Der Komponist und Intendant Max von Schillings war zu Lebzeiten eine bedeutende Persönlichkeit der deutschen Musikszene. Nach seinem Tode im Jahre 1933 ist er nahezu vergessen. Die Arbeit beschäftigt sich mit Leben uns Werk eines (zu Recht?) vergessenen Romantikers, und beleuchtet ästhetische, politische und menschliche Aspekte dieser umstrittenen wilhelminischen Künstlerpersönlichkeit im Spannungsfeld zwischen musikalischem Anspruch und nationalsozialistischer Vereinnahmung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Biographie
3. Zur Person – Der Mensch Max von Schillings
3.1. Zeit- und Kunstgenossen
4. Deutsche Verpflichtung – Schillings und die Musik
4.1. Epigonentum und Wagnerismus
4.2. Schillings, der Neutöner
4.3. Der Schillingston
5. Der „diplomatische Max“ – Schillings und die Politik
5.1. Kunst und Nation
5.2. Antisemitisches
5.3. Nationalsozialistisches
6. Symphonische Phantasien – Meergruß & Seemorgen
6.1. Meergruß
6.2. Seemorgen
6.3. Biographische Einordnung
7. Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Leben und Wirken des Komponisten Max von Schillings, um zu klären, warum er trotz seiner einstigen Bedeutung in Vergessenheit geraten ist, und analysiert dabei kritisch sein ambivalentes Verhältnis zu Politik und Zeitgeschichte.
- Biographische Analyse des Lebenswegs von Max von Schillings
- Untersuchung des künstlerischen Stils und der ästhetischen Einordnung
- Kritische Auseinandersetzung mit den politischen Aktivitäten und dem Nationalsozialismus
- Musikanalytische Betrachtung der symphonischen Dichtungen "Meergruß" und "Seemorgen"
Auszug aus dem Buch
3. ZUR PERSON – DER MENSCH MAX VON SCHILLINGS
„Ich stehe eigentlich mit mir selbst auf Sie und bin mir gar nicht vorgestellt.“ Diese Selbsteinschätzung umreißt Schillings Persönlichkeit knapp in einem Satz. Zeit seines Lebens war Max von Schillings ein höflicher Mensch, „ein Aristokrat, eine würdevolle Persönlichkeit, der man Achtung und Respekt wie selbstverständlich entgegenbrachte.“ „Ein Grandseigneur der Musik“ titelt auch der Schriftsteller und Zeitgenosse Alexander von Andreevsky in seinem Bericht zu Schillings’ Intendantenwahl.
In seiner ausgesuchten Distinguiertheit und dem feinen, trockenen Humor verschaffte Max von Schillings bei seinen Mitmenschen Ansehen und Wertschätzung. „Ein Edelmann von Kopf bis Fuß“, schreibt Wilhelm Kempff in einem Nachruf. Die Erhebung in den Adelsstand war dann, so Detig, auch „nur eine äußere Bestätigung seines Wesens“. Diese vornehme Art, die Walter Thomas mit der nietzscheschen Wendung „Pathos der Distanz“ beschreibt, machte Schillings aber nicht nur Freunde. Hugo von Hofmannsthal schrieb anlässlich der von Schillings geleiteten Ariadne-Premiere an Strauss: „Diesen Sch.[illings] habe ich von St...[uttgar]t aus in der übelsten Erinnerung, obwohl, oder gerade weil er sich mich immer mit den süßlichsten Tönen und raffiniertesten Komplimenten über meinen Text heranmachte.“
Auch Strauss, dessen Verhältnis zu Schillings zwar eine lebenslange Freundschaft, aber dennoch seinen jeweiligen Launen unterworfen war, fand dessen Diplomatie zu „pflaumenweich“. Darüber hinaus störte ihn Schillings’ mitunter arrogantes Selbstbewusstsein: „[er redet] ununterbrochen nur von sich [...] und zwar in den stolzesten Tönen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Problemstellung und Zielsetzung der Untersuchung hinsichtlich der Rezeptionsgeschichte von Max von Schillings.
2. Biographie: Detaillierter Überblick über die Lebensstationen, die musikalische Ausbildung und den beruflichen Werdegang des Komponisten.
3. Zur Person – Der Mensch Max von Schillings: Charakterisierung der Persönlichkeit, des gesellschaftlichen Auftretens und der zwischenmenschlichen Beziehungen.
4. Deutsche Verpflichtung – Schillings und die Musik: Analyse der ästhetischen Positionierung, des Einflusses von Richard Wagner und der musikalischen Besonderheiten.
5. Der „diplomatische Max“ – Schillings und die Politik: Untersuchung der politischen Ambitionen, der Verflechtung von Kunst und Nation sowie der Haltung zum Antisemitismus und Nationalsozialismus.
6. Symphonische Phantasien – Meergruß & Seemorgen: Musikanalytische Betrachtung der beiden symphonischen Dichtungen inklusive biographischer Einordnung.
7. Resümee: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Reflexion über die heutige Bedeutung und das Vergessen von Schillings.
Schlüsselwörter
Max von Schillings, Komponist, Wagnerismus, Musikgeschichte, Symphonische Phantasien, Meergruß, Seemorgen, Nationalsozialismus, Diplomatie, Ästhetik, Intendant, Musiktheorie, Lebenskampf, Epigonentum, 19. Jahrhundert.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet das Leben und Werk des Komponisten Max von Schillings und geht der Frage nach, warum er nach seiner Zeit als bedeutende Figur fast vollständig in Vergessenheit geraten ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die biographischen Etappen, Schillings’ ästhetisches Selbstverständnis im Kontext des Wagnerismus sowie sein politisches Handeln und dessen Folgen für seine künstlerische Rezeption.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, eine differenzierte Analyse von Schillings’ Wirken zu leisten, die sowohl seine künstlerischen Leistungen als auch seine Verstrickungen in die politischen Strömungen seiner Zeit kritisch beleuchtet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Kombination aus biographischer Forschung, historischer Kontextualisierung und musikanalytischer Betrachtung ausgewählter Werke verwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung von Schillings als Persönlichkeit, eine musikalische Analyse, die politische Einordnung seiner Ämter sowie eine tiefgehende Betrachtung der beiden Kompositionen "Meergruß" und "Seemorgen".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Max von Schillings, Wagnerismus, Musikgeschichte, Nationalsozialismus, Diplomatie und Ästhetik.
Welche Rolle spielte Schillings in der Musikwelt der Weimarer Republik?
Er war eine hoch einflussreiche Persönlichkeit, unter anderem als Intendant und Präsident der Akademie der Künste, was ihn jedoch später, insbesondere durch die Zeit des Nationalsozialismus, in eine schwierige historische Position brachte.
Was zeichnet den „Schillingston“ in seinen Kompositionen aus?
Seine Musik ist durch eine Mischung aus wagnerianischen Anleihen, einer Vorliebe für Molltonarten und eine solide, traditionelle Kompositionsweise geprägt, die von Zeitgenossen als „stilvoll und vornehm“ beschrieben wurde.
Inwieweit beeinflusste die Politik seine künstlerische Anerkennung?
Seine politisch motivierten Ämter und sein „diplomatisches“ Agieren sowie seine Anpassungsfähigkeit an verschiedene politische Systeme führten zu einer komplexen und oft kritischen Wahrnehmung durch Zeitgenossen und Nachwelt.
- Arbeit zitieren
- Daniel Jungblut (Autor:in), 2005, Max von Schillings, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147943