Über Hannibal, den berühmten Feldherrn des Zweiten Punischen Krieges, ist vieles bekannt: seine abenteuerliche Überquerung der Pyrenäen und Alpen mit Kriegselefanten und sein Vormarsch auf Rom gehören zum Allgemeinwissen. Doch was für eine Persönlichkeit hatte dieser Mann? Für welche Charaktereigenschaften war er in der Antike bekannt? Ziel dieser Hausarbeit ist es, auf Grundlage des Geschichtswerkes von Polybios ein möglichst umfassendes Bild über „Hannibal als Persönlichkeit“ abzugeben. Ergänzend hierzu werden Informationen aus der Kurzbiographie des Cornelius Nepos herangezogen, sowie einiges an Sekundärliteratur. Außerdem wird die Glaubwürdigkeit und Objektivität bei Polybios untersucht, sowie kurz auf die Unterschiede in der Geschichtsschreibung in römischen und nicht-römischen Quellen und deren Gründe eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Historiker Polybios und sein Geschichtswerk
3. Herkunft und Biographie Hannibals
4. Hannibal bei Polybios - XI 19 und IX 22 - 26
4.1 - XI 19 - Hannibals Fähigkeiten als Feldherr und die Frage nach dem Grund seines Scheiterns
4.1.1 Ausführungen zu XI 19
4.1.2 Anmerkungen zu XI 19: Hannibals Bildung
4.2 - IX 22 und IX 23 – Äußere Umstände und das Wirken von Freunden/Beratern als Faktoren der Beeinflussung menschlichen Handelns
4.3 - IX 24 - Über den Vorwurf der Grausamkeit – Beeinflussung durch Freunde/ Berater
4.3.1 Ausführungen zu IX 24
4.4 - IX 25 - Über den Vorwurf der Geldgier
4.4.1 Ausführungen zu IX 25
4.5 - IX 26 - Über den Vorwurf der Grausamkeit und Treulosigkeit – Beeinflussung durch äußere Umstände
4.5.1 Ausführungen zu IX 26
5. Objektivität und Glaubwürdigkeit bei Polybios
5.1 Datierung und Überlieferung des Berichteten
5.2 Objektivität in Polybios’ Beschreibungen über Hannibal
5.3 Schwachstellen in der Glaubwürdigkeit in Polybios’ Hannibalbeschreibung
6. Unterschiede in römischen und nicht-römischen Quellen
6.1 Römische Vorurteile und große Zeitabstände in der Überlieferung
6.2 Unterschiedliche Arten von Geschichtsschreibung am Beispiel Polybios - Livius
7. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, auf Grundlage des Geschichtswerks von Polybios ein umfassendes Bild von "Hannibal als Persönlichkeit" zu zeichnen. Dabei steht die Analyse von Hannibals Charakter, seinen militärischen Fähigkeiten und den gegen ihn erhobenen Vorwürfen der Grausamkeit, Geldgier und Treulosigkeit im Zentrum der wissenschaftlichen Untersuchung.
- Charakteranalyse Hannibals anhand der Aufzeichnungen von Polybios.
- Untersuchung der Glaubwürdigkeit und Objektivität antiker Geschichtsschreibung.
- Vergleich zwischen römischen und nicht-römischen Quellen zur Person Hannibal.
- Reflektion über den Einfluss von externen Faktoren wie Beratern und äußeren Umständen auf das Handeln historischer Akteure.
- Einordnung Hannibals als Feldherr und Politiker unter Berücksichtigung von Cornelius Nepos und Sekundärliteratur.
Auszug aus dem Buch
4.1 - XI 19 - Hannibals Fähigkeiten als Feldherr und die Frage nach dem Grund seines Scheiterns
In Buch XI, Kapitel 19 beurteilt Polybios Hannibals Fähigkeiten als Feldherr und würdigt diese in hohem Maße. Er bezeichnet ihn als „Feldherrngenie“, der große Tapferkeit und ausgezeichnete taktische Fähigkeiten besitzt. Er beschreibt ihn als sehr guten Anführer und bewundert, dass es ihm gelungen ist, sechzehn bzw. siebzehn Jahre lang ununterbrochen unter Bewältigung aller Schwierigkeiten gegen die Römer zu kämpfen. So habe er in diesem Krieg „Einzelgefechte wie die großen Schlachten, die Belagerung von Städten, ihren Parteiwechsel und all die Schwierigkeiten und Gefahren, mit denen er zu kämpfen hatte“ bewältigt, ohne Truppen von der Front zurückziehen zu können. Außerdem sei es in den ganzen Jahren unter den Truppen nie zu einer Meuterei gegen Hannibal gekommen. Ihm sei es gelungen ein Heer von verschiedenstämmigen Männern mit unterschiedlichen Sprachen, Sitten und Gebräuchen, derart zu vereinen, dass sie untereinander zurechtkamen und Hannibal als Feldherren in allen Situationen und auch unter den widrigsten Umständen gefolgt sind.
Polybios begründet dies mit der „geistige[n] Überlegenheit ihres Führers“. Polybios vertritt die Ansicht, dass Hannibal durch seine beeindruckenden Fähigkeiten in der Lage gewesen wäre, die Römer endgültig zu besiegen, wenn er zuerst andere Völker unterworfen und sich zuletzt gegen das mächtigste Reich gerichtet hätte: „Nun aber, da er sich zuerst gegen die wandte, die er sich für zuletzt hätte aufsparen sollen, mußte seine Laufbahn hier wie ihren Anfang nehmen, so ihr Ende finden“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Themas und der Forschungsabsicht, ein möglichst umfassendes Bild von Hannibal als Persönlichkeit zu erstellen.
2. Der Historiker Polybios und sein Geschichtswerk: Biographische Einordnung von Polybios und Darstellung seines Ziels, den Aufstieg Roms zur Weltherrschaft zu erklären.
3. Herkunft und Biographie Hannibals: Überblick über das Leben Hannibals von seiner Geburt bis zu seinem Tod im Exil.
4. Hannibal bei Polybios - XI 19 und IX 22 - 26: Detaillierte Analyse von Polybios’ Beurteilung zu Hannibals Feldherrnkunst, dessen Charaktereigenschaften und der Verteidigung gegen diverse Vorwürfe.
5. Objektivität und Glaubwürdigkeit bei Polybios: Untersuchung der methodischen Arbeitsweise des Polybios und der Zuverlässigkeit seiner Überlieferungen.
6. Unterschiede in römischen und nicht-römischen Quellen: Vergleich der divergierenden Darstellungen von Hannibal in verschiedenen antiken Geschichtswerken, insbesondere im Hinblick auf römische Vorurteile.
7. Schluss: Zusammenfassende Einschätzung, dass eine eindeutige Charakterzeichnung Hannibals aufgrund bruchstückhafter und parteiischer Quellen schwierig bleibt.
Schlüsselwörter
Hannibal, Polybios, Zweiter Punischer Krieg, Feldherr, Charakterstudie, Grausamkeit, Geldgier, Treulosigkeit, Römische Geschichtsschreibung, Antike, Cornelius Nepos, Quellenkritik, Objektivität, Historische Analyse, Römerhass.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Persönlichkeit des karthagischen Feldherrn Hannibal auf Basis der Schriften des antiken Historikers Polybios.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die militärischen Fähigkeiten Hannibals, die gegen ihn gerichteten Vorwürfe in der Geschichtsschreibung sowie die Glaubwürdigkeit antiker Quellen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein umfassendes Bild von Hannibal als Persönlichkeit zu gewinnen und zu prüfen, inwieweit die Charakterisierungen durch Polybios als objektiv bewertet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer quellenkritischen Analyse des Geschichtswerks von Polybios, ergänzt durch Vergleiche mit Cornelius Nepos und moderner Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Hannibals militärischen Stärken, die Analyse seiner angeblichen Charakterschwächen sowie eine Reflexion über römische Vorurteile in der antiken Historiographie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Hannibal, Polybios, Quellenkritik, Charakterstudie, Grausamkeit, Treulosigkeit und das römische Geschichtsbild.
Wie bewertet Polybios Hannibals Feldherrnkunst?
Polybios zollt Hannibals Fähigkeiten als Feldherrngenie großen Respekt, insbesondere aufgrund seiner Disziplin und seiner Fähigkeit, ein multinationales Heer über Jahre loyal zu führen.
Warum spielt der "Vorwurf der Geldgier" eine Sonderrolle bei Polybios?
Im Gegensatz zur Grausamkeit, gegen die Polybios Hannibal energisch verteidigt, zeigt sich der Autor beim Vorwurf der Geldgier distanzierter und neigt dazu, diesen teilweise zu bestätigen.
Welchen Einfluss hatte der Rhetorik-Unterricht auf das Hannibal-Bild?
Laut der Arbeit förderte der Rhetorik-Unterricht in Rom ein negatives Klischee, in dem Hannibal als "Schulbeispiel" für die Treulosigkeit der Karthager herhalten musste.
Wie unterscheidet sich die Darstellung von Livius im Vergleich zu Polybios?
Während Polybios eine wissenschaftliche Analyse anstrebte, verfolgte Livius zwei Jahrhunderte später einen stärker künstlerischen und patriotisch gefärbten Ansatz, um die römische Vergangenheit zu dramatisieren.
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- Christina Gieseler (Author), 2007, Hannibal als Persönlichkeit - Analyse der Quellen des Polybios IX 22-26 und XI 19, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148698