Journalistische Stadtportraits am Beispiel der Wiener Literatur um 1900


Seminararbeit, 2002

44 Seiten, Note: 1


Leseprobe

[01 EINFÜHRUNG]

Seminararbeit aus Kulturgeschichte

Journalistische Stadtportraits am Beispiel der Wiener Literatur um 1900; Das Stadtbild des "Mann ohne Eigenschaften", Robert Musil;

Wieso gerade dieses Thema – der Roman "Der Mann ohne Eigenschaften"?

Das Lesen ist äußerst mühsam, denn trotz des Volumens ist die Handlung beschränkt - der Schwerpunkt liegt auf Beschreibungen des Gefühlslebens der Romanfiguren – ihren Ansichten und ihrer Moral – ein großer Teil besteht aus Abschweifungen und Gedankenspielen, was in der essayistischen Natur des Romans liegt.

Musil bricht auch mit der traditionellen Romanform – für die zeitgenössische Kritik ist dieser neue Stil unverständlich, Musils Werk wird abgelehnt - größtenteils ignoriert. 1938 werden seine Bücher verboten. Erst durch die Neuedition in den 50ern findet der Roman "Der Mann ohne Eigenschaften" wieder öffentliche Beachtung und wird 1998 zum bedeutendsten deutschsprachigen Roman des 20.Jahrhunderts gewählt.

Kulturgeschichtlich interessant ist Musils umfassende Darstellung, der sich verändernden Gesellschaftsstruktur, und der damit verbundenen technischen und politischen Entwicklung. Die Überlagerung der unterschiedlichen Schichten des Romans ergibt ein interessantes Bild – die Milieustudien, die ausführlichen Stadtbeschreibungen [€ 09 URBANISIERUNG] und auch die gezielten essayistischen Ablenkungen geben Einblick in die Wiener Gesellschaft von 1913 – am Vorabend des

1. Weltkrieges.

Musil diagnostiziert den bevorstehenden Untergang Kakaniens [€ 08 ALTE UND NEUE WELT] und nimmt ihn subversiv-satirisch mit dem Motiv der Parallelaktion vorweg. Die so bezeichneten Jubiläumsfeiern 1918, von Kaiser franz Josef (70.) und Kaiser Wilhelm II (30.) können nie Wirklichkeit werden. In dieser Vorausahnung bleibt die Parallelaktion vage und verliert sich in Sitzungen und Recherche. Vielmehr ist sie die Bühne für die gesellschaftlichen Beziehungen und Spannungen in denen die Protagonisten stehen.

Musil rahmt das Schauspiel dieser widersprüchlichen Gesellschaft

Das aufstrebende Bürgertum nutzt finanzielle Vorteile um seine Einflussbereiche auszudehnen. Ausländische Spekulanten haben den verarmten Adel als Geschäftspartner abgelöst - mit Machtzugeständnissen versucht die Aristokratie sich freizukaufen. Der rasante technische Fortschritt verändert die Lebensbedingungen alle Bevölkerungsschichten grundlegend. Die politische Lage spitzt sich zu – der Nationalismus greift um sich – die Rolle einer Vielvölkermonarchie scheint in Frage gestellt.

Ebenso zeigt das Beziehungsleben dieser Zeit Auflösungserscheinungen: Eine Abspaltung der Liebe vom Leben ist erkennbar: Prostitution sind ebenso wie eheliche Affären nicht mehr tabu sondern werden stillschweigend akzeptiert. Musil selbst wächst in diesem Widerspruch auf – seine Mutter hat einen Haufreund, der vom Vater geduldet wird.

Zum anderen zeichnen sich gesellschaftlicher Partikularismus und zunehmende Säkularisierung ab. Der von Friedrich Nietzsche kritisierte singuläre Wahrheitsbegriff wird immer mehr in Frage gestellt. Besonders diese Aspekt des sogenannten verlorenen Ganzen scheint als zentraler Punkt der Moderne interessant.

Das Gesellschaftsbild des "Mann ohne Eigenschaften" zeichnet sich klar ab, wenn die Ebenen getrennt betrachtet werden.

Es wird zunächst einmal der historisch-politische Situation des Jahres 1913 skizziert. [€ 02 ZEITGESCHICHTE] Sie bildet den Hintergrund für die Beschreibung Ulrichs [€ 03 ULRICH] und seiner Beziehungen. [€ 04 PRIVATLEBEN] Zudem lässt Musil die Protagonisten die philosophischen Konflikte seiner Zeit austragen. [€ 05 MODERNE]

Der Roman und damit auch diese Inhaltsebenen beruhen zum Teil auf Musils Biographie. [€ 06 BIOGRAPHIE KURZ] [ € 07 BIOGRAPHIE LANG] Der Autor wurde im System der k.u.k.-Monarchie ausgebildet und stand selbst während des ersten Weltkriegs an der italienischen Front. Die Biographien von Ulrich und Musil sind weitgehend deckungsgleich – die Familienverhältnisse, die militärische Erziehung, die technischen bzw. naturwissenschaftlichen Studien und das philosophische Interesse.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[02 ZEITGESCHICHTE]

Der erste Weltkrieg – ein Epochenwechsel

Die geschichtliche Katastrophe des ersten Weltkriegs ist es, die Musil im Roman "Der Mann ohne Eigenschaften" verarbeiten zu versucht. Bekanntlich hatte dieser Krieg katastrophale Auswirkungen – vom einstigen Habsburger-Reich, einer europäischen Großmacht blieb nur mehr das heutige Österreich zurück. Bei der Lektüre des Romans stellt sich die Frage ob dieser Krieg nur die Besiegelung einer schon länger wahrnehmbaren Entwicklung war. Die k.u.k. Monarchie schien längst schon als unmögliches Vielvölkerstaat-Gebilde, das schließlich von der sich seit dem 19.Jahrhundert abzeichnenden Sprengkraft des Nationalismus erfasst wurde. Musil beschreibt differenziert den inneren Verfallsprozess, das Nachlassen des Lebenswillen und das Auflösen des Identitätsbewusstseins – das Verschwinden Kakaniens.

[[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]08 ALTE UND NEUE WELT]

historische Fakten des Ersten Weltkrieges1 Ein Militärischer Konflikt von 1914 bis 1918, der sich aufgrund einer Mischung aus gegenseitigen Bündnisverpflichtungen, übersteigertem Nationalismus, machtpolitischen und strategischen Erwägungen, wirtschaftlicher Rivalität und militärischem Wettrüsten der fünf europäischen Großmächte (Großbritannien, Frankreich, Deutsches Reich, Österreich-Ungarn und Russland) von einer ursprünglich lokal begrenzten Konfrontation zwischen dem Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn und dem Königreich Serbien zunächst zu einem europäisch und schließlich zu einem global geführten Krieg ausweitete.

Der erste Weltkrieg stellt in vielerlei Hinsicht einen historischen Einschnitt von epochaler Bedeutung dar: Das bis dahin unvorstellbare Ausmaß an Zerstörung und Leid durch moderne Waffentechniken.

Neue Methoden strategischer Kriegsführung, die erstmals auch die Zivilbevölkerung zu unmittelbaren Kriegsopfern werden ließ, sowie eine ganz auf militärische Ziele und Erfordernisse ausgerichtete Umstrukturierung von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft in den meisten der Krieg führenden Länder machten den ersten Weltkrieg zum ersten totalen Krieg in der Geschichte der Menschheit.

Die Beteiligung außereuropäischer Mächte, insbesondere das Eingreifen der USA in den Krieg, bedeutete die endgültige Verdrängung des europa-zentrischen Staatensystems durch ein Weltstaatensystem. Das territoriale Gesicht Europas veränderte sich grundlegend, alte Reiche brachen auseinander, zahlreiche neue Staaten entstanden.

Die politischen und sozialen Ordnungen der Kaiserreiche Russland und Deutschland sowie der K. u. K. Monarchie lösten sich auf und wurden durch Revolutionen in neue Staatsformen umgewandelt: das Zarenreich in eine sozialistische Räterepublik, das deutschsprachige Rest-Österreich und das Deutsche Reich in parlamentarische Demokratien.

Etwa zehn Millionen Kriegstote, mehr als 20 Millionen Verwundete und ungefähr acht Millionen Kriegsgefangene und Vermisste, ein von hoher Staatsverschuldung und kriegsbedingter Inflation zerrüttetes europäisches Finanzsystem, die harten Friedensbedingungen für die Mittelmächte im Versailler Vertrag und den Pariser Vorortverträgen führten über Jahre hinweg zu teilweise bürgerkriegsartigen Richtungskämpfen um die künftige innenpolitische Ordnung zwischen demokratischen, kommunistischen und extrem konservativen Kräften.

Quellennachweis

1 Microsoft® Encarta® Enzyklopädie 2000. © 1993-1999 Microsoft Corporation. Eintrag: Weltkrieg, Erster.

[03 ULRICH]

Ulrich, der Mann ohne Eigenschaften

Ulrich, die 32jährige Hauptfigur des Romans ist begabt mit Möglichkeitssinn, also mit der Fähigkeit, alles was ebenso gut sein könnte zu denken und das was ist nicht wichtiger zu nehmen, als das, was nicht ist. Damit steht Ulrich in klarer Opposition zur zeitgenössischen Gesellschaft. Dieses moralisch-seelische Position des Underdogs ist aber kombiniert mit ausgeprägter Intelligenz und Scharfsinn und nicht zuletzt mit guter Kondition.

Er lebt als bürgerlicher Boheme im eigenen Stadtpalee: – im Wien des Jahres 1913. Sein Ziel – gesellschaftliches Prestige und persönliche Erfüllung – versuchte er bereits in einer Militär- und einer Ingenieurkarriere zu erreichen.

Dabei erfuhr er zwar Selbstdisziplin und die Perfektion seiner technischen Begabung. Im Inneren jedoch blieb er unerfüllt, obwohl er beide Berufe Soldat und Ingenieur mit Geschick und Erfolg ausübte.

Schließlich entschied er sich für die Mathematik entschieden, deren scharfe abstrakte Logik im eher entsprach. Ulrichs Arbeiten fanden im Expertenkreis auch Beachtung.

Seinem Vater, Professor der Rechtswissenschaften und in den Adelstand erhoben, missfällt allerdings die unstete akademische Karriere seines Sohnes. Er erwart, dass Ulrich eine adäquate gesellschaftliche Stellung einnimmt – also zumindest in den Beamtenstand einzutreten und eine Familie zu gründen.

Um Ulrich die erforderlichen gesellschaftlichen Beziehungen zu vermitteln, setzt er ihn als Leiter eines Organisationskomitees ein. Vertreter des Adels und des aufstrebenden Bürgertums haben sich zusammengefunden um die "Parallelaktion" vorzubereiten.

Neben diesen Aufgaben pflegt Ulrich aber ein ausgeprägtes Privatleben.

[€[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] 04 PRIVATLEBEN]

[03 ULRICH]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[04 PRIVATLEBEN]

Das Privatleben des Mannes ohne Eigenschaften.

"Denn die Weltgeschichte ist mindestens zur Hälfte eine Liebesgeschichte"1

Ulrichs Privatleben ist noch von seiner Militärzeit geprägt – "Er ritt Rennen, duellierte sich und unterschied nur drei Arten von Menschen: Offiziere, Frauen und Zivilisten; letztere eine körperlich unterentwickelte, geistig verächtliche Klasse, der von den Offizieren die Frauen und Töchter abgejagt wurden."2

Leona – abgespaltene Sinnlichkeit

Die erste Geliebte Ulrichs im Romanverlauf ist die Varietesängerin und Gelegenheitsprostituierte Leona. Die Beziehungskette beginnt damit - entsprechend der sozialen Bewertung von Variete und Prostitution – auf der untersten Stufe.

Variete und Prostitution werden aber nicht als Gegenwelten der bürgerlichen Gesellschaft aufgefasst- im Gegenteil: sie wird vorurteilslos als "Beruf, der voll Logik, Sachlichkeit und Standesgesetzen ist."3 Und das Variete wird als Bestandteil dieses Liebesbetriebs3 vorgestellt, dessen Hauptkennzeichen ist, dass er die vom übrigen Leben abgespaltene Sinnlichkeit organisiert und der Logik des Tauschgeschäftes – des Geldes – unterwirft.

Bonadea – die gute Göttin

Ulrichs nächste Geliebte – ein Kapitel später – gibt er den Namen Bonadea. Er nennt sie so nach "der römischen Göttin der Keuschheit, deren Tempel aber zum Mittelpunkt aller Ausschweifungen geworden ist."4 Ulrich verdankt ihre Bekanntschaft einem Zufall. Er wird bei einem Abendspaziergang niedergeschlagen. Bonadea liest ihn morgens zufällig vom Straßenrand auf. Auf der Heimfahrt kann Ulrich sie durch ein Gespräch in seinen Bann ziehen – nach weiteren Treffen wird sie Ulrichs Geliebte.

Musil will auch hier wieder die gesellschaftliche Spaltung aufzeigen – denn Bonadea gehört einerseits dem Kreis ihrer Familie und der gehobenen Gesellschaft an, wo sie als Gattin, Mutter und Dame der Gesellschaft gilt. Andererseits ist davon ihre Sinnlichkeit – der irrationale Rest – ihres ansonsten geordneten Lebens abgetrennt. Diese abgespaltene Sexualität bricht dann rauschhaft über Bonadea herein und unterbricht ihren alltäglichen Bewusstseinszustand.

Ulrich bricht diese Beziehung schließlich aus Langeweile ab. Für ihn ist der Reiz - die intellektuelle Herausforderung - verlorengegangen.

Diotima – die Dozentin der Liebe

Die nächste bedeutende Frau in Ulrichs Leben ist Diotima, Ehefrau des hohen Beamten Tuzzi und Inhaberin eines anerkannten Salons. Nach Leona und Bonadea ist Diotima die dritte und letzte weibliche Figur, der er selbst einen Namen gibt. Er benennt sie "nach jener berühmten Dozentin der Liebe."5 und umschreibt damit seine Sicht des Machtverhältnisses zu Diotima. Diese übermächtige Frau scheunt Ulrich zu verschlingen – er fühlt sich in ihrer Gegenwart "wie ein schädlicher kleiner Wurm (...) den ein großes Huhn aufmerksam betrachtet"6

Wie in den Beziehungen zu Leona und Bonadea ist Ulrichs Verhältnis zu Diotima gespalten. Während zuvor die vom Leben abgetrennte kommerzialisierte Sexualität bzw. das Doppelleben Familie/Liebhaber Gründe für das Scheitern waren, verhindert hier der Kopf-Körpergegensatz die von ihm so gesuchte Erfüllung der Liebe.

Die Spannung und Distanz, die in Form von Konventionen und mentalen Blockaden zwischen ihnen aufbaut, steht dem körperlichen Verlangen gegenüber. Nähe und Ferne, Anziehung wie Abstoßung sind in dieser Beziehung untrennbar miteinander

verbunden. Die Beschreibung einer längeren Ausfahrt, bei denen sich Ulrich und Diotima näher kommen bringt diese unglückliche Mischung auf den Punkt: "So wenden oben zwei Köpfe einander eine entsetzliche Kälte zu, während unten die Körper widerstandslos glühend ineinanderfließen."7 Es sollte jedoch bei diesem Erlebnis bleiben. Für Diotima war es nur ein einmaliges Abgleiten ihres idealistischen Charakters – eine Vorahnung beschreibt ihre Haltung: "Wenn ich mich einmal vor Ihnen (gemeint ist Ulrich) ganz gemein und schlecht benehmen könnte, würden Sie sicher wundervoll wie ein Erzengel sein!"8

(Im weiteren Verlauf entwickelt sich zwischen Diotima und dem deutschen Industriellen Arnheim eine platonische Beziehung. Dieser Mann entspricht zwar Diotimas hehren Idealen, gesellschaftliche und persönliche Zwänge verhindern aber ein Näherkommen der beiden – auch diese Liebe bleibt unerfüllt.

Gerda – ein kurzes Zwischenspiel

Für Ulrich war Gerda eigentlich nur eine "vergangene Liebelei"9 der er nach der Enttäuschung bei Diotima begegnet. Ihr Vater, ein jüdischer Bankier, versucht seine Tochter mit Ulrich zu verkuppeln. Anfangs sucht er auch Gerdas Nähe um über die vorangegangen Beziehungen hinwegzukommen. Ulrich hat den Wunsch sich ihr anzuvertrauen, "und ihr sein Inneres gleichsam ohne Arg und ohne Schönheit zu zeigen".10 Schnell weicht diese anfängliche Zuneigung aber der Beziehungsrealität – Gerda wird als unweiblich verknöchert, unentschlossen und unterwürfig beschrieben. Er wird dieser charakterlichen und körperlichen Schwächen schnell überdrüssig – und scheint sie nur mehr als Projektion seiner Gewaltphantasien zu benutzen. Sie "kam ihm so lächerlich und unwürdig vor, dass er sich dabei gegen die Versuchung wehren musste, einfach einen Arm voll Polster zu nehmen und mit ihnen diesen Mund zu ersticken."11

Clarisse – manisch depressive Nietzsche-Jüngerin

Ein von der Romanhandlung abgetrenntes Beziehungsfeld, besteht aus den Jugendfreunden Ulrichs – Walter und Clarisse.

Musil spielt hier wieder mit einer Dreiecksbeziehung – dabei steht Ulrich in Rivalität zu Walter. In seiner Jugend zeigte sich Walter künstlerisch sehr begabt - in Malerei, Musik und Dichtung. Die Beziehung zu Clarisse ist eng mit dieser Begabung verbunden. Der Romantendenz folgend ist die weitere Karriere Walters von Enttäuschungen geprägt und er muss schließlich seine weitgesteckten Ziele aufgeben, indem er eine bequeme Beamtenstellung annimmt.

Clarisse, die eine fanatische Nietzsche Anhängerin ist, kann diese Entwicklung nicht verkraften, und wendet sich gegen ihren Mann. Im weiteren Handlungsverlauf verfällt sie dem Wahn, das sie nur durch ein Kind mit Ulrich, aus dieser unbefriedigenden Ehesituation ausbrechen kann.

Im Schlusskapitel12 des Ersten Buches kommt es zu einem Verführungsversuch Clarisses. Sie überbringt Ulrich die Nachricht, die den Tod seines Vaters meldet – anschließend konfrontiert sie ihn mit ihrem Kinderwunsch.13 In diesem Vorgehen zeigen sich die wahnhaften Absichten von Clarisse: das von Ulrich gezeugte Kind würde zum Bruch mit Walter führen – daneben wäre es ein Akt der Befreiung ihres unterdrückten Selbstbewusstseins. Clarisse verbindet ihr Angebot geschickt mit der Todesnachricht Ulrichs Vaters – sie hofft das Ulrich in dieser Situation seine Lebensplanung neu überdenkt. Der Plan misslingt und Clarisse verfällt ihren Wahnvorstellungen völlig und wird in eine Anstalt für Geisteskranke eingeliefert .

Agathe – die letzte Liebesgeschichte14

Der zweite Teil des Buches handelt von der Beziehung Ulrichs zu seiner Schwester Agathe. Dieser Abschnitt ist sehr komplex und spielt sich praktisch nur noch auf essayistischer Ebene ab. Musil arbeitet darin die Sehnsucht nach seiner toten Schwester, frühere mystische Gedichte und psychologische Strömungen seiner Zeit ein – die Beschreibung des inzestiösten Geschwisterverhältnisses ist ein Angriff auf kleingeistige Moralfassaden.

Die schwierigen letzten Kapitel grob vereinfacht: Ulrich findet trotz zahlreicher Affären und Verhältnisse und Affären erst in der platonischen Beziehung zu seiner Schwester eine gewisse geistige Erfüllung.

[...]


1 Musil, Robert, Herausgeber: Frise, Adolf: Der Mann ohne Eigenschaften, Roman / II. aus dem Nachlass, Reinbek bei Hamburg: Rowolth Verlag, 1998. S.1044 (Vorwort)

2 Musil, Robert, Herausgeber: Frise, Adolf: Der Mann ohne Eigenschaften, Roman / I. erstes und zweites Buch, Reinbek bei Hamburg: Rowolth Verlag, 1998. S.36

3 ebda S.23

4 ebda S.22

5 ebda S.92

6 ebda S.95

7 ebda S.284

8 ebda S.471

9 ebda S.307

10 ebda S.493

11 ebda S.623

12 ebda S.654

13 ebda S.657

14 Musil, Robert, Herausgeber: Frise, Adolf: Der Mann ohne Eigenschaften, Roman / II. aus dem Nachlass, Reinbek bei Hamburg: Rowolth Verlag, 1998. S.1094

Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
Journalistische Stadtportraits am Beispiel der Wiener Literatur um 1900
Hochschule
Technische Universität Graz  (Institut für Kunstgeschichte, Fakultät für Architektur)
Veranstaltung
Kulturgeschichte
Note
1
Autor
Jahr
2002
Seiten
44
Katalognummer
V14771
ISBN (eBook)
9783638200790
Dateigröße
5534 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Journalistische, Stadtportraits, Beispiel, Wiener, Literatur, Kulturgeschichte
Arbeit zitieren
Robert Scheutz (Autor), 2002, Journalistische Stadtportraits am Beispiel der Wiener Literatur um 1900, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14771

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