Die Hausarbeit untersucht die deutsche Demokratie auf eine mögliche Repräsentationskrise hin, basierend auf dem Konzept der deskriptiven Repräsentation nach Hanna Pitkin. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass vor allem gebildete Männer im Bundestag repräsentiert werden. Die zentrale Frage lautet, ob und inwiefern diese einseitige Repräsentation problematisch ist. Die Ergebnisse der theoretischen und empirischen Untersuchung werden abschließend im Kontext der These reflektiert, dass in der BRD vorwiegend gebildete Männer repräsentiert werden. Ziel ist es, die Frage nach einer Repräsentationskrise in der deutschen Demokratie zu erörtern und mögliche Implikationen zu diskutieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung – Demokratie und Repräsentation
2. Pitkins Repräsentationskonzept
2.1 Grundlegendes zu Hanna Pitkin und Ihrem Werk
2.2 Dimensionen der Repräsentation exklusiv der deskriptiven
2.3 Die deskriptive „Stand-For-Repräsentation“
3. Die deskriptive „Stand-For-Repräsentation“ im Bundestag – Empirie
3.1 Weibliche Abgeordnete im Bundestag
3.2 Schulbildung im Bundestag
3.3 Prämissen der Daten
3.4 Synthese der Daten
4. Die „Repräsentationskrise“ der BRD?
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage, ob sich die Bundesrepublik Deutschland in einer sogenannten "Repräsentationskrise" befindet, indem sie die Zusammensetzung des Bundestages anhand des Konzepts der deskriptiven Repräsentation nach Hanna Pitkin analysiert. Das zentrale Ziel ist es, theoriegeleitet zu prüfen, ob die empirische Realität – insbesondere die Dominanz gebildeter Männer im Parlament – ein Problem für das Verständnis demokratischer Repräsentation darstellt und welche Schlussfolgerungen sich daraus ableiten lassen.
- Analyse des Repräsentationskonzepts von Hanna Pitkin
- Methodik der deskriptiven „Stand-For-Repräsentation“
- Empirische Untersuchung der Abgeordnetenstruktur nach Geschlecht und Bildung
- Synthese von Theorie und empirischen Daten
- Reflexion des Begriffs der „Repräsentationskrise“
Auszug aus dem Buch
2.3 Die deskriptive „Stand-For-Repräsentation“
Die deskriptive „Stand-For-Repräsentation“ stellt nicht die Frage, wie Repräsentierende handeln, sondern wie Repräsentierende sein sollen (Pitkin 1972: 60-61). Berühmte Vertreter sind neben John Adams und James Wilson, Thomas Hare sowie J.S. Mill (Pitkin 1972: 61; 63). Um die Idee der deskriptiven Repräsentation zu verdeutlichen, arbeitet Pitkin sich an (vermeintlich) passenden Metaphern ab. Beispiele wären Portraits oder Karten mit gleicher Proportionalität (Pitkin 1972: 62). Beide verdeutlichen die Idee des nicht-identischen Abbildes, da sowohl eine Karte als auch ein Portrait niemals wie das zu zeichnende Urbild sein können (Pitkin 1972: 67; 71). Daher sollte die idealistische Absicht der Identifikation, nicht das tatsächliche Ergebnis betrachtet werden (Pitkin 1972: 67). Es ist das Zusammenspiel von Distanz und Korrespondenz, das eine deskriptive Repräsentation fordert, weil sie ansonsten nicht re-präsentiert, sondern substituiert (Pitkin 1972: 67; Plotke 1997: 27). Pitkin findet in Bezug auf die deskriptive „Stand-For-Repräsentation“ dezidiert die Metapher der Spiegelung treffend, da der Spiegel – wenn er sauber und ohne Risse ist – eine Veränderung simultan darstellen kann (Pitkin 1972: 72).
Jedoch wird auch hier die berechtigte Frage gestellt, ob dies überhaupt noch eine Re-präsentation oder eine bloße Präsentation ist. Passender scheint mir – der Linguistik folgend – die Analogie des Piktogramms im Gegensatz zum Logogramm. Sowohl Piktogramme als auch Logogramme gehören dem semasiographischen Schriftsystem an. Das bedeutet, dass bestimmte Zeichen direkt auf die Bedeutung eines Dings verweisen. Der Unterschied innerhalb des Typus liegt einzig darin, dass Piktogramme nicht konventionalisiert sind, sondern ein direktes Abbild des Dings darstellen. In dieser Eigenschaft ähnelt das Zeichen dem Ding, ohne mit ihm identisch zu sein. Logogramme hingegen sind konventionalisiert und weichen vom Urbild des zu bezeichnenden Dings ab – sie sind bloß visuelle Schemata (Dürrscheid 2002: 72). Wenn wir dies auf die Dimension der „Stand-For-Repräsentation“ übertragen, scheint mir die Unterscheidung auch auf die Differenz zwischen der symbolischen und deskriptiven Repräsentation zutreffend zu sein. Während die deskriptive Repräsentation in ihrem Wesen dem Piktogramm gleicht, ähnelt die symbolische Repräsentation den Logogrammen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung – Demokratie und Repräsentation: Die Einleitung führt in das grundlegende Spannungsfeld zwischen Demokratie und Repräsentation ein und formuliert die Leitfrage nach dem Vorliegen einer Repräsentationskrise in der BRD durch die Analyse der Zusammensetzung des Bundestages.
2. Pitkins Repräsentationskonzept: Dieses Kapitel erläutert das theoretische Fundament von Hanna Pitkin zur Repräsentation, wobei insbesondere die verschiedenen Dimensionen wie Autorisation, Verantwortung und die deskriptive Repräsentation differenziert werden.
3. Die deskriptive „Stand-For-Repräsentation“ im Bundestag – Empirie: Hier wird der theoretische Rahmen auf die empirische Zusammensetzung des Bundestages angewandt, wobei geschlechterspezifische Daten und der Bildungsgrad der Abgeordneten untersucht werden.
4. Die „Repräsentationskrise“ der BRD?: In diesem Kapitel reflektiert der Autor die empirischen Ergebnisse vor dem Hintergrund der sozioökonomischen Dominanz, um die These einer Repräsentationskrise im Kontext des Machtbegriffs und kulturellen Kapitals zu diskutieren.
5. Resümee: Das Resümee fasst die zentrale Erkenntnis zusammen, dass deskriptive Repräsentation zwar nicht notwendigerweise, aber in hilfreicher Weise zu einer fairen Teilhabe beiträgt und die Krise im Kontext der vorhandenen sozialen Ungleichheiten zu betrachten ist.
Schlüsselwörter
Repräsentation, Bundestag, Hanna Pitkin, deskriptive Repräsentation, Repräsentationskrise, Bourdieu, Kapital, Abgeordnete, Demokratie, Parlamentarismus, Geschlecht, Bildung, sozioökonomischer Status, Stand-For-Repräsentation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Qualität demokratischer Repräsentation in der Bundesrepublik Deutschland, insbesondere unter dem Aspekt der deskriptiven Zusammensetzung des Bundestages.
Welche zentralen Themenfelder sind Gegenstand der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die Demokratietheorie – konkret das Konzept von Hanna Pitkin –, die empirische Sozialforschung zur Zusammensetzung des Bundestages und soziologische Ansätze zur Machtverteilung, etwa nach Pierre Bourdieu.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob eine "Repräsentationskrise" vorliegt, wenn bestimmte Bevölkerungsgruppen – konkret gebildete Männer – im Parlament überproportional vertreten sind.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine theoriegeleitete Analyse angewendet, die eine linguistisch fundierte Konzepterarbeitung mit einer quantitativen Untersuchung parlamentarischer Daten kombiniert.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit Pitkins Repräsentationsbegriff und die anschließende empirische Auswertung und Synthese der Abgeordnetendaten nach Geschlecht und Bildungsabschluss.
Welche Schlüsselbegriffe prägen das Verständnis der Arbeit?
Wichtige Begriffe sind deskriptive Repräsentation, sozioökonomischer Habitus, kulturelles Kapital und das Piktogramm als Metapher für die Repräsentation.
Inwiefern beeinflusst der Bildungsgrad der Abgeordneten laut Autor die Repräsentation?
Der Autor argumentiert, dass der Bildungsgrad als Indikator für kulturelles Kapital und den sozioökonomischen Status fungiert, was die Dominanz einer bestimmten Herkunftsgruppe innerhalb des Bundestages stützt.
Welche Lösungsvorschläge werden für eine fairere Repräsentation diskutiert?
Es wird erörtert, dass, da eine Änderung der Repräsentationsstruktur innerhalb des politischen Systems kurzfristig schwierig ist, Verfahren wie eine zufallsbasierte Auswahl von Abgeordneten oder die Einrichtung eines "Volksparlaments" als Optionen dienen könnten.
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- Alper Demir (Author), 2020, Die deutsche Demokratie in einer Repräsentationskrise?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1490693