenz und unterdrückter Homosexualität verknüpft und kritisiert die gegenwärtigen Versuche, diese Inhalte in Unterrichtseinheiten zu integrieren.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich das Werk charakterisieren?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie „Männliche Homosexualität“, „Deutschunterricht“, „Literaturkanon“, „Doing Gender“ und die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Rollenbildern.

Warum wird gerade „Der Tod in Venedig“ für den Unterricht gewählt?

Das Werk gilt als kanonisch und bietet durch seine vielschichtige und teils codierte Behandlung von Homoerotik hervorragende Anknüpfungspunkte, um über Identität, Normabweichungen und gesellschaftliche Konventionen zu diskutieren.

Welche Schwachstellen identifiziert der Autor in den untersuchten Unterrichtsmodellen?

Kritisiert wird, dass viele Modelle Homosexualität nur als Randthema behandeln, zu wenig Anleitung für den konkreten Unterrichtsverlauf bieten und oft Gefahr laufen, Stereotype eher zu verfestigen statt sie zu dekonstruieren.

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Details

Title
Männliche Homosexualität als Thema des Deutschunterrichts in der Gymnasialen Oberstufe
Subtitle
Am Beispiel Thomas Manns Novelle "Der Tod in Venedig"
College
Technical University of Berlin  (Didaktik )
Grade
1,7
Author
Martin Fröhlich (Author)
Publication Year
2009
Pages
93
Catalog Number
V147597
ISBN (eBook)
9783640584802
ISBN (Book)
9783640584611
Language
German
Tags
Männliche Homosexualität Thema Deutschunterrichts Gymnasialen Oberstufe Beispiel Thomas Manns Novelle Venedig
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Martin Fröhlich (Author), 2009, Männliche Homosexualität als Thema des Deutschunterrichts in der Gymnasialen Oberstufe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147597
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