Formen und Merkmale der Auserwähltheit des Helden in Paul Bussons „Die Wiedergeburt des Melchior Dronte“


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

34 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Leben I – Melchior Dronte
2.1. Formen der Auserwähltheit – Abweichungen vom Durchschnitt
2.1.1. Besondere soziale Stellung
2.1.2. Besonderheiten des Charakters
2.1.3. Begegnung mit übernatürlichen Größen
2.1.4. Besonderheit des Lebenswegs
2.1.5. Höhere Erkenntnis
2.2. Sinnhaftigkeit des Daseins, Nichtigkeit des Todes
2.3. Das auserwählte Individuum und seine Selbsterlösung

3. Leben II – Sennon Vorauf
3.1. Formen der Auserwähltheit – Abweichungen vom Durchschnitt
3.2. Formen der Durchschnittlichkeit
3.3. Himmelfahrt vs. Mehr an Leben

4. Zusammenfassung und Auswertung
4.1. Auserwähltheitsphantasie als Kompensation der Realität – Einordnung in den kulturellen Hintergrund
4.1.2. Versprechen an den Leser

5.1. Primärliteratur
5.2. Sekundärliteratur
5.3. Sonstige

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit liefert eine literaturwissenschaftliche Analyse von Paul Bussons Roman „Die Wiedergeburt des Melchior Dronte“ aus dem Jahr 19211, welche zeigt, dass die Figur des Helden im Text als ein auserwähltes, elitäres Subjekt charakterisiert ist. Gleichzeitig deckt sie die unterschiedlichen Formen der Auserwähltheit des Helden auf. Diese äußern sich in spezifischen Merkmalen, durch welche sich die Heldenfigur von den übrigen Figuren der Diegese unterscheidet. Anschließend wird ein Ansatz zur Einordnung der „Wiedergeburt“ in den kulturellen Kontext ihrer Entstehungszeit prä-sentiert, welcher die Auserwähltheit des Helden als eine Kompensationsform von in der Entstehungskultur bestehenden Absenzen versteht. Die Arbeit orientiert sich an den um-fangreichen Forschungsergebnissen Marianne Wünschs auf dem Gebiet der fantasti-schen Literatur2 der Frühen Moderne 1890-19303.

Der untersuchte Text weist einen recht komplexen Aufbau auf. Er verfolgt die Geschi-cke des Helden über zwei Inkarnationen hinweg. Den größten Teil des Romans machen die Memoiren Sennon Voraufs aus, eines um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert lebenden Mannes. Sie enthalten seine Erinnerungen an ein früheres, auf das 18 Jh. zu datierende Leben unter dem Namen Melchior Dronte4 sowie darüber hinaus eine Be-schreibung seines gegenwärtigen Lebens bis zum Ausbruch des ersten Weltkriegs. Die-se Ausführungen Voraufs sind um Briefe und Berichte ihm nahestehender Personen er-gänzt, die dessen Leben vor und während des Krieges aus ihrer Sicht dokumentieren. Der Aufbau der vorliegenden Untersuchung orientiert sich an der Zweiteilung Leben I und Leben II des Helden, was aus interpretatorischen Gründen sinnvoll erscheint.

2. Leben I – Melchior Dronte

2.1. Formen der Auserwähltheit – Abweichungen vom Durchschnitt

Bereits in seinem ersten irdischen Dasein, das er unter dem Namen Melchior Dronte verlebt, weist der Held des Romans einige erhebliche Abweichungen von den übrigen Figuren des entsprechenden Textabschnittes auf, die ihn als ein auserwähltes, elitäres Subjekt kennzeichnen.

2.1.1. Besondere soziale Stellung

„Melchior Freiherr von Dronte“ (W 7) ist der Sohn eines vermögenden Landadeligen aus dem 18Jh. und dadurch von Geburt an sozial privilegiert. Seine Familie ist sehr vermögend und er erhält eine Schulbildung, was in der Welt, in der er lebt, nicht selbst-verständlich ist. Die Angehörigen seines Standes verfügen im Text über eine uneinge-schränkte Macht und Autorität, die es ihnen erlaubt, über die übrigen, nicht-adeligen Figuren zu ihrem eigenen Vorteil zu verfügen. Diesen widerfährt von Seiten des Adels häufig Unrecht und Gewalt, gegen die sie sich nicht wehren können. Beispielsweise gibt es in der Schule, die Dronte besucht, einen Prügelknaben, der statt der adeligen Schüler gezüchtigt wird, wenn diese eine Antwort nicht wissen. Drontes Vater kann die Dienst-magd Gundel dazu zwingen, mit einem seiner Gäste und anschließend mit Melchior zu schlafen. Diese soziale Privilegiertheit wird, wie sich zeigen wird, im Text jedoch nega-tiv bewertet.5 Ihr stehen andere, positive Formen der Auserwähltheit gegenüber.

2.1.2. Besonderheiten des Charakters

Die Welt, die im ersten Teil der Erzählung präsentiert wird, ist durch extreme Formen von Elend, Gewalt und Verrohung gekennzeichnet. Der überlegene Adel ist im Umgang mit seiner Gegengruppe, dem einfachen Volk, überaus grausam, was etwa durch den folgenden Textausschnitt verdeutlicht wird, der die Erfahrungen Drontes während sei­ner Gefangenschaft in Paris wiedergibt:

„Noch unangenehmer waren mir die Sehnsuchtsergüsse eines jungen Grafen, der mit vielen Seufzern des Bedauerns der Zeit gedachte, in der einer seiner vor-nehmen Verwandten in der Normandie zum Zeitvertreib mit der Kugelbüchse einen Dachdecker vom Schloßturm heruntergeschossen hatte. Ein anderer Herr [...] rühmte die Herrlichkeit der Tage, in denen ein Mitglied seiner Familie von Ludwig dem Dreizehnten bei einem mehr als heiteren Gelage das Privilegium erhalten habe, jedes mal, wenn ihn nach der Jagd an den Füßen fröre, zwei Bauern an Ort und Stelle den Leib aufschneiden zu dürfen, um die kalten Füße darin zu wärmen.“ (W 242)

Die von Seiten des Adels erfahrene Grausamkeit und Gewalt wird innerhalb des Volkes an die jeweils niedriger gestellten Figuren weitergegeben:

„Die alten Soldaten waren tausendmal roher als alle Offiziere und Unteroffizie-re. Einem, der in tiefem Schlaf verblieb, klebten sie Pech auf die großen Zehen und zündeten es an. Es gab ein großes Gelächter, als der arme Teufel, vor Schre-cken halb verrückt, heulend und schreiend in der Schlafstube herumfuhr.“ (W 60)

Diese Negativspirale wird durch das in der dargestellten Welt allgemein gegenwärtige materielle Elend verschärft. So heißt es in der Beschreibung der Winternächte, die Dronte als Soldat im Siebenjährigen Krieg6 erlebt:

„Wir hatten ein notdürftiges Quartier in einem niedergebrannten Bauernhaus ge-funden. Alles, was wir hatten, waren zwei Schütten faules, feuchtes Stroh und eine von den Lagerfeuern ausgesengte Decke. Und dies armselige Gut mußten wir noch hüten und bewachen, damit nicht noch Elendere es stahlen. [...] Der Watzlaff hatte die schwere Not bekommen [...] In der Nacht stöhnte er so sehr, daß keiner schlafen vermochte Und [sic!] obwohl er alle dauerte, warfen sie im Dunkeln mit allem nach ihm, was sie mit den Händen fassen konnten.“ (W 70)

Der von den Vertretern des Adels ausgehende Teufelskreis der Gewalt richtet sich letz-tendlich auch gegen diese selbst, da viele von ihnen in der überaus blutig verlaufenden Französischen Revolution exekutiert werden. Dabei zeichnet sich auch die Revolution durch ein Übermaß an Gewalt aus und es kann keinesfalls bei jedem der Opfer eine wie auch immer geartete Schuld festgestellt werden, auch der rechtschaffene und edelmütige Dronte stirbt unter der Guillotine.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Gewalt und das Elend im Dronte-Abschnitt des Romans umfassend sind und sich die meisten Figuren, wenn auch in un-terschiedlichem Grade, durch Verrohung und Abgestumpftheit auszeichnen.

Melchior Dronte unterscheidet sich insoweit von den allermeisten übrigen Figuren der Diegese, als er bereits seit frühester Kindheit durch starke Empathie in Bezug auf die ihn umgebenden Lebewesen gekennzeichnet ist. Bereits im Alter von fünf Jahren rea-giert er mit Schreien, als er sieht, dass sein Vater einen Diener mit einem Stock schlägt. Einige Jahre später attackiert er seinen Lehrer, als dieser im Begriff ist, den Prügelkna-ben Klaus Jägerle anstelle eines adeligen Mitschülers zu züchtigen: „Ich war blaß vor Wut. Dieses Übermaß an Ungerechtigkeit gegen den armen Jungen [...] erschien mir himmelschreiend. [...] Da sprang ich dem Lehrer an die Kehle.“ (W 18 f.) Auch schlägt er seinem Vater die Gerte aus der Hand, als er Zeuge wird, wie dieser damit einen Reit-knecht verprügelt. Durch solches Verhalten weicht Dronte insbesondere von den als adelig gekennzeichneten Figuren und den für sie geltenden Sozialnormen ab, was etwa dadurch deutlich wird, dass er nach dem Jägerle-Vorfall der Schule verwiesen und auch für den Reitgerten-Vorfall schwer bestraft wird:

„Schlimm erging es mir, als der Vater den Reitknecht mit dem Fuß vor den Leib stieß und auf ihn, der sich auf dem Boden krümmte und wimmerte, mit der Hetzpeitsche einhieb. In einem Anfall von Mitleid riß ich die Peitsche aus des Vaters Hand und schleuderte sie weg. Dafür saß ich nun in einer Dachkammer unseres Hauses bei Wasser und Brot.“ (W 19)7

Drontes charakterlicher Sonderstatus wird von Doktor Schlurich auf den Punkt ge-bracht, als dieser sein Abweichen von anderen Adeligen mit folgenden Worten kom-mentiert: „Sie sind ein Edelmann im inneren Sinne des Wortes“ (W 210) [Hervorhe-bung D. S.].

Durch seine Empathie sticht Dronte allerdings auch unter den nicht-adeligen Figuren des behandelten Textabschnittes hervor. So hält er während seiner Armeezeit etwa seine Kameraden davon ab, eine Prostituierte zu drangsalieren, die einen von ihnen mit der Syphilis angesteckt hat: „Kameraden [...] habt Erbarmen. Sie ist nicht schuldig. Und sie ist ebenso arm und verlassen wie wir alle.“ (W 65) Dieses Zitat illustriert auch, dass Drontes Mitleid auf einer Identifikation mit dem leidenden Subjekt gründet.

Die geschilderte charakterliche Abweichung des Helden wird zumindest von den zahl-reichen nicht-adeligen Figuren des Dronte-Abschnittes sehr positiv bewertet. Er erfährt ihretwegen Dankbarkeit und Hochachtung – so beispielsweise von Seiten des Magisters Hemmetschnur, den er von seinem grausamen Herren, dem Rüdenmeister, befreit: „Gott segne Sie zu tausendmalen, Sie großer gütiger Mann!“ (W 201) – sowie auch eine ge-wissen Autorität – er schafft es, seine Armeekameraden durch eine bloße verbale Auf-forderung von der „Soldaten-Katharine“ (W 62) abzubringen. Dronte genießt aufgrund seiner atypischen Empathie also einen elitären Status innerhalb der Diegese des behan-delten Textabschnittes, der nicht mit seinem adeligen Stand zusammenhängt, sondern vielmehr in Opposition zu diesem steht.

2.1.3. Begegnung mit übernatürlichen Größen

Im Laufe seines Lebens begegnet Dronte wiederholt jenseitigen, fantastischen8 Größen. Die wichtigste dieser Größen stellt der Ewli dar, ein wundertätiger Derwisch namens Isa Bektschi, der Dronte bereits im Alter von fünf Jahren in Gestalt einer Wachsfigur be-gegnet. Diese erwacht zum Leben und rettet Dronte vor der einstürzenden Zimmerde-cke. Die charakteristische Narbe, die Dronte von diesem Vorfall an der Stirn zurückbe-hält und die dem Mal des Ewli entspricht, stellt ein weiteres, visuelles Zeichen seiner Auserwähltheit dar. Der Ewli erscheint Dronte ungerufen und unerwartet an entschei-denden Stationen seines Lebens: Während seiner jugendlichen Phase sexueller Aus-schweifungen, auf seinem Weg zum Preußischen Heer, während seiner Militärzeit, als er den Entschluss fasst, sich das Leben zu nehmen, kurz bevor er seine große Liebe Ze-phyrine aus dem Haus ihres Vormunds Doktor Postremo befreit sowie auf Schloss Krot-tenriede, wo Dronte sich an seine vergangene Inkarnation erinnert und wo der Ewli ihm letztlich das Geheimnis des Lebens offenbart. Im Augenblick seines Todes kann Dronte den Ewli darüber hinaus aktiv zu sich zwingen (vgl. W 266).

Außer von Dronte wird der Ewli auch von anderen Figuren des behandelten Textab-schnittes visuell registriert, doch im Gegensatz zum Protagonisten nehmen die aller-meisten von ihnen den Ewli bzw. das Außergewöhnliche seines Auftretens nicht be-wusst wahr:

„Denn wunderbar bleibt es immerhin, daß weder die alte Frau noch der zufällig vom Felde kommende Schneidermichel [...] in dem so seltsam gekleideten Manne etwas Besonderes oder Auffälliges zu sehen schienen [...], daß nicht einmal die außergewöhnliche Tracht den beiden Menschen zu Bewßtsein [sic!] gekommen war.“ (W 153)9

Wenn der Ewli einer anderen Figur als Dronte erscheint, erscheint er ihr auch prinzipiell um Drontes willen. Dies ist etwa bei einem namenlosen Pfarrer der Fall, dem der Ewli eine Nachricht für Dronte hinterlässt, sowie bei einem Handwerksgesellen, dem er ein Goldstück schenkt, wodurch er Dronte indirekt auf sich aufmerksam macht.10

Eine weitere fantastische Figur, mit der Dronte bekannt wird, ist der mit klassischen At-tributen eines Teufels11 ausgezeichnete Fangerle. Wie der Ewli kommt auch dieser im-mer wieder gezielt auf Dronte zu – so nach Drontes Desertation vom Preußischen Mili-tär auf einer Landstraße oder an Aglajas Grab. Er erscheint Dronte auch in seiner To-desstunde ungerufen auf dem Richtplatz, von wo dieser ihn jedoch durch einen Bann-spruch aktiv vertreiben kann (vgl. W 265). Die Fähigkeit, Fangerle zu sehen, scheint dabei innerhalb der Diegese nicht selbstverständlich und nur wenigen Figuren vergönnt zu sein. So erfährt Dronte von einem Totengräber: „Nicht jeder kann ihn [Fangerle; D. S.] sehen, nur Begnadete [...] Wie zum Beispiel der Vater hier [...] und ich gäbe weiß was darum, könnte ich ihn erblicken.“ (W 102) 12

Darüber hinaus wird Dronte während einer spiritistischen Sitzung einer Geistererschei-nung gegenwärtig, welche zugleich seine beiden Geliebten Aglaja und Zephyrine ver-körpert. Auch diese Beschwörungszeremonie wird unaufgefordert an Dronte heranget-ragen und ist nur für besondere Subjekte zugänglich. So erklärt ihm der Spiritist:

„Wenn jedoch der Herr [Dronte; D. S.] meine eigentliche Kunst in Anspruch nehmen wollte [...] Für tiefer Eingeweihte bin ich der Nekromant Magister Eu-sebius Wohlgast aus Ödenburg [...] Ich müßte mich sehr irren, wenn die Wün-sche des Herren, dessen Äußeres schon tiefste und unverheilte Trauer kündet, nicht auf das Glühendste das Wiedersehen mit einer geliebten, ihm durch den grausamen Tod entrissenen Person herbeisehnten.“ (W 139)

Weitere übernatürliche Wesenheiten, die zu Dronte Kontakt aufnehmen, sind der Geist eines Verstorbenen, dessen Seele er vor Fangerle gerettet hat und der ihm zum Dank riesige Gewinne in einer Wiener Spielhölle beschert, sowie der Geist einer Urahnin Aglajas, welcher ihm noch in seiner Jugendzeit erscheint.13

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Dronte immer wieder fantastischen We-senheiten begegnet, denen nicht jede Figur der Diegese in dieser Form begegnen kann und die darüber hinaus in den allermeisten Fällen gezielt an ihn herantreten, ohne dass er aktiv nach ihnen suchen müsste, bzw. über deren Erscheinen und Verschwinden er am Ende des behandelten Textteils sogar souverän bestimmen kann. All dies kann als ein weiteres Merkmal der Auserwähltheit des Helden gewertet werden.14

2.1.4. Besonderheit des Lebenswegs

Auch wenn man von der Begegnung mit übernatürlichen, fantastischen Größen absieht, bleibt Melchior Drontes Lebenslauf ungewöhnlich, sogar abenteuerlich, und weicht in seinem Verlauf immer stärker von einer für den Text zu setzenden Norm sowie von al-ler Wahrscheinlichkeit ab: Für Dronte, den einzigen Sohn eines adeligen Gutsbesitzers, ist seitens seines sozialen Umfeldes zunächst vorgesehen, die Ländereien und die ge-sellschaftliche Stellung seines Vaters zu übernehmen.

[...]


1 Vorliegende Textausgabe: Paul Busson: Der Seelenwanderer. Die Wiedergeburt des Melchior Dronte (Originaltitel: Die Wiedergeburt des Melchior Dronte). Hg. von Jürgen Grasmück. Altenstadt 1996 (erstmals Wien 1921). Im folgenden W.

2 Zum Begriff der fantastischen Literatur nach Wünsch vgl. etwa Dies.: Die Fantastische Literatur der Frühen Moderne (1890 – 1930). Definition. Denkgeschichtlicher Kontext. Strukturen. 2. Aufl. Mün-chen 1991, S. 63 f.

3 Epochenbegriff nach Wünsch. Vgl. Dies.: Das Modell der ‚Wiedergeburt‘ zu ‚neuem Leben‘ in erzählender Literatur 1890-1930. In: Klassik und Moderne. Die Weimarer Klassik als historisches Ereig-nis und Herausforderung im kulturgeschichtlichen Prozess. Hg. von Karl Richter und Jörg Schönert. Stuttgart 1983, S. 379.

4 Das Vorwort Sennon Drontes zu seinen Memoiren gibt an, dass der Name Melchior Dronte von ihm erfunden worden sei, um die wahre Identität seiner vorhergehenden Inkarnation geheim zu halten (vgl. W 7 f.), dies kann in der vorliegenden Untersuchung jedoch vernachlässigt werden.

5 Laut Marianne Wünsch ist die Auserwähltheit des Helden in der Literatur der Frühen Moderne grundsätzlich nicht an die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Schicht gebunden. Vgl. etwa Dies.: Phan-tastik in der Literatur der frühen Moderne. In: Naturalismus. Fin de siècle. Expressionismus. 1890-1918 (= Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Bd. 7). München u. a. 2000, S. 183.

6 Dronte dient im Preußischen Heer. Der Krieg, an dem er partizipiert, wird zwischen „Friederi- cus Rex“ (W 70) und einer „Kaiserin“ (W 71) ausgefochten. Da Dronte als Soldat noch jung genug sein muss, um im fortgeschrittenen Alter die Französische Revolution 1789-1799 erleben zu können, kann gefolgert werden, dass sich der dargestellte Konflikt auf den Siebenjährigen Krieg bezieht, der 1756-1753 u.a. von Friedrich II. von Preußen gegen Maria Theresia von Österreich geführt wurde.

7 Während seiner Jünglingsphase, in der er einen Sozialisationsprozess innerhalb der Klasse der Adeligen durchläuft, verliert Dronte sein angeborenes Mitleid vorläufig, gewinnt es jedoch bald zurück, nachdem diese Sozialisation scheitert.

8 Nach der Definition von Marianne Wünsch. Vgl. etwa Dies.: Die Fantastische Literatur der Frühen Moderne, S. 25 ff.

9 Die einzige Ausnahme hierzu stellt der namenlose Pfarrer dar, bei dem Dronte während seiner Suche nach dem Derwisch Quartier bezieht.

10 Von dieser Regel scheint einzig der Bauer Bogdan abzuweichen, dem der Ewli viele Jahre vor dem Einsetzen des Haupthandlungsstrangs auf wundersame Weise das Leben rettet. Allerdings muss in diesem Zusammenhang angemerkt werden, dass auch diese Erfahrung Bogdans letztendlich dazu führt, dass Dronte weitere Informationen über den Ewli und über sich selbst erhält, sie also auch für den Prota-gonisten von großer Bedeutung und großem Nutzen ist.

11 im christlichen Sinne.

12 Diesbezüglich herrscht im Text jedoch ein Widerspruch, da der Fangerle zumindest bei der Hin-richtung von Heiner Feßl für die breite Masse sichtbar ist: „Die Leute um ihn [Fangerle; D. S.] herum fanden ihn weniger unheimlich als belustigend, und schrien ihm allerlei derbe und zotige Worte zu, die er mit unanständigen einladenden Gebärden erwiderte.“ (W 29).

13 Eine weitere Begegnung mit dem Übersinnlichen ist für Dronte ein Hexensabbat, an dem er von Schloss Krottenriede aus teilnimmt und auf dem er bekannte und unbekannte Verstorbene sowie erneut den Fangerle trifft. Dabei bleibt jedoch ungeklärt, ob Dronte dieses durch das Auftragen einer Hexensalbe ausgelöste Ereignis „eigensinnig“ (W 188) herbeiführt oder von außen dazu „gezwungen“ (ebd.) wird und ob es sich dabei innerhalb des Textes um eine reale oder eine geträumte Begebenheit handelt (vgl. W 193 f.).

14 Nach Marianne Wünsch ist die Begegnung mit fantastischen Größen ein typisches Merkmal der Auserwähltheit des Helden in der fantastischen Literatur der Frühen Moderne (vgl. etwa Dies.: Die Fan-tastische Literatur der Frühen Moderne, S. 231 f.). Es ist ebenfalls häufig, dass der elitäre Status der Hauptfigur in diesen Texten durch einen frühzeitigen ersten Kontakt mit dem Übernatürlichen unterstri-chen wird (vgl. etwa Dies.: Wege der ‚Person‘ und ihrer ‚Selbstfindung‘ in der fantastischen Literatur nach 1900. In: Die Modernisierung des Ich. Studien zur Subjektkonstitution in der Vor- und Frühmoderne (= PINK/ Passauer Interdisziplinäre Kolloquien; 1). Hg. von Manfred Pfisterer. Passau 1989, S. 171 f.) sowie durch die Tatsache, dass die fantastischen Größen ungerufen auf den Helden zukommen (vgl. etwa Dies.: Die Fantastische Literatur der Frühen Moderne, S. 232), wie es in der „Wiedergeburt“ der Fall ist.

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Formen und Merkmale der Auserwähltheit des Helden in Paul Bussons „Die Wiedergeburt des Melchior Dronte“
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Neuere deutsche Literatur- und Medienwissenschaft)
Veranstaltung
Die fantastische Welt in Erzählungen der Romantik und der Frühen Moderne SoSe09 (Wünsch)
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
34
Katalognummer
V147795
ISBN (eBook)
9783640578450
ISBN (Buch)
9783640578030
Dateigröße
560 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Auserwähltheit, Auserwähltheit des Helden, Merkmale der Auserwähltheit, Paul Bussons, Die Wiedergeburt des Melchior Dronte, Germanistik, Neuere deutsche Literatur, NDL
Arbeit zitieren
Dominika Sobecki (Autor), 2009, Formen und Merkmale der Auserwähltheit des Helden in Paul Bussons „Die Wiedergeburt des Melchior Dronte“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147795

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