Die neuen Bedrohungen aus dem Süden - Gespenst oder Realität?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

27 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Die Rahmenbedingungen der „Neuen Bedrohungen“
2.1 Der „Nord-Süd-Konflikt“
2.2 „Entwicklungsland“ - ein anachronistischer Begriff?
2.3 Globalisierung – eine neuer Prozess?

3 Die „Neuen Bedrohungen“
3.1 Die Gefährdung regionaler und globaler Ökosysteme
3.1.1 Klimawandel
3.1.2 Verlust der biologischen
3.1.3 Der Verlust fruchtbarer Böden
3.1.4 Globale Wasserkrise
3.1.5 Schlussfolgerungen
3.2 Internationale Migration und Flüchtlingsproblematik
3.2.1 Die Ursachen für den Anstieg der Flüchtlingsmigration
3.2.2 Folgen
3.2.3 Lösungsstrategien
3.3 Sicherheitspolitische Probleme – Eine Bedrohung?
3.3.1 Staatszerfall als friedenspolitische Herausforderung
3.3.1.1 Ursachen für Staatszerfall
3.3.1.2 Lösungsansätze gegen Staatszerfall
3.3.1.3 Schlussfolgerungen
3.3.2 Internationaler Terrorismus – Eine Bedrohung?
3.3.2.1 Terrorismus – Ein wissenschaftlicher Begriff
3.3.2.2 Geographischer Schwerpunkte
3.3.2.3 Folgen

4 Zusammenfassung

5 Quellenxerzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Ländergruppen und Einordnung der Entwicklungsländer (Bundes- zentrale für politische Bildung "Ländergruppen")

Abbildung 2: Wassermangel nach Regionen (Ferdowsi 2ooy: 256)

Abbildung 3: Fragilität der Staaten (Debiel u.a. 2oo6: 81)

1 Einfiihrung

Sowohl die internationale als auch die nationale Politik sieht sich in den letzten Jahrzehnten besonderen Herausforderungen gegeniiber. Dies gilt insbesondere auch fiir die Problematik der Entwicklungsländer. Sehr deutlich stellen Hippler und Messner diese Dynamik heraus, wenn sie kon-statieren, „dass es in Teilen der Dritten Welt zu Auseinandersetzungen um die politische Macht sowie um die Kontrolle des Staates oder wichtiger Ressourcen kommt [...]. Dies fiihrt in Zeiten der Globalisierung nicht allein zu lokalen Problemen, sondern strahlt auf ganze Regionen oder die Welt-politik aus." (Debiel u.a. 2006: 41f.) Deshalb lohnt es sich, die Entwicklung der Nord- Siid-Beziehungen vor dem Hintergrund veränderter Rahmenbe-dingungen zu analysieren.

Mit dem Ende des Ost-West-Konflikts ist die wesentliche Klammer fiir die bis dahin bestehende Weltordnung zerbrochen: Der Systemzusam-menbruch des Ostblocks gilt als eine Zäsur „mit tiefgreifenden Auswirkun-gen auf die Nord- Siid-Beziehungen." (Nuscheler 2004: 26) Blickt man auf die vergangenen 18 Jahre zuriick, so kann man als einen ersten Befund die Dualität der Weltordnung konstatieren. Hierunter verstehe ich zunächst das Erstarken der relativen Bedeutung der USA, der Europäischen Union, Japans sowie den aufstrebenden Nationen China und Indien. In ihrer zu-nehmenden politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Durchdringung stellen sie ein polyzentrisches Staatensystem dar. Ferner zeichnet sich die-se Dualität durch das Bestreben um eine Vorreiterrolle der USA aus. Nach Nuscheler fallen hierunter nicht nur die oft zutage tretende Infragestellung von Beschliissen der Vereinten Nationen (VN), sondern auch die noch aus-bleibende Ratifizierung des Kyoto-Protokolls (vgl. 2004: 33-35). Fiir das internationale System ergeben sich enorme Herausforderungen, muss es doch auf diese Dynamik adäquat — primär friedlich — reagieren. Während alte Akteure an Einfluss verlieren — man denke an die Vormachtstellung der ehemaligen Sowjetunion —, betreten neue Akteure die internationale Biihne. Dies gilt ebenso fiir die Prozesse innerhalb des Systems: Wurden Konflikte im bipolaren System iiberwiegend latent ausgetragen — abgese-hen von den Stellvertreterkriegen —, treten nun solche Auseinandersetzun-gen offen zutage.

Besonders die Anschläge vom 11. September 2001 wirkten bei der Analyse und Bewertung internationaler und nationaler Konflikte kataly-tisch. Obgleich viele Probleme bereits vor diesem Angriff existierten, wirk-ten sie fortan als Bedrohung. Nach Nuscheler (vgl. 2004: 44-46) gibt es eine ganze Reihe von mehr oder weniger realen Bedrohungen: Erstens, er-gibt sich eine Gefährdung auf Grund des Erwerbs oder der Weitergabe von Massenvernichtungswaffen an staatliche oder nicht staatliche Akteure. Zweitens, in Folge einer hohen Technisierung von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik wächst die Bedrohung durch den „Cyber-Terrorismus". Dieser Befund ist im Hinblick auf die Industriespionage Chinas hochaktuell (vgl. Spiegel Online 2007 „Industriespionage"). Drittens, lässt sich eine quanti-tative und qualitative Zunahme internationaler Kriminalität feststellen. Viertens, ist die ungebremste natiirliche Bevölkerungsentwicklung in den Entwicklungsländern eine ungelöste Aufgabe. Ferner erwartet man fiinf-tens, als Ergebnis sowohl des globalen Klimawandels als auch der intensi-ven Nutzung der Natur, Konflikte um Ressourcen und enorme Wande-rungsbewegungen. Vor diesem Hintergrund ist eine qualitative Analyse der Ursachen und Potentiale sinnvoll. Daher soll diese Arbeit eine Antwort auf die Frage finden, ob es sich bei diesen Problemen um tatsächliche oder „gefiihlte" Bedrohungen fiir „den Norden" handelt?

Fiir meine Betrachtung und der daran anschliefienden Beantwor-tung der Fragestellung nutze ich im Wesentlichen drei Standardwerke, die diese Problematik zum Gegenstand haben. Zum einen ist dies Nuschelers Werk „Lern- und Arbeitsbuch Entwicklungspolitik". Der Autor betrachtet dabei umfassend die Bereiche des Nord- Siid-Problems; der Armut, Unter-entwicklung und Entwicklung; zentrale Entwicklungsprobleme sowie der Akteure, Prozesse und Strukturen des internationalen Staatensystems. Weiterhin nutze ich das Werk „Globale Trends 2007", welches durch Debi-el, Messner und Nuscheler herausgegeben worden ist. Das Buch stellt da-bei umfangreiche Informationen zu den Feldern Weltordnung und Frie-den; Weltgesellschaft und Entwicklung; Weltwirtschaft und Rohstoffe so-wie Umwelt und transnationale Risiken vor. Ferner verwende ich Ferdow-sis Werk „Weltprobleme", in dem zentrale Probleme wie Bevölkerungs-wachstum, Ernährungssicherung, Rohstoffknappheit, Schaffung fairer Be- dingungen fiir den Welthandel, Bekampfung von Epidemien sowie der Durchsetzung der Menschenrechte behandelt werden.

Im Verlauf meiner Arbeit werde ich zunachst auf die Rahmenbedin-gungen eingehen, die sowohl den „Nord- Siid-Konflikt" als auch den Globa-lisierungsprozess zum Gegenstand haben. Danach werde ich die „Neuen Bedrohungen" vorstellen und diskutieren. In Abhangigkeit vom Umfang dieser Arbeit greife ich drei Bereiche heraus: Erstens, die Bedrohung der Ökosysteme; zweitens, die wachsende internationale Migration und drit-tens, sicherheitspolitische Bedrohungen. Was genau ist an ihnen neu? In-wiefern existieren „Alte Bedrohungen"? Abschliefiend werde ich meine Be-funde in den Forschungsstand verorten. Dabei lohnt sich auch der Blick auf prognostizierte Entwicklungen.

2 Die Rahmenbedingungen der „Neuen Bedrohungen"

2.1 Der „Nord-Siid-Konflikt"

Nach Woyke bezeichnet dieser Begriff ein strukturelles Konfliktver-haltnis zwischen Entwicklungslandern auf der einen Seite und den Indus-trielandern auf der anderen Seite. Es resultiert aus unterschiedlichen oko-nomischen, sozialen und politischen Entwicklungschancen beider Akteure. Zunachst handelte es sich um eine aufienpolitische und verteilungspoliti-sche Interessendivergenz. Alsbald wurde er in der Fachwissenschaft — u.a. den Internationalen Beziehungen — als ein Spannungsfeld verstanden, welches sich aus drei Elementen zusammensetzt: Okologie, demographi-sche Entwicklung und Sicherheitspolitik (vgl. 2000: 339). Das dynamische Moment ist dabei der Globalisierungsprozess.

Obgleich der „Nord- Siid-Konflikt" vielfach Anwendung findet, fehlt ihm die analytische Scharfe. Die Verwendung geographischer Richtungs-angaben suggeriert eine topographische Genauigkeit, die es in der Welt nicht gibt. Weder liegen die Entwicklungslander vollstandig auf der Siidhe-missphare — bspw. das subsaharische Afrika — noch sind alle Lander der siidlichen Halbkugel Entwicklungslander. Daher ist es ein Konfliktverhalt-nis zwischen marktwirtschaftlich-orientierten Landern einerseits, und den Entwicklungslandern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Hinzukommen Staaten des ehemaligen Ostblocks, deren soziookonomische und politisch- administrative Situation eine unterschiedliche Zuordnung verlangt: man-che sind bereits Teil der OECD-Welt, andere — wie vor allem in Zentralasi-en — werden durch die UN als Entwicklungslander eingestuft (vgl. Woyke 2000: 339-340).

Zusammenfassend lasst sich konstatieren, dass es sich um keine antagonistische Konfrontation handelt, sondern vielmehr um einen Kon-flikt — ökonomischer, ökologischer, politischer oder kultureller Natur — zwischen den westlichen — Nordamerika, EU und Japan — und den siidli-chen Landern (vgl. Nuscheler 2004: 98-99). Die Austragungsform kann dabei sowohl latent als auch manifest sein.

2.2 „Entwicklungsland" - ein anachronistischer Begriff?

Bisher wurde in der Arbeit der Begriff „Entwicklungsland" unreflek-tiert verwandt. Daher sei an dieser Stelle eine knappe Prazisierung einge-fiigt: Zunachst subsumierte man Lander, deren Entwicklung der westli-chen Welt nacheilte, als Dritte Welt. Dieser Begriff diente vor allem jungen Staaten dazu, sich vom Ost-West-Gegensatz abzugrenzen. Im Fahrwasser des Zusammenbruchs des Ostblocks verlor dieser jedoch an Bedeutung und wurde zunachst durch den Sammelbegriff Les Developed Countries oder „Entwicklungslander" ersetzt. Auch diese Begriffe werden der in der Realitat vorkommenden Problemvielfalt nur teilweise gerecht. Nuscheler gibt hierfiir einen ausfiihrlichen Uberblick der UN-Klassifikation und spricht von Begriffsverwirrung (vgl. 2004: 98-121).

Um dem Problem der statistischen Gruppierung zu umgehen, möchte ich auf die relativen Indikatoren verweisen, die von der Bundes-zentrale fiir politische Bildung gegeben werden: Entwicklungslander wei-sen demnach ein deutlich geringeres Sozialprodukt pro Kopf und Jahr auf, sie haben eine geringere Arbeitsproduktivitat, eine hohe Analphabeten-quote sowie einen hohen Anteil landwirtschaftlicher Erwerbstatigkeit (vgl. BpB „Entwicklungslander"). Einen graphischen Uberblick liefert die Ab-bildung 1:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 : Landergruppen und Einordnung der Entwicklungslander (Bundeszentrale 4r politische Bildung "Landergruppen")

2.3 Globalisierung — eine neuer Prozess?

Ein Blick in eine Fachzeitschrift, wissenschaftliche Abhandlung oder selbst in eine Zeitung geniigt: Globalisierung ist ein inflationar ver-wendeter Begriff. Demzufolge ist es nahezu unmoglich, eine einzige Defini-tion zu finden, die allen Anspriichen geniigt. Woyke versteht unter Globali-sierung einen Prozess zunehmender Interdependenz, mit dem Ergebnis, dass Ereignisse auf allen Mafistabsebenen Auswirkungen zeitigen konnen (vgl. 2000: 136). Dieser Prozess ist hochdynamisch. Ferner ist er in den einzelnen Regionen der Welt unterschiedlich asymmetrisch ausgepragt — qualitativ, quantitativ und raumlich (vgl. Woyke 2000: 136-147).

Reflektiert man diese Aussagen, so stellt sich die Frage nach dem Beginn dieses Prozesses. Nach Ferdowsi handelt es sich keineswegs um ein neues Phanomen (vgl. 2007: 23). Auch ein Blick in die Fachliteratur gibt unterschiedliche Erklarungsansatze. Da es argumentativ einleuchtend er-scheint, mochte ich mich Menzel anschliefien, der fiir den Beginn die Er-richtung der Pax Mongolica angibt (vgl. Ferdowsi 2007: 49). Zwischen 1250 und 1350 bauten Mongolen ein vorkapitalistisches Wirtschaftssystem von China bis Westeuropa auf. In diesem Geflecht kam es zu einem inten-siven Austausch von Giitern, Informationen und kulturellen Elementen. Als Indiz fiir die Existenz eines solchen Prozesses kann die rasche Ausbrei-tung der Pest dienen: 1320 brach in Zentralchina die Pest aus. Sie benotig-te ca. 25 Jahre bis zur Kiistenstadt Quanzhou. Auf den Handelswegen er-reichte sie bereits drei Jahre spater Venedig und Deutschland (vgl. Fer-dowsi 2007: 23-61)!

Die Staaten dieser Erde befinden sich in einem Prozess, der in un-terschiedlichen Dimensionen verlauft. Zunachst aber war die zentrale Triebkraft die Okonomie. Im Verlaufe des 19. und 20. Jh. kamen politische und technische Faktoren hinzu, die sich zunehmend auch auf die Kultur auswirkten (vgl. Woyke 2000: 136-147).

Die okonomische Dimension ist durch eine Ablosung von Staatsge-biet durch einen Wirtschaftsraum gekennzeichnet. Woyke fiihrt dafiir vier Indikatoren auf: Erstens, die Intensivierung der Handelsverflechtungen — 16 Staaten, darunter kein einziges subsaharisches Land, wickeln 70% der weltweiten Exporte ab. Zweitens, die Internationalisierung auslandischer Direktinvestitionen. Drittens, wie die Finanzmarktkrise aktuell beeindru-ckend gezeigt hat, haben die Nationen keine Kontrolle mehr fiir die Fi-nanzstrome und den sich daraus ergebenen Folgen (vgl. Endres 2008: „Kein Ende der Krise"). Viertens, das Auftreten neuer Akteure, wobei die Halfte der Global Players aus Deutschland, den USA, Japan, Frankreich und Grofibritannien stammt (vgl. Woyke 2000: 136-147).

Die „okologische Globalisierung" zielt auf die weltweite Vernetzung des Problembereichs der Okologie ab (vgl. Woyke 2000: 136-147). Nicht nur Tschernobyl hat gezeigt, dass der Ort der Entstehung eines Problems ungleich dem der Betroffenheit ist. Auch hier zeigt sich die Absurditat staatlich zentrierter Politik.

Im Geleit der wirtschaftlichen und okologischen Globalisierung er-gibt sich auch eine kulturelle Dimension. Durch die Verbreitung und Ver-billigung der Massenkommunikation, der gestiegenen Mobilitat sowie durch das weltweite Angebot von standardisierten Produkten, erfahrt der „westliche Lebensstil" eine enorme Anziehungskraft. Dadurch konnen Le-bensstile und Identitaten beeinflusst, ja sogar fragmentiert werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Die neuen Bedrohungen aus dem Süden - Gespenst oder Realität?
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Geographie)
Veranstaltung
Oberseminar „Entwicklungsländer“
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
27
Katalognummer
V147757
ISBN (eBook)
9783640585434
ISBN (Buch)
9783640585618
Dateigröße
795 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neue Bedrohungen, Bedrohungen aus dem Süden, Entwicklungsländer, VN, Deutschen Außenpolitik, Entwicklungspolitik, Sicherheitspolitik, Globale Probleme
Arbeit zitieren
Michael Liesk (Autor), 2008, Die neuen Bedrohungen aus dem Süden - Gespenst oder Realität?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147757

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