Internationale Gesundheitssysteme im Vergleich

Welchen wissenschaftlichen Beitrag kann ein Vergleich von verschiedenen Gesundheitswesen und –politik leisten?


Hausarbeit, 2009
17 Seiten, Note: 1,4

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Frankreich
2.1 Entstehung
2.2 Finanzierung
2.3 Organisation
2.4 Reform
2.5 Das französische Gesundheitswesen in Zahlen

3 Deutschland
3.1 Entstehung
3.2 Organisation
3.3 Finanzierung
3.4 Reformen
3.5 Das deutsche Gesundheitswesen in Zahlen

4 Schweiz
4.1 Entstehung
4.2 Organisation
4.3 Finanzierung
4.4 Franchise
4.5 Das schweizer Gesundheitswesen in Zahlen

5 Der Vergleich

6 Fazit

7 Literaturliste

1. Einleitung

Im Rahmen der Vorlesungen im Modul 3.3 „Versorgungsstrukturen der Sozial- und Gesundheitssysteme“ begannen wir mit dem Versuch eines Vergleiches verschiedener Gesundheitswesen. Dort haben wir festgestellt, dass trotz der hohen Bedeutung, den die Gesundheitssysteme unter anderem durch den demographischen Wandel, in der modernen Politik genießen, sich noch keine theoretisch angeleitete Gesundheitssystemforschung bis heute etabliert hat. Die Finanzierungs- und Ausgabenproblematik, die Entstehungsgeschichte und das Durchschnittsalter der in einem bestimmten Land lebenden Bevölkerung sind daher die Hauptaugenmerke bei der vergleichenden Analyse dieser Systeme. Durch den, in Europa recht ausgeprägten demographischen Wandel, kommt es zu einer Alterung dieser Gesellschaften, die volkswirtschaftlich relevant wird, da sich der Anteil der erwerbstätigen gegenüber der nichterwerbstätigen Bevölkerung kontinuierlich reduziert. Die finanzielle Tragfähigkeit von Systemen mit altersabhängigen Sicherungsleistungen, wie es zum Beispiel in der Bundesrepublik Deutschland durch Leistungen wie Renten, Gesundheits- und Pflegeleistungen der Fall ist, wird das Gesundheitssystem auf die Prüfung gestellt. Kommen dann noch unvorhergesehene Situationen, wie zum Beispiel die Finanzkrise 2009, als zusätzliche Belastung für das System hinzu, kann dieses schnell zu einer finanziellen Durststrecke kommen.

In dieser Arbeit werde ich die Gesundheitssysteme von den EU- Ländern Frankreich, das im Jahre 2000 von der WHO als eines der weltweit besten Systeme eingestuft wurde und Deutschland und einem nicht EU- Land, der Schweiz beschreiben, die Ziele einer vergleichenden Forschung darstellen und anschließend die Problematik eines objektiven Vergleiches herausarbeiten.

2. Frankreich

2.1 Entstehung

Die Wurzeln des französischen Sozialsystems reichen bis 1883 zurück. Während der frühen Industrialisierungsphase gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam es in Frankreich zur Gründung von Hilfskassen, den sog. Societes de secours mutuels, die sich gegenseitig bei Krankheit, Arbeitslosigkeit, Invalidität und Todesfällen unterstützten. Im Jahre 1927 wurde dann die „medical charte“ eingeführt, wodurch den versicherten Bürgern Frankreichs freie Arztwahl zustand, den sie aber gleich bezahlen mussten. Um eine gute Versorgung gewährleisten zu können, doch gleichzeitig die Gesundheitsausgaben so gering wie möglich zu halten, führte man in Frankreich eine Zuzahlung bei einer ärztlichen Behandlung ein. Diese Zuzahlungen beliefen sich zwischen 15 und 20 Prozent der Rechnung (Cook Malcom 1999; 222- 223).

Die gesetzliche Versicherungspflicht, die kurz nach dem Krieg etabliert wurde und zu der Zeit nur für Angestellte galt, wurde 1961 auch für die Landwirte und 1966 für die Selbstständigen Pflicht. Bis kurz vor der Jahrtausendwende waren ca. 0,5% der Bürger Frankreichs noch nicht versichert. Dies waren die Personen, die durch die Raster der Versicherungen fielen und somit nur über die Sozialhilfe, über die lokalen Gemeinden oder über den Staat geschützt waren.

2.2 Finanzierung

Die Finanzierung des französischen Gesundheitssystems erfolgt zum einen über Arbeitgeberbeiträge in Höhe von 12,8 Prozent und Arbeitnehmerbeiträge in Höhe von 0,75 Prozent des Bruttoeinkommens. In Frankreich gibt es keine Beitragsbemessungsgrenze, wie es in vielen anderen europäischen Ländern der Fall ist. Die „contribution sociale generalisee“, auch CSG abgekürzt, ist eine Art allgemeiner Sozialbeitrag, der zusätzlich von jedem Einwohner Frankreichs bezahlt werden muss. Bei diesen einkommenssteuerähnlichen Abgaben werden dem Arbeitnehmer noch einmal 5,25% von all seinen Einkünften und 3,95% der Lohnersatzleitungen abgezogen. Im Jahr 2000 trat die „Couverture maladie universelle“ (CMU) in Kraft, die besagt, dass einkommensschwache Bürger, darunter zählen Alleinlebende mit einem monatlichen Einkommen bis 530 Euro oder in einem Zweipersonenhaushalt lebende Personen mit einem Gesamteinkommen von 800 Euro, Anspr]uch auf allgemeinen Gesundheitsschutz haben und keine Sozialversicherungsbeiträge zahlen müssen. Diese Kosten werden von der CMU übernommen, die momentan über 4 Millionen Franzosen in Anspruch nehmen müssen, die sich bei einem sog. „Referenzarzt“ einzuschreiben haben und anschließend Anrecht auf Kostenübernahme nach dem sog. Sachleistungsprinzip haben. Dies ist der Zeitpunkt, ab dem alle Einwohner Frankreichs, auch Arbeitslose und Ausländer mit und ohne Aufenthaltsgenehmigung, versichert sind.

Bei Zusatz- und Ergänzungsrenten werden Beiträge von einem Prozent und bei Vorruhestandsrenten von 1,7 Prozent auf die ausbezahlte Summe erhoben. Doch das ist nicht alles was die Franzosen für ihr Gesundheitssystem zahlen müssen, denn über die Sozialbeiträge hinaus müssen sie nicht bedeutungslose Zuzahlungen leisten. Die von der französischen Gesetzgebung vorgesehenen Selbstbeteiligungssätze liegen bei 30 Prozent bei den Arzthonoraren, 25 Prozent bei ambulanter und 20 Prozent bei stationärer Krankenhausbehandlung. Bei Medikamenten reicht die Spanne der Zuzahlungen von 35% bis sogar zum vollen Preis. Die Einstufung wie viel jeder einzelne Bürger Frankreichs zuzahlen muss, liegt an der Schwere der Krankheit, so müssen z.B. chronisch Kranke keine Zuzahlungen leisten. Ein umfassendes System von Zahlungsbefreiungen und möglichen Zusatzversicherungen, die immer mehr an Bedeutung gewinnen, da heutzutage mehr als 90 Prozent der Franzosen eine solche Zusatzversicherung abgeschlossen haben, dämpfen die Kosten der kranken Bürger Frankreichs.

1998 trat eine Steuer, die sog. „Remboursement de la dette sociale“ (RDS) mit dem Ziel der Deckung der Finanzierungsdefizite der Sozialversicherung, in Kraft. Diese soll 13 Jahre lang gelten und beträgt 0,5 Prozent auf alle Einkünfte, die der CSG unterliegen, im Gegenzug wurde der Arbeitnehmerbeitrag auf die momentanen 0,75% gesenkt. (vgl. Kaufmann 1998, 327). Des Weiteren wurde beschlossen, dass die Alkohol- und die Tabaksteuer, sowie Steuern auf Mischgetränke und auf Werbung der Pharmaindustrie direkt in die Finanzierung des Gesundheitssystems einfließen.

2.2 Organisation

Die französischen Krankenkassen sind nach verschiedenen Berufsgruppen gegliedert und stark zentralisiert, sodass es im großen und ganzen vier bedeutende Kassenarten gibt: Die größte Kasse, die für lohnabhängige Arbeiter (CNAMTS), die rund zwei Drittel der Versicherten umfasst, die Kasse für Landarbeiter (MSA), die Kasse für selbständige Arbeiter

(CANAM) und verschiedene Kassen für Arbeitnehmer des öffentlichen Sektors und Beamte (vgl. Hassenteufel 2003; 49).

Der französische Staat hat einen großen Einfluss auf die Krankenkassen, denn er setzt die Beitragssätze fest und benennt die Verwaltungsdirektoren für die Dachorganisationen der Krankenkassen, um nur zwei Kriterien exemplarisch zu nennen (vgl. Bode 2003; 24). Des Weiteren kann der Staat Entscheidungen der Kassen kontrollieren und ggf. aufheben. Aus diesen Gründen wird u.a. das französische Modell oft auch als Mischung des Bismarckschen und dem Beveridge-Systems bezeichnet, denn obwohl die Franzosen eine hohe Selbstentscheidung bezüglich der einzelnen Versicherungen haben, erfolgen andererseits starke staatliche Regelungen.

2.3 Reformen

Da die Ausgaben des Gesundheitssystems immer mehr stiegen, trat 1996 die sog. Juppe-Reform, ohne parlamentarische Debatte sondern durch einen Beschluss in Kraft, durch die die staatlichen Steuerungsmöglichkeiten stiegen (vgl. Hassenteufel 2003; 52). Seit diesem Zeitpunkt ist das Parlament jedes Jahr verpflichtet, die Kostengrenze für die Krankenkassen für das darauf folgende Jahr festzulegen. Diese Verpflichtung ist auch der Grund, warum das französische Parlament jedes Jahr ein Gesetz für die Finanzierung der Sozialversicherung verabschiedet. Des Weiteren wurden neue regionale Ämter für Krankenhäuser geschaffen, die Entscheidungen über infrastrukturelle Einrichtungen und deren Haushalt übernehmen, sodass z.B. der Umfang der angebotenen Betten unter ministerieller Kontrolle steht (vgl. Kaufmann 1998; 331).

Mit der Einführung der CMU im Jahr 2000 wurden in Frankreich weitere Versorgungslücken geschlossen und es entstand ein allgemeiner Versicherungsschutz eine Art Grundsicherung für die Bevölkerung.

2.4 Das französische Gesundheitswesen in Zahlen

Im Jahre 2002 lebten in Frankreich 59.486.000 Menschen, die ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) von insgesamt 1.671.213 Millionen US Dollar erwirtschafteten. In diesem Jahr beliefen sich die „Pro Kopf Gesundheitsausgaben“ PPP auf 2.736 US Dollar, das 9,7% des BIP entsprach. Im Jahre 2006 stiegen diese, laut den OECD Angaben, schon auf 3.449 $ PPP. Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) verschlang 73,3% der öffentlichen Ausgaben, die für das Gesundheitswesen ausgegeben worden sind und zusätzlich schlugen die privaten Ausgaben für die private Krankenkasse (PKV) mit 12,7% zu Buche. Im Schnitt betrug der Selbstkostenbeitrag am Haushaltskonsum der Franzosen 1,8%. Eine Umfrage, die im Jahr 1999 von der Europäischen Kommission Eurobarometer durchgeführt wurde, kam zum Ergebnis, dass die Zufriedenheit insgesamt bei 78,2% der Bevölkerung liegt. Des Weiteren stellten sie fest, dass 62,2% ziemlich zufrieden und sogar 16% sehr zufrieden mit ihrem Gesundheitssystem waren.

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Internationale Gesundheitssysteme im Vergleich
Untertitel
Welchen wissenschaftlichen Beitrag kann ein Vergleich von verschiedenen Gesundheitswesen und –politik leisten?
Hochschule
Katholische Stiftungsfachhochschule München
Veranstaltung
Internationale Gesundheitssysteme im Vergleich
Note
1,4
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V148306
ISBN (eBook)
9783640600588
ISBN (Buch)
9783640600885
Dateigröße
944 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
1Einleitung 2Frankreich 2.1Entstehung 2.2Finanzierung 2.3Organisation 2.4Reform 2.5 Das französische Gesundheitswesen in Zahlen 3Deutschland 3.1Entstehung 3.2Organisation 3.3Finanzierung 3.4Reformen 3.5Das deutsche Gesundheitswesen in Zahlen 4Schweiz 4.1Entstehung 4.2Organisation 4.3Finanzierung 4.4Franchise 4.5Das schweizer Gesundheitswesen in Zahlen 5Der Vergleich 6Fazit 7Literaturliste
Schlagworte
Hausarbeit Gesundheitssysteme Deutschland Frankreich, Schweiz international deutsch Wissenschaft wissenschaftlich, Organisation Finanzierung Franchise, Abstract
Arbeit zitieren
Andreas Fraunhofer (Autor), 2009, Internationale Gesundheitssysteme im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148306

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