Eine Bearbeitung über den Masochismus in der Literatur

Anhand zweierlei Beispiele Klaus Manns „Mephisto. Roman einer Karriere“ und „Venus im Pelz“ von Leopold von Sacher-Masoch


Seminararbeit, 2008

20 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Physiognomie
2.1.1. Juliette Martens, die Schwarze Venus
2.1.2. Wanda von Dunajew, die Venus im Pelz
2.2. Die literarische Verarbeitung des Masochismus

3. Fazit

4. Quellen- und Literaturverzeichnis
4.1. Quellenverzeichnis
4.2. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die folgende Arbeit wird sich kritisch mit dem Masochismus in der Literatur auseinandersetzen. Sie soll aufdecken, dass das allgemeine, teils laienhafte Verständnis von Masochismus nicht ausreicht, um diesen in seiner vollen Ausprägung zu verstehen.[1] Dabei werden die Romane „Mephisto. Roman einer Karriere“ von Klaus Mann, sowie „Venus im Pelz“ von Leopold von Sacher-Masoch im Hinblick auf die literarische Verarbeitung des Masochismus miteinander verglichen.

Während Leopold von Sacher-Masoch, durch die Inhalte seiner Romane zum Namensgeber des Masochismus avancierte halten eine Vielzahl von Literaturwissenschaftlern das in Klaus Manns Roman beschriebene masochistische Verhältnis zwischen Hendrik Höfgen und Juliette Martens nicht einmal für erwähnenswert.[2] Bezeichnend ist hierbei, dass nahezu die gesamte Sekundärliteratur, die „Mephisto. Roman einer Karriere“ als Schlüsselroman und den Protagonisten als Schlüsselfigur ausmachen will, davon auszugehen scheint, dass der Masochismus nur stellvertretend für die Homosexualität Gustav Gründgens steht.[3] Die folgende Arbeit wird sich jedoch von der Schlüsselromanproblematik lösen. Dabei soll davon ausgegangen werden, dass beide Autoren gezielt den Masochismus eingesetzt haben um den Inhalt ihres Werkes hervorzuheben. Während der Roman Masochs auf autobiographischen Erlebnissen basiert und unverhüllt aber diskret die Form eines masochistisches Verhältnisses dem Leser näher zu bringen versucht, nutzt Klaus Mann dieses Verhältnis, um dem Charakter seines Protagonisten eine besondere Note zu verleihen und seinem Handeln eine mögliche Erklärung beizufügen.

Des weiteren wird sich diese Arbeit mit der Frage beschäftigen, ob davon auszugehen ist, dass Klaus Mann Kenntnis über den Roman Masochs besaß und die masochistischen Szenen in der „Venus im Pelz“ als Vorlage für die Beziehung zwischen Hendrik Höfgen und Juliette Martens diente. Im Klartext soll also geklärt werden, ob Parallelen zwischen den beiden Romanen zu finden sind.

Zum Thema hinführend folgt zunächst eine Beschreibung der Physiognomie der Despotinen beider Romane Juliette Martens als Schwarze Venus und Wanda von Dunajew als Venus im Pelz. An dieser Stelle wird absichtlich auf die Beschreibung der Physiognomie der Protagonisten Hendrik Höfgen und Severin von Kusiemski verzichtet, da diese für die Auseinandersetzung mit dem Masochismus unerheblich ist. Anders verhält es sich mit den Despotinen, ihr Auftreten ist für den Masochismus von wesentlicher Bedeutung. Auch der Terminus des Fetischismus spielt für den Masochismus eine wesentliche Rolle. So heißt es laut Gilles Deleuze sogar es gibt „keinen Masochismus ohne Fetischismus“[4] .

In der darauf aufbauenden Auseinandersetzung mit dem Masochismus anhand der ausgewählten Romane soll dargelegt werden, wie diese Grundperversion literarisch umgesetzt wird. Dort werden die markanten Textpassagen beider Romane miteinander Verglichen und in den Kontext mit verschiedenen Sekundärliteraturen gestellt. Dabei sollen die einleitend aufgeworfenen Fragen beantwortet werden. Der Leser soll darüber hinaus dafür sensibilisiert werden, sich beim Lesen nicht von der eigenen subjektiven Vorstellung leiten zu lassen, sondern Fragen, die sich bei der Rezeption einer Lektüre stellen, kritisch zu hinterfragen.

2. Hauptteil

2.1. Physiognomie

Die Physiognomie der beiden Despotinen darzustellen, ist von wesentlicher Bedeutung um den Masochismus zu beschreiben. Darüber hinaus wird eine Beschreibung der beiden Frauen aufzeigen, dass sie gewisse Ähnlichkeiten miteinander verbinden. Ob diese Ähnlichkeiten nur daraus resultieren, weil sie der austeilende Part in einer masochistischen Beziehung sind und die Phantasien ihrer „Opfer“ bedienen sollen, oder ob möglicherweise davon auszugehen ist, dass Klaus Mann die masochistische Beziehung zwischen Hendrik Höfgen und Juliette Martens an der von Leopold von Sacher-Masoch beschriebenen Beziehung zwischen Severin von Kusiemski und Wanda von Dunajew angelehnt hat soll im Nachhinein näher beleuchtet werden.

2.1.1. Juliette Martens, die Schwarze Venus

Juliette Martens ist eine dunkelhäutige Frau, die der Protagonist Hendrik Höfgen, welcher zu ihr eine heimliche Liebschaft pflegt, immer liebevoll als seine Schwarze Venus bezeichnet. Diese Namensgebung ist ein Teil des masochistischen Spiels, die Namen helfen den beiden Teilen dieser Beziehung in ihre jeweilige Rolle zu schlüpfen. So trägt auch Hendrik einen speziellen Namen, den nur Juliette verwenden darf, der ihm allerdings nicht fremd ist. Sie nennt ihn Heinz. Dies ist sein verhasster Geburtsname, den er ablegte, weil er glaubte mit einem Namen wie Hendrik erfolgreicher zu werden.[5]

Das afrikanische erbte sie von ihrer Mutter, denn ihr Vater war deutscher Herkunft.[6] Sie selbst sah sich stets als Deutsche, trotzdem sie ihre afrikanischen Wurzeln nie recht verschweigen konnte, da sich die dunkle Hautfarbe stärker durchgesetzt hatte. Um ihre deutschen Wurzeln hervorzuheben, verwendet sie auffällig starkes Make up. So versucht sie vergeblich ihre Wangenknochen mit Rouge zu kaschieren, daneben rasiert sie ihre Augenbrauen ab, ersetzt sie durch einen dünnen Kohlestrich und trägt unechte Wimpern um ihre eigenen künstlich zu verlängern. Markanter ist jedoch ihre Mundpartie mit den wulstigen Lippen und den strahlend weißen Zähne, die einen starken Kontrast zu ihrem dunklen Teint bilden. Ihre bestechenden Augen und die blitzenden Zähne beherrschen ihr Gesicht und so wirkt ihr Gesicht barbarisch und erinnert an das einer Urwaldgottheit. Lutz Winkler findet folgende Worte für sie: „dämonische Frau“ und „verfluchte Schönheit“.[7] Doch auch im Bezug auf ihr Haar wird deutlich, dass sie darum bemüht ist sich dem europäischen Aussehen anzupassen.[8] Sie trägt ihr Haar geglättet und in eine matte blonde Färbung getaucht. Um den Schein zu wahren behauptet sie immer wieder diese seien ihr von ihrem Vater vererbt worden.[9]

Bei Juliettes Treffen mit ihrem „Schüler“ Hendrik, den nur sie mit seinem abgelegten Namen Heinz anreden darf, da dies einen Teil des masochistischen Spiels darstellt, trägt sie stets grüne Schaftstiefel aus Lackleder, ein kurzes graues Pelzjäckchen, sowie die rote geflochtene Reitpeitsche, ein Geschenk ihres „Schülers“.[10]

Juliette wird während des gesamten Romans als eine Art Schattenfigur dargestellt. Sie befindet sich ausschließlich in dunklen Räumen[11] und auch Hendrik scheint darum bemüht dies beizubehalten.[12] Eine mögliche Interpretation dieses Umstandes könnte sein, dass der private Raum so weit wie möglich eingegrenzt werden soll um die Art ihrer Rendezvous nicht an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen.

Die Figur Juliette unterliegt im Laufe des Romans einem starken Wandel. Dieser wird an ihrem zunächst müden[13] und später zärtlich-höhnischem[14] Lächeln, was mehr und mehr zu einem grollenden Kichern[15] und später sogar zu einem höhnischen[16], gellenden[17] Lachen wird, verdeutlicht. Das Lachen überspielt ihre Unsicherheit und Angst, denn es tritt auf, als Hendrik ihr begreiflich machen will das sie nach Paris auswandern soll und es hält solange an, bis ihr bewusst wird, dass die Beziehung zu Hendrik beendet ist.

Auch ihre Kleidung passt sich ihrem jeweiligen Gemütszustand an. Als sie sich mit Hendrik in einem Café trifft ist sie sich bewusst, dass er mit ihr brechen will. Sie trägt weder Stiefel noch Pelzjäckchen sondern nur ein schlichtes graues Kleid.[18] Lediglich bei einem verzweifelten Versuch Hendrik zurückzuerobern trägt sie ein letztes mal das Outfit, welches ihn immer wieder veranlasste zu ihr zurückzukehren.[19]

2.1.2. Wanda von Dunajew, die Venus im Pelz

Wanda von Dunajew wird erst im Laufe des Romans zu der Venus im Pelz. Zunächst wird sie als weiße Frau beschrieben.[20] Zu Beginn der Erzählung ist die junge Frau, die höchstens 24 Jahre[21] ist und aus Lwow stammt[22], in weiße Gewänder gehüllt[23]. Das Weiß ihrer Kleidung symbolisiert ihre Reinheit und sie wird darüber hinaus mit einer antiken griechischen Venus verglichen, wobei ihr durch den Protagonisten ein Platz im Olymp zugewiesen wird.[24] Diesem griechischen Typ Frau wird im Masochismus noch eine weitere Bedeutung zugemessen. Sie strebt nach Gleichberechtigung und Unabhängigkeit. Bedient also das heutige und gleichzeitig antike Frauenbild.

[...]


[1] Diese Unwissenheit zeigt sich schon allein darin, dass der Masochismus in einer Vielzahl von Sekundärliteraturen mit dem Sadomasochismus gleichgesetzt oder gar verwechselt wird. Beispiele finden sich u. a. bei: Winckler, Lutz: Klaus Mann: Mephisto. Schlüsselroman und Gesellschaftssatire. In: Stalin und die Intellektuellen und andere Themen. Hrsg. Von Thomas Koebner. München 1983, S. 333.;

Kroll, Fredric (Hrsg.): Klaus-Mann-Schriftreihe Bd.4. 1933-1937. Repräsentanten des Exils. Teilband 2. 1935-1937. Im Zeichen der Volksfront. Hamburg 2006, S. 693.

[2] Maltzan, Carlotta von: Masochismus und Macht. Eine kritische Untersuchung am Beispiel von Klaus Manns „Mephisto. Roman einer Karriere“. Stuttgart 2001, S. 29.

[3] Maltzan, S. 30.

Beispiele für Sekundärliteratur sind Carl Andriessen, Silvia Bovenschen und Reich-Ranicki. In: Maltzan, S. 31.; Lutz Winkler In: Winckler, S. 333f.

[4] Deleuze, Gilles: Sacher-Masoch und der Masochismus. In: Sacher-Masoch, Leopold von: Venus im Pelz. Mit einer Studie über den Masochismus von Gilles Deleuze. Frankfurt am Main 1968, S. 187.

[5] Mann, Klaus: Mephisto. Roman einer Karriere. Hamburg 2007, S. 68.

[6] Mann, S. 70.

[7] Winckler, S. 331.

[8] Mann, S. 71.

[9] So zum Beispiel bei Mann, S. 71, 283.

[10] Mann, S. 74.

[11] Mann, S. 67, 73, 78, 156, 286.

[12] „Mache das grelle Licht aus“ bat Hendrik In: Mann, S. 78.

[13] Mann, S. 75.

[14] Mann, S. 81.

[15] Mann, S. 205.

[16] Mann, S. 283.

[17] Mann, S. 285.

[18] Mann, S. 282.

[19] Mann, S. 285.

[20] Sacher-Masoch, Leopold von: Venus im Pelz. Mit einer Studie über den Masochismus von Gilles Deleuze. Frankfurt am Main 1968, S. 22.

[21] Sacher-Masoch, S.19.

[22] Sacher-Masoch, S.18.

[23] Sacher-Masoch, u. a. S. 19, 22, 23.

[24] Sacher-Masoch, S. 26.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Eine Bearbeitung über den Masochismus in der Literatur
Untertitel
Anhand zweierlei Beispiele Klaus Manns „Mephisto. Roman einer Karriere“ und „Venus im Pelz“ von Leopold von Sacher-Masoch
Hochschule
Universität Rostock  (Philosophische Fakultät, Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Klaus Mann „Mephisto“- Karriere eines Romans
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
20
Katalognummer
V148567
ISBN (eBook)
9783640592579
ISBN (Buch)
9783640592111
Dateigröße
550 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eine, Bearbeitung, Masochismus, Literatur, Anhand, Beispiele, Klaus, Manns, Roman, Karriere“, Pelz“, Leopold, Sacher-Masoch
Arbeit zitieren
Caroline Weißert (Autor), 2008, Eine Bearbeitung über den Masochismus in der Literatur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148567

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