Im Kaukasus kreuzen sich die Interessen Russlands und Irans schon seit mehreren Jahrhunderten. Hauptinteresse beider Staaten waren schon immer die Grenzgebiete in der Region. Schon im 17. Jahrhundert war das Gebiet von territorialen Auseinandersetzungen geprägt und die Staatsgrenzen waren häufigen Veränderungen unterlegen. Um den Rahmen dieser Arbeit allerdings nicht zu sprengen, werde ich mich auf einen ausgewählten Zeitraum beschränken, um die Beziehungen der beiden Länder darzustellen. Als Ausgangspunkt habe ich das Ende des Zweiten Weltkrieges und den Beginn des Ost-West-Konfliktes gewählt, da sich ab diesem Zeitpunkt die Entwicklung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern am besten skizzieren lässt und sich auch ein starker Wandel vollzogen hat. Im Anschluss gilt es, die Interessen Russlands im Iran aufzuzeigen; sowohl die politischen, als auch die wirtschaftlichen. Da das russisch-iranische Atomprogramm eine der wichtigsten Zusammenarbeiten beider Länder darstellt, werde ich den Schwerpunkt meiner Arbeit auf dieses und dessen Entwicklung legen und den Verlauf des international geführten Streites skizzieren. Hierbei gehe ich insbesondere auf die Rolle Russlands als Vermittler und dessen Interessen ein. Vorab werden noch mögliche Motive Irans aufgezeigt, die Gründe für dessen Streben nach Kernenergie sein könnten. Ebenso werde ich auf die Entwicklung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern eingehen, die sich aufgrund Irans Atomprogramm abzeichnet. In Anbetracht der Entwicklungen aufgrund er internationalen Debatte um das iranische Atomprogramm, ist das Verhältnis Russlands zum Iran von Interesse und es soll abschließend geklärt werden, ob dieser Streit auch Auswirkungen auf die Beziehungen hat und ob es zu einer erneuten Abkühlung oder gar zu einem Abbruch dieser kommen könnte.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. HISTORISCHE ENTWICKLUNG DER BEZIEHUNGEN
2.1 VON 1945 BIS 1989
2.2 VON 1990 BIS 2004
2.3 SEIT 2005
3. RUSSLANDS INTERESSEN IM IRAN
4. DAS IRANISCHE ATOMPROGRAMM
4.1 IRANS MOTIVE
4.2 ANFÄNGE UND VERLAUF DES ATOMSTREITS
4.3 RUSSLANDS INTERESSEN UND DESSEN ROLLE ALS VERMITTLER
5. FAZIT
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Hausarbeit untersucht die Entwicklung der russisch-iranischen Beziehungen seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges bis ins Jahr 2010. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob und wie der eskalierende internationale Streit um das iranische Atomprogramm das bilaterale Verhältnis zwischen Moskau und Teheran belastet und zu einer möglichen Abkühlung der Beziehungen führt.
- Historische Phasen der russisch-iranischen Beziehungen seit 1945
- Analyse der russischen politischen und wirtschaftlichen Interessen im Iran
- Untersuchung der Motive Irans für die Nutzung von Kernenergie
- Verlauf und Dynamik des internationalen Atomstreits
- Die Vermittlerrolle Russlands und dessen geopolitische Strategie
Auszug aus dem Buch
4.2 Anfänge und Verlauf des Atomstreits
1995 hat sich Russland vertraglich dazu bereit erklärt, das Kernkraftwerk in Bushehr fertig zustellen und am Aufbau eines Atomprogramms für zivile Nutzung mitzuarbeiten. Die Fertigstellung verzögerte sich um mehrere Jahre und wurde 2009 bekannt gegeben. Für Russland sollte diese Zusammenarbeit eine Stärkung der Beziehungen bringen, vor allem in wirtschaftlichen Bereichen, und zudem auch Arbeitsplätze schaffen. Der Bau wurde bereits in den 1970er Jahren von Siemens, einer deutschen Firma, begonnen, durch die Revolution 1979 allerdings vorübergehend eingestellt. Das neue Regime unter Khomeini äußerte zwar, dass es aus ethischen Gründen Massenvernichtungswaffen ablehne und auch der Nukleartechnologie skeptisch gegenüberstand, aber der Westen traute diesen Bekundungen nicht und zog sich aus dem Projekt zurück.
Durch die Erfahrungen im Irak-Iran-Krieg geprägt, nahm Iran Mitte der 1980er Jahre das Atomprogramm wieder auf. Außerhalb der vom Iran angegebenen zivilen Nutzungsabsichten, soll angeblich auch ein Interesse an einer militärischen Nutzung bestehen. So soll sich der Iran um die Anschaffung von Geräten und Technologien bemüht haben, die dafür notwenig sind, einen nuklearen Brennstoffkreislauf aufzubauen. Laut Atomwaffensperrvertrag, dem auch der Iran beigetreten ist, müssen solche Anschaffungen der IAEA gemeldet werden, was der Iran allerdings versäumte. Ein möglicher Grund, warum Russland sich an diesem Programm beteiligt hat, ist, dass es Bushehr als „Vorzeigeprojekt“ nutzen wollte, um auch andere Länder der Region von den technologischen Fähigkeiten zu überzeugen und somit weitere Aufträge zu bekommen. Auch aus finanzieller Sicht lieferte es einen Anreiz, es soll Russland zwischen 800 Millionen und 1 Milliarde Dollar einbringen. Geld, das Russland zu dieser Zeit gut gebrauchen konnte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung steckt den untersuchten Zeitraum ab und definiert die zentrale Fragestellung bezüglich der Auswirkungen des iranischen Atomprogramms auf die bilateralen Beziehungen.
2. HISTORISCHE ENTWICKLUNG DER BEZIEHUNGEN: Dieses Kapitel zeichnet die wechselvolle Geschichte der russisch-iranischen Kooperation von der Nachkriegszeit bis 2005 nach, geprägt durch geopolitische Spannungen und ideologische Wandel.
3. RUSSLANDS INTERESSEN IM IRAN: Hier werden die strategischen, sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Motive Russlands analysiert, die eine Partnerschaft mit dem Iran für Moskau trotz globaler Herausforderungen attraktiv machen.
4. DAS IRANISCHE ATOMPROGRAMM: Dieser Abschnitt untersucht die Hintergründe der iranischen Kernenergiepläne, den chronologischen Verlauf des internationalen Konflikts sowie die ambivalente Rolle Russlands als Vermittler zwischen Iran und der Weltgemeinschaft.
5. FAZIT: Das Fazit bewertet den aktuellen Stand der bilateralen Beziehungen vor dem Hintergrund der anhaltenden Sanktionen und prognostiziert die zukünftige Stabilität der russisch-iranischen Partnerschaft.
Schlüsselwörter
Russland, Iran, Atomprogramm, Außenpolitik, Kaukasusregion, internationale Beziehungen, Nichtverbreitungsvertrag, Sanktionen, Geopolitik, Energiesektor, Vermittlung, Kernenergie, Diplomatie, Handelsbeziehungen, Nationale Sicherheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die russisch-iranischen Beziehungen unter besonderer Berücksichtigung des Streits um das iranische Atomprogramm und dessen Einfluss auf das bilaterale Verhältnis.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die historische Entwicklung, russische geopolitische Interessen, iranische Motive zur Kernenergienutzung und der Verlauf des internationalen Atomstreits.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist zu klären, ob der Atomstreit zu einer dauerhaften Abkühlung oder gar einem Abbruch der Beziehungen zwischen Moskau und Teheran führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer qualitativen Analyse politikwissenschaftlicher Literatur, offizieller Berichte und aktueller Dokumente zur russischen Außenpolitik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, eine Untersuchung russischer Interessen und eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem Atomkonflikt sowie der Vermittlerrolle Russlands.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere Geopolitik, Atomwaffensperrvertrag, Energiesicherheit und die strategische Partnerschaft im Kaukasusraum.
Warum spielt das Atomkraftwerk Bushehr eine so große Rolle für die Beziehungen?
Bushehr fungiert als zentrales Kooperationsprojekt, das sowohl wirtschaftliche Anreize für Russland bietet als auch als symbolisches „Vorzeigeprojekt“ für die technologische Zusammenarbeit dient.
Welche Rolle spielt die internationale Isolation Irans in diesem Kontext?
Die Isolation des Irans verstärkt seine Abhängigkeit von Partnern wie Russland, was Moskau wiederum einen gewissen geopolitischen Spielraum als Vermittler in der internationalen Staatengemeinschaft eröffnet.
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- Friederike Wagner (Author), 2010, Russlands Beziehungen zum Iran, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148507