Forschungsprojekt zu 20 Jahren deutscher Einheit

Subjektive Unterscheidung Ost- und Westdeutscher nach 20 Jahren deutscher Einheit


Forschungsarbeit, 2010
35 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Abbildungsverzeichnis

2. Einleitung

3. Sozialwissenschaftlicher Forschungsstand

4. Operationalisierung/ Hypothesen
4.1. Hypothesen
4.2. Vorgehen

5. Zugang
5.1. Fragebogenkonstruktion
5.2. Pre-Test

6. Erhebung

7. Auswertung
7.1. Hypothese I
7.2. Hypothese II
7.3. Hypothese III

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

10. Anhang

1. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Nettoeinkommen privater Haushalte

Abbildung 2: Ergebnis der Korrelationsanalyse zum Zusammenhang von Einkommen und Einstellung der westdeutschen Befragten (grafisch)

Abbildung 3: Ergebnis der Korrelationsanalyse zum Zusammenhang von Einkommen und Einstellung der ostdeutschen Befragten (grafisch)

Abbildung 4: Einstellung Westdeutscher gegenüber Ostdeutschen

Abbildung 5: Einstellung Ostdeutscher gegenüber Westdeutschen (n=50; 1=keine Zustimmung, 6=sehr starke Zustimmung)

Abbildung 6: Ergebnis T-Test bei einer Stichprobe (Testwert war der Mittelwert der jeweils westdeutschen Probanden) (n=83)

Abbildung 7: Einstellung der westdeutschen Befragten nach Lebensalter

Abbildung 8: Einstellung der ostdeutschen Befragten nach Lebensalter

Abbildung 9: Ergebnis T-Test bei einer Stichprobe (Testwert war der Mittelwert der Altersgruppe 1) zur Einstellung von Westdeutschen gegenüber Ostdeutschen

Abbildung 10: Ergebnis T-Test bei einer Stichprobe (Testwert war der Mittelwert der Altersgruppe 2) zur Einstellung von Westdeutschen gegenüber Ostdeutschen

Abbildung 11: Ergebnis T-Test bei einer Stichprobe (Testwert war der Mittelwert der Altersgruppe 3) zur Einstellung von Westdeutschen gegenüber Ostdeutschen

Abbildung 12: Ergebnis T-Test bei einer Stichprobe (Testwert war der Mittelwert der Altersgruppe 1) zur Einstellung von Ostdeutschen gegenüber Westdeutschen

Abbildung 13: Ergebnis T-Test bei einer Stichprobe (Testwert war der Mittelwert der Altersgruppe 2) zur Einstellung von Ostdeutschen gegenüber Westdeutschen

Abbildung 14: Ergebnis T-Test bei einer Stichprobe (Testwert war der Mittelwert der Altersgruppe 3) zur Einstellung von Ostdeutschen gegenüber Westdeutschen

Abbildung 15: Ergebnis der Korrelationsanalyse zum Zusammenhang von Einkommen und Einstellung der westdeutschen Befragten

Abbildung 16: Ergebnis der Korrelationsanalyse zum Zusammenhang von Einkommen und Einstellung der ostdeutschen Befragten

Abbildung 17: für Item 16 „Wir sind alle Deutsche"

2.Einleitung

Christof Kaczmarkiewicz

Die offizielle Wiedervereinigung beider deutscher Staaten erfolgte am 09.10.1990. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Arbeit blicken die Bundesbürger auf rund 20 Jahre deutscher Einheit zurück. Eine in den Medien präsente Frage ist dennoch, ob sich eine Wiedervereinigung nicht nur auf staatlicher, sondern auch auf der persönlichen Ebene für jeden Bundesbürger vollzogen hat. Zur Illustration seien hierzu Auszüge aus Äußerungen von Persönlichkeiten des öffentlichen Interesses zu dieser Thematik aufgeführt.

Der ehemalige Regierende Bürgermeister Berlins Eberhard Diepgen ist der Ansicht, dass es in der Tat „eine Schere bei einer bestimmten Generation gibt, die zu den Verlierern der Vereinigung gehört" (I1), die innerdeutschen Unterschiede seien jedoch nicht mit denen anderer Länder, wie Spanien und Italien zu vergleichen (vgl. I1). Allerdings könne die „Sozialisation in einem totalitären System über Jahrzehnte nicht [...] wie [...] [ein] Regenmantel" (11) abgelegt werden. Für die nicht näher beschriebene „jüngere Generation" (ebd.) hingegen sieht Diepgen den Prozess des Zusammenwachsens als abgeschlossen an (vgl. I1). Der Politiker Gregor Gysi meint ebenso bei einigen Mitbürgern eine „gewisse Anti-Haltung, in Bezug auf Ostdeutsche beziehungsweise in Bezug auf Westdeutsche" (I1) feststellen zu können. Zusammenfassend sehen sowohl Diepgen, als auch Gysi auch nach 20 Jahren deutscher Einheit noch Unterschiede, zumindest auf der Ebene des einzelnen Bürgers, als gegeben an. Bereits im Jahr 1998 äußerte der damalige Bundespräsident Roman Herzog hingegen, dass der „viel benutzte Satz von den Mauern in den Köpfen [...] eine Erfindung von Professoren und Journalisten" (Thüringische Landeszeitung vom 19.10.1998 zitiert nach Freis/ Jopp 2001, S.213) sei. Es wird offenkundig, dass der Disput über die Vereinigung der Deutschen 20 Jahre nach der staatlichen Vereinigung durchaus nicht beendet ist. Vielmehr lassen sich grob zwei Denkrichtungen unterscheiden. Während die Anhänger der ersten subjektive Unterscheidungen und Vorurteile gegenüber der Bevölkerung der neuen, beziehungsweise alten Bundesländer, zumindest bei einem Teil der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland, als gegeben und dort reproduziert ansehen, sind die Vertreter der zweiten Denkrichtung der Ansicht, dass es sich vielmehr um einen „kalten Bürgerkrieg [handelt], für den die Feindbilder von medialen und professoralen Akteuren mittels subtiler Indoktrination geschaffen und gefestigt worden sind" (12) . Anders formuliert handelt es sich demnach um eine künstlich starke und aufgezwungene Unterscheidung, mit „Feindbildern" (ebd.) welche durch die Medien und andere Akteure produziert und reproduziert werden. Anders formuliert steht die Mauer in den Köpfen bei beiden Ansätzen demnach für „die Angst vor Veränderung, die Unsicherheit einer ungewissen Zukunft, den möglichen Verlust gewohnter Sicherheit, im Westen vor allem des vertrauten Wohlstandes“ (Lay/ Potting 1995, S.9).

Thema dieser Arbeit ist es, anhand der durch das Autorenteam erhobenen Daten, einen Beitrag zur wissenschaftlichen Beleuchtung der herrschenden Diskussion zu leisten. Leitend wird hierbei die Fragestellung sein:

Inwieweit gibt es noch eine bewusste Unterscheidung zwischen Ost- und Westdeutschen auf der Subjektebene, beziehungsweise eine Mauer in den Köpfen?

Hierbei wird die vorliegende Arbeit neben der Auswertung von eigenen Daten auf bereits in diesem Themengebiet durchgeführte wissenschaftliche Arbeiten Bezug nehmend vorgehen. Im nächsten Abschnitt dieser Arbeit wird daher ein verkürzter Überblick über das beforschte Feld anhand vorangegangener Arbeiten verschiedener Autoren gewährt. Von Interesse sind dabei insbesondere Erklärungsansätze im Zusammenhang mit der bewussten Abgrenzung von Ost-, beziehungsweise Westdeutschen, von der jeweils anderen Bevölkerungsgruppe sowie deren Ursachen. Nachfolgend erfolgt die Erläuterung des Vorgehens durch das Autorenteam in den Abschnitten drei und vier. Neben der Darstellung der Forschungshypothesen und deren kurzer Erläuterung werden die Autoren in Abschnitt fünf die Genese des Forschungsinstruments überblicksartig darstellen. Abschnitt sechs dient der Beschreibung der erhobenen Daten und der entsprechenden Stichprobe. Anschließend erfolgt eine Auswertung der Daten unter Bezugnahme auf die angeführte Forschungsfrage. Abschließend erfolgt eine kritische Diskussion der vorangegangenen Inhalte.

3. Sozialwissenschaftlicher Forschungsstand

Christof Kaczmarkiewicz

Ziel dieses Abschnittes ist es einen stark verkürzten Überblick über die bisher zu dem dieser Arbeit zu Grunde liegenden Thema zu gewähren. Hierzu werden zunächst drei Hypothesen vorgestellt, welche Erklärungsansätze für vermeintlich vorherrschende Differenzen der Bundesbürger auf der Einstellungsebene bieten.

In den Ausführungen anderer Autoren ist die Sichtweise zu finden, dass der „Vereinigung der Institutionen“ (Scheiner et al. 1999, S.5) nicht nur keine Vereinigung in den Köpfen folgte, vielmehr werde „von wachsenden Unterschieden, von immer stärkeren Abgrenzungen berichtet“ (ebd.). Eingedenk der euphorischen Szenen des Mauerfalls in Berlin, bei denen sich Ost- und Westdeutsche gleichermaßen fröhlich um die Hälse fielen, kann eine solche Entwicklung der Ereignisse, die von Rehberg als eine Blüte der „Abgrenzungsrethorik“ (Rehberg 2000, S.12) bezeichnet wurde, überraschen. Es besteht demnach Erklärungsbedarf hinsichtlich des Umstandes, wie vermeintlich zunehmende Unterschiede und sogar regelrechte Strategien der Abgrenzung sich Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung ausprägen konnten und können.

Durch Scheiner wurden zur Klärung dieses Sachverhaltes drei Hypothesen zusammengetragen. Vertreter der ersten Hypothese gehen davon aus, dass die unterschiedlichen Sozialisationen in den beiden deutschen Staaten eben dieses Phänomen hervorbrachten. Grob umrissen sind damit Bürger, welche eine Sozialisation in der ehemaligen DDR genossen haben „aufgrund der autoritären Prägung des DDR-Systems sozial und/ oder psychisch deformiert worden“ (Scheiner et al. 1999, S.7). In praktischer Konsequenz sieht diese Hypothese bei Ostdeutschen mit entsprechender Sozialisation eine obrigkeitskeitshörige und nicht demokratiefähige Grundhaltung als gegeben an (ebd.). Diesen Überlegungen folgend wäre eine Annäherung der Deutschen erst nach Jahrzehnten möglich, da erst die nachwachsenden Generationen in Ostdeutschland frei von der durch die DDR betriebenen Sozialisation sind. Scheiner selbst merkt an, das diese Hypothese erstens nicht in der Lage ist die raschen Einstellungsveränderungen bei den Ostdeutschen nach der Wiedervereinigung zu erklären und zweitens die Tatsache übergeht, dass hauptsächlich von der Bevölkerung ausgehende Impulse das Ende der DDR einläuteten.

Der zweite Erklärungsversuch geht davon aus, dass sich bestimmte Normen und Wertvorstellungen quasi subkutan auch durch die Zeit der innerdeutschen Trennung erhalten haben und nicht durch wenige Jahrzehnte hätten geändert werden können (vgl. Scheiner et al. 1999, S.8 f.). Eine Beeinflussung/ Indoktrination der Bürger der ehemaligen DDR wäre demnach lediglich oberflächlich gewesen und aufgrund von fehlender innerer Überzeugung ohne Langzeitwirkung. In der Konsequenz gehen Vertreter dieser Hypothese somit davon aus, dass eine innere Einheit der Deutschen bereits besteht und eine Debatte demnach haltlos wäre (ebd.).

Die dritte durch Scheiner angeführte Hypothese bietet aus Sicht der Autoren das größte Erklärungspotenzial für das geschilderte Phänomen. Ihre Vertreter gehen davon aus, dass sich die anfängliche Akzeptanz der Werte der Bundesrepublik Deutschland durch Erfahrungen mit den Vertretern des akzeptierten Systems wandelte. Gleiches gilt im Umkehrschluss auch für die Bürger der alten Bundesländer. Darüberhinaus seien die Ostdeutschen von Westdeutschen mit dem Staatssystem der DDR und anderen negativ behafteten Elementen der DDR in direkte Verbindung gebracht worden. Dies wiederum führte dazu, dass sich die „Ostdeutschen [...] als Gruppe abgewertet und abgelehnt“ (Scheiner et al. 1999, S.10) fühlten. In Konsequenz dieser Entwicklungen versuchten die Ostdeutschen die selbst erfahrene Abwertung durch die Abwertung des neuen, westdeutschen Systems auszugleichen [siehe auch Freis/ Jopp 2001, S.264 f.]. (vgl. Scheiner et al. 1999, S.9 ff.)

Dieser These folgend ist eine Annäherung zwischen Ost- und Westdeutschen lediglich an einen Prozess der Normalisierung gebunden, in welchem keine der beiden Seiten die Andersartigkeit der jeweils anderen betont und somit keine Abgrenzungsmechanismen erforderlich macht.

Implizit setzt die letztgenannte Hypothese das Vorhandensein differierender Sozialisationen voraus, da ansonsten eine Enttäuschung von Erwartungen an das neue Leben nicht in dem erforderlichen Maße möglich gewesen wäre. Scheiner moniert, dass bislang erfolgte Forschungsarbeiten sich bei Erklärungsversuchen auf die ostdeutsche Bevölkerung konzentrieren, obwohl auch im Westen entsprechende Abgrenzungsstrategien vorhanden seien (vgl. Scheiner et al. 1999, S.13). Als weiterer für diese Arbeit wichtiger Aspekt ist in diesem Zusammenhang auch die Rolle der Medien zu sehen. Hierbei muss im Speziellen der These der mediengesteuerten Vorurteilsproduktion und -verbreitung Aufmerksamkeit gewidmet werden. Dieses taten im Vorfeld bereits Freis und Jopp und kamen zu dem Schluss, dass Medien nicht nur Informationen transportieren, sondern auch Deutungen, Werte sowie entsprechende Sichtweisen der Welt (vgl. Freis/ Jopp 2001, S.215f.). Demnach verbreiten Medien nicht ausschließlich Informationen, sie liefern vielmehr „eine spezifische und vorinterpretierte Form [...] von sozialen Wirklichkeiten“ (Freis/ Jopp 2001, S.215). So kamen die Freis und Jopp zu dem Schluss, dass in der Tat die Möglichkeiten einer Beeinflussung im Besonderen der Einstellungsebene durch die Medien als gegeben anzusehen ist (vgl. Freis/ Jopp 2001, S.215f.).

Zusammenfassend ist festzustellen, dass nur zwei Hypothesen von einer Differenz der Deutschen in den neuen und alten Bundesländern ausgehen auf der Subjektebene ausgehen. Wobei in der Hypothese der unterschiedlichen Sozialisationen die Rolle der Medien als zu vernachlässigender Faktor zu bewerten ist, da sie die Gründe für eventuell herrschende Differenzen, beziehungsweise deren Betonung nicht in aktuellen Ereignissen sucht. Als weitaus größer ist dagegen die potenzielle Rolle der Medien in der dritten Hypothese zu bewerten, da sie wie ausgeführt von einer Wechselwirkung der Abgrenzungsstrategien ausgeht. Scheiner kommt nach einer auf Berlin fokussierten wissenschaftlichen Arbeit zu dem Schluss, dass sich unterschiedliche Sozialisationen in der alltäglichen Kontaktaufnahme durchaus als hinderlich und blockierend auswirken können, jedoch spielen auch persönliche Erfahrungen eine wesentliche Rolle. Ferner stellen sich die Konflikte zwischen Ost- und Westdeutschen seiner Ansicht nach oft als Verteilungskonflikte dar. Als Schlüsselelement in der Überwindung der geistigen Trennung benennt er die Gruppe der „Grenzüberschreiter... [denen] eine Pionierfunktion bei der sozialräumlichen Integration“ (Scheiner et al. 1999, S.248) zukomme. (vgl. Scheiner et al. 1999, S.245ff.)

Andere Autoren kamen ebenfalls zu dem Schluss, dass sich zwischen Ost- und Westdeutschen „habituelle und kognitive, eben kulturelle Differenzen“ (Rehberg 2000, S.18) feststellen lassen, jedoch stellt sich hier die Frage, warum und von wem diese Differenzen insbesondere betont werden. Als Konsequenz aus den dargestellten vorangegangenen Arbeiten wurde für die vorliegende Arbeit daher die Untersuchung der Einstellungen von Ost- und Westdeutschen als Kernaufgabe identifiziert. Hierbei wurde insbesondere das Element der Sozialisation fokussiert, welches wie dargestellt in vorangegangenen Theorien als eine der Hauptursachen der Mauer in den Köpfen thematisiert wurde.

[...]

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Forschungsprojekt zu 20 Jahren deutscher Einheit
Untertitel
Subjektive Unterscheidung Ost- und Westdeutscher nach 20 Jahren deutscher Einheit
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,0
Autoren
Jahr
2010
Seiten
35
Katalognummer
V148428
ISBN (eBook)
9783640592494
ISBN (Buch)
9783640592319
Dateigröße
723 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ostdeutschland, Westdeutschland, Unterschiede, Mauer, Forschungsarbeit, deutsche Einheit, Subjektebene, Einstellungen, Vorurteile, quantitative Erhebung
Arbeit zitieren
Christof Kaczmarkiewicz (Autor)Barth Robert (Autor), 2010, Forschungsprojekt zu 20 Jahren deutscher Einheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148428

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